Die Unbekannte (2006)
| Produktionsland | Italien, Frankreich |
|---|---|
| Originalsprache | Italienisch |
| Erscheinungsjahr | 2006 |
| Länge | 121 Minuten |
| Altersfreigabe |
</ref> |
| Stab | |
| Regie | Giuseppe Tornatore |
| Drehbuch | Giuseppe Tornatore |
| Produktion | Laura Fattori |
| Musik | Ennio Morricone |
| Kamera | Fabio Zamarion |
| Schnitt | Massimo Quaglia |
| Besetzung | |
| |
Die Unbekannte ist ein italienisch-französischer Spielfilm des Regisseurs Giuseppe Tornatore aus dem Jahre 2006. Der Film startete am 22. Mai 2008 in den deutschen Kinos.
Handlung
Die Mittdreissigerin Irena kommt aus der Ukraine und lebt in Italien. Die stille Frau wird immer wieder von Angsterinnerungen aus ihrer Vergangenheit gequält. In einer norditalienischen Stadt mietet sie eine Wohnung gegenüber einem Haus, für das sie besonderes Interesse zeigt. Sie bemüht sich dort um eine Stelle als Putzfrau und sucht die Nähe zu der Haushälterin Gina, die für die Familie Adacher arbeitet. Die Adachers leben in einer großen Wohnung mit ihrer kleinen Tochter Tea. Irena stiehlt Gina die Wohnungsschlüssel und dringt nachts in die Wohnung ein. Schließlich stößt sie Gina die Flurtreppe hinunter, um Ginas nun freigewordene Haushälterinstelle zu bekommen. Von Frau Adacher tatsächlich eingestellt, führt sie den Haushalt und kümmert sich um das Kind. Häufig besucht sie Gina im Pflegeheim. Der kleinen Tea bringt sie bei, sich gegen die Pöbeleien ihrer Mitschüler zu wehren. Allmählich stellt sich herausr, dass Irena selbst Opfer eines Verbrechers war.
Als Frau Adacher umgebracht wird, verhaftet man Irena als dringend tatverdächtig. Ihre Erklärungen nimmt man ihr nicht ab: Der skrupellose Frauenhändler Muffa habe sie als Prostituierte missbraucht und wiederholt zu Schwangerschaften gezwungen. Irena musste Kinder austragen, die Muffa ihr nach der Geburt wegnahm und zur Adoption in fremde Hände verkauft. Irena glaubt, dass Tea ihre jüngste Tochter ist. Ein Gentest widerlegt dies, und sie sitzt eine langjährige Strafe ab. An ihrem Entlassungstag erscheint Tea vor dem Gefängnis.
Kritisches Echo
Mehrere Rezensenten stellten fest, Tornatore habe mit der Unbekannten den weitestmöglichen Abstand zu seinem Erfolgsfilm Cinema Paradiso (1988) gesucht,<ref name="Welt">Thomas Abeltshauser: Eine Frau sieht rot In: Die Welt, 22. Mai 2008, S. 29</ref><ref name="epdFilm">Gerhard Midding: Die Unbekannte In: epd Film Nr. 6/2008, S. 46–47</ref><ref name="Tagesspiegel">Martin Schwickert: Stille Tage in Triest In: Der Tagesspiegel, 22. Mai 2008, S. 31</ref> was ein „interessanter Stilwechsel“ von melancholischer Poesie zu verunsichernden Gewaltausbrüchen sei.<ref name="GA_Bonn">Charlotte Becker: Eine Frau mit Geheimnis In: General-Anzeiger (Bonn), 10. Juli 2008, S. 28</ref> Dabei waren sich die Kritiker bei fast jedem Aspekt des Films in ihrem Urteil uneinig.
Einige hielten ihn für einen „dichten, geschickt erzählten Psycho-Thriller“,<ref name="filmdienst">Felicitas Kleiner: Die Unbekannte In: film-dienst Nr. 11 / 2008, S. 26–27</ref> der wegen der Paarung von hoher Kunst und roher Gewalt wirksam schlafraubend sei,<ref name="Tagesspiegel" /> eine geschickte Inszenierung eines Nervenkitzels in der Art Hitchcocks.<ref name="GA_Bonn" /><ref name="StuttgarterZeitung" /> Tornatore erweise sich als kundig im Giallo und versuche das frauenfeindliche Genre durch Irenas Kampf um Selbstbestimmung zu adeln,<ref name="epdFilm" /> es gelinge ihm ein eindringliches Frauenporträt.<ref name="filmdienst" /> Erkannte noch ein Kritiker einen sozialkritischen Blick auf eine Gesellschaft, die Menschen als billige Ressource behandelt,<ref name="StuttgarterZeitung">Thomas Klingenmaier: Eine Putzfrau mit Plänen In: Stuttgarter Zeitung, 24. Mai 2008, S. 34</ref> bedauerten andere, dass der Film die sozialen Ausbeutungsstrukturen nur sehr vage darstelle,<ref name="filmdienst" /> die Handlung sich in einem von der Gegenwart losgelösten Raum abspiele und über einige Strecken spürbar langweile.<ref name="GA_Bonn" /> Der „erschreckend oberflächliche“ Film behandle das Thema Menschenhandel wie ein „Edel-Pinup“.<ref name="FrankfurterRundschau">Frankfurter Rundschau, 21. Mai 2008, S. 36: Die Unbekannte</ref> Mal war von einem reizvollen Puzzlespiel die Rede<ref name="Welt" /> und von einem guten, überzeugenden Drehbuch,<ref name="filmdienst" /> ein anderes Mal von einem Drehbuch mit Ungereimtheiten<ref name="epdFilm" /> und einem unglaubwürdigen Ende.<ref name="StuttgarterZeitung" /> Tornatore biete eine abstruse Handlung und „mit dieser kruden Mischung aus Rachethriller, Sozialdrama über Menschenhandel und Porträt einer Frau auf der Suche nach Erlösung hat er sich ziemlich im Ton vergriffen.“<ref name="Welt" />
Zur Hauptdarstellerin hieß es, sie sei glaubwürdig,<ref name="Welt" /> großartig und nehme das Publikum emotional gefangen.<ref name="filmdienst" /> Michele Placidos Darbietung wurde als bemerkenswert<ref name="filmdienst" /> oder klischeehaft beschrieben.<ref name="Welt" /> Lobten manche Kritiker die geschickte Kameraarbeit,<ref name="filmdienst" /> die „erlesene visuelle Opulenz“<ref name="GA_Bonn" /> und die „düster-kalte Fotografie“,<ref name="Welt" /> taten andere den Film als kunstfertig konstruiert und formal überambitioniert ab.<ref name="Tagesspiegel" /> Ein Kritiker verteidigte die Darstellung der sexuellen Gewalt, sie sei explizit und reißerisch, aber nicht voyeuristisch,<ref name="Tagesspiegel" /> andere hielten die Rückblenden für schrill,<ref name="StuttgarterZeitung" /> „ebenso reißerisch wie voyeuristisch“, wodurch die Figuren noch einmal missbraucht würden.<ref name="Welt" /> „Es scheint ihm unvorstellbar, Frauenkörper nicht in das vorteilhafteste Licht zu rücken.“<ref name="epdFilm" /> Auseinanderfallende Einschätzungen auch zur Musik: Einigem Lob<ref name="filmdienst" /><ref name="Welt" /> stand die Meinung gegenüber, Komponist Ennio Morricone trage viel zu dick auf.<ref name="Tagesspiegel" /><ref name="StuttgarterZeitung" />
Auszeichnungen
Der Film gewann in Italien 2007 fünf David di Donatello in den Kategorien Bester italienischer Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin (Xenia Rappaport), Beste Musik und Beste Kamera. Hauptdarstellerin Xenia Rappaport wurde für den Europäischen Filmpreis 2007 nominiert, ebenso Giuseppe Tornatore für seine Regie und Fabio Zamarion für seine Kameraarbeit. Ausgezeichnet wurde er mit dem Publikumspreis des Europäischen Filmpreises.
Kritikenspiegel
Eher positiv
- film-dienst Nr. 11/2008, S. 26–27, von Felicitas Kleiner: Die Unbekannte
Gemischt
- epd Film Nr. 6/2008, S. 46–47, von Gerhard Midding: Die Unbekannte
- General-Anzeiger (Bonn), 10. Juli 2008, S. 28, von Charlotte Becker: Eine Frau mit Geheimnis
- Stuttgarter Zeitung, 24. Mai 2008, S. 34, von Thomas Klingenmaier: Eine Putzfrau mit Plänen
Eher negativ
- Der Tagesspiegel, 22. Mai 2008, S. 31, von Martin Schwickert: Stille Tage in Triest
- Die Welt, 22. Mai 2008, S. 29, von Thomas Abeltshauser: Eine Frau sieht rot
Negativ
- Frankfurter Rundschau, 21. Mai 2008, nicht gezeichnete Kurzkritik, S. 36: Die Unbekannte
Weblinks
- Vorlage:IMDb/1
- Die Unbekannte bei archiviodelcinemaitaliano.it (italienisch)
- Die Unbekannte bei unifrance.org
Einzelnachweise
<references />
Vorlage:Filmdaten Vorlage:Klappleiste/Anfang Der Professor | Cinema Paradiso | Allen geht’s gut | Eine reine Formalität | Der Mann, der die Sterne macht | Die Legende vom Ozeanpianisten | Der Zauber von Malèna | Die Unbekannte | Baarìa | The Best Offer – Das höchste Gebot | La corrispondenza Vorlage:Klappleiste/Ende