Die Söhne des Alls
Die Söhne des Alls ist ein utopischer Roman des Engländers Edmund Cooper, der 1960 auf Englisch unter dem Titel Seed of Light bei Ballantine Books<ref>Bibliography: Seed of Light. Isfdb.org, aufgerufen am 24. Juni 2010</ref> und auf Deutsch 1965 in der Übersetzung durch Wulf Bergner im Wilhelm-Heyne-Verlag<ref>Edmund Cooper: Die Söhne des Alls. Utopischer Roman. Deutsche Erstveröffentlichung. Heyne, München 1965, S. 4</ref> erschien.
Handlung
In einem Atomkrieg sind die entscheidenden städtischen Zentren der Welt ausradiert bzw. zu einem langsamen Tod verdammt<ref>Cooper 1965, S. 5–6</ref> und die Mondstation der USA zerstört worden<ref>Cooper 1965, S. 41</ref> sowie Russland nach einem liberalen Umschwung wieder in den Kommunismus zurückgefallen.<ref>Cooper 1965, S. 18</ref> Michael Spenser und die anderen mitwirkenden Fachkräfte sehen in den fünf Milliarden unterirdischen Kubikmetern von Base One in der australischen Wüste eine Zufluchtsstätte mit Schlafsälen, Werkstätten, Büros, Laboratorien und „Oberflächen-Kontrollgeräten“ heranwachsen, die ihnen für den Fall eines weiteren atomaren Krieges gedacht und womöglich nicht die einzige ihrer Art zu sein scheint.<ref>Cooper 1965, S. 39</ref> Der englische Premierminister Sir Charles Craig hat es unter dem Einfluss seines wissenschaftlichen Beraters Lord Drayton<ref>Cooper 1965, S. 6–7, 47</ref> als Erster geschafft, nach dem Rückschlag des Krieges mit Erfolg von Neuem den Start eines künstlichen Satelliten voranzutreiben,<ref>Cooper 1965, S. 38</ref> und ruft über das Fernsehen dazu auf, den Trabanten der Kontrolle eines internationalen Gremiums zu unterstellen, um mit seiner Hilfe den Frieden zu sichern.<ref>Cooper 1965, S. 30–32</ref> Auch unter dem amerikanischen Präsidenten Hudson und dem Ersten Sekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, Boris Marienkow, gehen aber zügig weitere Satelliten ihrer Fertigstellung entgegen.<ref>Cooper 1965, S. 56, 73</ref> Professor Dennis Bollinden, der Schöpfer des Satelliten<ref>Cooper 1965, S. 47</ref> und Vater von Spensers großer Liebe Mary Bollinden, kommt mit seinem österreichischen Kollegen Dr. Otto Rehn zu der Überzeugung, dass das Wettrennen, wie schon das letzte Mal, so auch diesmal wieder einen alles vernichtenden Weltkrieg heraufführen müsse.<ref>Cooper 1965, S. 45, 56</ref> Tatsächlich wird die Erde jetzt durch einen Weltkrieg dauerhaft verseucht,<ref>Cooper 1965, S. 73, 75, 76</ref> nachdem Bollinden von dem Satelliten aus gedroht hat, das englische Versuchsgelände Rocket City und die entsprechenden Anlagen der Russen und der Amerikaner zu zerstören,<ref>Cooper 1965, S. 62</ref> woraufhin der strategisch in gewissen Einzelheiten anders denkende Rehn ihn erschossen<ref>Cooper 1965, S. 71</ref> und der Satellit schließlich in einer detonierenden amerikanischen Atombombe zu existieren aufgehört hat.<ref>Cooper 1965, S. 72, 73</ref>
In wenigen,<ref>Cooper 1965, S. 74</ref> durch Plastikkuppeln<ref>Cooper 1965, S. 85</ref> geschützten Städten entfalten sich Anarchie und gewaltsamer Umsturz,<ref>Cooper 1965, S. 74</ref> während der Instinkt für die Erhaltung der Rasse<ref>Cooper 1965, S. 146</ref> die Menschen dazu bringt, Raumschiffe zu bauen und ausgewählte<ref>Cooper 1965, S. 74, 78</ref> Leute mit ihnen ins Weltall hinauszusenden. Die Stadt Europa III bestimmt dazu den Astrophysiker und Soziologen Newton, den Chemiker und Geologen Lavoisier, den Chirurgen, praktischen Arzt und Psychiater Jung, den Biologen Rilke und den Elektroingenieur Sokrates sowie deren Partnerinnen, die Biologin und Ökologin Roma, die Hydroponikerin und Pädagogin Troja, die Anthropologin und Historikerin Vienna, die Bibliothekarin und Fotografin Alexandria und die Ernährungswissenschaftlerin Athene, die alle zwischen dreiundzwanzig und einunddreißig Jahre alt sind.<ref>Cooper 1965, S. 79–80</ref>
Als sich in der Stadt Panik ankündigt<ref>Cooper 1965, S. 80</ref> und ein Sturm auf das Raumschiff losbricht,<ref>Cooper 1965, S. 83–84</ref> startet die Solarian früher als vorgesehen durch die Kuppel hindurch, so dass Europa III physisch und sozial noch schneller zugrunde gehen muss.<ref>Cooper 1965, S. 81, 85</ref> Die Besatzung praktiziert bei sich selbst bzw. ihren Kindern freiwillige bzw. unfreiwillige Euthanasie.<ref>Cooper 1965, S. 88, 98–99</ref> Die zwischenmenschlichen Verhältnisse an Bord rücken für sie mehr und mehr in den Vordergrund.<ref>Cooper 1965, S. 103</ref> Sokrates ermordet Rilke,<ref>Cooper 1965, S. 104</ref> der sich in Athene verliebt hat,<ref>Cooper 1965, S. 94–96, 103</ref> tarnt den Tod des Gesellen als einen Unfall<ref>Cooper 1965, S. 99</ref> und wird bei dem Versuch, auch Jung beiseitezuschaffen, durch diesen in einer überwirklichen Szene hypnotisiert und geläutert.<ref>Cooper 1965, S. 105–108</ref> Hinterbliebene unterschiedlichen Geschlechts entdecken ihre Liebe zueinander.<ref>Cooper 1965, S. 99–102</ref> Der Tod tritt (bei Sokrates und anderen auch als Selbstmord<ref>Cooper 1965, S. 109, 121</ref>) herein, wenn man psychisch seine Kräfte verbraucht hat,<ref>Cooper 1965, S. 109</ref> namentlich, als man nach neunzehneinhalb Jahren<ref>Cooper 1965, S. 109</ref> Fluges feststellt, dass Alpha Centauri kein Planetensystem besitzt,<ref>Cooper 1965, S. 110, 111–112</ref> und in späteren ähnlichen enttäuschenden Momenten.<ref>Cooper 1965, S. 121–122</ref>
In der dritten Generation der Raumfahrer entpuppen sich Odessa, Granada und Kepler als natürliche Telepathen,<ref>Cooper 1965, S. 112–114</ref> denen später weitere folgen werden.<ref>Cooper 1965, S. 127</ref> Die drei können nichts voreinander verbergen<ref>Cooper 1965, S. 128</ref> und gehen eine Ménage à trois ein,<ref>Cooper 1965, S. 114</ref> die vor allem im Geiste gründet.<ref>Cooper 1965, S. 127</ref> Kepler erschließt aus dem präkognitiven Gedächtnis<ref>Cooper 1965, S. 116</ref> des neuen Expeditionsleiters Faraday im Voraus eine schattenhafte Gefahr, die bei Sirius umkreisenden Planeten lauere und letztlich wirklich den Tod von sieben Angehörigen der zweiten Generation fordert.<ref>Cooper 1965, S. 116–120</ref> Kepler verinnerlicht, dass er nicht Vorherbestimmtes, sondern nur Mögliches voraussehe,<ref>Cooper 1965, S. 129</ref> stirbt aber wie Odessa und Granada bei einer von ihm so genannten multiplen Katheterisierung,<ref>Cooper 1965, S. 128</ref> die ihn über die Psyche eines neugeborenen Mädchens und von dessen erst in der Zukunft lebender Tochter unter anderem schauen lässt, wie die Leute von der Solarian in der mittlerweile unbewohnbaren Zwielichtzone eines gebunden um Prokyon rotierenden Planeten durch die 60.000 Jahre alten Ruinen zweier in einem Atomkrieg untergegangener Städte stapfen.<ref>Cooper 1965, S. 127–138</ref> Während fast tausend Jahren, vierzig Generationen und dreißig Wechseln der Solarian von Stern zu Stern<ref>Cooper 1965, S. 122</ref> erwächst aus der Erinnerung an die früheren Generationen ein umfassender Sagenhimmel;<ref>Cooper 1965, S. 122–127</ref> die filmisch dokumentierte Erde wird ein Gegenstand fast religiösen Charakters.<ref>Cooper 1965, S. 122</ref>
Nachdem die 25. Generation sich für mehrere Jahrzehnte stoisch ganz der inneren Einkehr hingegeben hat,<ref>Cooper 1965, S. 123, 139</ref> steigert man daraufhin in einem diesseitig gerichteten Erwachen<ref>Cooper 1965, S. 139</ref> durch Diät und Konzentration die Lebenserwartung um eine wenn auch sterile Reihe ganzer Jahrhunderte, wodurch die jetzt verfüglichen so genannten Unsterblichen und namentlich der Unsterbliche Thales es bewerkstelligen, die Solarian für ein Untertauchen im Raum gemäß der allgemeinen Bewegungslehre des Angehörigen der 27. Generation Kopernikus mit einem sog. Selektivkosmometer auszustatten.<ref>Cooper 1965, S. 139–142</ref> Dieses Gerät verpflanzt – wie man es programmiert hat – die Solarian in die zeitliche und räumliche Nähe der durch es bestimmten Welt mit der besten Ausgangslage für das Heranreifen menschlicher Lebewesen, in der Thales rasch die Erde der mittleren Würm-Eiszeit erkennt.<ref>Cooper 1965, S. 142–147</ref> Die aus Raum und Zeit Heranreisenden entschließen sich, nicht etwa noch einen weiteren Sprung durch Raum und Zeit zu unternehmen, sondern die vorgeschichtlichen Bewohner der Erde im Namen ihrer eigenen Ahnherren von Europa III auf dem Weg in eine friedliche Zukunft zu unterstützen, ohne sich dabei vorschnell mit moderner Technik in das Geschehen einzuschalten, und tritt in Eurasien den dort durch die Wälder Gehenden und Speere nach ihnen Werfenden in nachsichtigem Geiste und nur mit Pfeil und Bogen bewaffnet entgegen, während die Angehörigen einer anderen, kinnlosen Rasse zunächst noch für längere Zeit allein durch den Anblick des schlanken, über die Baumwipfel hinausragenden Raumschiffes so sehr in Angst geraten, dass sie sofort die Flucht ergreifen.<ref>Cooper 1965, S. 147–157</ref>
Rolle innerhalb von Coopers Gesamtwerk
Gary K. Wolfe sieht Die Söhne des Alls dadurch verblassen, dass es mit dem Motiv des Generationen-langen Sternenfluges einen Gegenstand hat, der von anderen Autoren schon vorher intensiv gestaltet worden ist.<ref>Gary K. Wolfe: Cooper, Edmund. In: Jay P. Pederson: St. James Guide to Science Fiction Writers. 4. Auflage. St. James Press, New York u. a. 1996, S. 206–208; S. 207</ref> Der Roman wird aber als Coopers bestes Werk gehandelt.<ref>Hans Joachim Alpers u. a.: Reclams Science Fiction Führer. Reclam-Verlag, Stuttgart 1982, S. 106</ref>
Einzelnachweise
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