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Die Heilung durch den Geist

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Die Heilung durch den Geist ist eine 1931 erschienene Trilogie von Stefan Zweig. Sie umfasst die Biographien dreier Persönlichkeiten, die sich mit dem Verhältnis von Gesundheit und Krankheit zu Geist und Religion auseinandergesetzt haben: Franz Anton Mesmer, Mary Baker-Eddy und Sigmund Freud. Zweig begann die Arbeit an den Texten 1930 während einer Italienreise und schloss sie im Laufe des Jahres in Hamburg ab.<ref name="Prater">D. A. Prater: European of Yesterday – A Biography of Stefan Zweig. Clarendon Press, Oxford 1972, S. 187 f.</ref> Er widmete das Werk dem Physiker Albert Einstein.

Inhalt

Ähnlich wie in seinen drei Jahre zuvor erschienenen Sternstunden der Menschheit, die ursprünglich fünf Lebensbeschreibungen umfassten, geht es Zweig nicht um die Wiedergabe von Daten und historischen Analysen. Seine Darstellungen sind novellistisch zugespitzte Erzählungen, in deren Mittelpunkt jeweils eine biographisch überhöhte Person steht, die ihren Beitrag zu einem für die gesamte Menschheit grundlegenden Gebiet geleistet hat. Dennoch will der Autor nicht für eine der von ihm beschriebenen Personen und medizinischen Richtungen Partei ergreifen. Er schreibt in der Einleitung:

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Zweig gehörte neben Thomas Mann und Hermann Hesse zu den ersten deutschen Schriftstellern, die sich zu Freuds Lehren bekannten und sich in ihren eigenen Werken mit ihnen auseinandersetzten. Er selbst besuchte Sprechstunden bei Freud. In Die Heilung durch den Geist zielt er weniger darauf ab, Freuds Lehre darzustellen, sondern eher darauf, sie geistesgeschichtlich einzuordnen. Besonders positiv äußert er sich über ihren aufklärerischen Charakter.<ref>Arnold Bauer: Stefan Zweig. Morgenbuch, Berlin 1996, S. 55 f.</ref>

Schon früh in der Geschichte der Menschheit hatte der Gedanke an Heilung von Krankheiten etwas mit der Religion und dem Glauben an spirituelle Kräfte zu tun. Die Menschen glaubten an Götter und erwarteten sich Hilfe von den Priestern. Später jedoch fand man heraus, dass Heilung auch an Materielles geknüpft sein kann. Heilpflanzen halfen dem Menschen bei allen möglichen Erkrankungen.

Die Zeit der Aufklärung hatte zwar große Fortschritte auf dem Gebiet der Medizin gebracht, seelisch bedingten Erkrankungen stand man aber auch im 18. Jahrhundert hilflos gegenüber. Franz Anton Mesmer kam nach Wien, um an den neuesten medizinischen Erkenntnissen teilzuhaben und wurde Schüler des Leibarztes von Maria Theresia, Gerard van Swieten. Durch seine Versuche mit Magnetsteinen, später durch die Anwendung von Suggestionskraft, konnte er vielfach die Selbstheilungskräfte der Menschen aktivieren. Ein Weg zur Heilung durch den Geist war gefunden.

Die Amerikanerin Mary Baker-Eddy glaubte, dass man jede Krankheit überwinden kann, wenn man sie nur begreift. Sie entwickelte daraus in den folgenden Jahren ihre Theologie der Christian Science und veröffentlichte 1875 ihr Hauptwerk Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift. Zweig zeigt sich offen für ihre Ideen, steht ihr jedoch nicht unkritisch gegenüber. So merkt er an, dass Glaube und Geschäft offensichtlich gut zusammenpassen.<ref name="Strelka">Joseph Strelka: Stefan Zweig – Freier Geist der Menschlichkeit. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1981, S. 73 f.</ref>

Stefan Zweig will mit diesem Buch keine wissenschaftliche Studie darlegen, sondern die Möglichkeiten geistig-seelischer Heilung veranschaulichen.

Rezeption

Bei der Kritik kam das Buch nur teilweise gut an. Sigmund Freud lobte den Mesmer-Essay, fand Mary Baker-Eddy jedoch bei weitem zu vorteilhaft dargestellt. Grundsätzlich gefiel es ihm wohl weniger, „in Gesellschaft von Mesmer und Mary Eddy Baker vor die Öffentlichkeit“ gebracht zu werden. Immerhin gab er seiner „Befriedigung Ausdruck“, dass Zweig „das Wichtigste an meinem Fall richtig erkannt“ habe, auch wenn er „das kleinbürgerlich korrekte Element an mir allzu ausschließlich“ betone. „Ich weiß von der Kleinkunst her daß das Format den Künstler zu Vereinfachungen und Weglassungen nötigt, aber dann entsteht leicht ein falsches Bild … Ich gehe wahrscheinlich nicht irre in der Annahme, daß Ihnen der Inhalt der psa. Lehre bis zur Abfassung des Buches fremd war. Umso mehr Anerkennung verdient es, daß Sie sich seither soviel zu eigen gemacht haben.“<ref>Brief Sigmund Freuds an Stefan Zweig vom 7. Februar 1931 projekt-gutenberg.org; Thomas Anz: Verwirrung der Gefühle. Stefan Zweig und Sigmund Freud. literaturkritik.de</ref>

Rezensenten des Bandes lobten gerade die distanzierte Zurückhaltung Zweigs gegenüber der Psychoanalyse. In der Zweig-Forschung wird der Freud-Essay teilweise als eine Form der Selbstanalyse rezipiert.<ref name="Prater" /><ref name="Strelka" />

Zu den Ausgaben

Vorbemerkungen

Die in Leinen gebundene und mit einem recht einfach, rein textlich gestalteten Schutzumschlag versehene Erstausgabe erschien Anfang Februar 1931 im Leipziger Insel Verlag in einer Auflage von 20. Tsd. Exemplaren. Walter Tiemann hatte einen ersten Einbandentwurf geliefert, der jedoch Zweig nicht zugesagt hatte, so dass er selbst in einem Brief vom Januar 1931 an den Verleger Kippenberg Skizzen zur Gestaltung lieferte.<ref>Anton Kippenberg, Stefan Zweig: Briefwechsel 1905–1937. Insel Verlag, Berlin 2022, S. 626 f.</ref> Diese wurden aber nur teilweise von Tiemann umgesetzt, so dass der gelbe Buchdeckel schließlich ein an den Äskulapstab angelehntes Schlangensymbol trug und der schwarze Buchrücken die Titelei. Das Buch wurde nach Erscheinen laut Ankündigungen des Börsenblatts in mehreren Radiosendungen besprochen, so von Herbert Bahlinger (Schlesische Funkstunde am 21. April 1931)<ref>Herbert Bahlinger: Frei durch den Geist. Börsenblatt Nr. 89, Umschlag (Digitalisat der SLUB).</ref> oder Walter Gizewski (Westdeutscher Rundfunk am 3. Juni 1931)<ref>Walter Gizewski: Gedanken zur Zeit – Gedanken der Zeit. Börsenblatt Nr. 122 vom 30. Mai 1931, Umschlag (Digitalisat der SLUB).</ref>. Im Folgejahr wurde das in diesem Verlag abschließende 25. Tsd. erreicht, wobei die Schlange auf dem Einband durch den Buchtitel ersetzt wurde.
Nach der durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten erzwungenen Trennung des Insel Verlags von Stefan Zweig Ende 1934, dessen Werke im nationalsozialistischen Deutschland zunächst nicht mehr erwünscht und ab 1. März 1936 auch nicht mehr geduldet waren, wurde das Buch mit einer weiteren Ausgabe 1936 erneut publiziert, nun im Herbert Reichner Verlag mit Hauptsitz in Wien (bis 1938).

Erst 1952, im Jahr des 10. Todestages des Autors, erschien dann die nächste Ausgabe der „Heilung durch den Geist“ im S. Fischer Verlag, der aufgrund der politischen Entwicklung in Deutschland ab 1933 bzw. in Österreich ab 1938 das Werk von Stefan Zweig in seiner Exilzeit ab 1938 verlegerisch betreut hatte (damals: Bermann-Fischer Verlag). Von diesem Verlagshaus wurden dann verschiedene weitere Ausgaben bis in die jüngere Zeit veranstaltet, darunter auch Taschenbuchausgaben. Dagegen erschien das Werk wegen seiner Thematik im Gegensatz zu vielen anderen von Zweig nicht in der DDR.
Seit dem Eintritt der Gemeinfreiheit des Gesamtwerks von Stefan Zweig mit Ablauf des Jahres 2012 kommt es immer wieder zu neuen Ausgaben auch in anderen Verlagen.

Von dem Werk liegen Übersetzungen in mehrere europäische Sprachen, unter anderen ins Englische, Spanische und Französische, aber auch ins Dänische, Griechische, Niederländische oder Polnische vor.

Ausgaben (Auswahl)
  • Die Heilung durch den Geist. Mesmer, Mary Baker-Eddy, Freud. Insel Verlag, Leipzig 1931 (1932: 21.–25. Tsd.).
  • Die Heilung durch den Geist. Mesmer, Mary Baker-Eddy, Freud. Herbert Reichner Verlag, Wien-Leipzig-Zürich 1936.
  • Die Heilung durch den Geist. Mesmer, Mary Baker-Eddy, Freud. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1952 (11.–14. Tsd. 1966).
  • Die Heilung durch den Geist. Mesmer, Mary Baker-Eddy, Freud. S. Fischer, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-10-097052-7. (= Gesammelte Werke in Einzelbänden, 12).

Weblinks

Literatur

  • Anton Kippenberg, Stefan Zweig: Briefwechsel 1905–1937. Insel Verlag, Berlin 2022, ISBN 978-3-458-17551-3
  • Heinz Sarkowski: Der Insel Verlag. Eine Bibliographie 1899–1969. Insel, Frankfurt am Main 1970 (2. Auflage, Frankfurt am Main und Leipzig 1999, ISBN 3-458-15611-9).
  • Heinz Sarkowski: Der Insel-Verlag 1899–1999. Die Geschichte des Verlags. (Chronik 1965–1999 von Wolfgang Jeske. Eingeleitet von Siegfried Unseld). Insel, Frankfurt am Main/Leipzig 1999, ISBN 3-458-16985-7.

Belege

<references />

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