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Dharani

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:11th-century Buddhist Pancaraksa manuscript of 8th-century original, Pali script, text on spells, benefits and goddess rituals.jpg
Manuskript aus dem 11. Jahrhundert eines buddhistischen Pali-Textes aus dem 8. Jahrhundert

Eine Dharani (skt. Dhāraṇī) ist ein Text mit magischer Bedeutung, der in meist symbolischer Weise die Essenz eines Gebetes oder einer heiligen Lehre enthält. Dharanis gibt es sowohl im Hinduismus als auch in den verschiedenen buddhistischen Schulen (insbesondere den esoterischen).

Wörtlich bedeutet es „das, wodurch etwas aufrechterhalten wird“<ref name="govinda">Anagarika Govinda; Grundlagen tibetischer Mystik; Zürich 1956 (Rascher), S. 22f.</ref> und bezeichnet oft buddhistische Sprechgesänge ohne logischen Sinnzusammenhang. Sie dienen zur Festigung des Geistes (skt. dharaṇa), einer durch Meditation gewonnenen Erkenntnis oder Schauung. Sie können sowohl die Quintessenz einer Lehre als auch das Erlebnis eines bestimmten Bewusstseinszustandes verkörpern. Sie unterscheiden sich in der Funktion nicht vom Mantra, sondern höchstens in ihrer Form, indem sie oftmals eine beträchtliche Länge erreichen. Sie sind in erster Linie ein Produkt oder Hilfsmittel der Meditation: „Durch Vertiefung (skt. samādhi) eignet man sich eine Wahrheit an, durch ein dhāraṇī fixiert und bewahrt man sie.“<ref name="govinda"/>

Die Rezitationen erfolgen in der Originalsprache, oft Sanskrit. Da sie nicht zur Belehrung oder Erbauung gelesen werden, sondern zur „Beschwörung“, ist es bedeutungslos, ob der Hörer oder der Rezitierende sie versteht. Zwar haben viele Dharanis durchaus auch eine wörtliche Bedeutung, aber auf diese kommt es nicht an.<ref>Vgl. z. B. den Text der Dharani vom großen Mitgefühl.</ref> Vereinzelt wurden Abschnitte übersetzt. Derartige sind im Japanischen als shōji bekannt.<ref>Tubielewicz, Jolanta; Superstitions, Magic and Mantic Practices in the Heian Period; Warschau 1980 [Diss.]</ref> Häufig wurden sie zum „Gesundbeten“ bei Krankheiten bzw. zu exorzistischen Zwecken eingesetzt.

Literatur

  • Braarvig, Jens (1985). Dhāraṇī and Pratibhāna: Memory and Eloquence of the Bodhisattvas, Journal of the International Association of Buddhist Studies 8 (1), 17-30 Digitalisat
  • Buswell, Robert Jr; Lopez, Donald S. Jr., eds. (2013). Princeton Dictionary of Buddhism. Princeton, NJ: Princeton University Press. pp. 241–242. ISBN 9780691157863
  • Davidson, Ronald M. (2009). Studies in Dhāraṇī Literature I: Revisiting the Meaning of the Term Dhāraṇī, Journal of Indian Philosophy 37, 97-147
  • Davidson, Ronald M. (2014). Studies in Dhāraṇī Literature II: Pragmatics of Dhāraṇīs, Bulletin of the School of Oriental and African Studies 77, 5-61
  • Swami Vivekananda: Yoga-Aphorismen des Patanjali, Rascher (Zürich) 1937
  • Hartmut Weiss: Die Quellen des Yoga. Klassische Texte der Körper- und Geistesschulung, Scherz 1986
  • McBride, Richard, D., Dharani and Spells in Medieval China, Journal of the International Association of Buddhist Studies 28 (1), 85-114, 2005 Digitalisat

Siehe auch

  • Das Zen-Glossar beschreibt bekannte Ausdrücke aus dem Zen sowie dem Chan und erläutert die, für das Verständnis der Zen–Philosophie wichtige, wechselseitige Abhängigkeit der Begriffe.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />