Deutsche Psychoanalytische Vereinigung
Die Deutsche Psychoanalytische Vereinigung (DPV) e. V. ist eine Zweig-Gesellschaft der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung. Sie wurde 1950 gegründet und widmet sich seither der Ausbildung und Forschung im Themenfeld der von Sigmund Freud begründeten Psychoanalyse.
Geschichte
Die Deutsche Psychoanalytische Vereinigung wurde am 10. Juni 1950 als Abspaltung von der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft (DPG) von Carl Müller-Braunschweig und fünf weiteren Psychoanalytikern (darunter Käthe Draeger, Ingeborg Kath und Gerhart Scheunert<ref>Ernst Klee: Deutsche Medizin im Dritten Reich. Karrieren vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-10-039310-4, S. 205.</ref>) gegründet. Dem ging voraus, dass die DPG, die sich im Jahr 1936 von der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (engl.= "International Psychoanalytic Association", IPA) gelöst hatte, beim Weltkongress der IPA nur als vorläufiges Mitglied wiederaufgenommen wurde.<ref name="DeutPsychGes">Geschichte der DGP auf der Website der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft, aufgerufen am 17. Februar 2026</ref> Die Anerkennung als IPA-Zweigvereinigung erhielt sie aber nicht. Diese Entscheidung der IPA basierte auf der Rolle der DPG während der Zeit des Dritten Reichs, in der die Gesellschaft dem "Göring-Institut" genannten Deutschen Institut für psychologische Forschung und Psychotherapie (benannt nach Matthias Heinrich Göring) angehört hatte. In der Folge hatte Ernest Jones, Präsident der IPA, Carl Müller-Braunschweig, seinerseits Präsident der DGP, dazu angeregt, eine neue Psychoanalytische Vereinigung zu begründen.<ref name="Nitzschke">Bernd Nitzschke: "Psychoanalyse und Nationalsozialismus: Verbot oder Anpassung? Bruch oder Kontinuität?" in Phase 2. Zeitschrift gegen die Realität, Nr. 41, aufgerufen am 17. Februar 2026</ref> 1951 wurde die DPV in Amsterdam von der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPV) einstimmig anstelle der DPG als deutsche Zweig-Gesellschaft der IPA anerkannt.
Ein Jahr nach der Gründung der Deutschen Psychoanalytische Vereinigung entstand in Berlin das Berliner Psychoanalytische Institut, das personalidentisch mit der Gesellschaft war und sich unter Leitung von Carl Müller-Braunschweig um eine Rückbesinnung auf Freud'sche Prinzipien bemühte.<ref name="Karl-Abraham-Institut">Geschichte des Karl-Abraham-Institutes auf der Website des Berliner Psychoanalytisches Instituts (Karl-Abraham-Institut), aufgerufen am 17. Februar 2026</ref> Das BPI war lange Jahre der Mittelpunkt der Ausbildungen der DPV. Es wurde nach dem Gründer Karl Abraham in Karl-Abraham-Institut umbenannt, um an die Tradition des Berliner Instituts vor 1925 anzuknüpfen. 1959 wurde in Frankfurt am Main das Sigmund-Freud-Institut als Ausbildungszentrum der DPV unter Alexander Mitscherlich gegründet. Es wurde unter Mitscherlichs Leitung zum bedeutendsten psychoanalytischen Ausbildungszentrum in Deutschland.<ref name="SigFreIns">Geschichte des Sigmund-Freud-Instituts auf der Website des Sigmund-Freud-Instituts, aufgerufen am 17. Februar 2026</ref> Es folgte der Aufbau von 12 weiteren Ausbildungseinrichtungen.
1977 beantragte die DPV beim internationalen Kongress der IPV, den Kongress von 1981 in Berlin auszurichten. Die Ablehnung dieses Antrags führte zu einem Reflexionsprozess hinsichtlich der Verstrickungen deutscher Analytiker zur Zeit des Nationalsozialismus. 1985 wurde die DPV Gastgeberin des 34. Kongresses der IPV in Hamburg. Eine begleitende Ausstellung zeigte Dokumente zur Psychoanalyse im Dritten Reich und rekonstruierte die Vernichtung psychoanalytischer Einrichtungen und die Ermordung von Psychoanalytikern in der Zeit des Nationalsozialismus und die von Widersprüchen gekennzeichnete Zeit seit ihrer Gründung. Auf dem 42. Internationalen Psychoanalytischen Kongress in Nizza wurde schließlich auch die DPG wieder in die IPA aufgenommen – als "Provisional Society of Council", also als zunächst nur beratendes Mitglied.<ref name="Nitzschke"/> Im Jahr 2009 erhielt sie auf dem Weltkongress in Chicago den Status als Zweig-Gesellschaft der IPA.<ref name="DeutPsychGes"/> Unter dem Thema „Erinnern, Wiederholen und Durcharbeiten in der Psychoanalyse und Kultur heute“ fand 2007 nach 85 Jahren unter großer internationaler Beteiligung der 45. Kongress der IPV wieder in Berlin statt und erlaubte in einzigartiger Weise die psychoanalytische Auseinandersetzung mit den Folgen von Nationalsozialismus und Holocaust.<ref>"45. Kongress der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung in Berlin", Meldung vom 25. Juli 2007 im Infoportal lifepr.de, aufgerufen am 17. Februar 2026</ref>
Vorsitzende
|
|
Ausbildungsinstitute
Zurzeit gibt es 14 DPV-Institute in Deutschland.<ref name="Karl-Abraham-Institut"/>
- Berlin 1950: Berliner Psychoanalytisches Institut (BPI) e. V. Karl-Abraham-Institut
- Hamburg 1959: Psychoanalytische Arbeitsgemeinschaft Hamburg (PAH) e. V. Michael Balint-Institut
- Hessen 1964: Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie e. V. (IPP) Gießen
- Baden-Württemberg 1965: Psychoanalytisches Seminar Freiburg (PSF) e. V.
- Baden-Württemberg 1968: Ulmer Psychoanalytisch-Psychotherapeutisches Institut (UPPI) e. V.
- Baden-Württemberg 1969: Institut für Psychoanalyse Psychoanalytische Arbeitsgemeinschaft Stuttgart/Tübingen (IfP) e. V.
- Nordrhein-Westfalen 1970: Psychoanalytische Arbeitsgemeinschaft Köln-Düsseldorf (PSA) e. V.
- Bayern 1973: Psychoanalytische Arbeitsgemeinschaft München (PAM) e. V.
- Bremen (seit 1974 in der DPV): Bremer Psychoanalytische Vereinigung (BPV) e. V.
- Hessen 1977: Alexander-Mitscherlich-Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie Kassel (AMI) e. V.
- Baden-Württemberg 1990: Psychoanalytisches Institut Heidelberg/Karlsruhe e. V.
- Hessen 1995: Frankfurter Psychoanalytisches Institut (FPI) e. V.
- Rheinland-Pfalz 2002: Mainzer Psychoanalytisches Institut (mpi)
- Sachsen 1990: Sächsisches Institut für Psychoanalyse e. V. (SPP)
Das 1959 gegründete Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt am Main ist seit 1995 eine Stiftung des öffentlichen Rechts, die sich ausschließlich der Forschung widmet.<ref name="SigFreIns"/> Die Ausbildungsfunktion wurde vom im gleichen Jahr gegründeten Frankfurter Psychoanalytischen Institut übernommen.
Weblinks
Fußnoten
<references responsive />