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Deutsche Minderheit in Tschechien

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Die deutsche Minderheit Tschechiens bezeichnet zwei Gruppen. Zum einen die sich zur deutschen Nationalität bekennende Gruppe tschechischer Staatsbürger und zum anderen die Gruppe der dauerhaft in der tschechischen Republik lebenden deutschen Staatsbürger.

Dieser Artikel behandelt insbesondere die Situation seit der Gründung der Tschechischen Republik 1993. Darüber hinausgehende historische Informationen finden sich in den Artikeln Sudetendeutsche, Deutschböhmen und Deutschmährer sowie Deutschschlesier, sowie Deutsch-tschechische Beziehungen.

Deutsche in Tschechien

Zur deutschen Nationalität bekannten sich bei der Volkszählung 2021 etwa 24.000 Menschen mit tschechischer Staatsbürgerschaft, was rund 0,2 Prozent der Gesamtbevölkerung von Tschechien umfasst.<ref name="landesecho">Tobias Eisch & Manuel Rommel: Volkszählung: Die deutsche Minderheit wächst. In: LandesEcho. 13. Januar 2022, abgerufen am 31. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Es handelt sich dabei überwiegend um Nachfahren der, nach der Vertreibung 1945 – 1948 und der Anschließenden kommunistischen Herrschaft, im Land verbliebenen Deutschböhmen und Deutschmährer. Weder die tschechische Regierung sieht diese Bevölkerungsgruppe als Sudetendeutsche, noch erklärt sich die Mehrheit der dortigen Deutschen als Angehörige dieser von politischen Vertretern häufig als historisch eingestuften Minderheit. So verwendet die Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik, als ihr Vertreter, die Bezeichnung „Deutsche in Tschechien“ bzw. „Čeští Němci“ (wörtlich: tschechische Deutsche).<ref>Team Deutsche in Tschechien, landesversammlung.cz</ref>

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die verbliebenen Deutschen in der damaligen Tschechoslowakei einem starken Anpassungsdruck unterworfen, so dass sich speziell jüngere Angehörige dieser Minderheit häufig der tschechischen Mehrheitsbevölkerung im Land assimilierten.

Bei der erstmaligen Möglichkeit die Zugehörigkeit zu mehr als einer Nationalität zu erklären, gaben bei der Volkszählung 2021 56 % der 24.190 Angehörigen der deutschen Minderheit an, auch der tschechischen Nationalität anzugehören. Dies führte auch zum ersten Mal seit 1945 dazu, dass die Zahl der Deutschen in Tschechien anstieg.<ref name="landesecho" />

Zum Vergleich, die deutsche Minderheit war vor dem Zweiten Weltkrieg mit einem Anteil von ungefähr 30 Prozent auf dem Gebiet des heutigen Tschechiens die bei weitem bedeutendste Minderheit. Bei der Volkszählung 1921 gaben 3,06 Millionen Menschen deutsch als Nationalität an, bei der Zählung 1930 waren es 3,23 Millionen.<ref>Das kluge Alphabet, Band 2, Propyläen Verlag, 1935, S. 350.</ref> Bei der ersten Erhebung nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1950 waren es, aufgrund der oben genannten Gründe, nur noch ca. 160.000 Deutsche auf dem Gebiete Tschechiens. Diese Zahl nahm danach beständig bis 2011 ab. So lag sie 1970 bei etwa 81.000, bei der ersten Erhebung in der Republik Tschechien 2001 bei 39.100<ref>Obsah nenalezen | ČSÚ. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 8. Mai 2023; abgerufen am 31. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.czso.cz</ref> und sank 2011 auf einen Tiefststand von ca. 18.500.<ref name="landesecho" />

In absoluten Zahlen lebte 2001 die größte deutsche Minderheit im Ústecký kraj (insgesamt 9.500 deutsche Einwohner), den höchsten prozentualen Anteil besaß der Karlovarský kraj mit fast 3 %. Innerhalb des Karlovarský kraj ist der Bezirk Sokolov mit 4,5 % der Bezirk mit der größten deutschen Minderheit in Tschechien. Im Ort Měděnec (im Okres Chomutov) bekannte sich ein Viertel der Einwohner zur deutschen Minderheit. Etwa ein Fünftel bildet die deutsche Minderheit in den Orten Tatrovice (Okres Sokolov), Horská Kvilda (Okres Klatovy) und Kryštofovy Hamry (Okres Chomutov). Alle vier Orte sind Gemeinden der kleinsten Größenkategorie bis 199 Einwohner.<ref>Tschechisches Statistisches Amt: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Deutsche Nationalität (Memento vom 24. September 2008 im Internet Archive) (tschechisch)</ref> Im Einzelnen betrug der Anteil der Deutschen in folgenden Gemeinden Tschechiens über zehn Prozent:<ref>Prager Zeitung. In: Prager Zeitung | Aus Tschechien. Aus Überzeugung. Abgerufen am 31. Mai 2024.</ref>

Zur Erhebung im Jahr 2021 lebten ca. 60 % dieser Minderheit in den vier Krajen Karlovarský, Ústecký, Moravskoslezský und der Hauptstadt Prag, mit jeweils ca. 3.250 – 3.700 Nennungen. Mit 1,3 % lag der Anteil an der Gesamtbevölkerung in erstgenannten Kraj mit deutlichem Abstand am höchsten.<ref>scitani.gov.cz: Population by ethnicity and region in 2021 (including two ethnicities)</ref>

Deutsche Sprache in Tschechien

Deutsch als anerkannte Minderheitensprache in Tschechien

Tschechien setzte zum 1. März 2007 die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen in Kraft. Mit dieser wurde neben Slowakisch, Polnisch, Romani und Mährisch-Kroatisch auch Deutsch als Minderheitensprache in Tschechien anerkannt. Zum 28. Februar 2024 wurde der Schutzstatus der Sprache in den Kreisen Cheb, Karlovy Vary, Sokolov, Liberec, Ústí nad Labem, Český Krumlov, Opava und Svitavy auf die höchste Schutzstufe gehoben, was etwa die Förderung von Unterricht in Deutsch, sowie das Recht auf Kommunikation mit Behörden in dieser Sprache beinhaltet.<ref>Tschechien: Schutz der deutschen Sprache im Rahmen der Charta erweitert - Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen - www.coe.int. Abgerufen am 31. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Martin Herbert Dzingel: Tschechien stärkt Rechtsstellung und Förderung des Deutschen. In: LandesEcho. 5. März 2024, abgerufen am 13. Oktober 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Deutsch als Fremdsprache in Tschechien

Deutsch ist über die deutsche Minderheit hinaus, etwa als Fremdsprache, durchaus stark verbreitet. Jedoch sind die Dialekte der Minderheit in ihren historischen Sprachgebieten so gut wie verschwunden.<ref>„Mit den Mundarten ist es vorbei“ - Deutsch in Tschechien heute. 30. Mai 2013, abgerufen am 31. Mai 2024.</ref> Diese sind heutzutage zumeist nur noch außerhalb des Landes und etwa im Sudetendeutschen Wörterbuch erhalten.

Historische deutsche Mundarten in Tschechien

Die historischen Mundarten der deutschen Minderheit in Tschechien werden im Rahmen des Sudetendeutschen Wörterbuchs und des Atlasses der historischen deutschen Mundarten auf dem Gebiet der Tschechischen Republik sowie von der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik dokumentiert und erforscht.

Deutsche Staatsangehörige in Tschechien

Neben dieser oben genannten Gruppe gibt es eine besonders seit dem EU-Beitritt Tschechiens wachsende Zahl deutscher Staatsangehöriger in der Tschechischen Republik. Im Sommer 2011 hatten von den ca. 15.000 Deutschen in der Tschechischen Republik nur ca. 4.400 eine permanente Aufenthaltsgenehmigung. Die übergroße Mehrheit der Deutschen hatte nur eine befristete Aufenthaltsgenehmigung. Das Männer-Frauen-Verhältnis ist mit ca. 80:20 sehr einseitig.<ref name="Foreigners 1994–2007">Obsah nenalezen | ČSÚ. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 8. Mai 2023; abgerufen am 31. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.czso.cz</ref><ref>Obsah nenalezen | ČSÚ. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 8. Mai 2023; abgerufen am 31. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.czso.cz</ref><ref>Obsah nenalezen | ČSÚ. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 8. Mai 2023; abgerufen am 31. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.czso.cz</ref><ref name="CZSO 11-11-30">Obsah nenalezen | ČSÚ. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 8. Mai 2023; abgerufen am 31. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.czso.cz</ref>

Ende 2007 lebten mit 4805 die meisten Deutschen im Ústecký kraj, gefolgt von der Hauptstadt Prag mit 2437 Deutschen und dem Plzeňský kraj mit 2219 Deutschen. Die beiden nordböhmischen Kreise Ústecký kraj und Karlovarský kraj (1768 Deutsche) haben mit jeweils 0,58 % den höchsten Anteil an Deutschen, gefolgt vom Plzeňský kraj mit 0,4 %.<ref>Content not found | CZSO. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 8. Mai 2023; abgerufen am 31. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.czso.cz</ref>

Datei:DeutscheinTschechien31072009.jpg
Zahl der Deutschen in Tschechien von 1994 bis 2010

Zwischen 2001 und 2022 nahmen lediglich 114 Deutsche die tschechische Staatsbürgerschaft an. Dies entspricht 0,13 % aller Einbürgerungen in diesem Zeitraum. Diese geringe Zahl ist auch durch das aktuelle Recht begründet. Zwar können ehemalige Staatsbürger, durch eine einfache Erklärung die Staatsbürgerschaft wieder erwerben. Diesen Weg beschritten über 25 % aller Eingebürgerten in diesem Zeitraum. Jedoch sind hiervon diejenigen ausgeschlossen, die sie aufgrund der sogenannten Beneš-Dekrete verloren haben. Ebenso deren Kindern und Enkelkindern. Dies betrifft insbesondere die deutsche Minderheit.<ref>Informationen zum Staatsangehörigkeitsgesetz der Tschechischen Republik. Abgerufen am 31. Mai 2024.</ref><ref>deutschlandfunk.de: Wunsch nach einem EU-Pass - Warum in Tschechien die Beneš-Dekrete nachwirken. Abgerufen am 31. Mai 2024.</ref><ref>CZSO Czech citizenships acquired during selected years – number, by previous citizenship; 2001 - 2021 (XLSX; 46 kB)</ref>

Stichtag Deutsche
in Tschechien
Anteil an der
Gesamtbevölkerung
Anteil an
den Ausländern
in Tschechien
31.12.1994 04.195 0,04 % 4,02 %
31.12.1995 05.553 0,05 % 3,49 %
31.12.1996 05.875 0,06 % 2,95 %
31.12.1997 05.927 0,06 % 2,70 %
31.12.1998 06.248 0,06 % 2,73 %
31.12.1999 06.112 0,06 % 2,67 %
31.12.2000 04.968 0,05 % 2,47 %
31.12.2001 04.937 0,05 % 3,01 %
31.12.2002 05.183 0,05 % 2,89 %
31.12.2003 05.188 0,05 % 2,66 %
31.12.2004 05.772 0,06 % 2,98 %
31.12.2005 07.187 0,07 % 2,78 %
31.12.2006 10.109 0,10 % 3,14 %
31.12.2007 15.700 0,15 % 4,00 %
31.12.2008 17.496 0,17 % 3,99 %
31.12.2009 13.792 0,13 % 3,18 %
31.12.2010 13.871 0,13 % 3,26 %
31.12.2011 15.763 0,15 % 3,63 %
31.12.2012 17.149 3,93 %
31.12.2013 18.507 4,21 %
31.12.2014 19.687 4,38 %
31.12.2015 20.464<ref name="czso-yearbook-2023"/> 4,40 %
31.12.2016 21.216<ref>Český statistický úřad: Foreigners in the Czech Republic, Dezember 2017 (PDF; 11,3 MB), Seite 65, verlinkt von Cizinci v ČR - 2017</ref> 4,27 %
31.12.2020 20.861<ref name="czso-yearbook-2023">Český statistický úřad: Foreigners in the Czech Republic, 27. November 2023 (PDF; 12,5 MB), Seite 160, verlinkt von Statistická ročenka České republiky - 2023</ref> 3,30 %
31.12.2021 14.792<ref name="czso-yearbook-2023"/> 2,25 %
31.12.2022 14.032<ref name="czso-yearbook-2023"/> 1,26 %

Medien der deutschsprachigen Minderheit

Datei:Prager Zeitung Logo.svg
Titelkopf der deutschsprachigen Prager Zeitung
Datei:Landeszeitung Logo.svg
Titelkopf der deutschsprachigen Landeszeitung aus Prag

Das Angebot reicht von wissenschaftlichen Fachzeitschriften wie Germanoslavica oder Communio Viatorum bis hin zum Wirtschaftsmagazin Plus.

Wichtigste Publikationen war die bis 2016 wöchentlich erscheinende Prager Zeitung und ist die alle 14 Tage erscheinende Landesecho – Zeitschrift der Deutschen in der Tschechischen Republik. Letztere wird von der deutschen Minderheit herausgegeben und vom tschechischen Staat gefördert wie auch finanziert.

Hörfunksendungen in deutscher Sprache produzieren Radio Prag<ref>Wie höre ich Radio Prag International. 22. November 2020, abgerufen am 31. Mai 2024.</ref>, die Regionalstudios von Český rozhlas für Olmütz und die Region Středočeský kraj<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Deutschsprachige Radiosendung des tschechischen Regionalhörfunks (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive)</ref><ref>Deutschsprachige Radiosendung des tschechischen Regionalhörfunks</ref> sowie Hallo Radio Hultschin<ref> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Deutschsprachige Radiosendung Hallo Radio Hultschin (Memento vom 29. Juli 2014 im Internet Archive)</ref>.

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Aktivitäten und Einrichtungen der deutschsprachigen Minderheit in Tschechien

Vereine und Verbände

Zeitungen

  • Landesecho, erscheint alle 14 Tage, herausgegeben von der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik
  • Prager Zeitung (bis 2022)

Schulen

Sport

  • DFC Prag (Neugründung 2016)
  • Teilnahme der Deutschen in Tschechien an der Europeada 2024 (Fußball-EM der nationalen Minderheiten)

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

<references />