Derwisch
Der Ausdruck Derwisch bezeichnet vor allem in den europäischen Sprachen einen Sufi, den Angehörigen einer muslimischen asketisch-religiösen Ordensgemeinschaft (tariqa), die im Allgemeinen für ihre Bescheidenheit und Disziplin bekannt ist.
Derwische praktizieren den Sufismus und gelten als Quelle der Klugheit, der Heilkunst, der Poesie, der Erleuchtung und der Weisheit. Zum Beispiel wurde Nasreddin nicht nur für Muslime zu einer Legende im Orient.
Wortbedeutung
Derwisch
Das Wort Derwisch kommt vom persischen {{#invoke:Vorlage:lang|fold}}{{#if:| {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}}}{{#if:darwīš|, DMG {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}}}{{#if:| <templatestyles src="IPA/styles.css" />
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Westliche Autoren haben die Bezeichnung Derwisch auch in anderen Zusammenhängen verwendet und etwa auf die antikolonialen Aufständischen des Mahdi im Sudan angewandt.
Malang
In Südasien einschließlich Afghanistan werden wandernde Derwische mit und ohne einer spirituellen Abstammung und Zugehörigkeit zu einem bestimmten Orden Malang genannt. Die begriffliche Abgrenzung von Malang mit bestimmten sufischen Sekten und anderen Gruppierungen wie den Qalandar, Jalali, Suhagiyya oder Khaksar ist schwierig. So können sich Malang als den Sufiorden Chishtiyya oder Qādirīya zugehörig erklären und sich darüber hinaus als qalandari bezeichnen. Auch wenn sie keinem spezifischen Orden angehören, sind die Malang in Pakistan und Nordindien mit bestimmten islamischen Heiligen verbunden. Am Schrein von Lal Schahbaz Qalandar in Sehwan Sharif treten die Malang schwarz gekleidet auf. Ansonsten tragen sie bunte Kleider oder manchmal einen schwarzen Turban. Zu den Musikinstrumenten, mit denen sie in Pakistan ihre Lieder und Tänze begleiten, gehören die Zupflaute yaktaro, das Perkussionsinstrument chimta und manchmal an den Füßen umgebundene Schellen ghungru. Bekannt sind die Malang für den exzessiven Genuss von Haschisch.<ref>Jürgen Wasim Frembgen, 1993, S. 88f</ref>
Religiöse Praxis
Zahlreiche Derwische legen ein Armutsgelübde ab und leben in mönchisch zurückgezogener Askese. Einige wählen die Existenz als Bettler, andere sind berufstätig; ägyptische Qadiriten – in der Türkei Kadiri genannt – sind z. B. Fischer.
In der Regel sind traditionelle Derwischvereinigungen (Sufiorden oder Tariqas) über eine spirituelle Kette (silsila) entweder über Ali oder Abu Bakr direkt mit dem Propheten Mohammed verbunden. Sie leben nach einer Mönchsregel, in gewissem Sinn manchmal mit christlichen Mönchsorden vergleichbar. Es existieren aber auch Unterschiede, wie beispielsweise das Gebot zur Führung eines Ehelebens. Verschiedene Ordensgemeinschaften und deren Untergruppierungen sind im Laufe der Jahrhunderte (seit dem 12. Jahrhundert)<ref>Der Hakim von Nischapur Omar Chajjám und seine Rubaijat, nach alten und neuesten persischen Handschriftenfunden von Manuel Sommer, Pressler, Wiesbaden 1974, S. 134</ref> entstanden und auch wieder verschwunden.
Der ekstatische Trancetanz (sema),<ref>Abgeleitet von arabisch{{#if:سماع| {{#invoke:Vorlage:lang|fold}}{{#if:| {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}}}{{#if:samā‘|, DMG {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}}}{{#if:| <templatestyles src="IPA/styles.css" />
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Ansonsten wird die von Orden zu Orden verschiedene Kopfbedeckung auch Tadsch (arabisch{{#if:تاج| {{#invoke:Vorlage:lang|fold}}{{#if:| {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}}}{{#if:tāǧ|, DMG {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}}}{{#if:| <templatestyles src="IPA/styles.css" />
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Die Bektaschi, die geschichtlich eng mit den Aleviten verknüpft sind, praktizieren auch unorthodoxe Bräuche, wie beispielsweise den Genuss von Alkohol beim ritualisierten Mahl, bei dem man um eine gedeckte Esstafel (arabisch{{#if:سفرة| {{#invoke:Vorlage:lang|fold}}{{#if:| {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}}}{{#if:sufra|, DMG {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}}}{{#if:| <templatestyles src="IPA/styles.css" />
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Die Sanusiya in Nordafrika sind dagegen strenggläubig und verstehen die Meditation als Teil der reinen islamischen Lehre. Andere Orden und Untergruppen singen Koranverse, trommeln oder tanzen intensiv, gemäß ihren jeweiligen Traditionen. Einige praktizieren die stille Meditation (z. B. Naqschbandi), wie die meisten Sufiorden in Südasien, manche sind vom Chishti-Orden beeinflusst. Jede Vereinigung hat ein eigenes Ordensgewand und besondere Methoden der Aufnahme und der Initiation.
Die „tanzenden Derwische“<ref>Es handelt sich hier um die traditionelle deutsche Bezeichnung für dieses Ritual, insbesondere des Mevleviyye-Ordens.</ref> sind besonders in der Türkei zu einer touristischen Attraktion geworden, der Heimat des Mevlevi-Ordens aus Konya. Heute werden ihre Sema-Zeremonien allein zu diesem Zweck veranstaltet, seit Mustafa Kemâl Pascha (genannt Atatürk), der Gründer der Türkischen Republik, die Rituale der Mevlevi-Derwische mit dem Gesetz Nr. 677<ref>Gesetz Nr. 677 vom 30. November 1925 über das Verbot und die Schließung der Derwischorden, der Klöster und Mausoleen, über das Verbot des Berufs der Mausoleenwächter und der Führung und Verleihung einiger Titel, RG Nr. 243 vom 13. Dezember 1925.</ref> verbieten ließ. Seit 1954 darf der Sema anlässlich des Jahrestages von Rumis Tod am 17. Dezember wieder vollzogen werden, allerdings nicht im Mutterhaus der Tariqa, sondern in einer Sporthalle.
Namentlich bekannte persische Derwische (des späteren Niʿmatullāhī-Ordens) waren im 18. Jahrhundert der aus Südindien nach Schiras gekommene Maʿsum Ali Schah und sein Schüler Nur ʿAli Schah (* 1760 in Isfahan; † 1797) sowie dessen Freund, der Setar-Spieler Muschtaq. Auch die Ehefrau von Nur ʿAli Schah, die Diwan-Dichterin<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />{{#if:20181016170801
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Siehe auch
Literatur
- Reshad Feild: Die letzte Schranke – Ich ging den Weg des Derwischs. Diederichs, Düsseldorf 1977
- Jürgen Wasim Frembgen: Derwische. Gelebter Sufismus. Wandernde Mystiker und Asketen im islamischen Orient. DuMont, Köln 1993.
- Pir Vilayat Inayat Khan: Der Ruf des Derwisch. Synthesis-Verlag, Essen 1996, ISBN 3-922026-07-9.
- Jens Peter Laut: „Derwisch“: Eine gewagte Worterklärung. In: Thomas Jürgasch u. a. (Hrsg.): Gegenwart der Einheit. Zum Begriff der Religion. Festschrift anlässlich des 60. Geburtstages Bernhard Uhdes. Rombach, Freiburg (Breisgau) u. a. 2008, ISBN 978-3-7930-9550-7, S. 301–311.
- Gerhard Schweizer: Die Derwische. Heilige und Ketzer des Islam. 2. Auflage. Verlag Das Bergland-Buch, Salzburg 1984, ISBN 3-7023-0111-9.
- Idries Shah: Die Sufis. Botschaft der Derwische, Weisheit der Magier. Hugendubel, Kreuzlingen u. a. 2006, ISBN 3-7205-2849-9.
- Muhyiddin Shakoor: Aufs fließende Wasser geschrieben. Mein Werdegang zum Derwisch. Der Erfahrungsbericht eines westlichen Suchers auf dem Schulungsweg der Sufis. Barth, Bern u. a. 1991, ISBN 3-502-67561-9.
- Peter Lamborn Wilson, Karl Schlamminger: Weaver of Tales. Persian Picture Rugs / Persische Bildteppiche. Geknüpfte Mythen. Callwey, München 1980, ISBN 3-7667-0532-6, S. 14–29 (Die Derwische).
Weblinks
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Einzelnachweise
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