Der kleine Sackpfeifer
Der kleine Sackpfeifer ist ein Märchen. Es ist in den Irischen Elfenmärchen der Brüder Grimm an Stelle 5 der Märchen vom Stillen Volk enthalten, die sie 1825 aus Fairy legends and traditions of the South of Ireland von Thomas Crofton Croker übersetzten.
Inhalt
Michael Flanigan und Judy Muldun an den Grenzen von Tipperary haben drei schöne Söhne und einen, der als ein erbärmlicher, hässlicher und missgestalteter Wicht beschrieben wird. „Er hatte langes, struppichtes, verfitztes, rabenschwarzes Haar, eine grüngelbe Gesichtsfarbe, Augen wie feurige Kohlen, die immer hin und her blickten und in beständiger Bewegung waren.“ Auch Hände und Beine sind missgestaltet und er zeigt sich als ein „Vielfraß“, aus dessen Mund nur Bellen, Kreischen und Heulen kommt. Die Nachbarn halten ihn für einen Wechselbalg und sinnieren über grausame Möglichkeiten ihn zu töten, während die gutherzige Mutter ihn trotz seiner Andersartigkeit liebt und zu beschützen sucht.
Beim Besuch des Sackpfeifers Tim Carrol zeigt der Junge eine überraschende musikalische Begabung. Sobald er den Dudelsack in die Hand bekommt, weiß er ihn so geschickt zu handhaben, als habe er ihn schon zwanzig Jahre gespielt. Auch zeigt er großes Vergnügen an der Musik und spielt zum Erstaunen aller ein wohlbekanntes Lied. Die Mutter ist voller Hoffnung, dass der Junge doch seinen Weg finden wird und schlägt das Angebot des Carrols, ihn als Schüler mitzunehmen, aus.
Je älter der Junge wird, desto ärger treibt er hinterhältige Scherze mit den Tieren und Menschen in seiner Umgebung. Dabei nutzt er auch den Dudelsack, um Menschen zu erschrecken oder sie so lange tanzen zu lassen, dass sie den Hof der Familie immer mehr meiden. Die Nachbarschaft wendet sich erneut gegen ihn und schreibt ihm alles Unheil zu, welches im Dorf geschieht. Das führt schließlich dazu, dass der Pächter die Familie zwingt, das Gut zu verlassen. Auf dem Weg kommen sie über eine Brücke, auf der der Junge wild schimpft. Der Vater erhebt die Peitsche gegen ihn und der Junge stürzt sich, von der Peitsche getroffen, in den Fluss. Die Mutter beklagt laut den Verlust des Sohnes, der aber spielt, mit kreuzweise übereinander geschlagenen Beinen auf einer Welle sitzend, so lustig weiter als sei nicht vorgefallen. Man glaubt, er sei zum stillen Volke zurückgekehrt, um mit ihnen Musik zu machen.
Anmerkung
Grimms Anmerkung berichtet zu den im Text vorkommenden Vorschlägen, eine Kindsvertauschung durch Elfen rückgängig zu machen, ähnliches aus verschiedenen Ländern, auch zum Schutz des noch ungetauften Kindes. Sie vergleichen KHM 108 Hans mein Igel, Deutsche Sagen Nr. 82 Der Wechselbalg und Nr. 83 Die Wechselbälge im Wasser, ein plattdeutsches Gedicht von Zeno (Bruns Sammlung S. 26 ff.) und faroische Liedersammlung S. 294. Dass die Katze, wie im Text, beim Umzug nicht mit darf, besonders nicht über Wasser, ist ein anderer Aberglaube.
Vgl. Nr. 6 Die Brauerei von Eierschalen, Nr. 7 Der Wechselbalg, Nr. 8 Die beiden Gevatterinnen; KHM 39 Die Wichtelmänner.
Rezeption
Rosemarie Tüpker deutet das Märchen im Zusammenhang mit der Ablehnung des Fremden, die in den Europäischen Volksmärchen einige Male zu finden sei, wie auch die Verbindung des Wechselbalg-Motivs mit einer besonderen musikalischen Begabung, so dass man gerade daran die fremde Herkunt eines Kindes erkenne. In diesem Märchen siege trotz der Begabung des Kindes und der Liebe der Mutter die Ablehnung des allzu Fremden, welches mit der grausamen Verstoßung des Kindes ende, während es in anderen Märchen, wie Hans mein Igel, Der Frosch oder Das lautespielenden Eselein zu eine Integration und Erlösung komme.<ref>Rosemarie Tüpker: Musik im Märchen. Dr. Ludwig Reichert Verlag , Wiesbaden 2011, S. 219 f. ISBN 978-3-89500-839-9.</ref>
Literatur
- Irische Elfenmärchen. In der Übertragung der Brüder Grimm. Frankfurt am Main und Leipzig, Erste Auflage 1987. S. 121–129, 253–254. (Insel Verlag; ISBN 978-3-458-32688-5; Der Text folgt der Ausgabe: Irische Elfenmärchen. Übersetzt von den Brüdern Grimm. Friedrich Fleischer, Leipzig 1826. Orthographie und Zeichensetzung wurden leicht normalisiert.)
Weblinks
Einzelnachweise
<references />