Zum Inhalt springen

Der Fuchs und das Pferd

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Snowdrop-Rackham-117.jpg
Illustration von Arthur Rackham, 1909

Der Fuchs und das Pferd ist ein Tiermärchen (ATU 47A). Es steht in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm an Stelle 132 (KHM 132).

Inhalt

Datei:Snowdrop-Rackham-119.jpg
Illustration von Arthur Rackham, 1909

Der Bauer jagt sein altes Pferd fort mit dem Vorwand, es zu behalten, wenn es ihm einen Löwen brächte. Der Fuchs hilft ihm, lässt das Pferd sich wie tot hinlegen und holt einen Löwen. Unter dem Vorwand, den Pferdeschweif an ihm festzubinden, damit er es in seine Höhle ziehen kann, bindet er ihm die Beine zusammen. Das Pferd zieht den brüllenden Löwen zu seinem Herrn, der es nun gut behandelt bis zum Tod.

Herkunft

Datei:Otto Ubbelohde - Der Fuchs und das Pferd.jpg
Illustration von Otto Ubbelohde, 1909

Grimms Anmerkung notiert „Aus Münster“ (von Jenny von Droste zu Hülshoff), weist auf die Ähnlichkeit zu KHM 48 Der alte Sultan und „die 7te Fabel von dem Wolf und dem Esel“ in Steinhövels Esopus (7. Extravagante, Nr. 87) hin, „abgedruckt im Reinhart Fuchs 424.“<ref>Wikisource: Grimms Anmerkung zu Der Fuchs und das Pferd</ref> Laut Hans-Jörg Uther findet sie sich auch bei Hans Sachs, Bd. 4, Nr. 405 und anderen, eine ähnliche Handlung im mittelalterlichen Roman de Renart (9. Branche, 1586–1903). Jenny von Droste-Hülshoff schickte das Märchen am 12. September 1814 an Wilhelm Grimm.<ref>Hans-Jörg Uther: Handbuch zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. de Gruyter, Berlin 2008, ISBN 978-3-11-019441-8, S. 283–284.</ref> Er schrieb seinem Bruder am 13. Oktober 1814: „Die Beiträge von Haxthausens werden dich freuen; besonders ein neues Fuchsmärchen.“ Er nahm es wohl umso lieber auf, da es zu den von Jacob Grimm seit Jahren bevorzugten Zeugnissen aus dem Umkreis des Tierepos Reinhart Fuchs passt.<ref>Heinz Rölleke, Albert Schindehütte: Es war einmal … . Die wahren Märchen der Brüder Grimm und wer sie ihnen erzählte. Eichborn, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-8218-6247-7, S. 389.</ref>

Vgl. zur Ausgangssituation KHM 27 Die Bremer Stadtmusikanten oder auch KHM 116 Das blaue Licht. Heinz Rölleke zufolge dürfte Wilhelm Grimm die Redensart „Geiz und Treue wohnen nicht in einem Haus“ und das Zitat aus einem alten Volkslied „zieh, Schimmel, zieh“ in den Text eingefügt haben.<ref>Heinz Rölleke, Albert Schindehütte: Es war einmal … . Die wahren Märchen der Brüder Grimm und wer sie ihnen erzählte. Eichborn, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-8218-6247-7, S. 389.</ref> Es handelt sich vielleicht um das Lied Zieh, Schimmel, zieh<ref>Zieh, Schimmel, zieh auf lieder-archiv.de</ref>, Hier lagern wir am Heckendorn<ref>Hier lagern wir am Heckendorn auf volksliederarchiv.de</ref> oder Hab mei Wage vollgelade.<ref>Hab mein’ Wage vollgelade auf petersell.at</ref> Ab der 3. Auflage versüßt der Bauer sein Angebot mit dem Einschub, „indeß mein ich es gut mit dir“, was der Fuchs aufgreift: „Ohne allen Trost?“ – „Der Trost war schlecht“. Zur 6. Auflage formuliert das Pferd anstatt „mein Herr hat vergessen, was ich ihm alles in so vielen Jahren gethan habe“, sprachlich sauberer „was ich ihm für Dienste in so vielen Jahren geleistet habe“.

In einem baskischen Märchen aus der Sammlung Noël, das auf Deutsch den Titel Der Esel, der Fuchs und der Wolf erhielt, will der Bauer den Esel zu Wurst machen, der Fuchs hat die List mit dem Wolf, lässt den Esel sich tot stellen, bis er „arri!“ sagt. Der Herausgeber vergleicht dazu Grimms Der Fuchs und das Pferd, anderswo sei der Bär der Betrogene, der Fuchs oft mehr Intrigant.<ref>Der Esel, der Fuchs und der Wolf. In: Felix Karlinger, Erentrudis Laserer (Übers. und Hrsg.): Baskische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, ISBN 3-424-00677-7, S. 228–230, 279 (= Die Märchen der Weltliteratur Nr. 120).</ref>

Literatur

  • Brüder Grimm: Kinder- und Hausmärchen. Vollständige Ausgabe. Mit 184 Illustrationen zeitgenössischer Künstler und einem Nachwort von Heinz Rölleke. S. 620–621. Düsseldorf und Zürich, 19. Auflage 1999. (Artemis & Winkler Verlag; Patmos Verlag; ISBN 3-538-06943-3)
  • Brüder Grimm: Kinder- und Hausmärchen. Ausgabe letzter Hand mit den Originalanmerkungen der Brüder Grimm. Mit einem Anhang sämtlicher, nicht in allen Auflagen veröffentlichter Märchen und Herkunftsnachweisen herausgegeben von Heinz Rölleke. Band 3: Originalanmerkungen, Herkunftsnachweise, Nachwort. Durchgesehene und bibliographisch ergänzte Ausgabe. Reclam, Stuttgart 1994, ISBN 3-15-003193-1, S. 226, 495.
  • Hans-Jörg Uther: Handbuch zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. de Gruyter, Berlin 2008, ISBN 978-3-11-019441-8, S. 283–284.
  • Der Esel, der Fuchs und der Wolf. In: Felix Karlinger, Erentrudis Laserer (Übers. und Hrsg.): Baskische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, ISBN 3-424-00677-7, S. 228–230, 279 (= Die Märchen der Weltliteratur Nr. 120).

Weblinks

[[s:{{#if:|{{{lang}}}:}}{{#if:Der Fuchs und das Pferd|Der Fuchs und das Pferd|Der Fuchs und das Pferd}}|Wikisource: {{#if:|{{{2}}}|{{#if:Der Fuchs und das Pferd|Der Fuchs und das Pferd|Der Fuchs und das Pferd}}}}]]{{#switch: 1

|1|= – Quellen und Volltexte |0|-= |X|x= |#default= –

}}{{#if: | ({{#invoke:Multilingual|format|{{{lang}}}|slang=!|shift=m}}) }}

{{#invoke:TemplatePar|check

  |opt= 1= 2= lang= suffix=
  |template=Vorlage:Wikisource
  |cat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Schwesterprojekt
  }}

Einzelnachweise

<references />