Denkverbot
Mit dem Begriff Denkverbot wird die Unterdrückung von Meinungen oder deren Äußerung bezeichnet, sofern diese von gängigen Interpretationen oder Dogmen abweichen.<ref>Eintrag {{#switch:
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Geschichte
Im Verlauf des 13. Jahrhunderts trat die Philosophie immer deutlicher in Konkurrenz zur Theologie, und Aristoteles gehörte fest zu dem universitären Lehrplan. Doch gab es auch viele Kritiker Aristoteles’ und seiner späteren Interpreten, welche Vieles aus deren Lehren nicht mit dem christlichen Glauben vereinbar hielten. Unter den Kritikern befanden sich Ordensgeistliche wie der Franziskaner Bonaventura, der Dominikaner Thomas von Aquin und der Augustinereremit Ägidius Romanus, die bald ebenfalls kritisiert wurden. Im Jahr 1277 sprach der Pariser Bischof im Auftrag des Papstes das Verbot zahlreicher Thesen aus, die angeblich in der Pariser Universität gelehrt wurden. Zwei Jahre später dann kursierten Verteidigungsschriften, die erste war die des Thomas von Aquin. Die Philosophie wäre demnach wichtiger als die Theologie, die sich auf Fabeln stütze und keinen Erkenntnisgewinn bringe. Andere Universitäten folgten dem Beispiel nur partiell, so übernahm Oxford lediglich eine kleine Zahl der in Paris ausgesprochenen Verbote.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Verwendung
Sigmund Freud sprach sich gegen Denkverbote der Religion aus, welches sie „im Sinne ihrer Selbsterhaltung ausgehen lässt“. Diese würden eine „Denkhemmung“ mit sich ziehen. Nur das Primat der Vernunft könne eine „Diktatur im menschlichen Seelenleben“ vermeiden.<ref>vgl. Léon Wurmser: Die zerbrochene Wirklichkeit. Band 2: Wert und Wahrheit in der Psychoanalyse. 3. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2002, ISBN 3-525-46151-8, S. 40 ({{#if: pCo62WK9roAC
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Freud hatte 1908 zur Illustration seiner Theorie von der „Vorbildlichkeit des Sexuallebens“ einen biologischen Kern der „unzweifelhaften Tatsache der intellektuellen Inferiorität so vieler Frauen“ verneint und diese auf das für Frauen erziehungsbedingt stärkere sexuelle Denkverbot zurückgeführt und jenes obendrein mit dem „religiösen Denkverbot“ und dem „loyalen Denkverbot des braven Untertans“ in Parallele gesetzt.<ref>Sigmund Freud, Die „kulturelle“ Sexualmoral und die moderne Nervosität. In: Gesammelte Werke, Band VII, Frankfurt a. M., Fischer 1999, S. 162.</ref> Der Volkskundler Martin Scharfe sprach in Anlehnung an Freud von Denkverboten in Wissenschaften, die er als „affektive Ablehnung“ gegenüber „bestimmten Wissenschaftsinstitutionen, -perspektiven und -lager“ bezeichnet. Er bemerkte: „Wir haben Tabus in verschiedener Hinsicht errichtet, wir unterwerfen uns, wenn wir Wissenschaft betreiben paradoxerweise einem denkkollektiven Widerstandsaviso“ und stellte das Vertrauen in die Unfehlbarkeit und Rationalität nicht nur in den Kulturwissenschaften in Frage.<ref>Martin Scharfe: Menschenwerk: Erkundungen über Kultur. Böhlau, Köln/Weimer/Wien 2002, ISBN 3-412-14201-8, S. 125 ff. ({{#if: Fp5w0_awRi8C
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Der Kultursoziologe Detlef Grieswelle kritisierte, dass die politische Korrektheit darauf abziele, „was man öffentlich sagen, was man tun muss bzw. was man öffentlich nicht sagen, nicht tun darf, wenn man nicht moralisch verurteilt werden will.“ Der Meinungsdruck reiche „von bestimmten Worttabus […] bis hin zu ideologischer Korrektheit und weltanschaulichen Denkverboten“.<ref>Detlef Grieswelle: Politische Rhetorik: Macht der Rede, öffentliche Legitimation, Stiftung von Konsens. Deutscher Universitäts-Verlag, 2000, ISBN 3-8244-4389-9, S. 353 ({{#if: SiJ4P9KMc20C
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Laut Norbert F. Schneider handele es sich bei einem „Denkverbot“ um ein Verbot, das oft nur zu dem Zweck konstruiert wird, um anschließend für seine Beseitigung kämpfen zu können.<ref>Norbert F. Schneider: Werte, Tabus und Medien. In: Sonja Ganguin, Uwe Sander (Hrsg.): Sensation, Skurrilität und Tabus in den Medien. VS Verlag für Sozialwissenschafter, Wiesbaden 2006, ISBN 3-531-14716-1, S. 119.</ref> Ein „Denkverbot“ wird häufig dann erfunden, wenn im Rahmen eines als fortschrittlich und befreiend dargestellten Tabubruchs dagegen verstoßen werden soll.<ref>Hartwig Pautz: Die deutsche Leitkultur: eine Identitätsdebatte: neue Rechte, Neorassismus und Normalisierungsbemühungen. Ibidem-Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-89821-060-X, S. 63.</ref><ref>Micha Brumlik, Hajo Funke, Lars Rensmann (Hrsg.): Umkämpftes Vergessen: Walser-Debatte, Holocaust-Mahnmal und neuere deutsche Geschichtspolitik. Verlag Hans Schiler, Berlin 2000, ISBN 3-86093-240-3, S. 113.</ref><ref>Sibylle Hamann: Wenn es keine Denkverbote gibt, dann muss man sie halt erfinden. In: Die Presse, 11. April 2012.</ref><ref>Samuel Salzborn, Marc Schwietring: Antizivilisatorische Affektmobilisierung: Zur Normalisierung des sekundären Antisemitismus. (PDF; 208 kB) In: Michael Klundt (Hrsg.): Erinnern, verdrängen, vergessen: geschichtspolitische Wege ins 21. Jahrhundert. Netzwerk für Politische Bildung, Kultur und Kommunikation, Gießen 2003, ISBN 3-00-010741-X, S. 43–76.</ref> Laut Wolfgang Benz postulierten rechtskonservative Kreise eine Bedrohung der Meinungsfreiheit durch „Denkverbote“. Dabei seien sie der Ansicht, dass Gesinnungsdruck insbesondere von der sogenannten „politischen Korrektheit“ ausgehe, die nach ihrer Auffassung von feindlichen Kräften (vor allem „den Linken“) bedient werde.<ref>Wolfgang Benz: Die Funktion von Holocaustleugnung und Geschichtsrevisionismus für die rechte Bewegung. In: Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster (Hrsg.): Strategien der extremen Rechten: Hintergründe – Analysen – Antworten. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-531-91708-5, S. 404–418. {{#invoke:Vorlage:Handle|f|scheme=doi|class=plainlinks|parProblem=Problem|errCat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Parameter:DOI|errClasses=error editoronly|errHide=1|errNS=0 4 10 100}}</ref>
Siehe auch
Weblinks
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Einzelnachweise
<references />
- Seiten mit defekten Dateilinks
- Wikipedia:Weblink offline fix-attempted
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Toter Link
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Parameter:URL
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Toter Link/URL fehlt
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Parameter:Datum
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Google Buch
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Parameter:Linktext
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Zitat
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Schwesterprojekt
- Verhaltenskodex
- Menschenrechte
- Politisches Schlagwort (Deutsch)