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De morbis acutis et chronicis

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Datei:Mannen verzorgen zieke met kruiden Titelpagina voor Caelius Aurelianus, De morbis acutis et chronicis, 1722, RP-P-2016-905.jpg
Ausgabe von 1722

De morbis acutis et chronicis ist eine medizinische Schrift in lateinischer Sprache, die Caelius Aurelianus zu Beginn des 5. Jahrhunderts erstellt hat. Durch die Darstellung der Heilmethoden zahlreicher Ärzte der vorangegangenen Jahrhunderte bietet sie wertvolle Einblicke in die Heilkunst der Antike.

Quellen und Stellung in der antiken Medizinliteratur

Caelius Aurelianus nennt in seiner Schrift immer wieder Soranos, der 300 Jahre früher wirkte, als seinen Lehrmeister und Gewährsmann. Im Vorwort gibt er an, den Kollegen, die das Griechische nicht mehr beherrschen, die griechische Medizin zu erschließen. Man nimmt daher an, dass es sich um eine – wenn auch freie – Übersetzung von Büchern des Soranos handelt, wobei die neuere Forschung die eigenständige Leistung des Caelius als Kommentator, Doxograph und medizinischer Denker betont und sein Verhältnis zu Soranos als vielschichtig bewertet.<ref name="Thumiger2025-Einl">Chiara Thumiger: Introduction. In: Chiara Thumiger (Hrsg.): Caelius Aurelianus and His Work: Medical Practices, Intellectual History, Textual Transmission. Brill, Leiden und Boston 2026, ISBN 978-90-04-75052-4, S. 1–11, doi:10.1163/9789004750531_002.</ref>

Die Sprache

Das Latein des Caelius Aurelianus ist nicht mehr das des republikanischen Roms. Allerdings ist kein afrikanischer Lateindialekt ausgeprägt worden, wie man eine Zeitlang annahm. Vielmehr muss man von einem gut gebildeten Latein mit Zugeständnissen an die spätlateinische Volkssprache, einzelne Vulgarismen und griechische Fachausdrücke sprechen. So wird z. B. anagargarisma (= Gurgelmittel) aus dem Griechischen entnommen. Es gibt Wortneubildungen, wie recorporativus (zur Wiederherstellung des Körpers gehörig). Auch neue grammatische Strukturen treten auf.<ref>Alf Önnerfors: Das medizinische Latein von Celsus bis Cassius Felix, X. Caelius Aurelianus.</ref>

Inhalt

Aurelianus unterscheidet „akute“ von „chronischen“ Krankheiten. Im Vorwort zu den chronischen Krankheiten führt er aus, dass die chronischen Krankheiten ein langwieriges Leiden bedeuteten, das größere ärztliche Kunst verlange als die akuten, die eventuell auch von selbst endeten. Die Darstellung der Krankheiten erfolgt stets nach demselben Schema: der Beschreibung der Krankheiten mit ihren Symptomen, eventuell auch Abgrenzung gegen andere Erkrankungen und Ursachen der Erkrankung folgen die Behandlungsempfehlungen. Daran schließt sich meistens eine ausführliche Verurteilung der Behandlung anderer Ärzte an.

Die Krankheiten

Es werden etwa 60 Leiden vorgestellt. Die „Krankheiten“ reichen von Parasitenbefall (z. B. Phthiriasis = Läusekrankheit, c.m., IV, 2), Symptomen (z. B. Tussicula = Husten, c.m., II, 8), Symptomgruppen (z. B. Stomachicus = Magenkranker, c.m., III, 2) bis zu Krankheiten im klinischen Sinn<ref>Pschyrembel</ref> (z. B. epilepsia). Häufig behält Caelius Aurelianus den griechischen Namen bei, so spricht er von katarrh, apoplexia. Manchmal ist er zweisprachig (z. B. hydrophobia = aquifuga oder morsus canis rapidi = Tollwut, a.m., III, 9). Viele Bezeichnungen haben sich bis heute erhalten, entsprechen aber meistens nicht exakt der damaligen Bedeutung. Die Krankheiten werden definiert, eingeteilt nach den beiden Merkmalen „Straffung (= strictura)“ und „Lockerung (= solutio)“ und durch Symptome wie Fieber, Schweißausbruch, Appetitlosigkeit u. ä. beschrieben.

Die Heilmethoden

Die Behandlung folgt den Grundsätzen der Schule der Methodiker.<ref>Theodor Meyer-Steineg: Das medizinische System der Methodiker, V. Caelius Aurelianus.</ref> Es wird die Lagerung der Kranken detailliert dargestellt, die Diät, das Fasten, Aderlass, Herumtragen etc. Die Anweisungen sind sehr genau. So heißt es in c.m. IV, 3 über die zu gebende Ziegenmilch:

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In zahlreichen Behandlungen wird der Schröpfkopf (= cucurbitta) und das Klistier (= clister) verwendet; sogar die Ernährung durch das Klistier (das Nährklistier) wird beschrieben (c.m. II, 37). Caelius Aurelianus verfügt auch über ausgedehntes pharmazeutisches Wissen. Chirurgische Eingriffe werden selten und nur ablehnend erwähnt; selbst das Ziehen eines schmerzenden Zahnes wird negativ gesehen (c.m., II, 4).

Die Ärzte

Außer Soranos zitiert Caelius Aurelianus zirka 50 Ärzte von Hippokrates von Kos bis zu Eudemus und Lysias, die zur Zeit des Tiberius wenige Generationen vor Soranos wirkten. Am häufigsten zitiert er Asklepiades von Bithynien, Diokles von Karystos, Erasistratos, Herakleides von Tarent, Praxagoras von Kos und Themison von Laodikeia. Nach der Behandlungsempfehlung für eine Krankheit ergeht sich der Autor häufig in einer ausführlichen Kritik der Kollegen. Dass er Herakleides, der der abweichenden Schule der Empiriker anhängt, z. B. für die Behandlung der Pleuritis tadelt, ist nicht überraschend. Aber auch dem Methodiker Themison und selbst Hippokrates wirft er Behandlungsfehler bei dieser und anderen Krankheiten vor (a.m. II, 19, 23, 24).

Überlieferung und Textausgabe

Cassiodor nennt in seinen Institutiones divinarum et saecularium litterarum (I, 31, 2) unter der leicht abweichenden Namensform „Caelius Aurelius“ einen Verfasser eines Medizintraktats, was als Schreiberverschleifung gilt.<ref name="Thumiger2025-Einl"/> Die Bücher haben sich in zwei Handschriften erhalten, die beide nach ihrer editorischen Verwendung verloren gingen: Die eine nutzte Johannes Sichard für seine 1529 bei Henricus Petrus in Basel gedruckte Ausgabe, die andere Johann Guinther für seine Edition von 1533.<ref name="Thumiger2025-Einl"/> Erhalten geblieben sind lediglich drei Seiten einer Handschrift des 9. Jahrhunderts, die 1921/22 in der Ratsschulbibliothek Zwickau entdeckt wurden.<ref name="Thumiger2025-Einl"/> Da damit nur geringe handschriftliche Fragmente vorliegen, erwiesen sich spätere Ausgaben als schwierig; häufig wurden Konjekturen vorgeschlagen. 1950 legte Israël Edward Drabkin eine Edition mit englischer Parallelübersetzung vor, 1990 erschien die maßgebliche Ausgabe von Gerhard Bendz im Corpus Medicorum Latinorum mit der deutschen Übersetzung von Ingeborg Pape.

Textausgaben und Übersetzungen

  • Caelius Aurelianus: Celerum passionum libri III (= De morbis acutis); Tardarum passionum libri V (= De morbis diuturnis). Akute Krankheiten, Buch I-III, Chronische Krankheiten, Buch I-V. Herausgegeben von Gerhard Bendz und ins Deutsche übersetzt von Ingeborg Pape, 2 Bände, Berlin 1990 (= Corpus Medicorum Latinorum, VI.1).
  • Caelius Aurelianus: On acute diseases and on chronic diseases. Hrsg. und übersetzt von Israel E. Drabkin, Chicago 1950.

Literatur

  • Valentin Rose: Anecdota Graeca et Graecolatina, Heft 2, Berlin, 1870.
  • Theodor Meyer-Steineg: Das medizinische System der Methodiker, Jena 1916.
  • Robert Fuchs: Geschichte der Heilkunde bei den Griechen, in: Max Neuberger/Julius Pagel: Handbuch der Geschichte der Medizin, Hildesheim, New York 1971.
  • Alf Önnerfors: Das medizinische Latein von Celsus bis Cassius Felix, in: Aufstieg und Niedergang der römischen Welt, Band II 37, 1, de Gruyter, Berlin, New York 1993.

Einzelnachweise

<references />