Zum Inhalt springen

Das Fenster zum Hof (1954)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Vorlage:Medienbox/Kopf
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1954
Länge 112 Minuten
Altersfreigabe

</ref>

Produktions­unternehmen Paramount Pictures
Stab
Regie Alfred Hitchcock
Drehbuch John Michael Hayes
Produktion Alfred Hitchcock
Musik Franz Waxman
Kamera Robert Burks
Schnitt George Tomasini
Besetzung
Synchronisation

Das Fenster zum Hof (Originaltitel Rear Window) ist ein US-amerikanischer Thriller von Alfred Hitchcock aus dem Jahr 1954. Grundlage war die Kurzgeschichte It Had to Be Murder des Krimiautors Cornell Woolrich. In diesem Thriller verkörpert James Stewart den Fotoreporter L. B. Jefferies, der sich ein Bein gebrochen hat und auf einen Rollstuhl angewiesen ist. „Jeff“ beobachtet aus Langeweile seine Nachbarn auf der anderen Seite des Innenhofes und argwöhnt, dass einer seiner Nachbarn seine Frau ermordet hat. Seine Verlobte Lisa und seine Pflegerin Stella unterstützen ihn nach anfänglicher Skepsis bei den eigenen Ermittlungen.

Die Kritik nahm den Film positiv, teils überschwänglich auf. Das Fenster zum Hof markiert den Beginn der „Paramount-Ära“, in der Hitchcock einige seiner bedeutendsten Filme inszenierte. 1998 folgte ein gleichnamiger Fernsehfilm von Jeff Bleckner.

Handlung

Der Fotojournalist L. B. „Jeff“ Jefferies ist wegen eines Gipsbeins vorübergehend auf einen Rollstuhl angewiesen. Aus Langeweile beobachtet er von seinem Fenster aus das Geschehen im Hinterhof einer Apartmentanlage in Greenwich Village. Das anfängliche Vergnügen über die Marotten seiner Nachbarn weicht allmählich einer obsessiven Neugier. Von seinem Zeitvertreib lässt er sich auch nicht durch die warnenden Ratschläge seiner Pflegerin Stella abhalten.

Fürsorglichen Besuch erhält Jeff zudem von seiner Verlobten Lisa Fremont, die als elegante Karrierefrau aus einem vornehmen Stadtteil New Yorks den charakterlichen Gegenpol zum abenteuerlustigen und an das einfache Leben gewöhnten Fotografen bildet.

Als Jeff eines Nachts nicht genügend Ruhe findet, bemerkt er im Halbschlaf, dass einer der Anwohner – Lars Thorwald, ein Vertreter für Modeschmuck von gegenüber – die Wohnung mehrmals mitten in der Nacht im strömenden Regen mit seinem Musterkoffer verlässt. Am nächsten Morgen ist dessen bettlägerige Ehefrau verschwunden. Was Jefferies, weil er dann doch eingeschlafen ist, nicht mitbekommt, ist, dass Thorwald morgens um sechs sein Apartment mit einer Frau in Trauerkleidung verlässt. Mit einem Fernglas, später durch das Teleobjektiv seines Fotoapparats, beobachtet Jeff, wie Thorwald ein Messer und eine Säge in Zeitungspapier wickelt. Jeff berichtet Stella und Lisa von den verdächtigen Vorgängen und entwirft eine gewagte Mordtheorie. Lisa zeigt zunächst kein Verständnis, ändert aber schlagartig ihre Haltung, als sie mit eigenen Augen sieht, wie Thorwald einen großen Schrankkoffer mit Seilen verschnürt.

Am nächsten Tag sucht Jeff Rat bei seinem Freund Thomas J. „Tom“ Doyle, der bei der Kriminalpolizei arbeitet und den er noch aus gemeinsamen Kriegstagen kennt. Höchst skeptisch verfolgt dieser Jeffs Auslegung der jüngsten Ereignisse, erklärt sich nach einigem Zögern aber bereit, inoffizielle Nachforschungen anzustellen. Zeugenaussagen scheinen Jeffs Vermutungen zu widerlegen, denn angeblich schickte Thorwald seine Frau mit der Bahn zur Erholung aufs Land. Nach ihrer Ankunft schrieb sie von dort eine Postkarte. Der suspekte Schrankkoffer diente wohl lediglich zum Transport ihrer Kleider. Aber die Handtasche und auch Schmuck seiner Frau befinden sich nach wie vor in Thorwalds Wohnung, daher gibt sich Lisa mit den Erklärungen nicht zufrieden. Ihre weibliche Intuition findet bei Doyle jedoch kein Gehör und veranlasst ihn, nach einer von Sarkasmus begleiteten Diskussion seine Hilfe vorerst einzustellen.

Jeff und Lisa können ein paradoxes Gefühl der Enttäuschung nicht verbergen: Einerseits sehen sie sich um die Früchte ihrer Detektivarbeit gebracht, andererseits nagt ihre nur schwach empfundene Erleichterung über das scheinbare Lebenszeichen des vermeintlichen Opfers an ihrem Gewissen. Der moralische Aspekt erhält besonderes Gewicht, als beide den im Streit endenden Herrenbesuch bei einer verzweifelt nach Zuwendung suchenden Anwohnerin („Miss Einsames Herz“) mit ansehen müssen.

Als Lisa die Vorhänge schließt, um sich Jeff im verführerischen Negligé zu präsentieren, ertönt plötzlich ein Schrei aus dem Hinterhof: Der kleine Hund eines alten Ehepaares wurde mit gebrochenem Genick aufgefunden. Die gesamte Nachbarschaft erscheint an ihren Fenstern – nur Thorwald zeigt keine Regung. Jeff versucht, das Motiv für den Tod des Tieres herauszufinden, und stellt mit Hilfe alter Dias fest, dass einige Pflanzen in einem Blumenbeet nahe der Fundstelle innerhalb von zwei Wochen kürzer geworden sind. Möglicherweise hatte der Hund etwas ausgegraben und wurde vom Täter dabei ertappt. Um Thorwald aus seiner Wohnung zu locken, täuscht Jeff mit einem Brief und Anrufen eine Erpressung vor und lockt Thorwald zu einem fingierten Treffen aus der Wohnung. Lisa und Stella graben daraufhin das Blumenbeet um, finden aber keine Anhaltspunkte für ein Verbrechen. Dann klettert Lisa über die Feuertreppe und den Balkon durch das Fenster in Thorwalds Wohnung, um dort weiter nach Beweisen zu suchen.

Stella kehrt unterdessen in das Apartment von Jeff zurück, der entsetzt über Lisas Leichtsinn ist. Sie vereinbaren, Thorwalds Telefon klingeln zu lassen, falls dieser zurückkehrt, richten ihre Aufmerksamkeit dann aber auf „Miss Einsames Herz“, die sich in selbstmörderischer Absicht eine Überdosis Kapseln zurechtgelegt hat. Jeff ruft umgehend die Polizei an, zögert allerdings mit der Meldung, weil ein von einem benachbarten Musiker gespieltes Lied einen Sinneswandel bei der lebensmüden Frau zu bewirken scheint.

Durch diesen Nebenschauplatz werden Jeff und Stella von den sich dramatisch zuspitzenden Vorgängen in Thorwalds Wohnung abgelenkt. Thorwald kehrt unverrichteter Dinge wieder nach Hause zurück und Lisa sitzt in der Falle. Sie versteckt sich, wird jedoch kurz darauf von Thorwald gefunden und in eine handgreifliche Auseinandersetzung verwickelt. Als die Polizei eintrifft, lässt Lisa es in der anschließenden Befragung so aussehen, als sei sie eingebrochen, um durch ihre Festnahme sicher aus Thorwalds Wohnung zu entkommen. Vor ihrer Verhaftung zeigt sie mit dem Rücken zum Fenster stehend auf ihren Finger. Dort befindet sich Mrs. Thorwalds Ehering, den sie sich geistesgegenwärtig übergestreift hat, um wenigstens ein Beweisstück zu retten. Thorwald bemerkt dies, blickt an ihr vorbei in den Hof und entdeckt Jeff und Stella am Fenster gegenüber.

Jeff schickt Stella mit der Kaution für Lisa auf den Weg zur Polizei, während er Doyle telefonisch über die neue Sachlage aufklärt. Der ist nun auch von Thorwalds Schuld überzeugt und verspricht, sich um Lisas Freilassung zu kümmern. Jeff geht bei einem erneuten Klingeln des Telefons an den Apparat und meldet sich in der Annahme, es sei noch einmal Doyle, mit den Worten „Ich glaube, Thorwald ist schon abgehauen“. Erst dann wird ihm bewusst, dass der Anrufer Thorwald selbst sein könnte und er jetzt einer persönlichen Konfrontation mit diesem nicht mehr entgeht. In seiner eingeschränkten Bewegungsfähigkeit besitzt Jeff nur wenig Mittel zur Gegenwehr. Er legt sich eine Schachtel mit Blitzlichtbirnen seines Fotoapparates zurecht, dann steht Thorwald ihm wenig später im Halbdunkel gegenüber. Zu seinen Absichten befragt, antwortet Jeff zunächst nicht. Thorwald kommt näher, wird aber durch wiederholtes Blenden mit dem Blitzlicht aufgehalten. Er erreicht den Rollstuhl und drängt Jeff in Richtung des offenen Fensters. In diesem Moment treffen Lisa, Stella, Doyle sowie weitere Polizisten ein. Thorwald wird überwältigt, Jeff jedoch findet an der Fensterbank keinen Halt mehr und landet nach dem unvermeidlichen Sturz in den Armen von zwei Polizisten. Danach gesteht Thorwald den Mord an seiner Frau und die Polizisten nehmen ihn fest. Welches Beweisstück der Hund ausgegraben hat, bleibt offen.

Etwas später herrscht wieder Frieden im Hinterhof: Thorwalds Wohnung wird renoviert, das alte Ehepaar hat einen neuen Hund, „Miss Einsames Herz“ und der Musiker finden zusammen, Lisa ist bei Jeff zu Besuch. Der sitzt wie vorher in seiner Wohnung im Rollstuhl – jetzt jedoch mit zwei Gipsbeinen.

Hintergrund

Entstehungsgeschichte

Die literarische Vorlage von Das Fenster zum Hof war Cornell Woolrichs Kurzgeschichte It Had to Be Murder von 1942.<ref>Thilo Wydra: Alfred Hitchcock. Leben – Werk – Wirkung. 2010, ISBN 978-3-518-18243-7, S. 93.</ref> Ein im Dezember 1988 erschienener Artikel von DV gibt an, dass Woolrich die Rechte im Jahr 1945, nun unter dem Namen Rear Window, an Buddy DeSylva vergab,<ref name="afi.com">Rear Window (1954). In: American Film Institute. Abgerufen am 23. März 2015. (englisch)</ref> nach dessen Tod 1950 ersteigerten sie Joshua Logan und Leland Hayward. Im Februar 1953 schrieb Logan an einem Treatment von Rear Window, das Hayward im April an Hitchcocks Agenten Lew Wasserman sandte;<ref>John Belton: Alfred Hitchcock’s Rear Window. 1999, S. 23.</ref> seine erste Produktion für Paramount konzipierte Hitchcock bereits bei den Dreharbeiten zu seinem vorherigen Film, Bei Anruf Mord.<ref>John Russell Taylor: Die Hitchcock-Biografie. 1980, ISBN 3-446-12973-1, S. 264.</ref> Hitchcock ließ sich von zwei echten Mordfällen inspirieren: dem Fall Hawley Crippen und dem Fall Patrick Mahon. Crippen hatte seine Frau vergiftet und ihren zerteilten Leichnam im Keller vergraben, Mahon hatte sein Opfer zerstückelt und die Leichenteile aus einem Zug geworfen.<ref>François Truffaut: Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht? 2003, ISBN 3-453-86141-8, S. 214.</ref>

Das 162-seitige Drehbuch<ref>John Belton: Alfred Hitchcock’s Rear Window. 1999, S. 38.</ref> von John Michael Hayes enthält einige Unterschiede zur Vorlage. So fehlt in It Had to Be Murder die Liebesgeschichte, die in Das Fenster zum Hof eine zentrale Rolle spielt.<ref>Pat Hitchcock O’Connel: Rückblick aus dem Fenster zum Hof im Bonusmaterial der DVD (5:10 min – 5:39 min)</ref> Als es um die Besetzung ging, wählte Hitchcock die Darsteller für die Hauptrollen aus und überließ seinem Regieassistenten Herbert Coleman die Auswahl für einige Nebenrollen.<ref>Herbert Coleman: Rückblick aus dem Fenster zum Hof im Bonusmaterial der DVD (12:44 min – 13:04 min)</ref> Die Dreharbeiten begannen am 27. November 1953.<ref name="afi.com" /> Das ursprüngliche Budget war bei 875.000 US-Dollar<ref>John Belton: Alfred Hitchcock’s Rear Window. 1999, S. 52.</ref> angesetzt, musste aber um rund 263.000 US-Dollar auf etwa 1.138.000 US-Dollar erhöht werden.<ref name="Belton, S. 38" /><ref>John Belton: Alfred Hitchcock’s Rear Window. 1999, S. 53.</ref>

Wie aus Produktionsnotizen hervorgeht, dauerte die Planung für das Set monatelang, der eigentliche Aufbau unter der Leitung von Hal Pereira fand vom 12. Oktober bis zum Beginn erster Probeaufnahmen am 13. November statt.<ref>John Belton: Alfred Hitchcock’s Rear Window. 1999, S. 30.</ref> Der Hof maß 30 Meter in der Breite, 56 Meter in der Länge und 12 Meter in der Höhe.<ref name="Belton, S. 3">John Belton: Alfred Hitchcock’s Rear Window. 1999, S. 3.</ref> Er bestand aus 31 Wohnungen, die Jefferies von seinem Fenster aus sieht, 12 davon komplett möbliert<ref>Bernhard Jendricke: Alfred Hitchcock. 1993, ISBN 978-3-499-50420-4, S. 97.</ref> – das bis Ende 1953 größte Innenset der Paramount-Studios.<ref>Donald Spoto: Alfred Hitchcock und seine Filme. 1999, ISBN 3-453-15746-X, S. 231.</ref> Für jede Tageszeit gab es eine eigene Beleuchtung.<ref>James C. Katz: Rückblick aus dem Fenster zum Hof im Bonusmaterial der DVD (17:23 min – 17:35 min)</ref> Der Entwurf der Kulisse kostete mehr als 9.000 Dollar und deren Bau mehr als 72.000 Dollar.<ref name="Belton, S. 3" /> Über die Produktionsbedingungen berichtete der Produktionsleiter C. O. Erickson:

„Das Set reichte vom Keller bis unters Dach. Es war ein Riesenproblem für die Beleuchter. Und es war sehr heiß. Die Lichttechnik war damals nicht so ausgereift. Ebenso Filmmaterial und Objektive. Alles hatte sich gegen uns verschworen. Es war eine wahnwitzige Aufgabe. Die Helfer unter dem Dach hatten es schwer, den Schauspielern ging es nicht besser.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Doc Erickson<ref>Doc Erickson: Rückblick aus dem Fenster zum Hof im Bonusmaterial der DVD (16:51 min–17:22 min)</ref>

Am 13. Januar 1954<ref name="afi.com" /> wurden die Dreharbeiten beendet, 15 Tage später als geplant.<ref name="Belton, S. 38">John Belton: Alfred Hitchcock’s Rear Window. 1999, S. 38.</ref>

Am 4. August 1954 feierte Das Fenster zum Hof anlässlich einer Benefizveranstaltung in New York City seine USA-Premiere im Rivoli Theatre. Die Weltpremiere fand am 11. August 1954 statt.<ref>John Belton: Alfred Hitchcock’s Rear Window. 1999, S. 40.</ref> Der Film wurde ein finanzieller Erfolg und spielte in den USA 26,1 Millionen US-Dollar ein.<ref>Rear Window: Domestic Total Gross. In: Box Office Mojo. Abgerufen am 30. Januar 2015. (englisch)</ref>

Cameo

Seinen traditionellen Cameo-Auftritt hat Hitchcock etwa 26 Minuten nach Beginn des Films im Zimmer des Texters und Komponisten, der am Klavier probt, während Hitchcock hinter ihm eine Kaminuhr aufzieht.

Deutsche Fassungen

Die erste Synchronisation fand 1954 unter der Regie von Peter Elsholtz statt. Das Dialogbuch schrieb Fritz A. Koeniger. Diese Synchronfassung gilt heute als verschollen. 8 Jahre nach der Fertigstellung des Films fielen die Rechte an Alfred Hitchcock. In der Folge wurden alle Kopien inklusive der ausländischen Fassungen vernichtet.<ref>Das Fenster zum Hof (Kinoversion). In: Deutsche Synchronkartei. Abgerufen am 19. November 2014.</ref> Für die zweite Synchronisation im Jahr 1984 führte Heinz Petruo Regie, und Hans Bernd Ebinger schrieb das Dialogbuch.<ref>Das Fenster zum Hof (Wiederaufführung). In: Deutsche Synchronkartei. Abgerufen am 19. November 2014.</ref>

L. B. „Jeff“ Jefferies Siegmar Schneider
Lisa Carol Fremont
Stella
Thomas „Tom“ J. Doyle
Lars Thorwald
Mr. Gunnison, Jeffs Redakteur am Telefon (Sprechrolle)
Detective Peter Neusser
Hundehalterin
Hundehalter
Frischvermählte

Sperre

Der Film wurde als einer der „Verbotenen Fünf“ aus nicht endgültig geklärten Gründen ab 1961 durch Hitchcock mit einem Aufführungsverbot belegt und durfte erst 1983, drei Jahre nach Hitchcocks Tod, wieder gezeigt werden.<ref>https://audiovision.de/fakten-check-vertigo-das-fenster-zum-hof-hitchcocks-verbotene-fuenf; abgerufen am 4. August 2024</ref>

Restaurierung

Robert A. Harris und James C. Katz, die für die Universal Studios schon Lawrence von Arabien und Vertigo – Aus dem Reich der Toten aufarbeiteten, restaurierten den Film ab 1997.<ref name="Suchsland (artechock.de)">Rüdiger Suchsland: Voyeuristische Short-Cuts. In: artechock. Abgerufen am 20. April 2015.</ref> Dabei bereiteten ihnen die schlechte Farbe und die zu 90 % zerstörte Emulsionsschicht Probleme. Sie brauchten sechs Monate, um einen Weg zu finden, diese neu aufzutragen.<ref>James C. Katz und Robert Harris: Rückblick aus dem Fenster zum Hof im Bonusmaterial der DVD (45:35 min–47:47 min)</ref>

DVD und Blu-ray

Der Film wird seit 2001 durch Universal Studios auf DVD vertrieben.<ref>Rear Window: Collector’s Edition. In: The DVD Journal. Abgerufen am 25. Juni 2016. (englisch)</ref> Eine Blu-ray-Veröffentlichung erschien erstmals 2012<ref>Rear Window: Rear Window. In: DVDBeaver. Abgerufen am 25. Juni 2016. (englisch)</ref>, seit 2014 wird eine erweiterte und überarbeitete Fassung angeboten.<ref>Rear Window Blu-ray. In: blu-ray.com. Abgerufen am 25. Juni 2016. (englisch)</ref>

Analyse

Inszenierung

Visueller Stil und Kamera

Das Fenster zum Hof beginnt mit der für Hitchcock typischen Exposition, die der klassischen Einheit von Zeit, Ort und Handlung folgt: Durch eine Kamerafahrt wird der Zuschauer kommentarlos in Jeff und seine Situation, seinen Beruf und sein Umfeld eingeführt.<ref>Thilo Wydra: Alfred Hitchcock. Leben – Werk – Wirkung. 2010, S. 94.</ref> Die Inszenierung wechselt nur an dieser Stelle die Perspektive.<ref name="Truffaut, S. 214">François Truffaut: Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht? 2003, S. 214.</ref> „Wie bereits in Bei Anruf Mord“, schreibt Crowther, nutze Hitchcock die Farben „dramatisch“.<ref name="Crowther (nytimes.com)" /> Anlässlich der Restaurierung schrieb Suchsland, dass die Farben „kühler und intensiver“ sind.<ref name="Suchsland (artechock.de)" /> Das Fenster zum Hof enthält ungewöhnlich viele Abblenden.<ref>Donald Spoto: Alfred Hitchcock und seine Filme. 1999, S. 233.</ref>

Dramaturgie

Rear Window war strukturell sehr befriedigend, weil der Film der Inbegriff der Subjektivität ist. Ein Mann sieht etwas und reagiert. So schafft man einen Denkprozeß. Rear Window ist von Anfang bis Ende ein Denkprozeß mit visuellen Mitteln.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Alfred Hitchcock<ref>Donald Spoto: Alfred Hitchcock und seine Filme. 1999, S. 239.</ref>

Das Fenster zum Hof wurde neben den Genres Thriller und Kriminalfilm auch dem Melodram<ref name="Crowther (nytimes.com)" /> und dem Liebesfilm zugeordnet. Für Éric Rohmer und Claude Chabrol ist er zur Hälfte Komödie und sie bescheinigen dem Film eine „unablässige Ironie des Tonfalls“.<ref>Éric Rohmer, Claude Chabrol: Hitchcock. 2013, ISBN 978-3-89581-280-4, S. 186.</ref> Bernhard Jendricke merkt an, dass Das Fenster zum Hof mit der Wiederaufnahme des Anfangs endet: „Der Held sitzt nach wie vor im Rollstuhl, nur hat er jetzt […] statt einem beide Beine in Gips.“ Diese „kreisförmige Struktur der Handlung“ verleihe dem Film den „Charakter einer Komödie“.<ref>Bernhard Jendricke: Alfred Hitchcock. 1993, S. 99.</ref>

Die erzählerischen Mittel sind auf ein Wesentliches reduziert.<ref>Bernhard Jendricke: Alfred Hitchcock. 1993, S. 96–97.</ref> Hitchcock sagt über das filmische Prinzip des Films: „Das bot die Möglichkeit einen vollkommenen filmischen Film zu machen. Da ist der unbewegliche Mann, der nach draußen schaut. Das ist das erste Stück Film. Das zweite Stück läßt in Erscheinung treten, was der Mann sieht, und das dritte zeigt seine Reaktion. Das stellt den reinsten Ausdruck filmischer Vorstellung dar, den wir kennen.“<ref>François Truffaut: Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht? 2003, S. 211.</ref> André Bazin gliedert Das Fenster zum Hof in drei Filme: Der erste erzähle „von der sexuellen Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau“, der zweite sei ein „klassischer Kriminalfilm“ und der letzte ein Episodenfilm.<ref name="Bazin, S. 256">André Bazin: Fenêtre sur cour. In: France Observateur. Nr. 256, 7. April 1955. (Französisch)</ref>

Ton und Musik

Die Filmmusik<ref>Filmmusik</ref> bzw. der Ton sind in weiten Teilen diegetisch<ref>Diegetische Musik</ref>; d. h. der Zuschauer hört nichts anderes als die Protagonisten im Film selbst (Stille, Straßenlärm, Radioklänge, Klavierspiel etc.); selbst in den Momenten höchster Spannung wird keine Musikuntermalung eingesetzt. Dies verleiht dem Film etwas Dokumentarisches und steigert die vermeintliche Realität der Handlung. Die Musikauswahl von Franz Waxman soll die Welt des Films charakterisieren – „eine Welt, die auf den Hinterhof beschränkt ist“.<ref>Curtis Hanson: Rückblick aus dem Fenster zum Hof im Bonusmaterial der DVD (30:28 min–30:42 min)</ref> Der Komponist im Film entwickelt das leitmotivische Lied „Lisa“ über den ganzen Film hindurch.<ref>John Waxman: Rückblick aus dem Fenster zum Hof im Bonusmaterial der DVD (32:29 min – 34:36 min)</ref> Hitchcock wollte, dass es „schließlich in der Schlußszene mit Orchester von einer Platte kommt. Das hat nicht geklappt. Ich hätte dafür einen Schlagerkomponisten nehmen sollen. Ich war sehr enttäuscht.“<ref name="Truffaut, S. 214" /> Für Donald Spoto (1999) ist der Themensong To See You is To Love You von Bing Crosby sehr aufschlussreich: „[…] und dies [„Dich zu sehen bedeutet, dich zu lieben“] trifft genau auf Jeff zu – auch er gibt sich mit dem bloßen Beobachten zufrieden.“<ref name="Spoto, S. 235">Donald Spoto: Alfred Hitchcock und seine Filme. 1999, S. 235.</ref>

Laut Katz (1982) hatte Hitchcock eine bestimmte Art, den „leicht hohle[n], sehr realistisch wirkende[n] Ton“ zu erreichen: Er nahm den Ton von Stewarts Platz aus auf, um so den Abstand zwischen dem Fenster, an dem Stewart saß, und den anderen Wohnungen darzustellen.<ref>James C. Katz: Rückblick aus dem Fenster zum Hof im Bonusmaterial der DVD (31:20 min – 31:48 min)</ref> Aus demselben Grund werden alle Lieder aus dem Film von einem Radio abgespielt.<ref name="afi.com" />

Themen und Motive

Voyeurismus

Jeff ist ein Voyeur, der mit dem Teleobjektiv, dem „tragbaren Schlüsselloch“ (Stella),<ref name="Wydra, S. 95">Thilo Wydra: Alfred Hitchcock. Leben – Werk – Wirkung. 2010, S. 95.</ref> darauf wartet, daß etwas geschieht, das seine Schlussfolgerungen bestätigt, und wir warten und wünschen mit ihm. Das Verbrechen wird von ihm quasi gewollt: Er will aus seiner Entdeckung den größtmöglichen Genuß ziehen, sie zum Sinn seines Lebens machen. Das Verbrechen wird aber auch von uns, den Zuschauern, gewollt, und wir haben vor nichts mehr Angst, als daß unsere Hoffnungen enttäuscht werden.“<ref name="Éric Rohmer und Claude Chabrol, S. 188">Éric Rohmer und Claude Chabrol: Hitchcock. 2013, S. 188.</ref> Das erklärt Wydra damit, dass der Zuschauer „den Hof überwiegend mit Jeffries’ Augen [sieht]. Nur in einigen Szenen steht er außerhalb. Der subjektive Blick wird zum objektiven erklärt. Der Blick des Zuschauers also ist jener der Kamera, ist der Jeffries’. Durch diese Verschmelzung, zumal die Grundsituation des Zuschauers eben das Zusehen ist, begeht dieser von Beginn an eine Indiskretion. Er wird zum Voyeur.“<ref>Thilo Wydra: Alfred Hitchcock. Leben – Werk – Wirkung. 2010, S. 94–95.</ref> Dies sei nicht das erste Mal, so Éric Rohmer und Claude Chabrol, dass Hitchcock die sadistische Erwartung seines Publikums entlarvt, so etwa mit bewusst trügerischen Happy Ends oder leicht vorhersehbaren, in ihrer Grausamkeit aber völlig unerwarteten Ereignissen. Zudem sei der Drang, „das Rätsel zu lösen oder besser: die Lösung zu sehen, bei dem Fotoreporter am Ende stärker als jedes andere Gefühl. Dieser Voyeur erlebt sein größtes Lustgefühl im Moment seiner größten Angst.“<ref name="Éric Rohmer und Claude Chabrol, S. 188" />

Nachfolgend gehen die Autoren auf die Szene ein, in der Jeff den Mörder konfrontiert: „»Was wollen Sie von mir?« fragt ihn der Mann, der sich als Erklärung für das Verhalten des anderen nur das schäbigste Motiv vorstellen kann: Erpressung. Dabei ist das eigentliche Motiv – feige Neugier – sogar noch schäbiger.“<ref>Éric Rohmer und Claude Chabrol: Hitchcock. 2013, S. 192.</ref> Laut Spoto „bricht Rear Window eine Lanze für mehr Introspektion und lehnt den Voyeurismus ab.“ Für ihn bringt Jeff „sein eigenes und das Leben anderer […] dadurch in Gefahr, daß er nur Zuschauer ist und am Leben selbst nicht teilnimmt – in gewisser Weise ist dieser Fotograf also nicht nur der ultimative Kinogänger, sondern auch der ultimative Filmemacher.“<ref>Donald Spoto: Alfred Hitchcock und seine Filme. 1999, S. 236.</ref>

Die Idee der Ehe

Donald Spoto bezeichnet den Thorwald-Mord als MacGuffin, der lediglich dazu dient, das eigentliche Thema des Films einzuführen: die Beziehung zwischen Jeff und Lisa.<ref>Donald Spoto: Alfred Hitchcock und seine Filme. 1999, S. 230.</ref> Dass Hitchcock sich nicht für den Mörder interessiert, werde deutlich, „wenn wir daran denken, daß wir (1) das eigentliche Verbrechen nicht sehen, daß wir (2) nichts über den Mann und seine Frau wissen, über ihre Vergangenheit, ihr Zusammenleben oder Einzelheiten ihrer »Krankheit« (sie macht einen recht gesunden und hübschen Eindruck), und daß wir (3) sie nur von weitem zu Gesicht bekommen.“<ref>Donald Spoto: Alfred Hitchcock und seine Filme. 1999, S. 229.</ref> Spoto merkt an, dass Jeff Intimität Angst macht und er „jede Gelegenheit [nutzt], um Lisa zurückzuweisen. […] weil sie Jeff Liebe und Treue zusammen mit Schönheit und Klugheit anbietet, fühlt er sich offenbar überfordert, in seiner Überlegenheit angegriffen“. Spoto verweist dabei auf die Szene, in der Lisa für Jeff ein Kleid und später ein Negligé anprobiert, ihn aber jede Anspielung auf körperliche Liebe stört.<ref name="Spoto, S. 235" />

Im Interview mit Hitchcock sieht François Truffaut auf der anderen Seite des Hofes „alle Arten menschlichen Verhaltens, einen kleinen Verhaltenskatalog. […] Was man auf der Hofmauer sieht, ist eine Fülle kleiner Geschichten, es ist der Spiegel, wie Sie sagen, einer kleinen Welt.“ Hitchcock ergänzt: „Und alle diese Geschichten haben als gemeinsamen Nenner die Liebe.“<ref>François Truffaut: Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?. 2003, S. 212.</ref> Jendricke deutet die Szene, in der Lisa heimlich die Wohnung von Thorwald durchsucht und den Ring der Verschwundenen findet, wie folgt: „Lisa [streift] sich den Ring über, denn damit hat sie sowohl den Mörder überführt als auch ihrem Freund bewiesen, daß sie den Gefahren gewachsen ist, somit seine Bedenken hinfällig geworden sind – und einer Heirat nichts mehr im Wege steht.“<ref name="Jendricke, S. 98">Bernhard Jendricke: Alfred Hitchcock. 1993, S. 98.</ref>

Einsamkeit

Keiner der Bewohner, „[g]anz gleich, in welchem sozialen Status [sie] sich befinden, ob Single oder Verheiratete, niemand von ihnen scheint erfüllt, scheint glücklich zu sein.“<ref name="Wydra, S. 95" /> Für Éric Rohmer und Claude Chabrol manifestiert sich die Einsamkeit nicht nur „in der Ohnmacht des an den Rollstuhl gefesselten Reporters“, sondern auch „in den an Kaninchenställe erinnernden Schachtel-Apartments, die er von seinem Fenster aus sieht“.<ref name="Éric Rohmer und Claude Chabrol, S. 188" /> Über diese Idee der „physischen Einsamkeit“ stülpe sich die der „moralischen Einsamkeit, konzipiert als Bestrafung für die Hypertrophie der Begierde“.<ref>Éric Rohmer und Claude Chabrol: Hitchcock. 2013, S. 189–190.</ref> Die Autoren ziehen folgende Bilanz: „Kurz, jeder der Charaktere, ob Protagonist oder Nebenfigur, ist eingesperrt, und zwar nicht nur in der Klause seiner Wohnung, sondern in dem verbissenen Einverständnis mit einem Zustand, der, wenn man ihn von außen, ausschnittweise und aus der Ferne betrachtet, nur lächerlich wirken kann.“<ref>Éric Rohmer und Claude Chabrol: Hitchcock. 2013, S. 191.</ref>

Dualismus

Thilo Wydra stellt fest, dass Thorwald das „externalisierte Alter Ego“ von Jeff ist. Er führt aus: „Jeffries’ Beobachtung des thorwaldschen Ehelebens und der Konsequenzen mag letztlich nichts als eine unbewusste Projektion seiner Urängste sein. Im Grunde ist alles, was sich auf der gegenüberliegenden Seite abspielt, die Symbolisierung von Sehnsüchten und Wünschen einerseits, von Ängsten und Abgründen andererseits. Thorwald vollzieht, was Jeffries sich nicht traut.“ Jeff ist der positive Held, Thorwald der negative Antagonist. Dieser ist mit einer Frau zusammen, die aus der Ferne „blond, schlank und eher jünger“ wirkt – ganz so wie Lisa.<ref name="Wydra, S. 97">Thilo Wydra: Alfred Hitchcock. Leben – Werk – Wirkung. 2010, S. 97.</ref> Spoto bestätigt diesen Eindruck.<ref>Donald Spoto: Alfred Hitchcock und seine Filme. 1999, S. 234.</ref> „Während es hier Jeff ist, der sonst in der Welt umherreisende Fotoreporter, der mit seinem Gipsbein an Rollstuhl und Bettsofa gefesselt ist und von Lisa insistierend umsorgt wird; ist es drüben genau gespiegelt: Thorwalds Frau ist krank und liegt im Bett, während er, der Handlungsreisende, unterwegs und beweglich ist, sich jedoch um seine Frau kümmern muss.“<ref name="Wydra, S. 97" /> Bernhard Jendricke findet weitere Parallelen: „Beide Männer sind von Berufs wegen Reisende, beide sind unfreiwillig sexuell abstinent, der eine wegen seines Gipskorsetts, der andere wegen mangelnder Gelegenheiten, seine Geliebte zu treffen. Beide hantieren mit Gegenständen, die eine phallische Symbolik haben: Jeffries verwendet bei seinen voyeuristischen Erkundungen ein extrem langes Teleobjektiv, der Vertreter tötet seine Frau mit einem Fleischermesser beachtlicher Größe.“ Zudem würden beide Frauen ihre Partner bedrängen.<ref name="Jendricke, S. 98" />

Rezeption

Quelle Bewertung
Rotten Tomatoes (Tomatometer) Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 273: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)<ref name="rotten tomatoes">Das Fenster zum Hof. In: Rotten Tomatoes. Fandango, abgerufen Format invalid (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), aggregiert aus Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 273: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) Kritiken).</ref>
Metacritic (Metascore) 100/100<ref name="metacritic">Das Fenster zum Hof. In: Metacritic. Abgerufen am 17. Oktober 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
AllMovie SternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbol<ref>Vorlage:AllMovie</ref>
Empire SternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbol<ref name="empire" />
Roger Ebert SternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbol<ref name="ebert" />
They Shoot Pictures, Don’t They? #40<ref name="tspdt" />

Sowohl die zeitgenössische als auch die neuere Kritik nahm Das Fenster zum Hof fast ausschließlich positiv bis euphorisch auf. Dies spiegelt sich auch in den Auswertungen US-amerikanischer Aggregatoren wider. So erfasst Rotten Tomatoes fast ausschließlich wohlwollende Besprechungen,<ref name="rotten tomatoes" /> Metacritic nur Höchstwertungen.<ref name="metacritic" /> Auch der Publikumszuspruch ist ungebrochen. So setzen die Nutzer der Filmdatenbank IMDb Das Fenster zum Hof auf Platz 51 ihrer Top 250 beliebtesten Filme.<ref>Top 250 Movies. In: IMDb. Amazon, abgerufen am 17. Oktober 2025 (Wertung SternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbol).</ref>

Zeitgenössische Reaktionen

François Truffaut zeigt sich im Arts-Magazin darin überzeugt, „daß dieser Film einer der wichtigsten unter den siebzehn ist, die Hitchcock in Hollywood gedreht hat, einer der ungewöhnlichsten auf jeden Fall, makellos, ohne jede Schwäche, ohne Konzession. […] Hitchcock hat eine solche Kenntnis des filmischen Erzählens erlangt, daß er in dreißig Jahren weit mehr geworden ist als nur ein guter Geschichtenerzähler. Weil er seinen Beruf leidenschaftlich liebt und nicht aufhört zu filmen und weil er lange schon alle Inszenierungsprobleme gelöst hat, muß er sich, um sich nicht zu langweilen oder zu wiederholen, zusätzliche Schwierigkeiten erfinden, neuen Disziplinen unterwerfen, was in seinen letzten Filmen zu dieser Häufung von äußerst aufregenden und immer brillant gelösten Zwängen führt.“<ref>François Truffaut: Fenêtre sur cour. In: Arts. Nr. 510, 6.–12. April 1955, S. 5. (Französisch)</ref>

In der Filmzeitschrift Cahiers du cinéma sieht Claude Chabrol den Film auf „höherem Niveau als die meisten seiner vorangegangenen Arbeiten“. Damit würde er „eindeutig in die Kategorie der ernsthaften Werke jenseits bloßer Krimi-Unterhaltung“ gehören.<ref>Claude Chabrol: Les choses sérieuses [Die ernsthaften Dinge]. In: Cahiers du cinéma. Heft 46, April 1955, S. 41–43. (Französisch)</ref>

William Brogdon nennt Das Fenster zum Hof im Variety vom 14. Juli 1954 einen „von Hitchcocks besseren Thrillern“. Hitchcock kombiniere „technische und künstlerische Geschicklichkeit in einer Weise, die ihn zu einem ungewöhnlich guten Stück Krimi-Unterhaltung machen“. Er lobt das Drehbuch von John Michael Hayes als „clever“ und die Bewohner der anderen Appartements würden wie „echte Menschen“ scheinen. Auch Burr sei „sehr gut“ als Bedrohung.<ref name="Brogdon (variety.com)">William Brogdon: Review: ‘Rear Window’. In: Variety. 14. Juli 1954. Online-Version. Abgerufen am 26. Dezember 2014. (englisch)</ref> Auch der film-dienst fällt ein positives Urteil: „Ein sehr spannender, dramaturgisch ausgefeilter Film ohne Schockeffekte. Einer der stilistisch klarsten und originellsten Filme Hitchcocks voller atemloser Spannung, weil der Zuschauer bald merkt, daß die Situation Jeffries der seinen gleicht.“ Die Filmkommission vergibt das Prädikat „Sehenswert“.<ref>Kurzkritik zu Das Fenster zum Hof (1954). In: film-dienst. Online im cinOmat (Zugriff nur für Abonnenten).</ref>

André Bazin würdigt den Film im France Observateur als eine „achtbare Arbeit“, kann aber kein „ernsthaftes Werk jenseits bloßer Unterhaltung auf hohem Niveau“ erkennen. Außerdem sei der Film im letzten Drittel „zu kunstfertig inszeniert […], als daß seine Figuren auch nur einen Augenblick glaubwürdig wären“.<ref name="Bazin, S. 256" /> Für Bosley Crowther ist Das Fenster zum Hof „nicht bedeutsam“. Was Hitchcock über die menschliche Natur zu sagen hat, sei „oberflächlich“ und „unbedacht“. Aber es zeige „viele Facetten der Einsamkeit des Stadtlebens“ und demonstriere „stillschweigend den Antrieb für krankhafte Neugier“. Stewarts Schauspiel rühmte Crowther als „erstklassige Arbeit“.<ref name="Crowther (nytimes.com)">Bosley Crowther: A ‘Rear Window’ View Seen at the Rivoli. In: New York Times. 5. August 1954. Online-Version. Abgerufen am 25. Dezember 2014. (englisch)</ref> The New Yorker bezeichnet den Film als „Gewäsch“ und der einzige Schauplatz sei „Dummheit“.<ref>John Belton: Alfred Hitchcock’s Rear Window. 1999, S. 40.</ref>

Spätere Bewertungen

Michael Sragow resümiert im März 2012: „[Das Fenster zum Hof] ist ein erstaunlicher, visueller und psychologischer Coup. Hitchcocks brillante Satire auf das beengte Stadtleben und seine meisterhafte Beschwörung des städtischen Voyeurismus erzeugen […] Urängste und einen tiefen Einblick.“ Kelly zeige die „charmanteste Leistung“ ihrer Karriere.<ref>Michael Sragow: Rear Window. In: The New Yorker. 7./8. März 2012. Abgerufen am 10. Juni 2015. (englisch)</ref> Roger Ebert sah das Niveau des Films „so hoch über dem billigen Nervenkitzel der modernen Slasher-Filme“, dass der Film, ursprünglich zur Unterhaltung gedacht, „nun als Kunst offenbart wird“.<ref name="ebert">Roger Ebert: Rear Window Movie Review. In: rogerebert.com. 20. Februar 2000. Abgerufen am 25. Dezember 2014. (englisch)</ref>

Vincent Canby schreibt in der New York Times vom 9. Oktober 1983, dass die „großartigen Auftritte“ von Stewart das „Herz des Films“ seien. „Das Fenster zum Hof verzaubert uns sofort und muss nicht zu Tode analysiert werden, um seinen Platz im Pantheon zu erhalten.“<ref name="Canby (nytimes.com)">Vincent Canby: Rear Window – Still a Joy. In: New York Times. 9. Oktober 1983. Online-Version. Abgerufen am 2. Januar 2015. (englisch)</ref> The-Guardian-Redakteur Killian Fox urteilt, Hitchcock habe es besser als jeder andere Filmemacher verstanden, unsere voyeuristischen Tendenzen zu erregen. Er glaubt nicht, dass Hitchcock es „je geschickter machte oder mit mehr schadenfreudigem Selbstbewusstsein“ als hier.<ref>Killian Fox: My favourite Hitchcock: Rear Window. In: The Guardian. 25. Juli 2012. Abgerufen am 2. Januar 2015. (englisch)</ref>

Joshua Klein nennt Das Fenster zum Hof die „vermutlich […] erfolgreichste Mischung aus Unterhaltung, Spannung und Psychologie in Hitchcocks bemerkenswerter Laufbahn. Eine faszinierende Studie von Obsession und Voyeurismus – mit perfekter Besetzung, perfektem Drehbuch und perfekter Kulisse.“<ref>Joshua Klein: Das Fenster zum Hof. In: 1001 Filme, die Sie sehen sollten, bevor das Leben vorbei ist. 9. Auflage (2012), S. 294.</ref> Für Kim Newman ist der Film „geistreich, spannend, traurig, lustig und klug“ und „würde mehr als fünf Sterne erhalten, wenn Empire es erlauben würde…“<ref name="empire">Kim Newman: Rear Window (2014). In: Empire. Abgerufen am 17. Oktober 2025. (englisch)</ref> Das Filmmagazin listet es auf Platz 103 der 500 besten Filme aller Zeiten.<ref>Empire’s 500 Greatest Movies Of All Time. Abgerufen am 4. August 2024</ref>

Insgesamt listet They Shoot Pictures, Don’t They? Das Fenster zum Hof unter den angesehensten Werken der Filmgeschichte.<ref name="tspdt">The 1,000 Greatest Films (by Ranking). In: They Shoot Pictures, Don’t They? 2025, abgerufen am 17. Oktober 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Auszeichnungen

<templatestyles src="column-multiple/styles.css" />

Einflüsse

In zahlreichen Filmen und Serien wird auf Das Fenster zum Hof verwiesen. 1993 nimmt die Folge 160 (8x05)Eine merkwürdige Beobachtung (The View) der Fernsehserie Matlock Grundzüge des Plots auf.

1999 verfilmte Jeff Bleckner Das Fenster zum Hof mit Christopher Reeve in der Hauptrolle neu. Reeve spielt einen Architekten anstelle eines Fotografen.<ref>Das Fenster zum Hof. In: prisma. Abgerufen am 30. März 2021.</ref> Ebenfalls 1999 wurde die Balko-Folge Tödliche Nachbarschaft ausgestrahlt, in der Balko, mit einem Gipsbein im Bett, einen mutmaßlichen Mord im Haus gegenüber beobachtet.<ref>fernsehserien.de: Balko – Tödliche Nachbarschaft (S04E13). Abgerufen am 4. August 2024.</ref> Disturbia (2007) überträgt die Handlung in die Gegenwart: Shia LaBeouf verkörpert Kale Brecht, der nach einer körperlichen Auseinandersetzung unter Hausarrest steht und eine elektronische Fußfessel tragen muss.<ref>Rüdiger Suchsland: Blick aus dem Fenster. In: artechock. Abgerufen am 24. Juni 2016.</ref> Der Tatort: Hitchcock und Frau Wernicke (2010) übernimmt größere Passagen der Handlung, auch der Film selbst spielt eine Rolle.<ref>Vorlage:TV Spielfilm</ref> Auch die Episode Sehnsucht der Kriminal-Fernsehreihe Spuren des Bösen orientiert sich an der Handlung des Films.<ref>TV-Tipp: Neue „Spuren des Bösen“ als Hommage an Hitchcock auf ots.at vom 22. August 2019, abgerufen am 30. August 2019.</ref>

2009 wurde der Film in der Comedy-Show Saturday Night Live Gegenstand eines Sketchs mit Jason Sudeikis als James Stewart, January Jones als Grace Kelly und Bobby Moynihan als Alfred Hitchcock.<ref>Phil Nugent: The Ten Worst Saturday Night Live Hosts of All Time. In: Nerve. Abgerufen am 24. Juni 2016.</ref> In der ersten Folge der sechsten Staffel der Zeichentrickserie Die SimpsonsEin grausiger Verdacht – muss Bart wegen eines Badeunfalls ein Gipsbein tragen.<ref>Ein grausiger Verdacht (Bart Of Darkness). In: fernsehserien.de. Abgerufen am 24. Juni 2016.</ref> Zudem parodieren Familie Feuerstein (1961),<ref>Familie Feuerstein. Alvin Brickrock Presents (1961) – Trivia. Internet Movie Database, abgerufen am 17. August 2021.</ref> The Detectives (1994),<ref>Vorlage:IMDb/1</ref> Allein gegen die Zukunft (1998),<ref>Where or When. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 31. Juli 2016; abgerufen am 31. Juli 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.tv.com</ref> Die wilden Siebziger (2000),<ref>Too Old to Trick or Treat, Too Young to Die. In: IMDb. Abgerufen am 24. Juni 2016.</ref> Mike & Molly (2013) und die erste Folge der britischen Comedyserie My Life in Film (2004)<ref>Vorlage:IMDb/1</ref> Das Fenster zum Hof. Episoden der Krimiserien Psych (2010),<ref>Vorlage:IMDb/1</ref> White Collar (2012)<ref>Vorlage:IMDb/1</ref> und Castle (2013)<ref>Vorlage:IMDb/1</ref> beziehen sich direkt auf den Film. Auch Alf meint in der Folge Das Fenster zum Garten einen Mord seines Nachbarn Trevor an dessen Frau Rachel beobachtet zu haben, eine Anspielung auf Hitchcocks Film. Ebenso lehnt sich der Mystery-Thriller The Woman in the Window (2021) an den Hitchcock-Klassiker an: Zu Beginn des Films sieht man einen kurzen Ausschnitt der finalen Szene aus dem Fenster zum Hof, in der James Stewart gegen seinen Widersacher kämpft.

Die Kurzgeschichte The Birds of Azalea Street der Autorin Nova Ren Suma aus der Anthologie Slasher Girls and Monster Boys (2015) wurde durch den Film inspiriert.<ref>Dahlia Adler: April Tucholke talks Horror Anthology Slasher Girls & Monster Boys and Zombie Apocalypse Buddies. In: Barnes & Noble. Abgerufen am 31. Juli 2016.</ref> Für seinen Roman Golden House von 2017 ließ sich Schriftsteller Salman Rushdie von dem Film Das Fenster zum Hof inspirieren.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Salman Rushdie – Den Tod im Nacken (Memento des Vorlage:IconExternal vom 23. Mai 2021 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.arte.tv, Dokumentarfilm von William Karel, 55 Min., 2018, produziert von Flach Film Production + Arte France</ref>

Literatur

  • Cornell Woolrich: Das Fenster zum Hof: Und vier weitere Kriminalgeschichten. Diogenes Verlag, Zürich 2003, ISBN 978-3-257-21718-6.
  • John Belton: Alfred Hitchcock's Rear Window. Cambridge University Press, 1999, ISBN 978-0-521-56453-3.

Weblinks

Einzelnachweise

<references responsive />

<templatestyles src="Erweiterte Navigationsleiste/styles legacy.css" />Vorlage:Klappleiste/Anfang

1920er

Irrgarten der Leidenschaft (1925) Der Bergadler (1926) Der Mieter (1927) Abwärts (1927) Leichtlebig (1927)Der Weltmeister (1927) Die Frau des Farmers (1928) Champagne (1928) Der Mann von der Insel Man (1929) Erpressung (1929)

1930er

Juno and the Paycock (1930) Elstree Calling (1930)Mord – Sir John greift ein! (1930) Mary (1930) Bis aufs Messer (1931) Nummer siebzehn (1931) Endlich sind wir reich (1931) Waltzes from Vienna (1933)Der Mann, der zuviel wusste (1934) Die 39 Stufen (1935) Geheimagent (1936) Sabotage (1936) Jung und unschuldig (1937) Eine Dame verschwindet (1938) Riff-Piraten (1939)

1940er

Rebecca (1940) Der Auslandskorrespondent (1940) Mr. und Mrs. Smith (1941) Verdacht (1941) Saboteure (1942) Im Schatten des Zweifels (1943) Gute Reise (1944) Landung auf Madagaskar (1944) Das Rettungsboot (1944) Ich kämpfe um dich (1945) Berüchtigt (1946)Der Fall Paradin (1947) Cocktail für eine Leiche (1948) Sklavin des Herzens (1949)

1950er

Die rote Lola (1950) Der Fremde im Zug (1951) Ich beichte (1953) Bei Anruf Mord (1954) Das Fenster zum Hof (1954) Über den Dächern von Nizza (1955) Immer Ärger mit Harry (1955) Der Mann, der zuviel wusste (1956) Der falsche Mann (1956) Vertigo – Aus dem Reich der Toten (1958) Der unsichtbare Dritte (1959)

1960er

Psycho (1960) Die Vögel (1963) Marnie (1964) Der zerrissene Vorhang (1966) Topas (1969)

1970er

Frenzy (1972) Familiengrab (1976)

Vorlage:Klappleiste/Ende

Vorlage:Hinweisbaustein

Vorlage:Hinweisbaustein