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Daruma-shū

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Die Daruma-shū (jap. {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), dt. „Bodhidharma-Schule“) war eine Schule des frühen Zen-Buddhismus in Japan. Sie entstand in der Kamakura-Zeit und hörte spätestens im Ōnin-Krieg auf, als eigenständige Schule zu existieren.

Ein Teil von ihr ging im Rahmen ihrer Verfolgung fast vollständig in der noch jungen Sōtō-shū auf und dominierte diese zeitweise.<ref>Faure 1987, S. 26.</ref>

Im übergeordneten Sinn bedeutet Daruma-shū' wörtlich „die Schule oder Linie von Bodhidharma“, einem indischen Mönch, der Zen im sechsten Jahrhundert von Indien nach China gebracht hat. Der Name wird verwendet, um die Zen-Schule im Allgemeinen oder die Lehren des Zen-Buddhismus zu bezeichnen. In anderen Zusammenhängen bezieht er sich auf eine kurzlebige Schule des Zen, die von dem Mönch Dainichim Nônin in Japan gegründet wurde.bezeichnet.<ref></ref> In japanischen Publikationen wird die Daruma-shū deshalb auch Nihon Daruma-shū ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value); „Japanische Bodhidharma-Schule“) genannt, um Verwechslungen mit der allgemeinen Bezeichnung für das neu in Japan propagierte Chan aus China vorzubeugen, die mit den gleichen Schriftzeichen geschrieben wurde (chinesisch {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), Pinyin {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), W.-G. {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)).<ref name="faure25">Faure 1987, S. 25.</ref> So bezieht sich das durch die Tendai-shū veranlasste, vom Kaiserhof erwirkte Verbot einer „Daruma-shū“ im Jahr 1194 aufgrund von Unverständlichkeit und Unsinnigkeit, wegen dessen sich Eisai verantworten musste, auf jegliches Zen als eigenständige Schule.<ref>Matsunaga 1976, S. 187 f.</ref><ref>Dumoulin 1986, S. 11.</ref>

Geschichte

Als Stifter der Daruma-shū gilt der japanische Mönch Dainichi(bō) Nōnin ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value); † ca. 1189–96), der am Ende des 12. Jahrhunderts wirkte. Er war der Onkel von Kagekiyo, einem Anführer der Taira (und kam später durch dessen Schwert um). Er residierte im Sambō-ji ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)), einem von ihm begründeten Tempel in der Provinz Settsu. Anders als manche seiner am Zen interessierten Zeitgenossen unternahm er selbst keine Reise in das China der Song-Dynastie, das damals in Japan als Ursprungsland des Chan galt. Um sich dennoch als Zen-Meister durch einen chinesischen Meister legitimieren zu lassen, schickte Nōnin im Jahr 1189 seine zwei Schüler Renchū und Shōben nach China, die bei Zhuoan Deguang (chinesisch {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), Pinyin {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), W.-G. {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value); 1121–1203) vorstellig wurden, einem Meister aus dem Yangqi-Zweig (chinesisch {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), Pinyin {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) der Linji zong (chinesisch {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), Pinyin {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), W.-G. {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) und selbst Schüler von Dahui Zonggao (chinesisch {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), Pinyin {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), W.-G. {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value); 1089–1163). Renchū und Shōben studierten bei Fozhao Deguang und händigten ihm einen Brief von Nōnin aus, in dem dieser seine religiöse Erfahrung schilderte. Bei ihrer Rückkehr gab Te-kuang ihnen u. a. ein Siegel der Erleuchtung ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), inka) für Nōnin mit auf den Weg, der diesen als seinen Dharma-Nachfolger auswies.<ref>Faure 1987, S. 27 f.</ref><ref>Dumoulin 1986, S. 7 f.</ref><ref>Matsunaga 1976, S. 187.</ref>

Nōnins Wirken sah sich von Seiten der etablierten, buddhistischen Schulen scharfer Kritik ausgesetzt, darunter die mächtige Tendai-shū. Aber auch andere Zen-Meister (darunter Eisai in seinem {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), Kōzen gokokuron) und Nichiren (in seinem {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), Kaimokushō) bezogen gegen ihn Stellung,<ref name="matsunaga166">Matsunaga 1976, S. 166.</ref><ref name="faure25"/><ref name="faure28">Faure 1987, S. 28.</ref> was u. a. auf den schnellen Zuwachs an Schülern und die große Aufmerksamkeit für die neue Schule zurückzuführen ist.

Einer der wichtigsten Schüler Nōnins wurde Kakuan ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value); † 1234?), der später in Tō-no-mine in der Provinz Yamato wirkte.<ref>Dumoulin 1986, S. 8.</ref><ref name="faure28"/> Die Unterkünfte dieser Gemeinde wurde in den Jahren 1227/8 von Mönchen des Kōfuku-ji zerstört. Weitere Zentren von Nōnins Schülern waren die ebenfalls von Kakuan etablierte Gemeinde in Higashiyama in Kyōto und eine Gruppe im Hajaku-ji in der Provinz Echizen. Letztere, um den Mönch Ekan ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value); † 1251) zentrierte Gruppe schloss sich im Frühjahr 1242 gemeinsam Dōgens Gemeinde am Kōshō-ji in Fukakusa südlich von Kyōto an. Sie folgten damit dem Vorbild ihres Mitschülers Koun Ejō ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value); 1198–1280), wie Ekan ein Schüler von Kakuan, der sich bereits im Jahr 1234 Dōgen angeschlossen hatte und später dessen Nachfolger werden sollte.<ref name="faure30">Faure 1987, S. 30.</ref> Zusammen mit Ekan trafen u. a. auch Tettsū Gikai ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value); 1219–1309), Gi’en ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value); † 1314), Gijun ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) und Kangan Gi’in ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value); 1217–1300) am Kōshō-ji ein.<ref>Dumoulin 1986, S. 90.</ref> Nachdem sich auch diese Gruppe in Higashiyama aufgelöst hatte, blieb die Gruppe in Nōnins altem Tempel, dem Sambō-ji, die einzige der Daruma-shū, bis dieser Tempel im Ōnin-Krieg zerstört wurde.<ref name="faure30"/>

In Dōgens neuer Zen-Gemeinde waren die ehemaligen Anhänger der Daruma-shū später Teil des sogenannten Streits um die Nachfolge in der dritten Generation ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), sandai sōron), die sich im Eihei-ji nach dem Tod von Dōgens Nachfolger Ejō (der bis dahin eine Vermittlerrolle eingenommen hatte) auch an Fragen um die richtige Doktrin der Sōtō-shū entzündete. Grundsätzlich ging es dabei um Konflikte zweier Parteien: einerseits die Anhänger der reinen und kompromisslosen Lehre Dōgens, die dieser nach der Konversion der Daruma-shū-Anhänger besonders rigoros und in Abgrenzung zu anderen Lehren formuliert hatte und die sich um Gi’en formierten und andererseits die Anhänger der Daruma-shū-Lehre (die nicht unbedingt identisch mit den Konvertierten von 1242 waren) um Ejōs Nachfolger Tettsū Gikai, die sich um eine synkretistische Vermittlung mit den anderen buddhistischen Schulen in Japan bemühten.<ref name="dumoulin105">Dumoulin 1987, S. 105.</ref><ref>Matsunaga 1976, S. 256 f.</ref> Der Konflikt führte schließlich zur Spaltung der Sōtō-shū, als Gikai 1293 den Eihei-ji verlassen musste und am Daijō-ji ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value); einem ehemaligen Shingon-Tempel<ref name="dumoulin105"/><ref>Matsunaga 1976, S. 257.</ref>) in der Provinz Kaga eine neue Gemeinde gründete.<ref>Faure 1987, S. 45 f.</ref> Erst im 16. Jahrhundert vereinigten sich die verschiedenen Sōtō-Linien wieder unter dem Eihei-ji.

Schriften

  • Das Jōtō Shōgakuron ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value); „Traktat über die Erlangung vollkommener Erleuchtung“) enthält in drei Abschnitten a) einen Bericht über die Geschichte des Zen-Buddhismus von den sieben Buddhas der Vergangenheit bis zum 50. Patriarchen Zhuoan Deguang, b) eine Glosse über „Der Geist selbst ist Buddha“ ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), sokushin zebutsu; eine zentrale Doktrin der Daruma-shū) und c) eine Passage über weltliche Vorteile und magische Kräfte.<ref>Faure 1987, S. 32.</ref>
  • Das Shōbōgenzō ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) war eine 1236 von zu Dōgens Gemeinde konvertierten Daruma-shū-Anhängern erstellte Sammlung von dreihundert chinesischen Kōan. Der Titel geht auf eine von Dahui Zonggao erstellte Kōan-Sammlung (chinesisch {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), Pinyin {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) zurück, auf die sich auch Dōgens später entstandenes, ebenfalls Shōbōgenzō genanntes Werk bezieht.<ref>Faure 1987, S. 42.</ref>
  • Das Hōmon Taikō ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value))<ref>Faure 1987, S. 32, 44.</ref>
  • Das Kenshō Jōbutsuron ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value); „Traktat über die Schau der eigenen Natur und der direkten Erlangung der Buddhaschaft“)<ref name="faure 44">Faure 1987, S. 44.</ref>
  • Das Daruma Sanron ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value); „Drei Traktate über Bodhidharma“) ist eine apokryphe Schrift, die der Sōtō-Mönch Kyōgō ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) der Daruma-shū zugeschrieben hatte. Dabei handelte es sich um das Hasō-ron ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)), das Goshō-ron ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) und das Kechimyaku-ron ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)).<ref name="faure31">Faure 1987, S. 31.</ref>

Lehre

Das Zen der Daruma-shū war durch zwei Quellen bestimmt: einerseits die durch Zhuoan Deguang vermittelte Linji-zong-Linie, die wie die spätere Rinzai-shū auf kanna-zen ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)), also der bevorzugten Verwendung von Kōan, basierte und andererseits die synkretistische Meditationslehre der Tendai-shū, die auf Saichōs Überlieferungen der Tiantai zong sowie seinen Studien bei Xiuran (chinesisch {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), Pinyin {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), W.-G. {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)), Vertreter der Ochsenkopf-Schule<ref>Digital Dictionary of Buddhism, "Saichō" (Artikel von Charles Muller).</ref> bzw. Nordschule<ref name="faure31"/> des chinesischen Chan aus den Jahren 804/5 fußte.

Die Theorie der „Schau der eigenen Natur und direkte Erlangung der Buddhaschaft“ ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), kenshō jōbutsu), die von Huineng im sogenannten „Plattform-Sutra des sechsten Patriarchen“ entwickelt worden war, wurde von der Daruma-shū zum Leitmotiv erhoben.<ref>Dumoulin 1986, S. 93.</ref> Dabei konnte sie sich auch auf die Tendai-shū beziehen, die diese Doktrin, so in Saichōs Kechimyakufu ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) expliziert, ebenfalls vertrat.<ref name="faure 44"/> Zusammen mit der Theorie des „Der Geist selbst ist Buddha“ ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), sokushin zebutsu), Ausdruck der Nicht-Dualität von Buddha und (anderen) Lebewesen,<ref>Faure 1987, S. 32, 43.</ref> bildete dies die doktrinäre Grundlage der Daruma-shū-Lehre.

Des Weiteren war die Daruma-shū wahrscheinlich durch den esoterischen Buddhismus beeinflusst. So empfiehlt das Jōtō Shōgakuron das Rezitieren bestimmter Verse, um damit magische Wirkungen zu entfalten.<ref>Faure 1987, S. 35.</ref>

Ein weiteres Charakteristikum der Daruma-shū war ein ausgeprägter Kult um Śarīra ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), shari), buddhistische Reliquien in Perlenform, womit sich die Schule im Besitz heiliger Überreste der sechs ersten Patriarchen und des Bodhisattva Fugen wähnte. Für ihre Verehrung gab es im Sambō-ji eine eigene Halle. Der Kult hielt schließlich auch Einzug in die Sōtō-shū, indem Gikai seinem Nachfolger Keizan Jōkin die von ihm verwahrten Śarīra Fugens und Huinengs überantwortete. Keizan brachte diese im Yōkō-ji ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) unter, einem Tempel auf der Noto-Halbinsel.<ref>Faure 1987, S. 35–8.</ref>

Literatur

  • Heinrich Dumoulin: Geschichte des Zen-Buddhismus. Band II: Japan. Francke-Verlag, Bern 1986. ISBN 3-317-01596-9.
  • Bernard Faure: “The Daruma-shū, Dōgen and Sōtō Zen”, in: Monumenta Nipponica, Vol. 42, No. 1. (Spring, 1987), pp. 25–55.
  • Daigan Lee Matsunaga und Alicia Orloff Matsunaga: Foundation of Japanese Buddhism; Vol. II; The mass movement (Kamakura & Muromachi periods). Buddhist Books International, Los Angeles und Tokio 1976. ISBN 0-914910-27-2.
  • Vincent M.N. Breugem, From Prominence to Obscurity: a Study of the Darumashū: Japan's first Zen School, Thesis, Leiden University 2006

Siehe auch

  • Das Zen-Glossar erläutert die, für das Verständnis der Zen-Philosophie wichtige, wechselseitige Abhängigkeit der Begriffe.

Einzelnachweise

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