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Darłówko

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Darłówko
Vorlage:Platzhalterbild
Darłówko (Polen)
Darłówko (Polen)
Darłówko
Basisdaten
Staat: PolenDatei:Flag of Poland.svg Polen

Woiwodschaft: Westpommern
Powiat: Sławno
Fläche: 1,50 km²
Geographische Lage: 54° 26′ N, 16° 22′ OKoordinaten: 54° 26′ 0″ N, 16° 22′ 0″ O
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Einwohner: 1600
Telefonvorwahl: (+48) 94
Kfz-Kennzeichen: ZSL
Wirtschaft und Verkehr
Nächster int. Flughafen: Danzig

Darłówko (deutsch Rügenwaldermünde, 1936–1945 Rügenwalde-Bad; früher die Münde oder Rügenwalder Münde<ref name="AAM" /><ref name="FvR" />) ist ein Seebad an der Ostseeküste in Hinterpommern in der polnischen Woiwodschaft Westpommern.

Wahrzeichen des Seebads ist der Leuchtturm an der Hafeneinfahrt zum Fischerei- und Handelshafen.

Datei:Darłówko, wejście do portu.jpg
Hafeneinfahrt mit Leuchtturm, von der Schiebebrücke aus gesehen (September 2008)
Datei:Darlowko latarnia 01.jpg
Leuchtturm von Rügenwaldermünde
Datei:RümüHa5.JPG
Hafen von Rügenwaldermünde, von der Schiebebrücke auf der Hafeneinfahrt aus gesehen
Datei:Rügenwaldermünde - Karte 1842.jpg
Plan des Hafens (1842)

Geographische Lage

Das Ostseebad ist ein Stadtteil von Darłowo (Rügenwalde) und liegt etwa 31 Kilometer nordnordöstlich der Stadt Koszalin, 21 Kilometer westnordwestlich der Stadt Sławno und drei Kilometer nordwestlich von Stadtmitte.

Die Mündung der Wieprza (Wipper) teilt das Seebad in zwei Hälften. Ihr Ausfluss bildet hier den Fischerei- und Handelshaften. Die Hafeneinfahrt wird von einer Schiebebrücke überspannt, die nur für Fußgänger passierbar ist: Kraftfahrzeuge müssen den Umweg über Darłowo nehmen, um den Ortsteil von Darłówko auf der anderen Seite der Hafeneinfahrt erreichen zu können.

Der Ort hat ein angenehmes Mikroklima und einen feinsandigen Strand, der von Dünen umsäumt ist.

Geschichte

Rügenwaldermünde war das älteste Seebad Preußens (1814). Die Anzahl der Badegäste lag in den Jahren 1875 bis 1895 jedoch jährlich meist unter fünfhundert<ref>Königliches Statistisches Bureau Statistisches Handbuch für den Preußischen Staat, Band III, Berlin 1898, S. 414 (Google Books).</ref> und betrug erst 1923 etwa 1600.<ref>Meyers Reisebücher – Deutsche Ostseeküste, Teil II: Rügen und die Pommersche Küste mit ihrem Hinterland, 2. Auflage, Biographisches Institut, Leipzig 1924, S. 195.</ref>

An dem Ort lag früher das Dorf Münde, das dann eingemeindet wurde. Rügenwaldermünde wurde auch noch um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts oft kurz „Münde“ genannt. Das Dorf Münde, das 1327 als Zollstation erstmals erwähnt wurde, soll von der Wendenburg Dirlow gegründet worden sein. Die auch Tirlow genannte Burg, die Sitz einer Kastellanei gewesen war, stand auf der Stelle des ehemaligen Walls von Münde.<ref name="FvR" /> Fischer- und Seefahrerfamilien ohne eigenen Landbesitz lebten hier, die der Gerichtsbarkeit von Rügenwalde unterstanden. Über die Jahrhunderte war Rügenwaldermünde Lotsenstation für den Hafen von Rügenwalde. Seit 1684 konnte die Wipper an der Hafenzufahrt über eine Zugbrücke holländischer Bauart überquert werden.

Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde der Hafen von den kaiserlichen Truppen zerstört, da er im Krieg gegen König Gustav Adolf von Schweden strategische Bedeutung hatte. Während des Siebenjährigen Kriegs gingen am 30. Juli 1761 auf der Reede vor dem Hafen russische Kriegsschiffe vor Anker, und in den darauffolgenden Tagen wurden russische Landtruppen ausgeschifft, die u. a. auch Rügenwalde besetzten.<ref>Hans Heinrich Ludwig v. Held: Geschichte der drei Belagerungen Kolbergs im siebenjährigen Kriege, Berlin 1847, S. 205–206; Textarchiv – Internet Archive.</ref> Um das Jahr 1784 gab es in Münde insgesamt 16 Haushaltungen, in denen vorwiegend Fischer und Schiffer lebten.<ref>Ludwig Wilhelm Brüggemann (Hrsg.): Ausführliche Beschreibung des Königlich-Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Band 2. Stettin 1784, S. 830, Nr. 2; Textarchiv – Internet Archive.</ref> Erst unter Friedrich dem Großen wurde mit dem Wiederaufbau des Hafens begonnen. 1785 gewährte dieser preußische König für den Aufbau einer Segeltuchfabrik in Rügenwalde ein Darlehen in Höhe von 5000 Reichstalern, und er steuerte 400 Reichstaler für die Errichtung einer Segeltau-Manufaktur bei.<ref>Militärisches Wochenblatt, 25. August 1827, Nr. 583, S. 3706, Google.</ref>

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörte der Hafen von Rügenwalde zu den zehn verkehrsreichsten Häfen des Preußischen Staates, rangierte jedoch gemeinsam mit Kolberg und Ustka auf den letzten Plätzen.<ref>Jahresbericht der wichtigsten Gegenstände des Verkehrs und Verbrauchs im Preußischen Staate und im deutschen Zollverbande in dem Zeitraume von 1831 bis 1836, aus amtlichen Quellen zusammengestellt von C. F. W. Dieterici. Berlin / Posen / Bromberg 1838, S. 458; Textarchiv – Internet Archive.</ref> Im Jahr 1848 waren hier 17 Handelsschiffe beheimatet.<ref>E. Wendt & Co. (Hrsg.): Übersicht der Preußischen Handelsmarine. Stettin Januar 1848, S. 16 (online).</ref> Der Hafen hatte früher eine lange, ins Meer hinausreichende Westmole, die beseitigt wurde.<ref>Foss: Die Preußischen Ostseeküsten, Zeitschrift für allgemeine Erdkund, Band 11, Berlin 1861, S. 247–257; Google</ref> Der Hafen, der in seiner Geschichte immer wieder durch Versandung bedroht war, wurde 1873 bis 1879 in seiner heutigen Form ausgebaut.<ref>Vorlage:ZeitschrBauwesen</ref> Der Hafenausbau führte zu vermehrtem Personenzuzug in das Dorf, das bis dahin lediglich 200 Einwohner zählte. Am Fuße des Ostpiers wurde 1885/86 ein Lotsenhaus aus roten Backsteinziegeln mit einem Leuchtfeuer an der Südseite errichtet. Der Turm wurde 1927 von 13 auf 21 Meter erhöht.

Im Ersten Weltkrieg wurde am Darlowberg, westlich von Rügenwaldermünde, ein kleiner Militärflugplatz angelegt.<ref>Carlheinz Rosenow: Rügenwalde an der Ostsee – Kleine Geschichte der Heimatstadt. In: M. Vollack (Hrsg.): Der Kreis Schlawe – Ein pommersches Heimatbuch. Band II: Die Städte und Landgemeinden. Husum 1989, ISBN 3-88042-337-7, S. 691.</ref> Im Jahr 1935 begann in der Suckowschen Heide und in den Kiefernwäldern hinter den Dünen westlich von Rügenwaldermünde der Bau eines Schießplatzes für schwere Artillerie.

Anfang der 1930er Jahre hatte Gemarkung der Landgemeinde Rügenwaldermünde eine Fläche von 0,2 km². Innerhalb der Gemeindegrenzen, wo Rügenwaldermünde die einzige Wohnstätte war, standen 116 bewohnte Wohnhäuser.<ref name="Sruebs" >Die Gemeinde Rügenwaldermünde im ehemaligen Kreis Schlawe in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011).</ref> Um 1935 hatte Rügenwaldermünde unter anderem drei Hotels, drei Bäckereien, eine Fischgroßhandlung, sechs Fischräuchereien und Räucherfisch-Versandgeschäfte, eine Metzgerei, zwei Gemischtwarengeschäfte, eine Maschinen-Reparaturwerkstätte, eine Motoren-Reparaturwerkstätte und ein Schiffahrts- und Speditionsunternehmen.<ref>Klockhaus' kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs, Band 1 A, Berlin 1935, S. 1103 (Google Books).</ref>

Am 1. Januar 1936 wurde Rügenwaldermünde als Rügenwalde-Bad in die drei Kilometer südöstlich gelegene Stadt Rügenwalde eingemeindet.<ref>Amtsbezirk Zizow (Territorial.de)</ref>

Im Zweiten Weltkrieg wurden auf dem Schießplatz Rügenwalde-Bad schwere Geschütze eingeschossen, darunter auch Eisenbahngeschütze wie die 33 Meter lange Kanone K5 Krupp 28 cm mit einer Reichweite von 80 km. Für ballistische Tests stand ein Zielgebiet in der Ostsee im Seegebiet vor Großmöllen und Henkendorf zur Verfügung. Für Geschütze mit noch größerer Reichweite wurden Zielgebiete in 120 bis 130 km Entfernung vor Swinemünde und dem Seebad Dievenow benutzt. Vor Kriegsende wurden die wichtigsten Anlagen des Schießplatzes von der Wehrmacht gesprengt.

Gegen Kriegsende 1945 wurde Rügenwaldermünde von der Roten Armee eingenommen und bald nach Beendigung der Kampfhandlungen von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Es begann nun die Zuwanderung von Polen und Ukrainern, die zunächst größtenteils aus Gebieten östlich der Curzon-Linie kamen. Die ansässige deutsche Bevölkerung wurde von der kommunistischen polnischen Verwaltungsbehörde bis 1947 aus Rügenwaldermünde vertrieben. Das Seebad wurde in ‚Darłówko‘ umbenannt.

Nach dem Krieg wurde der Schießplatz Rügenwaldermünde zunächst von der sowjetischen Armee benutzt, dann von der polnischen Armee. Auf dem Gelände des Schießplatzes finden heute regelmäßig internationale Tagungen zum Themenkreis Wehrtechnik und internationale Sicherheit statt. Der Militärflugplatz in der Nähe des Darlowbergs ist noch heute in Betrieb.<ref>Karte PL003: Hinterpommern, 9. Auflage, Höfer Verlag, Dietzenbach 2005, ISBN 978-3-931103-14-9.</ref>

Der Ort ist bis heute ein Seebad geblieben und hat etwa 1600 Einwohner. Zahlreiche Freizeiteinrichtungen stehen den Gästen zur Verfügung. In jüngster Zeit wurden sie durch ein Hallenbad ergänzt.

Demographie

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1784 Die Münde genannte Ortschaft am Ausfluss der Wipper in die Ostsee, mit 26 Feuerstellen (Haushaltungen), eingepfarrt zu St. Marien in Rügenwalde<ref>Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinter-Pommern. Teil II, 2. Band: Beschreibung der zu dem Gerichtsbezirk der Königl. Landescollegien in Cößlin gehörigen Hinterpommerschen Kreise. Stettin 1784, S. 830. Nr. 2 (Google Books).</ref>
1818 230 Die Münde oder Rügenwalder Münde, Wohnplatz am Hafen bei Rügenwalde, mit einer See-Badeanstalt, Sitz eines Hauptzollamts<ref name="AAM" >Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 3: Kr–O, Halle 1822, S. 242, Ziffer 3365 (Google Books).</ref><ref name="FvR" >Friedrich von Restorff: Topograohische Beschreibung der Provinz Pommern mit einer statistischen Uebersicht, Nicolaische Buchhandlung, Berin und Stettin 1827, S. 258 (Google Books).</ref>
1852 320 Dorf<ref>Kraatz (Hrsg.): Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats. Decker, Berlin 1856, S. 527 (Google Books).</ref>
1864 338 am 3. Dezember, Gemeindebezirk<ref>Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Köslin (9. Kreis Schlawe). Preußisches Finanzministerium, Berlin 1866, S. 26–33, Ziffer 159 (Google Books).</ref>
1867 347 am 3. Dezember, Landgemeinde<ref name="PL"/>
1871 346 am 1. Dezember, Landgemeinde, sämtlich Evangelische<ref name="PL">Preußisches Statistisches Landesamt: Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preußischen Staates und ihre Bevölkerung, VIII. Kreis Schlawe. Berlin 1873, S. 136–137, Ziffer 98 (Google Books).</ref>
1885 546 am 1. Dezember, Landgemeinde, davon 535 Evangelische, zwei Katholiken und neun Juden<ref name="KsB">Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen. Band 4: Provinz Pommern, Regierungsbezirk Köslin, 21. Kreis Schlawe, Berlin 1888, S. 150–151, Ziffer 97 (Google Books).</ref><ref>Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref>
1890 542 am 1. Dezember, Landgemeinde<ref name="KsBV" >Königliches statistisches Bureau: Viehstandslexikon für den preußischen Staat. IV. Provinz Pommern, Berlin 1895, II. Regierungsbezirk Köslin, 8. Kreis Schlawe, S. 60, Ziffer 26 (Google Books).</ref>
1895 570 am 2. Dezember, Landgemeinde, darunter 561 Evangelische, vier Katholiken, eine sonstige christliche Person und vier Juden<ref>Gemeindelexikon für das Königreich Preußen – Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 2. Dezember 1895, IV. Provinz Pommern, Berlin 1898, II. Regierungsbezirk Köslin, 21. Kreis Schlawe, S. 154–155, Ziffer 98 (Google Books).</ref>
1910 699 am 1. Dezember, Dorf<ref name="mgaz">Rügenwaldermünde, Dorf und Seebad, an der Wipper-Mündung in die Ostsee, Kreis Schlawe, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Rügenwaldermünde (meyersgaz.org).</ref><ref>Landkreis Schlawe. Gemeindeverzeichnis 1900. In: gemeindeverzeichnis.de. Uli Schubert, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 9. Mai 2023; abgerufen am 16. Februar 2026.</ref>
1925 880 Landgemeinde, darunter 870 Evangelische, sieben Katholiken, aber keine Juden (für die restlichen drei Personen gibt es keine Angaben zum Glaubensbekenntnis)<ref name="Stübs" >Die Gemeinde Rügenwaldermünde im ehemaligen Kreis Schlawe in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011).</ref>

Kirchspiel

Die vor 1945 in Rügenwaldermünde wohnhafte Bevölkerung war mit seltenen Ausnahmen evangelischer Konfession. Die Evangelischen von Rügenwaldermünde gehörten zum Kirchspiel Rügenwalde.

Das katholische Kirchspiel war in der Stadt Schlawe in Pommern. Das Standesamt befand sich in Rügenwalde.

Söhne und Töchter des Ortes

  • Friedrich Hermann (1880–1937), deutscher Konteradmiral und Reichskommissar beim Seeamt Bremerhaven

Siehe auch

Literatur

  • Rügenwaldermünde, Dorf und Seebad, an der Wipper-Mündung in die Ostsee, Kreis Schlawe, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Rügenwaldermünde (meyersgaz.org).
  • Manfred Vollack (Hrsg.): Der Kreis Schlawe. Ein pommersches Heimatbuch. 2 Bände. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 1986/1989, ISBN 3-88042-239-7 und ISBN 3-88042-337-7.

Weblinks

Commons: Darłówko – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten

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