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Dallol

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Vorlage:Infobox Berg Dallol gilt als eines der außergewöhnlichsten Geothermalgebiete der Erde. Das Gebiet liegt in der Danakil-Depression im Nordosten Äthiopiens in Grenznähe zu Eritrea. In dieser schwer erreichbaren Gegend wurden die höchsten durchschnittlichen Jahrestemperaturen der Erde registriert.

Datei:Danakil 726.jpg
Blick vom Dallol auf die Salzebene

Beschreibung

Die letzte phreatische Explosion des Dallol fand 1926 statt und formte einen 30 m weiten Krater, seitdem beschränkt sich die Aktivität auf eine große Anzahl von heißen Salzwasserquellen. Das etwa 4 km² große Vulkangebiet erhebt sich ca. 30 m aus einer Salzebene, die 120 m unter dem Meeresspiegel liegt. Heißes Grundwasser löst beim Aufsteigen durch die 1000 m dicken Salz- und Anhydritschichten Mineralien auf, die an der Oberfläche wieder abgelagert werden. Dabei bilden sich verschiedenartigste Formen, welche an Korallenstöcke oder Hornitos erinnern. Die Ausfallprodukte erhalten durch Schwefel und verschiedene Kaliumsalze ihre charakteristischen Weiß-, Gelb- und Rotfärbungen. Die Austrittstemperatur der Quellen beträgt ca. 70 °C, ein pH-Wert von unter 1 zeugt von extremem Säuregehalt. Die vulkanischen Gase lösen sich im Wasser, jedoch verdunstet das Wasser aufgrund der trockenen Luft und ihrer hohen Temperatur, zudem ist die Luft aufgrund der Gase selbst sauer.<ref name="arte">Auf den Vulkanen der Welt, Der Dallol ein sauerer Vulkan. Auf arte, 14. April 2012.</ref>

Im Oktober 2019 veröffentlichte ein französisch-spanisches Wissenschaftlerteam einen Artikel in Nature Ecology and Evolution,<ref>Vorlage:Cite journal</ref> der zu dem Schluss kommt, dass es in Dallols extremen Tümpeln kein Leben gibt.<ref>Vorlage:Cite web</ref> Die Untersuchungen zeigten, dass selbst die widerstandsfähigsten Mikroben dort keine Überlebenschance haben. Die Zellen könnten sich nicht gleichzeitig gegen den extremen pH-Wert, den hohen Salzgehalt von mehr als 35 % NaCl und die Hitze von über 108 °C schützen. Ein weiterer Faktor ist der hohe Gehalt an Magnesiumsalzen. Dadurch werden Wasserstoffbrückenbindungen aufgebrochen und dies führt zur Denaturierung der Biomoleküle.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Früher nachgewiesene DNA-Spuren stammten alle von verschiedenen Kontaminationen (Laborausrüstung, Touristen, Wind).<ref name="ntvZeh2020" /> Eine 2021 veröffentlichte weitere Studie desselben Teams ermöglichte eine bessere Eingrenzung des lebensfeindlichen Gebiets im Dallol; die in mehreren kleinen Seen im Grenzgebiet nachgewiesene mikrobielle Gemeinschaft wurde von Archaeen dominiert (bis zu 99 %), insbesondere von Halobakterien (Haloarchaeen) und – augenscheinlich epibiontischenNanohalarchaeota.<ref name="Belilla2021" /><ref name="Baker2024" />

An der Südwestflanke des Dallol erstrecken sich die sogenannten Salz-Canyons, durch Erosionsprozesse geformte, bis 40 m hohe Pfeiler. Das Magma liegt dort etwa 3000 bis 4000 Meter unter der Oberfläche.<ref name="arte" />

Das Wort Dallol bedeutet in der Afar-Sprache „Auflösung“,<ref name="arte" /> kann aber auch mit „Ort ohne Wiederkehr“ oder „Eingang zur Hölle“ übersetzt werden.<ref name="ntvZeh2020">Jana Zeh: Archaeen, Bakterien, Mikroben Gibt es wirklich überall auf der Erde Leben?, auf: n-tv.de vom 25. Juli 2020
Schimmernde Seen aus Säure : Dallol - Ort ganz ohne Leben, auf n-tv, Fotoserie vom 25. Juli 2020</ref>

Klimatabelle

Vorlage:Klimatabelle

Mit 34,7 °C besitzt Dallol eine höhere Durchschnittstemperatur als alle anderen Orte der Erde. Selten wird es kühler als 24 °C. Regen fällt nie. Somit ist Dallol auch einer der trockensten Orte der Erde.

Galerie

Weblinks

Vorlage:Commonscat

Einzelnachweise

<references> <ref name="Baker2024"> Brittany A. Baker, Ana Gutiérrez-Preciado, Álvaro Rodríguez del Río, Charley G. P. McCarthy, Purificación López-García, Jaime Huerta-Cepas, Edward Susko, Andrew J. Roger, Laura Eme, David Moreira: Expanded phylogeny of extremely halophilic archaea shows multiple independent adaptations to hypersaline environments. In: Nature Microbiology, Band 9, 22. März 2024, S. 964–975; doi:10.1038/s41564-024-01647-4, PMID 38519541 (englisch). </ref> <ref name="Belilla2021"> Jodie Belilla, Miguel Iniesto, David Moreira, Karim Benzerara, José María López-García, Ana I. López-Archilla, Guillaume Reboul, Philippe Deschamps, Emmanuelle Gérard, Purificación López-García: Archaeal overdominance close to life-limiting conditions in geothermally influenced hypersaline lakes at the Danakil Depression, Ethiopia. In: Environmental Microbiology. Band 23, Nr. 11, November 2021, S. 7168–7182; doi:10.1111/1462-2920.15771, PMID 34519149 (englisch). </ref> </references>