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Dachturm

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Ein Dachturm (Giebelturm) ist in der Architektur ein ins Dach des Kirchenschiffs eingeschobener Kirchturm, der zugleich bündig mit der Westfassade abschließt.

Begriffe

Der Begriff Dachturm kommt in keinem einschlägigen Architekturwörterbuch vor. Er wird allerdings von Bauhistorikern für Kirchtürme verwendet, die bündig in die Westfassade eingeschoben wirken, so bei einigen Baubeschreibungen im Dehio-Handbuch.<ref>So beispielsweise hier: Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen-Anhalt, Bd. 1, Regierungsbezirk Magdeburg. Deutscher Kunstverlag, Berlin / München 2002, ISBN 3-422-03069-7, S. 647 (Beispiel Dorfkirche Mösenthin; Google Books). – Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Brandenburg. Deutscher Kunstverlag, Berlin / München 2012, ISBN 978-3-422-03123-4, S. 185 (Beispiel Dorfkirche Chorin; Google Books).</ref> Terminologisch eingeführt ist dagegen der Begriff Giebelturm.<ref>Hans Koepf, Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Mit englischem, französischem, italienischem und spanischem Fachglossar (= Kröners Taschenausgabe. Bd. 194). 4., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-19404-X (Digitalisat auf moodle.unifr.ch, abgerufen am 4. April 2026), S. 219, Artikel Giebelturm, mit Abbildung.</ref>

Von Dachturm und Giebelturm abzugrenzen ist der Begriff Giebelreiter, bei dem es sich um ein an oder auf der Westfassade sitzendes, zierliches Türmchen handelt.<ref>Hans Koepf, Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Mit englischem, französischem, italienischem und spanischem Fachglossar (= Kröners Taschenausgabe. Bd. 194). 4., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-19404-X (Digitalisat auf moodle.unifr.ch, abgerufen am 4. April 2026), S. 123, im Artikel Dachreiter, mit Abbildung zum Giebelreiter.</ref><ref>Otto Lueger: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 4. Stuttgart / Leipzig 1906, S. 527: Artikel Giebelreiter mit Weiterleitung zum Artikel Dachreiter. (Digitalisat auf zeno.org, abgerufen am 4. April 2026)</ref>

Funktion und Gestalt

Dachtürme kommen vor allem bei Sakralbauten vor und nehmen sämtliche Funktionen von Kirchtürmen auf, vor allem als Träger für Glocken und Turmuhren.

Ein Dachturm ist größer als ein Giebelreiter und prägt die Fassade entsprechend stärker. Die Übergänge zwischen einem Dachturm und einem in das Kirchenschiff eingezogenen Kirchturm sind fließend.

Ein Giebelreiter ist zierlicher und sitzt bei Kirchenbauten über dem Westgiebel oder über einer aufragenden Chormauer.<ref>Hans Vogts: Dachreiter. In: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte, Bd. III, 1953, Sp. 968–976. (Digitalisat)</ref> Er kann leichter aus Holz konstruiert sein, doch gibt es auch repräsentative Beispiele aus Stein.<ref>Oscar Mothes: Illustrirtes Bau-Lexikon, Band 2: C bis G. Leipzig 1882, S. 116. (Digitalisat)</ref> Giebelreiter sind in Grundriss und Dachform ebenso vielgestaltig wie Dachreiter.

Beispiele Dachtürme und Giebelreiter

Einzelnachweise

<references />