Czarny Bór
Czarny Bór (deutsch Schwarzwaldau; schlesisch Schworzwaale) ist ein Ort in der Landgemeinde Czarny Bór mit Vorlage:FormatZahl Einwohnern (Stand Vorlage:EWD) im Powiat Wałbrzyski der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen. Es liegt westlich der Stadt Wałbrzych (Waldenburg).
Geographie
Czarny Bór liegt im Waldenburger Bergland an der Droga wojewódzka 367, die von Wałbrzych nach Kamienna Góra führt. Nachbarorte sind Witków im Norden, Jabłów im Nordosten, Grzędy im Süden, Czadrów (Oberzieder) im Südwesten sowie Borówno (Grüssauisch Hartau) und Jaczków (Hartmannsdorf) im Nordwesten.
Geschichte
Das Waldenburger Bergland war vom 12. bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts umstrittenes Grenzland zwischen dem Königreich Böhmen und dem Herzogtum Schweidnitz-Jauer, das vom Zweig der Schlesischen Piasten regiert wurde. Als Nordgrenze Böhmens galt bei Schwarzwaldau der Lässigbach. Für das Jahr 1350 ist am nordwestlichen Rand des Dorfes Schwarzwaldau die Burg Liebenau nachgewiesen, die auch als Burg Schwarzwaldau bezeichnet wurde und bis 1369 im Besitz des böhmischen Adeligen Puta d. Ä. von Častolowitz war.<ref>Conrad Blažek: Der abgestorbene Adel des preußischen Provinz Schlesien und der Oberlausitz. Erster Theil. In: Johann Siebmacher: Großes und allgemeines Wappenbuch. Bauer & Raspe, Besitzer: E. Küster, Nürnberg 1887, S. 21; [1]</ref> Sie entstand vermutlich um 1293 unter Herzog Bolko I. und diente der Sicherung der Grenze gegenüber Böhmen. Wahrscheinlich sollte sie ursprünglich den Weg von Politz im Königgrätzer Kreis über Friedland oder Schömberg durch das Tal der Lässig in die Schlesische Tiefebene sperren.
1345 überfiel König Johann von Böhmen das Herzogtum Schweidnitz. Die neueste Forschung lässt erkennen, dass Witche Behem von den böhmischen Herrschern als Kastellan der drei Burgen Schwarzwaldau, Konradswaldau und Weißstein berufen wurde, nachdem er sich vorher bereits im Herzogtum Münsterberg einen Namen gemacht hatte. Gleichzeitig erhielt er vermutlich auch den Besitz Schwarzwaldau.
1355 unterwarf Herzog Bolko II. alle Burgen seines Landes, die ihm Widerstand leisteten, seiner Herrschaft. Es waren Fürstenberg, Konradswaldau, Schwarzwaldau, Zeiskenburg und Freudenburg. Der Widerstand der Ritter richtete sich gegen die Böhmenpolitik Bolkos. Diese Gruppe der Ritterschaft, zu der u. a. Cunemann von Seidlitz, Heinrich von Schweinichen, Kekelo von Czirne und Witche/Witigo Behem gehörten, drängte Bolko II. zum schnelleren Beitritt zu Böhmen und damit zum Römisch-Deutschen Reich. Während der Zeit der Ritterromantik wurde diese politische Opposition in einigen heimatgeschichtlichen Aufsätzen voreilig und unzutreffend als Raubrittertum bezeichnet.
Witche Behem erhielt nach einiger Zeit das Lehen Schwarzwaldau von Bolko II. wieder zurück. Emil Tschersich schrieb dazu: „. . . doch da konnte selbst der Herzog den Herren von Böheim, Witigo Vater und Sohn, die ihnen [vom König in Böhmen] über die Güter und Dörfer verliehene Dominalgewalt nicht mehr nehmen.“ 1390 übergab Sigismund von Schwarzenwalde, Sohn des Witche/Witigo Behem, Schwarzwalde dem Tamme von Lazan.
Nach dem Tod des Herzogs Bolko 1368 gelangte Schwarzwaldau zusammen mit dem Herzogtum Schweidnitz-Jauer erbrechtlich an die Krone Böhmen, wobei der Herzoginwitwe Agnes von Habsburg ein lebenslanger Nießbrauch zustand. Um 1400 gehörte die Herrschaft Schwarzwaldau drei Brüdern von Seydlitz und gelangte schließlich 1437 an Hermann d. J. von Czettritz (Heřman z Cetryc), der bereits Konradswaldau und die Burg Vogelgesang besaß und seit etwa 1430 mit einer Tochter des königlichen Rates Jan von Chotěmice verheiratet war.<ref>Fuerstenstein, in: Kulturwerk Schlesien</ref> Da Hermann von Czettritz ein Sympathisant der Hussiten war, wurde die Burg Liebenau durch ein Breslauer Söldnerheer angegriffen und beschädigt und 1509, nachdem den Herren<ref>Marcelli Janecki: Jahrbuch des Deutschen Adels. Band 1 (von Czettritz und Neuhaus). Hrsg.: Deutsche Adelsgenossenschaft. Verlag W. T. Bruer, Berlin 1896, S. 436–439; google.de/books</ref> von Czettritz wiederum ein Friedensbruch vorgeworfen worden war, zerstört. Seither blieb die Burg eine Ruine.
Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel Schwarzwaldau zusammen mit fast ganz Schlesien an Preußen. Die Herrschaft Schwarzwaldau blieb bis 1830 im Besitz der Herren von Czettritz. In diesem Jahr wurde sie zusammen mit Konradswaldau von Otto Freiherr von Zedlitz-Neukirch erworben. 1851 gelangte sie an dessen Schwiegersohn Oberstleutnant Bernhard von Portatius (1801–1862),<ref>Nachruf. Bernhard von Portatius, In: A. E. Brachvogel: Wochen-Blatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg, 15. October 1862, Nr. 42, S. 208; Druck und Verlag G. Hicket hier, Commission Behr (E. Bock), Berlin; google.de/books</ref><ref>Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser 1942, B (Briefadel). Jg. 34. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft. Justus Perthes, Gotha 1941, S. 391 f.; google.de/books</ref> verheiratet mit Fridoline Freiin von Zedlitz und Neukirch-Schwarzwaldau (1822–1893). Sie wiederum war auch Abtissin des Freiherrlich von Zedlitzschen Damenstifts Kapsdorf.<ref>Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser 1892. In: „Der Gotha“, Band Zedlitz, Nr. II. Linie (vormals auf Hohen-Liebenthal). 43. Auflage. Justus Perthes, Gotha 1891-11-22, S. 1039–1040; google.de/books</ref> Bei ihren Nachkommen, unter anderem dem Landschaftsdirektor der Fürstentümer Schweidnitz und Jauer, Landrat<ref>Schlesien, Landes-Aelteste. In: Handbuch über den Königlich Preußischen Hof und Staat für das Jahr 1896. Red. 10. December 1895. R. v. Decker, G. Schenck, Berlin 1896, S. 395; google.de/books</ref> Hans von Portatius (1848–1908) verblieb diese oft als Majorat bezeichnete 995 ha Besitzung<ref>Kreis Landeshut. In: Schlesisches Güter-Adreßbuch 1894. 5. Ausgabe. Wilhelm Gottlieb Korn, Breslau 1894, S. 274; google.de/books</ref> bis 1945. Hierzu gehörten die Güter um Konradswaldau. Letzter Grundbesitzer der Familie Portatius war nach dem Genealogischen Handbuch des Adels Hans-Bernhard von Portatius (1875–1942), dessen Grabstein erhalten blieb. Seine Frau war Vera Gräfin Einsiedel (1887–1953). Spätestens seit 1936 trug der Besitz den Titel Waldgut Schwarzwaldau. Dieser bestand aus Grundflächen in Schwarzwaldau, Konradswaldau und so genannten Freiem Besitz in den vorgenannten Ortschaften samt Oberconradswaldau., zusammen 1151 ha. Als Bevollmächtigter des Besitzers fungierte ein Oberförster, als Pächter W. von Sprockhoff.<ref>Kreis Landeshut. In: Schlesisches Güter-Adreßbuch 1937. 15. Ausgabe. Wilhelm Gottfried Korn, Breslau 1937, S. 475; google.de/books – Reprint: Books on Demand, Klaus D. Becker, Potsdam 2020, ISBN 978-3-88372-244-3.</ref> Erbe wurde der spätere Intendant Hubertus von Portatius (1907–1974).<ref>Walter von Hueck, Friedrich Wilhelm Euler, u. a.: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser 1977. B (Briefadel). 1977. Band XII, Band 64 der Gesamtreihe GHdA. Hrsg.: Deutsches Adelsarchiv. C. A. Starke, Limburg (Lahn) 1977, S. 414–416; Vorlage:ISSN.</ref>
Nach der Neugliederung Preußens gehörte Schwarzwaldau seit 1815 zur Provinz Schlesien und war ab 1816 dem Landkreis Landeshut eingegliedert, mit dem es bis 1945 verbunden blieb. Seit 1874 war die Landgemeinde Schwarzwaldau Sitz des gleichnamigen Amtsbezirks, zu dem auch die Landgemeinden Mittel Conradswaldau, Ober Conradswaldau und Vogelgesang sowie die Gutsbezirke Conradswaldau und Schwarzwaldau gehörten. Für das Jahr 1900 sind für Schwarzwaldau 1986 Einwohner nachgewiesen, 1939 waren es 1834 Einwohner.
Als Folge des Zweiten Weltkriegs fiel Schwarzwaldau 1945 wie fast ganz Schlesien zur Verwaltung an Polen und wurde zunächst in Czarnolesie und ein Jahr später in Czarny Bór umbenannt. Die deutsche Bevölkerung wurde, soweit sie nicht vorher geflohen war, weitgehend vertrieben. Die neu angesiedelten Bewohner waren teilweise Zwangsumgesiedelte aus Ostpolen, das an die Sowjetunion gefallen war. 1975 bis 1998 gehörte Czarny Bór zur Woiwodschaft Wałbrzych.
Gemeinde
Zur Landgemeinde Czarny Bór mit einer Fläche von 66,3 km² gehören das Dorf selbst und fünf weitere Dörfer mit Schulzenämtern. Vorlage:Hauptartikel
Sehenswürdigkeiten
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Turm des alten Wasserschlosses
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Schloss Schwarzwaldau um 1863/64, Sammlung Alexander Duncker
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Speicher der Schlossanlage
- Das von Herzog Bolko II. errichtete Wasserschloss wurde erstmals 1335 erwähnt. Es lag westlich der Dorfmitte und war von Gräben und Sümpfen des Lässigbachs (Vorlage:PlS) umgeben. Während der Hussitenkriege wurde es zerstört und ist seit 1509 Ruine. Erhalten haben sich Reste des steinernen Rundturms.
- Das Schloss Schwarzwaldau wurde 1775–1784 von den Herren von Czettritz im frühklassizistischen Stil errichtet. Es wurde im 19. Jahrhundert erweitert und stilistisch verändert. Im Obergeschoss befinden sich zwei repräsentative Säle. Das Schloss ist heute eine Entzugsanstalt für Alkoholiker.<ref>Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen. Schlesien. München 2005, S. 250 f. ISBN 3-422-03109-X.</ref>
- Schlosspark und die am Weg zum Stadion liegenden Gräber der Familie von Portatius. Dazu kommen südwestlich des Schlosses zwei Nebengebäude von 1777 mit Mansarddach; der westlich gelegene Anbau im Stil des Neubarock ist aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts und im Südosten ein dreigeschossiger Speicher aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Persönlichkeiten
- Karl Abraham von Zedlitz (1731–1793), preußischer Minister
- Norbert Kuchinke (1940–2013), Journalist.
Literatur
- Hugo Weczerka (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Band: Schlesien. Kröner, Stuttgart 1977, S. 490. ISBN 3-520-31601-3. 2. Auflage: 2003, ISBN 3-520-31602-1 (= Kröners Taschenausgabe, Band 316).
- Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen Schlesien. Deutscher Kunstverlag, München / Berlin 2005, ISBN 3-422-03109-X, S. 250–251.
- Władyslaw Stepniak: Czarny Bór – Historia i współczesność. Bardzo dobry, 2007, ISBN 83-904542-2-X. (Autor m. poln. Wikipedia-Seite).
- Mateusz Golinski: Dane szczegolowe książki: studia z historii średniowiecza. 2003.
- Tomasz Jurek: Landbücher des Fürstentums Schweidnitz-Jauer. Band 1: 1366–1376; Band 2: 1385–1395. 2000 und 2004.
- Ludwig Häufler: Forschungen zur Geschichte des Waldenburger Berglandes unter besonderer Berücksichtigung der Grundherrschaft Waldenburg-Neuhaus. 1930
- Emil Tschersich, Bruno Paschky: Wie wurde das Waldenburger Bergland deutsch? 1936.
- Vorlage:SammlungDunckerGrafik
Weblinks
- Zum Widerstand von Teilen des Adels gegen Herzog Bolko II. (PDF; 38 kB) boehm-chronik.com
- Die Böhmen von Schwarzwaldau. boehm-chronik.com
- Historische und aktuelle Aufnahmen sowie geographische Lage dolny-slask.org.pl
- Amtsbezirk Schwarzwaldau. territorial.de
- Böhm-Chronik (3), (4). boehm-chronik.com
- Ausschnitt Grabstein von Portatius. polska-org.pl
Einzelnachweise
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