Zum Inhalt springen

Cupido (Gattung)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

<templatestyles src="Vorlage:Taxobox/styles.css" />

Cupido
Datei:Cupido argiades male Weinsberg 20080729 2.jpg

Kurzschwänziger Bläuling (Cupido argiades)

Systematik
Unterstamm: Sechsfüßer (Hexapoda)
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
Familie: Bläulinge (Lycaenidae)
Unterfamilie: Polyommatinae
Gattung: Cupido
Wissenschaftlicher Name
Cupido
Schrank, 1801

Cupido ist eine Gattung aus der Familie der Bläulinge. Es sind 17 Arten beschrieben, davon kommen sechs in Europa vor.<ref name="Fauna"/>

Merkmale

Cupido beinhaltet eine Gruppe sehr kleiner Bläulinge, darunter die kleinsten Arten der Familie. Kennzeichen für die Gattung (unter Einschluss einiger verwandter Gattungen: die "Sektion Everes", vgl. unten) sind: Im Vorderflügel verschmelzen (anastomosieren) die Subcostalader und die Ader R1 ein kurzes Stück, trennen sich aber anschließend wieder. Bei den Männchen sind Duftschuppen vorhanden, diese sind aber unauffällig. Unter dem Mikroskop sind sie von charakteristischer Gestalt. Sie sind langgestielt und vorn verbreitert, wie ein Tennisschläger, dabei nach oben rinnenförmig eingerollt,<ref name="Courvoisier"/> sie stehen in Reihen.

Leichter erkennbare Merkmale sind z. B.: Augen unbehaart (nackt), Taster (Palpen) behaart oder beschuppt.<ref name="Eliot"/> Die Gattung umfasst Arten mit dunkler, meist grauer oder brauner Färbung der Flügeloberseiten der Weibchen, die bei den Männchen meist mehr oder weniger ausgedehnt blau gefärbt sind. Dabei handelt es sich um manchmal metallisch schillernde Strukturfarbe. Die Unterseite ist in beiden Geschlechtern in der Regel hellgrau bis fast weiß, manchmal zart bläulich getönt, mit dunklen Flecken, nur bei manchen Arten von orangen Flecken begleitet. Die Arten der Untergattung Everes tragen am Hinterrand des Hinterflügels einen mehr oder weniger langen Anhang (Schwänzchen), dieser fehlt den Arten der Untergattung Cupido.

Tatsächlich erkennbar ist die Gattung aber ausschließlich anhand des Genitalapparats der Männchen. In der Regel wird bei der praktischen Arbeit und der Darstellung in Feldführern deshalb auf die Bestimmung der Gattungen ganz verzichtet und sofort die Art bestimmt.

Raupen

Die Raupen sind nicht bei allen Arten bekannt, Merkmale für die Gattung können nicht angegeben werden. Bei den untersuchten Arten besitzen sie die charakteristische asselförmige Gestalt der meisten Bläulingsraupen, mit kleinem, in den Rumpf zurückziehbaren Kopf. Sie sind behaart und oft farbig getönt. Diese Färbung dient zur Tarnung in den Blütenköpfchen, auf denen die Raupen oft sitzen. Alle Arten leben auf Schmetterlingsblütlern (Leguminosen). Die bisher untersuchten Arten leben, wie zahlreiche andere Bläulinge, in enger Assoziation mit Ameisen.<ref name="Fiedler"/><ref name="Pierce"/> Bei Cupido minimus sind sie grün gefärbt und haben eine dunkelgrüne Rückenlinie. Der Raupenkörper verjüngt sich an beiden Enden und ist weiß behaart. Der Raupenkopf ist schwarz und wird bei Ruhe in den Körper zurückgezogen. Überwinternde Raupen besitzen eine rosabraune Färbung und sind rötlich braun gezeichnet.<ref name="Carter"/> Bei der Art sind besondere Bildungen nachgewiesen, von denen bei anderen Arten eine anlockende Wirkung auf Ameisen nachgewiesen wurde.<ref name="Baylis"/> Dabei handelt es sich um umgewandelte Haare (sog. Porenkuppeln) und Nektardrüsen (sog. Dorsalorgane), die beide von Ameisen begehrte Substanzen abgeben, deren Zusammensetzung im Detail bei Cupido aber unbekannt ist. Die Raupen sind dadurch weitgehend vor Fraß durch Ameisen geschützt und werden in vielen Fällen sogar aktiv von den Ameisen verteidigt.

Taxonomie

Der Gattungsname Cupido im Sinne von Schrank bezog sich ursprünglich auf fast alle "echten" Bläulinge (die Unterfamilie Lycaeninae). Nachdem zahlreiche Arten in neue Gattungen ausgegliedert wurden, ist die Gattung heute relativ klein. Cupido gehört in der Unterfamilie Polyommatinae in eine Gruppe nahe verwandter Gattungen, die Sektion Everes.<ref name="Eliot"/> Die Gattung ist dabei von den verwandten Gattungen ausschließlich über die Genitalmorphologie der Begattungsorgane der Männchen unterscheidbar.<ref name="Eliot"/><ref name="Tutt"/> Im Gegensatz zu einigen anderen Gruppen ist die Everes-Sektion modern niemals revidiert worden, ihr Status gilt daher als "somewhat chaotic".<ref name="Robbins"/> Auch unter vielen modernen Autoren ist der Status von Everes umstritten. Während die meisten Bearbeiter diese als Untergattung (oder bloße Artengruppe) von Cupido betrachten, halten andere am Gattungsrang fest. Obwohl sowohl Tutt als auch Eliot auch genitalmorphologische Unterschiede ausmachen wollen, werden die "Gattungen" gewöhnlich anhand eines einzigen Merkmals unterschieden: Bei Everes setzt am Hinterrand des Hinterflügels (in Verlängerung der letzten Medianader) ein kleines "Schwänzchen" an, das bei Cupido s. str. fehlt. Eine genetische Analyse anhand homologer DNA-Sequenzen vermochte das Problem nicht zu lösen.<ref name="Jeffry"/> Hier soll Everes als Untergattung von Cupido betrachtet werden, dies entspricht der aktuellen Liste der Tagfalter,<ref name="Nässig"/> steht aber z. B. im Gegensatz zur Fauna von Baden-Württemberg.<ref name="Ebert"/>

Die Gattung Cupido in diesem Sinne umfasst 17 valide Arten,<ref name="Brower"/><ref name="funet.fi"/> davon sind 6 bzw.7 in Europa verbreitet.<ref name="Fauna"/> Der Status einiger weiterer Arten ist umstritten.

Die Gattung besiedelt ein riesiges Areal, das die gesamte Holarktis umfasst. Eine Art ist im tropischen Ostasien und Australien beheimatet. Das Mannigfaltigkeitszentrum liegt in Zentralasien.

Name

Der lateinische Name, Cupido heißt übersetzt Begierde und bezeichnet den römischen Liebesgott Amor.<ref name="Hürter"/>

Einzelnachweise

<references> <ref name="Hürter"></ref> <ref name="Fauna">Cupido Schrank 1801. Fauna Europaea, Version 2.1, 22. Dezember 2009, abgerufen am 10. Januar 2010.</ref> <ref name="Carter">David J. Carter, Brian Hargreaves: Raupen und Schmetterlinge Europas und ihre Futterpflanzen. Blackwell Wissenschaftsverlag 1987, ISBN 3-8263-8139-4</ref> <ref name="Courvoisier">L. G. Courvoisier (1916): Über Männchenschuppen bei Lycaeniden. Verhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft in Basel Band 27: 11-45.</ref> <ref name="Fiedler">Konrad Fiedler (1989): European and north west African Lycaenidae (Lepidoptera) and their association with ants. Journal of Research on the Lepidoptera 28 (4): 239-257.</ref> <ref name="Pierce">Naomi E. Pierce, Michael F. Braby, Alan Heath, David J. Lohman, John Mathew, Douglas B. Rand, Mark A. Travassos (2002): The ecology and evolution of ant association in the Lycaenidae. Annual Revue of Entomology 47: 733–771.</ref> <ref name="Baylis">M. Baylis & R.L. Kitching (1987): The myrmecophilous organs of larvae of the small blue, Cupido minimus (Lepidoptera; Lycaenidae). Journal of Natural History Volume 22, Issue 4 doi:10.1080/00222938800770571</ref> <ref name="Eliot">John Nevill Eliot (1973): The higher classification of the Lycaenidae (Lepidoptera): a tentative arrangement. Bulletin of the British Museum (Natural History) Entomology Vol. 28 No.6: 371-505.</ref> <ref name="Tutt">James William Tutt (1898): A natural history of the British Lepidoptera : a text-book for students and collectors. London : S. Sonnenschein. Volltextquelle</ref> <ref name="Robbins">Robert K. Robbins & Marcelo Duarte (2006): Systematic placement of Lycaena cogina Schaus (Lepidoptera: Lycaenidae: Polyommatinae), a biogeographically disjunct New World species. Proceedings of the Entomological Society of Washington 108 (1): 226-236</ref> <ref name="Jeffry">Jeffry Catlin Oliver (2007): Population, phylogenetic and coalsecent analyses of character evolution in gossamer-winged butterflies (Lepidoptera: Lycaenidae). Diss., University of Arizona.</ref> <ref name="Nässig">Wolfgang A.Nässig (1995): Die Tagfalter der Bundesrepublik Deutschland. Vorschlag für ein modernes, phylogenetisch orientiertes Artverzeichnis (kommentierte Checkliste) (Lepidoptera, Rhopalcera). Entomologische Nachrichten und Berichte (Dresden) 39 (1/2): 1-28.</ref> <ref name="Ebert">Günter Ebert (Herausgeber): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 2: Tagfalter II. Eugen Ulmer Verlag 1991. ISBN 3-8001-3459-4</ref>.<ref name="Brower">Brower, Andrew V. Z. (2008): Cupido Schrank 1801. Version 19 May 2008 (under construction). in The Tree of Life Web Project</ref> <ref name="funet.fi">Website Lepidoptera and some other life forms online</ref> <ref name="Gil">Felipe Gil (2006): Cupido carswelli (STEMPFFER, 1927): morphology of its chrysalis and genitalia compared with those of Cupido minimus (FUESSLY, 1775) and Cupido lorquinii (HERRICH-SCHÄFFER, 1847). Atalanta 37 (1/2): 150-160.</ref> <ref name="Prieto">Celia G. Prieto, Miguel L. Munguira, Helena Romo (2009): Morphometric analysis of genitalia and wing pattern elements in the genus Cupido (Lepidoptera, Lycaenidae): are Cupido minimus and C. carswelli different species? Deutsche Entomologische Zeitschrift 56 (1): 137–147. doi:10.1002/mmnd.200900012</ref> </references>

Weblinks

Commons: Cupido (Lycaenidae) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien