Zum Inhalt springen

Crush-Niere

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
{{#ifeq:|ja|Klassifikation nach ICD-10-GM|Klassifikation nach ICD-10}}
{{#if: T79.5 | T79.5 | Eintrag fehlt }} Crushniere, Crush-Syndrom | Eintrag fehlt }}
{{{02-BEZEICHNUNG}}}
{{{03-BEZEICHNUNG}}}
{{{04-BEZEICHNUNG}}}
{{{05-BEZEICHNUNG}}}
{{{06-BEZEICHNUNG}}}
{{{07-BEZEICHNUNG}}}
{{{08-BEZEICHNUNG}}}
{{{09-BEZEICHNUNG}}}
{{{10-BEZEICHNUNG}}}
{{{11-BEZEICHNUNG}}}
{{{12-BEZEICHNUNG}}}
{{{13-BEZEICHNUNG}}}
{{{14-BEZEICHNUNG}}}
{{{15-BEZEICHNUNG}}}
{{{16-BEZEICHNUNG}}}
{{{17-BEZEICHNUNG}}}
{{{18-BEZEICHNUNG}}}
{{{19-BEZEICHNUNG}}}
{{{20-BEZEICHNUNG}}}
{{{21-BEZEICHNUNG}}}
{{#ifeq:|ja|ICD-10 online (GM-Version 2026)|ICD-10 online (WHO-Version 2019)}}
{{#if:|Vorlage:Infobox ICD/Wartung/Para 30}}{{#if:|Vorlage:Infobox ICD/Wartung/Para 29}}{{#if:|Vorlage:Infobox ICD/Wartung/Para 28}}{{#if:|Vorlage:Infobox ICD/Wartung/Para 27}}{{#if:|Vorlage:Infobox ICD/Wartung/Para 26}}{{#if:|Vorlage:Infobox ICD/Wartung/Para 25}}{{#if:|Vorlage:Infobox ICD/Wartung/Para 24}}{{#if:|Vorlage:Infobox ICD/Wartung/Para 23}}{{#if:|Vorlage:Infobox ICD/Wartung/Para 22}}{{#if:|Vorlage:Infobox ICD/Wartung/Para 21}}{{#if:|Vorlage:Infobox ICD/Wartung/Para 20}}{{#if:|Vorlage:Infobox ICD/Wartung/Para 19}}{{#if:|Vorlage:Infobox ICD/Wartung/Para 18}}{{#if:|Vorlage:Infobox ICD/Wartung/Para 17}}{{#if:|Vorlage:Infobox ICD/Wartung/Para 16}}{{#if:|Vorlage:Infobox ICD/Wartung/Para 15}}{{#if:|Vorlage:Infobox ICD/Wartung/Para 14}}{{#if:|Vorlage:Infobox ICD/Wartung/Para 13}}{{#if:|Vorlage:Infobox ICD/Wartung/Para 12}}{{#if:|Vorlage:Infobox ICD/Wartung/Para 11}}{{#if:|Vorlage:Infobox ICD/Wartung/Para 10}}{{#if:|Vorlage:Infobox ICD/Wartung/Para 05}}

Als Crush-Niere oder seltener auch als myorenales Syndrom wird in der Medizin eine akute Niereninsuffizienz infolge eines Zerfalls von größeren Muskelmassen bezeichnet.

Oft wird nicht zwischen einer Crush-Niere und dem Crush-Syndrom unterschieden. Beide Begriffe werden heute nur noch selten verwendet. Mitunter bleibt auch unklar, ob neben den Muskeln auch die Nieren gequetscht werden oder ob die Nierenschädigung reversibel ist.

Definition

„Crush-Syndrom: akute, lebenbedrohliche Nierenschädigung durch Zutritt vom Muskelfarbstoff ins Blut (Myoglobinämie) infolge ausgedehnter Muskelquetschung oder Muskelzerfalls bei schweren Unfällen. Kreislaufschwäche mit drohendem Nierenversagen und Schock.“<ref>Brockhaus_Enzyklopädie. 19. Auflage, 5. Band, Verlag Friedrich_Arnold_Brockhaus, Mannheim 1988, ISBN 3-7653-1105-7, S. 45.</ref>

Begriffe

Mitunter wurden die beiden Fachbegriffe Crush-Syndrom und Crush-Niere synonym gebraucht und um das Eponym Bywaterssche Krankheit ergänzt. Eric George Lapthorne Bywaters (* 1. Juni 1910 in London; † 2. April 2003 in Beaconsfield) war ein britischer Mediziner. Ein schweres Trauma mit Schock heißt im Englischen crush injury.<ref>Günter Thiele (Hrsg.): Handlexikon der Medizin. Band 1 (A–K), Urban_&_Schwarzenberg, München / Wien / Baltimore 1980, ISBN 3-541-09111-8, S. 443.</ref>

Ein aktuelles internationales Lehrbuch beschreibt die myoglobin induced nephropathy following crush syndrome.<ref>Norbert Lameire, Wim van Biesen, Raymond Vanholder: Epidemiology, Clinical Evaluation, and Prevention of Acute Renal Failure. In: John Feehally, Jürgen Floege, Richard J. Johnson: Comprehensive Clinical Nephrology. 3. Auflage, Mosby Elsevier Verlag, Philadelphia 2007, ISBN 978-0-323-04602-2, S. 782 f.</ref>

Gelegentlich findet sich auch die Falschschreibung (fehlendes s) Bywater's syndrome.<ref>Whonamedit? - A dictionary of medical eponyms, (http://www.whonamedit.com/synd.cfm/3870.html).</ref> Bywaters syndrome ist der heute im Englischen und damit in der internationalen Fachsprache präferierte Goldstandard. Orthographisch korrekt wäre jedoch Bywaters’s syndrome.

Willibald Pschyrembel beschreibt die Crush-Niere als eines der Symptome des Crush-Syndroms.<ref>Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch, 269. Auflage, Verlag Walter_de_Gruyter, Berlin / Boston 2023, ISBN 978-3-11-078334-6, S. 349 f.</ref>

Peter Reuter nennt 2007 zahlreiche Synonyme: crush kidney, Crush-Syndrom, Quetschungssyndrom, Verschüttungssyndrom, Muskelzerfallssyndrom, myorenales Syndrom beziehungsweise tubulovaskuläres Syndrom.<ref>Peter Reuter: Springer Klinisches Wörterbuch 2007/2008, 1. Auflage, Springer-Verlag, Heidelberg 2007, ISBN 978-3-540-34601-2, S. 370.</ref>

Hans Julius Wolf beschrieb 1960 die Crush-Niere und ihre Therapie im Sinne der akuten tubulären Insuffizienz.<ref>Hans Julius Wolf: Einführung in die innere Medizin. 7. Auflage, VEB Georg Thieme Verlag, Leipzig 1960, S. 557.</ref>

François Reubi erwähnte 1982 andere Synonyme: „Schockniere, akute Tubulonephritis, ‚lower nephron nephrosis‘, ‚crush syndrome‘, Syndrom von Bywaters, chromoproteinurische Nephropathie, tubuläre Insuffizienz.“<ref>François_Reubi: Nierenkrankheiten. Verlag_Hans_Huber, 3. Auflage, Bern / Stuttgart / Wien 1982, ISBN 3-456-81140-3, S. 383.</ref>

Walter Siegenthaler beschrieb 1984 zusätzliche weitere Synonyme: acute tubular necrosis, Crushniere, Chromoproteinniere (nach Hans Ulrich Zollinger<ref>Robert_Hegglin: Differentialdiagnose innerer Krankheiten. 12. Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1972, ISBN 3-13-344812-9, S. 727.</ref>), akutes tubuläres Syndrom.<ref>Walter_Siegenthaler (Hrsg.): Differentialdiagnose innerer Krankheiten. 15. Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart / New York 1984, ISBN 3-13-344815-3, S. 25.22.</ref>

Tinsley Randolph Harrison erwähnt die Crushverletzung im deutschsprachigen Inhaltsverzeichnis in Zusammenhang mit einer Niereninsuffizienz ohne jede weitere Erklärung.<ref>Tinsley_Randolph_Harrison: Harrisons Innere Medizin. 20. Auflage, Georg Thieme Verlag, Berlin 2020, 1. Band, ISBN 978-3-13-243524-7, S. 5 in Band 1 und S. R-32 im Inhaltsverzeichnis.</ref> In der englischen Originalausgabe fehlt in der 21. Auflage im Inhaltsverzeichnis sogar das Wort crush.<ref>Joseph Loscalzo, Dennis L. Kasper, Dan L. Longo, Anthony_Stephen_Fauci, Stephen L. Hauser und J. Larry Jameson (Hrsg.): Tinsley_Randolph_Harrison: Harrison's Principles of Internal Medicine. 21. Auflage, McGraw-Hill, New York 2022, ISBN 978-1-264-26850-4.</ref> Genauso erwähnen das The Merck Manual<ref>Robert S. Porter, Justin L. Kaplan, Richard B. Lynn, Madhavi T. Reddy (Hrsg.): The Merck Manual, 20th Edition, Kenilworth, New_Jersey, 2018, ISBN 978-0-911910-42-1, S. 3082.</ref> und Gerd Harald Herold das Wort crush nicht.<ref>Gerd Harald Herold: Innere Medizin 2023. Selbstverlag, Köln 2023, ISBN 978-3-9821166-2-4.</ref> In der deutschsprachigen Ausgabe des Merck Manuals wurde 2000 das Crush-Syndrom erklärt.<ref>Merck_Manual, 6. Auflage, Urban_&_Fischer Verlag, München / Jena 2000, ISBN 3-437-21750-X, ISBN 3-437-21760-7, S. 532.</ref> Auch in den aktuellen deutschsprachigen Fachbüchern der Nierenheilkunde sucht man Hinweise auf einen crush vergeblich.

Ursachen

Der Muskelzerfall kann als Crush-Syndrom durch äußere Einflüsse als Folge einer Verletzung oder Quetschung großer Muskelanteile entstehen, oft bei Verbrennungs-, Erdbeben- und Verschüttungsopfern. Er kann auch als Rhabdomyolyse aus innerer Ursache auftreten, z. B. als unerwünschte Arzneimittelwirkung, durch Schlangengift, bei maligner Hyperthermie, bei einer Kohlenstoffmonoxidvergiftung und nach Elektrounfällen.

Pathophysiologie

Die bei der Crush-Niere komplizierende Niereninsuffizienz wurde lange als Folge einer „Verstopfung“ der Nierenkanälchen durch Produkte des Muskelzerfalls, hauptsächlich durch Myoglobin, angesehen.<ref>Roche_Lexikon_Medizin. 5. Auflage, Verlag Urban_&_Fischer, München / Jena 1984, ISBN 3-437-15156-8, S. 375.</ref> Myoglobin wirke tubulotoxisch.<ref>Maxim_Zetkin, Herbert_Schaldach: Lexikon der Medizin, 16. Auflage, Ullstein Medical, Wiesbaden 1999, ISBN 978-3-86126-126-1, S. 386.</ref>

Heute weiß man, dass der massive Anfall von Myoglobin in den Nierenkanälchen (Tubuli) zu Schäden bis zum Zelluntergang führt und zwar durch oxidativen Stress und erhöhte Eisenkonzentration (Ferroptose). Es kommt zum akuten Nierenversagen mit der Folge von Oligurie und Anurie und der Notwendigkeit zur Dialyse-Behandlung<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>.<ref name=":0">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>

Hypovolämie und renale Minderperfusion sind prädisponierende Faktoren für eine akute Tubulusschädigung mit Nierenversagen bei der Rhabdomyolyse.“<ref>Karl-Martin Koch: Klinische Nephrologie. 1. Auflage, Verlag Urban_&_Fischer, München / Jena 2000, ISBN 3-437-21730-5, S. 823.</ref>

Therapie

Bessert sich die klinische Situation nicht, so ist es sinnvoll, zusätzliche Flüssigkeit zu geben sowie die Konzentration der Elektrolyte im Blut zu bestimmen und diese gegebenenfalls zu substituieren. Weiterhin hilft Mannitol dabei, die extrazelluläre Flüssigkeit in das Blut zu mobilisieren, und das Alkalisieren des Blutes sorgt dafür, dass sich das Myoglobin besser im Blut und somit später im Urin löst.

Schon bei frühen Anzeichen von Komplikationen (zum Beispiel Oligurie, Anurie) sollte die Möglichkeit erwogen werden, Nierenersatzverfahren bereitzustellen. „Nach Überwindung der akuten Symptome macht die Crush-Niere mit Anurie eine Hämodialysebehandlung erforderlich.“<ref>Walter_Siegenthaler (Hrsg.): Klinische Pathophysiologie. 3. Auflage, Georg_Thieme_Verlag, Stuttgart / New York 1976, ISBN 3-13-449603-8, S. 501.</ref>

Prognose

Auch Ernst Lauda rechnete 1951 das Crush-Syndrom zu den extrarenalen Nierensyndromen nach Wilhelm Nonnenbruch: „Die anurischen Fälle oder jene, bei welchen die schwere Oligurie persistiert, enden in kurzer Zeit letal. Setzt eine Diurese ein, so kommt es in der Mehrzahl der Fälle zu einer Restitutio ad integrum, bei den restlichen Fällen resultiert ein verschieden schwerer Dauerschaden.“<ref>Ernst Lauda: Lehrbuch der inneren Medizin. 3. Band, Springer-Verlag, Wien 1951, Kapitel Lower-Nephron-Nephrosis, S. 249 f.</ref>

Heute ist bei einer schnell einsetzenden (und nur temporären) Nierenersatztherapie die Prognose sehr gut. Ohne diese ist die Prognose selbst unter einer Flüssigkeitszufuhr zur Bekämpfung der Hypovolämie schlecht und die Mortalität ist hoch<ref name=":0" />.

Geschichte

„Das akute Nierenversagen trat zuerst anläßlich ziviler und militärischer Katastrophenfälle in das ärztliche Bewußtsein, so zum Beispiel bei den Erdbeben von Messina bis Agadir und dann vor allem im ersten Weltkrieg an Verschütteten und Schwerverwundeten bis zu seiner Wiederentdeckung als ‚Crush-Syndrom‘ (Bywaters und Beall, 1941) an den Bombenopfern des zweiten Weltkrieges in London.“<ref>Eberhard_Buchborn, H. Edel: Akutes Nierenversagen. In: Herbert_Schwiegk (Hrsg.): Handbuch_der_inneren_Medizin, 5. Auflage, 8. Band, 2. Teil, Springer-Verlag, Berlin / Heidelberg / New York 1968, ISBN 3-540-04152-4, S. 942–1083, Zitat S. 942; Publikationsverzeichnis von Bywaters auf S. 1061.</ref><ref>Eric George Lapthorne Bywaters, D. Beall: Crush injuries with impairment of renal function. In: British Medical Journal, 1941, Band 1, S. 247.</ref>

Wilhelm Nonnenbruch erkannte 1949 das Crush Syndrom als ein typisches Beispiel eines extrarenalen Nieren-Syndroms (Nonnenbruch-Syndrom, Niereninsuffizienz ohne eigentliche Nierenkrankheit).<ref>Wilhelm Nonnenbruch: Die doppelseitigen Nierenkrankheiten – Morbus Brightii, Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart 1949, S. 190.</ref> Die Extremitätenmuskeln werden gequetscht; oft bleiben dagegen die durch den Thorax geschützten Nieren unverletzt. „Muskelnekrosen finden sich als Druck- und lokale Anoxiefolge beim Crush-Syndrom.“<ref>Hans_Hornbostel, Werner_Kaufmann, Walter_Siegenthaler (Hrsg.): Innere Medizin in Praxis und Klinik. 2. Band (Niere, Wasser-, Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalt), 4. Auflage, Georg_Thieme_Verlag, Stuttgart / New York 1992, ISBN 3-13-491204-X, S. 8.47.</ref>

Willibald Pschyrembel erwähnte 1951 erstmals das „Crush [englisch zerquetschen, zermalmen] – Syndrom (Bywaters): ausgedehnte Nekrosen und andere Parenchymschäden in Leber und Niere bei groben Verschüttungen der Extremitäten.“<ref>Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch, 85. – 99. Auflage, Verlag Walter de Gruyter, Berlin 1951, S. 159.</ref>

Literatur

  • Hanns-Wolf Baenkler (Hrsg.): Kurzlehrbuch Innere Medizin. 4. Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2021, ISBN 978-3-13-220000-5, S. 649 – Hier: Myoglobinurisches akutes Nierenversagen
  • John Feehally, Jürgen Floege, Richard J. Johnson: Comprehensive Clinical Nephrology. 3. Auflage, Mosby Elsevier Verlag, Philadelphia 2007, ISBN 978-0-323-04602-2, S. 782 f. (crush syndrome)

Einzelnachweise

<references/>

Vorlage:Hinweisbaustein