Zum Inhalt springen

Cozumel-Waschbär

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

<templatestyles src="Vorlage:Taxobox/styles.css" />

Cozumel-Waschbär
Datei:Cozumel Raccoon2.jpg

Cozumel-Waschbär (Procyon pygmaeus)

Systematik
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
Überfamilie: Marderverwandte (Musteloidea)
Familie: Kleinbären (Procyonidae)
Gattung: Waschbären (Procyon)
Art: Cozumel-Waschbär
Wissenschaftlicher Name
Procyon pygmaeus
(Merriam, 1901)

Der Cozumel-Waschbär (Procyon pygmaeus) ist eine seltene Waschbärart, die auf der mexikanischen Insel Cozumel heimisch ist.

Merkmale

Der Cozumel-Waschbär ist die mit Abstand kleinste Art aus der Gattung der Waschbären. Bei einer Gesamtlänge von durchschnittlich 75 cm entfallen etwa 25 cm auf den Schwanz. Das Gewicht beträgt 3 bis 7 kg. Damit sind Cozumel-Waschbären um etwa 45 % leichter und 18 % kleiner als die Waschbären des Festlands.<ref name="ms88">de Villa-Meza & al. 2011, S. 88</ref>

Abgesehen vom deutlichen Größenunterschied gibt es nur wenige äußerliche Unterschiede zwischen dem Cozumel-Waschbären und dem Festland-Waschbären. Zu diesen gehören ein deutliches schwarzes Band zwischen Kinn und Kehle sowie die goldgelbe Grundfarbe der Schwanz-Oberseite. Anatomisch bedeutend sind außerdem ein kürzeres Rostrum sowie vor allem ein abweichender Zahnbau. Die Zähne sind weniger als halb so groß wie die des Festland-Waschbären.<ref name="ms88"/>

Zwischen Männchen und Weibchen gibt es einen geringfügigen Geschlechtsdimorphismus in der Größe: Männchen sind in der Regel etwa 3 cm größer als Weibchen. Zudem sind die Orangefärbungen von Nacken und Schwanz beim Männchen häufig leuchtender.<ref name="ms88"/>

Verbreitung und Lebensraum

Der Cozumel-Waschbär ist ein Endemit der Karibik-Insel Cozumel, die nur 15 km vor der Küste des mexikanischen Bundesstaats Quintana Roo liegt. Diese 478 km² große Insel ist für mehrere Endemiten bekannt. Neben dem Cozumel-Waschbären sind dies der Nelson-Nasenbär (Nasua nelsoni), eine Unterart des Halsbandpekaris (Pecari tajacu nanus), eine Unterart des Tuberkelhokkos (Crax rubra griscomi) und die Cozumel-Spottdrossel (Toxostoma guttatum).<ref>Alfredo D. Cuarón, Miguel Angel Martínez-Morales, Katherine W. Mcfadden, David Valenzuela & Matthew E. Gompper: The status of dwarf carnivores on Cozumel Island, Mexico. In: Biodiversity and Conservation 2004, Bd. 13, Nr. 2, S. 317–331</ref>

Der bevorzugte Lebensraum sind Mangrovenwälder. Daneben leben die Waschbären in den Regenwäldern im Inselinneren und werden auch an Stränden und auf landwirtschaftlich genutzten Feldern gesehen. Die Nähe menschlicher Siedlungen ist nicht abschreckend. Insgesamt wird der Bestand des Cozumel-Waschbären auf 320 bis 950 Individuen geschätzt.<ref name="ms90">de Villa-Meza & al. 2011, S. 90</ref>

Lebensweise

Cozumel-Waschbären sind hauptsächlich nachtaktiv, manchmal aber auch tagsüber unterwegs. Sie sind für gewöhnlich Einzelgänger, können sich aber auf der Nahrungssuche auch zu kleinen Trupps zusammenfinden. Der Aktionsraum eines Cozumel-Waschbären wird auf 67 Hektar geschätzt.<ref name="ms90"/>

Der Cozumel-Waschbär ist ein Allesfresser. 50 Prozent seiner Nahrung machen Krabben aus. Weitere Kost besteht aus Früchten, Insekten und kleinen Wirbeltieren. An pflanzlicher Nahrung wurden Früchte von Manilkara und Pithecellobium sowie Gräser der Gattung Panicum nachgewiesen.<ref name="ms91">de Villa-Meza & al. 2011, S. 91</ref>

Über das Fortpflanzungsverhalten des Cozumel-Waschbären ist nur wenig bekannt. Geburten scheinen meistens zwischen November und Januar, aber auch zwischen Juli und August stattzufinden.<ref name="ms90"/>

Datei:Cozumel Raccoon area.png
Verbreitungsgebiet des Cozumel-Waschbären

Systematik

Noch vor einiger Zeit wurden diverse Inselarten des Waschbären anerkannt. Eine detaillierte Untersuchung hat ergeben, dass fast all diese Insel-Waschbären durch den Menschen eingeführt wurden und somit keine validen Arten sind. Die einzige Art, deren Gültigkeit nicht in Zweifel gezogen wird, ist der Cozumel-Waschbär.<ref>Kristofer M. Helgen & Don E. Wilson: Taxonomic status and conservation relevance of the raccoons (Procyon spp.) of the West Indies. In: Journal of Zoology 2003, Bd. 259, Nr. 1, S. 69–76</ref>

Der Cozumel-Waschbär ist ein typisches Beispiel für eine Inselverzwergung. Die molekulare Uhr lässt eine Trennung von Cozumel- und Festland-Waschbären vor 47.000 Jahren wahrscheinlich erscheinen. Es gibt aber keine Fossilbelege, die Aufschluss über die Geschichte der Cozumel-Waschbären geben könnten.<ref name="ms89">de Villa-Meza & al. 2011, S. 89</ref>

Bestand und Gefährdung

Die IUCN stuft die Art seit 2008 in die Kategorie „vom Aussterben bedroht“ (Critically endangered) ein. Diese Stufe wird immer vergeben, wenn Grund zur Annahme besteht, dass von einer Art weniger als 250 ausgewachsene Individuen existieren.<ref>[[[:Vorlage:IUCN/Weblink]] IUCN Species Account], abgerufen am 1. Januar 2012</ref>

Eine Reihe von Gefahrenquellen sind auf Cozumel vorhanden. Vor allem Hurrikane haben gravierende Einwirkungen auf die Bestände. Nach der Hurrikan-Saison 2006 fand man viele Waschbären mit äußeren Wunden und Zahnverletzungen. Bei Populationen in den Mangrovenwäldern sind diese Auswirkungen stärker als bei denen im Inselinneren.<ref name="ms92">de Villa-Meza & al. 2011, S. 92</ref>

Obwohl die Wälder der Insel noch weitgehend intakt sind, ist der Cozumel-Waschbär auch durch menschliche Einflüsse bedroht. So wurde die Straße, die quer durch die Insel führt, im Jahr 2006 auf vier Spuren erweitert; viele Inselwaschbären kommen im Straßenverkehr zu Tode. Vom Menschen eingeschleppt wurden Haushunde und 1971 auch die Abgottschlange. Beide töten gelegentlich Waschbären. Hunde sind zudem eine Bedrohung, weil sie Waschbären mit Krankheiten infizieren können.<ref name="ms91"/>

Einzelnachweise

<references/>

Literatur

  • Alejandra de Villa-Meza, Rafael Avila-Flores, Alfredo D Cuarón & David Valenzuela-Galván: Procyon pygmaeus. In: Mammalian Species 2011, Nr. 43, S. 87–93.
  • R. Cays: Family Procyonidae (Raccons) In: Don E. Wilson & Russel Mittermeier (Hrsg.) Handbook of the Mammals of the World Volume 1: Carnivores. Lynx Edicions. 2009. S. 530. ISBN 978-84-96553-49-1
  • Víctor Sánchez-Cordero, Rodrigo A Medellín: Contribuciones mastozoológicas en homenaje a Bernardo Villa. UNAM, 2005, ISBN 978-970-32-2603-0 (englisch, spanisch)
  • Katherine Walton McFadden: The Ecology, Evolution and Natural History of the Endangered Carnivores of Cozumel Island, Mexico. 2004. PDF-Datei (1,37 MB)

Weblinks

Commons: Cozumel-Waschbär (Procyon pygmaeus) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • [[[:Vorlage:IUCN/Weblink]] Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:IUCN“ ist nicht vorhanden.] in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2008. Eingestellt von: Cuarón, A.D., de Grammont, P.C., Vázquez-Domínguez, E., Valenzuela-Galván, D., García-Vasco, D., Reid, F. & Helgen, K., 2008. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.