Clemens von Delbrück
Clemens Gottlieb Ernst Delbrück, ab 1916 von Delbrück (* 19. Januar 1856 in Halle an der Saale; † 17. Dezember 1921 in Jena) war ein preußisch-deutscher Politiker (ab 1918 DNVP). Er war von 1896 bis 1902 Oberbürgermeister von Danzig, von 1909 bis 1916 Staatssekretär des Reichsamts des Innern und Vizekanzler des Deutschen Kaiserreichs, 1919/20 Mitglied der Weimarer Nationalversammlung und von 1920 bis zu seinem Tod Mitglied des Reichstages.
Ausbildung, Beruf und Familie
Clemens Delbrück entstammte einer prominenten, ursprünglich niedersächsischen Akademiker- und Beamtenfamilie, siehe Delbrück (Familie). Er war ein Sohn des Arztes Ernst Delbrück, der Kreisphysikus und Geheimer Medizinalrat in Halle (Saale) war, und der Anna, geb. Klenze. Sein jüngerer Bruder Anton wurde Psychiater und Direktor der Bremischen Heil- und Pflegeanstalt. Sein Großvater Clemens Klenze war Professor des römischen Rechts in Berlin. Der Staatsminister und Reichstagsabgeordnete Rudolph von Delbrück sowie der Bankier Adelbert Delbrück (einer der Gründer der Deutschen Bank) waren seine Onkel. Zu seinen Vettern zählen der Historiker Hans und der Chemiker Max Delbrück.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}{{#ifeq: 0 | 0
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}}</ref> Er gehörte der evangelischen Konfession an.
Nach dem Abitur am Stadtgymnasium in Halle studierte Delbrück von 1873 bis 1877 in Halle, Heidelberg, Greifswald und Berlin Rechtswissenschaften. Nach dem Referendariat und der Großen Juristischen Staatsprüfung wurde er 1882 preußischer Regierungsassessor in Marienwerder. Von 1885 bis 1891 war Delbrück Landrat im Landkreis Tuchel bei Bromberg. Anschließend wurde er Regierungsrat beim Oberpräsidium der Provinz Westpreußen in Danzig.
Delbrück war seit 1883 mit Meta Liedke verheiratet. Das Paar hatte drei Söhne und eine Tochter, darunter den Schriftsteller Joachim von Delbrück (1886–1951). Während seiner Zeit in Danzig stand Delbrück in engerem Kontakt mit dem evangelischen Pfarrer und Schriftsteller Artur Brausewetter, der seine Kinder konfirmierte und regelmäßig die Delbrücks zu Hause besuchte.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Politische Karriere im Kaiserreich
Von 1896 bis 1902 war Delbrück Oberbürgermeister der Stadt Danzig. Im gleichen Zeitraum gehörte er dem Preußischen Herrenhaus an, in dem er sich der sogenannten Neuen Fraktion anschloss. Anschließend war er bis 1905 Oberpräsident der Provinz Westpreußen. 1905 trat er als Handelsminister in die preußische Staatsregierung unter Ministerpräsident Bernhard von Bülow ein.
1909 wechselte er in die Reichsregierung, in der er Staatssekretär des Reichsamtes des Innern und Stellvertreter des Reichskanzlers wurde. Außerdem war er preußischer Staatsminister ohne Ressort und Vorsitzender des Bundesrats. Wie sein Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg war Delbrück kein Anhänger des parlamentarischen Systems.<ref name="Parlamentarisierung" details="S. 147.">Manfred Rauh: Parlamentarisierung des Deutschen Reiches. in: Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien; Band 60, Hrsg. Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der Politischen Parteien, Droste Verlag, Düsseldorf 1977, S. 147. [[Spezial:ISBN-Suche/{{#if:trim|3-7700-5092-5}}|ISBN {{#if:trim|3-7700-5092-5}}]].</ref> Beide aber modernisierten die oberste Reichsverwaltung nach Delbrücks Vorschlägen von 1914, die de facto eine Reichsregierung als Kollegialorgan vorsahen. Gesetzentwürfe sollten besser mit den Parlamentariern abgesprochen werden.<ref name="Parlamentarisierung" details="S. 38–40, S. 42." />
Von 1914 bis 1916 war er außerdem Vizepräsident des preußischen Staatsministeriums. 1918 war er kurzfristig Chef des „Geheimen Zivilkabinetts“.
Weimarer Republik
Nach dem Ersten Weltkrieg zählte Delbrück zu den Mitbegründern der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP). Innerhalb der Partei gehörte er zum gemäßigten, sozial orientierten Flügel, der bereit war, auch unter den neuen, republikanischen Verhältnissen loyal im Staate mitzuarbeiten. Dieser konnte sich jedoch nicht durchsetzen.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}{{#ifeq: 0 | 0
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Delbrück war 1919/1920 Abgeordneter der Weimarer Nationalversammlung. Dort gehörte er dem Ausschuß zur Vorberatung des Entwurfs einer Verfassung des Deutschen Reichs an. Er wandte sich vergeblich gegen eine – aus seiner Sicht – zu starke Stellung der Bürgerrechte in der Verfassung, indem er von einer „Hypertrophie der Grundrechte“ sprach. Ferner schlug er vor, die Richtlinienkompetenz des Kanzlers bei gleichzeitiger Selbstständigkeit der Minister in der Führung ihrer jeweiligen Ressorts und der Mehrheitsentscheidung über Gesetzentwürfe im Kabinett festzuschreiben. Mit diesem Vorschlag konnte er sich im Verfassungsausschuss durchsetzen.
Von 1920 bis zu seinem Tode war er über den Reichswahlvorschlag der DNVP gewählter Reichstagsabgeordneter.
Auszeichnungen
Im Jahr 1912 erhielt Delbrück die Ehrendoktorwürde der Berliner Universität. Er wurde bei Entlassung aus seinen Regierungsämtern mit Verleihung des preußischen Schwarzen Adlerordens am 22. Mai 1916 in den erblichen preußischen Adelsstand erhoben, mit Wappenbrief vom 31. Juli 1916.<ref>A. Freiherr von Houwald: Brandenburg-Preußische Standeserhebungen und Gnadenakte für die Zeit 1873–1918. C. A. Starke, Görlitz 1939, S. 217.</ref>
Veröffentlichungen
- Die wirtschaftliche Mobilmachung in Deutschland 1914. Verlag für Kulturpolitik, München 1924 (postum), Herausgegeben von Joachim von Delbrück.
Siehe auch
- Liste der Oberpräsidenten in preußischen Provinzen
- Liste der Mitglieder des Preußischen Herrenhauses
- Liste der Mitglieder der Nationalversammlung von 1919
- Liste der Bürgermeister von Danzig
Literatur
- Joachim von Delbrück: Clemens von Delbrück. Ein Charakterbild. Verlag G. Stilke, Berlin 1922.
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- Walter von Hueck, Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch des Adels. Adelige Häuser. B (Briefadel) Band XVIII, Band 95 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1989, S. 75. {{#invoke:URIutil|{{#ifeq:1|1|linkISSN|targetISSN}}|0435-2408|0}}{{#ifeq:1|0|[!]
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- Acta Borussica. Neue Folge, Band 9: 1900–1909. (PDF) Hildesheim 2001. Hrsg. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften.
- Matthias Steinbach, Uwe Dathe: Clemens von Delbrück Ein deutscher Tory zwischen Kaiserreich und Weimarer Republik. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte Heft 1, München 2010 (PDF) {{#invoke:URIutil|{{#ifeq:1|1|linkISSN|targetISSN}}|2196-7121|0}}{{#ifeq:1|0|[!]
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- Eckhard Hansen, Florian Tennstedt (Hrsg.) u. a.: Biographisches Lexikon zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1871 bis 1945. Band 1: Sozialpolitiker im Deutschen Kaiserreich 1871 bis 1918. Kassel University Press, Kassel 2010, S. 31. ISBN 978-3-86219-038-6. (Online, PDF)
Weblinks
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Einzelnachweise
<references />
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- Vizekanzler (Deutsches Kaiserreich)
- Mitglied der Weimarer Nationalversammlung
- Reichstagsabgeordneter (Weimarer Republik)
- DNVP-Mitglied
- Staatssekretär (Deutsches Kaiserreich)
- Mitglied des Preußischen Herrenhauses
- Bürgermeister (Danzig)
- Landesminister (Preußen)
- Geheimrat
- Ritter des Schwarzen Adlerordens
- Nobilitierter (Preußen)
- Ehrendoktor der Humboldt-Universität zu Berlin
- Mitglied der Familie Delbrück
- Deutscher
- Geboren 1856
- Gestorben 1921
- Mann