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Chlorameisensäureethylester

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Strukturformel
Struktur von Chlorameisensäureethylester
Allgemeines
Name Ethylchlorformiat
Andere Namen
  • Ethylchlormethanat
  • Ethylchlorformiat
  • Ethoxycarbonylchlorid
  • Kohlensäureethylesterchlorid
Summenformel C3H5ClO2
Kurzbeschreibung

farblose Flüssigkeit mit beißendem Geruch<ref name="Merck"/>

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
EG-Nummer 208-778-5
ECHA-InfoCard 100.007.981
PubChem 10928
ChemSpider 10465
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Eigenschaften
Molare Masse 108,53 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig<ref name="Merck"/>

Dichte

1,14 g·cm−3 (20 °C)<ref name=roempp>Eintrag zu Chlorameisensäureester. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref>

Schmelzpunkt

−81 °C<ref name="ALFA">Datenblatt Vorlage:Linktext-Check bei Alfa AesarVorlage:Abrufdatum (Seite nicht mehr abrufbar).</ref>

Siedepunkt

95 °C<ref name=roempp />

Dampfdruck

54 hPa (20 °C)<ref name="Merck">Datenblatt Vorlage:Linktext-Check bei MerckVorlage:Abrufdatum</ref>

Löslichkeit

reagiert mit Wasser<ref name="ALFA"/>

Brechungsindex

1,3974 (20 °C)<ref name="CRC90_3_240">David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press / Taylor and Francis, Boca Raton FL, Physical Constants of Organic Compounds, S. 3-240.</ref>

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),<ref name="CLP_100.007.981">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der Datenbank ECHA CHEM der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA)Vorlage:Abrufdatum Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.</ref> ggf. erweitert<ref name="GESTIS">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref>
Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 225​‐​301​‐​314​‐​330
P: 210​‐​280​‐​301+330+331​‐​303+361+353​‐​305+351+338​‐​310<ref name="GESTIS" />
Toxikologische Daten

204 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)<ref name="Merck" />

Thermodynamische Eigenschaften
ΔHf0

−505,3 kJ/mol<ref name="CRC90_5_23">David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press / Taylor and Francis, Boca Raton FL, Standard Thermodynamic Properties of Chemical Substances, S. 5-23.</ref>

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). Brechungsindex: Na-D-Linie, 20 °C

Chlorameisensäureethylester (veraltet: Chlorkohlensaures Äthyl) ist eine organisch-chemische Verbindung aus der Stoffgruppe der Chlorameisensäureester (eigentlich korrekterweise Chlorkohlensäureester), die als Zwischenprodukt zur Herstellung verschiedener Kohlensäure-Derivate dient.

Geschichte

Chlorameisensäureethylester wurde erstmals 1833 vom französischen Chemiker Jean-Baptiste Dumas durch die Umsetzung von Phosgen mit absoluten Ethanol hergestellt. Er nannte die Flüssigkeit Ether oxichlorocarbonique.<ref name="Dumas">J. Dumas: Recherche de Chimie organique in Ann. Chim. Phys. 54 (1833) 225ff.</ref><ref name="Soukup_org">Rolf Werner Soukup: Chemiegeschichtliche Daten organischer Substanzen, Version 2020, S. 43 pdf.</ref>

Gewinnung und Darstellung

Chlorameisensäureethylester wird technisch in einem kontinuierlichen Prozess aus Phosgen und wasserfreiem Ethanol bei Temperaturen bis 20 °C hergestellt.<ref name="Ullmann">Siegfried Böhm, Maren Beth-Hübner: Chloroformic Esters. In: Ullmann’s Encyclopedia of Industrial Chemistry. Wiley‐VCH Verlag GmbH & Co. KGaA., 15. April 2006, doi:10.1002/14356007.a06_559.pub2.</ref>

Industrielle Synthese von Ethylchlorformiat aus Phosgen und Methanol
Industrielle Synthese von Ethylchlorformiat aus Phosgen und Methanol

Die Umsetzung kann im Gleich- oder Gegenstrom erfolgen. Beim Gleichstromverfahren wird in Rührkesselreaktoren, Reaktoren mit eingebauter Zerstäuberdüse oder Umlaufreaktoren gearbeitet, wohingegen man für die Gegenstromanordnung in der Regel eine Füllkörperkolonne verwendet, bei der überschüssiges Phosgen zusammen mit gasförmigem Chlorwasserstoff am Kopf der Kolonne austritt und der Chlorameisensäureester im Sumpf angereichert wird.<ref name="Ullmann" />

Chemische Eigenschaften

Chlorameisensäureethylester gehört zur Gruppe der Chlorameisensäureester, wie auch Chlorameisensäuremethylester, Chlorameisensäure-n-butylester, Chlorameisensäurephenylester und Chlorameisensäurebenzylester. Die Verbindung ist thermisch instabil. Eine DSC-Messung zeigt ab 136 °C eine exotherme Zersetzungsreaktion mit einer Wärmetönung von −344 kJ·kg−1 bzw. −37,3 kJ·mol−1.<ref name="Sperry">Sperry, J.B.; Minteer, C.J.; Tao, J.; Johnson, R.; Duzguner, R.; Hawksworth, M.; Oke, S.; Richardson, P.F.; Barnhart, R.; Bill, D.R.; Giusto, R.A.; Weaver, J.D.: Thermal Stability Assessment of Peptide Coupling Reagents Commonly Used in Pharmaceutical Manufacturing in Org. Process Res. Dev. 22 (2018) 1262–1275, doi:10.1021/acs.oprd.8b00193.</ref>

Verwendung

Chlorameisensäureethylester dient als weit verbreitetes Zwischenprodukt bei der Herstellung von Carbonaten und Carbamaten,<ref name="ChemicalLand">chemicalland21.com: Produktinformation.</ref> die in der pharmazeutischen Industrie als Ausgangsstoffe für Synthesen dienen.

Nomenklatur

Der gebräuchliche Name „Chlorameisensäureethylester“ ist nicht korrekt, da die Verbindung kein Derivat der Ameisensäure, sondern der Kohlensäure (Kohlensäuremonochlorid und Kohlensäuremonoester) ist.<ref>Eberhard Breitmaier, Günther Jung: Organische Chemie. Grundlagen, Stoffklassen, Reaktionen, Konzepte, Molekülstruktur. 5. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-13-541505-8, S. 430 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

Sicherheitshinweise

Die Dämpfe von Chlorameisensäureethylester bilden bei Konzentrationen zwischen 3,2 und 27,5 Volumenprozent mit Luft ein explosionsfähiges Gemisch (Flammpunkt 16 °C, Zündtemperatur 450 °C).<ref name="ALFA"/> In Hitze zersetzt sich die Verbindung, wobei Chlorwasserstoff, Phosgen, Chlor und andere giftige Stoffe frei werden können.

Einzelnachweise

<references />

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