Zum Inhalt springen

Cementbaugeschäft Rudolf Wolle

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Das Cementbaugeschäft Rudolf Wolle, zuletzt Tief- und Betonbau Rudolf Wolle,<ref name="archiv">Bestand 20726 Leipziger Baugewerke im Sächsischen Staatsarchiv Leipzig</ref> zuvor Bauunternehmung Rudolf Wolle, war ein Bauunternehmen in Leipzig, das zu den Pionieren des Stahlbetonbaus gehörte und wesentlich zu dessen Verbreitung in Deutschland beitrug.

Geschichte

Rudolf Wolle (1864–1933) und sein 1896 gegründetes Bauunternehmen trugen wesentlich zur Durchsetzung des neuen Baustoffs Stahlbeton (damals noch Eisenbeton) bei. So wurde auch der erste Vortrag vor dem Deutschen Beton-Verein, in dem Eisenbeton erwähnt wurde, im Februar 1900 von einem Ingenieur dieses Unternehmens gehalten.<ref name="eisenbetonbauweise">Michael Fischer: Steineisendecken im Deutschen Reich 1892–1925. Dissertation, Brandenburgische Technische Universität Cottbus, 2008, Band 1 (Entwicklungsgeschichte, Typologie und Bewertung), S. 29; (kobv.de, PDF; 12 MB).</ref> Rudolf Wolle war um 1909 Mitglied im Schiedsgericht des Deutschen Beton-Vereins.<ref>Vorlage:ZentralblBauverw</ref>

Rudolf Wolle wurde vor dem Ende der Monarchie in Deutschland mit dem Ehrentitel eines (königlich sächsischen) Kommerzienrats ausgezeichnet. Am 19. November 1920 verlieh ihm die Technische Hochschule Braunschweig die Ehrendoktorwürde (als Dr.-Ing. E. h.) „in Anerkennung seiner außerordentlich erfolgreichen Tätigkeit für die Entwicklung der Beton- und Eisenbetonbauweise, seiner regen Mitwirkung bei der Schaffung praktischer Unterlagen für den Aufbau der Theorie und seines Wirkens auf wirtschaftlich-technischen Gebieten“.<ref>Vorlage:ZentralblBauverw</ref>

Um 1926 bestand eine Niederlassung der Bauunternehmung in München.<ref>laut wiederholten Anzeigen in der Zeitschrift Beton und Eisen, Jahrgang 1926</ref>

Rudolf Wolle wurde 1933 auf dem Leipziger Südfriedhof begraben, in einem bis heute erhaltenen Familiengrab mit monumentalem Grabmal.<ref>Grabmal der Familie Rudolf Wolle. geniessen.org @1@2Vorlage:Toter Link/www.geniessen.org (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Oktober 2022. Suche im Internet Archive )</ref>

Das Unternehmen scheint mindestens bis in die 1950er Jahre aktiv gewesen zu sein: Im Jahr 1952 erhielt es die Zulassung 20/52 des Ministerrats der DDR zum Stahlbeton-Deckensystem Rapid.

Bauten

Das Unternehmen war beim Bau von feuer-, schall- und schwammsicheren Zwischendecken engagiert. Dabei kam sowohl die sogenannte Viktoria-Decke der Hansa Gesellschaft für Wand und Deckenbau als auch die selbstentwickelte Wolle’sche Konsolendecke zum Einsatz. Hierbei handelt es sich um eine Eisenbetondecke, die zwischen I-Trägern oder kontinuierlich über Mauern hinweg mit voutenförmigen Anschluss an die Träger oder Mauern hergestellt wird. Die maximale Spannweite betrug zehn Meter.<ref>Franz Stade: Die Steinkonstruktionen. Reprint-Verlag, Leipzig 2002, ISBN 3-8262-1922-8 (Reprint der Original-Ausgabe, Schäfer, Leipzig 1907).</ref>

Datei:BS Haengegurttraeger.JPG
Hängegurtträger
Datei:IBA 1913 Betonhalle.jpg
Betonhalle in Leipzig

Bis auf eine Ausnahme wurden alle nach dem Konstruktionsprinzip des Hängegurtträgers (Möllerträger, Möllerbrücke) ausgeführten Brücken in Sachsen und Thüringen durch Wolle erbaut.<ref name="sanierung"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Stärkung für Pleiße-Brücken. Die Sanierung von Möllerträgern. (Memento vom 15. Februar 2005 im Internet Archive; PDF)</ref><ref>Vorlage:ZeitschrBauwesen</ref><ref group="Anmerkung">Einzige Ausnahme ist die Brücke über den Pleißemühlgraben vor dem Reichsgerichtsgebäude in Leipzig, die von der Bauunternehmung Drenckhahn & Sudhop ausgeführt wurde.</ref> Rudolf Wolle hatte zur Gründung von Bauwerken ein Patent auf fünfeckig ausgeführte Eisenbetonpfähle, die bis auf die tragfähige Schicht reichten. Diese wurden auf der Baustelle ausgeführt und nach vier Wochen gerammt. Auf die Pfähle wurde in Verbindung damit 1 m hoch eisenbewehrter Beton aufgebracht.<ref>o. V.: Das neue Amtsgericht und Gefängnis in Weißenfels an der Saale. In: Zentralblatt der Bauverwaltung, 34. Jahrgang 1914, Nr. 2 (vom 7. Januar 1914), S. 9 f. (Digitalisat bei der Zentral- und Landesbibliothek Berlin)</ref>

Bekannte Bauwerke

Anmerkungen

<references group="Anmerkung" />

Schriften

  • Rudolf Wolle (Hrsg.): Beton- und Eisenbeton-Bauten. Arnold, Leipzig 1905.
  • Rudolf Wolle: Das Völkerschlachtdenkmal bei Leipzig. Seinen Freunden und Gönnern gewidmet von Rudolf Wolle. Selbstverlag, Leipzig 1913.

Literatur

  • Lutz Reinboth: Eine Bauweise gefördert und weiter entwickelt. In: Bauen im Bestand, Ausgabe 05/2015; Auszug. bauenimbestand24.de; abgerufen am 13. Juni 2019.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />