Carlos Westendorp y Cabeza
Carlos Westendorp y Cabeza (* 7. Januar 1937 in Madrid; † 30. März 2026<ref>Muere Carlos Westendorp, exministro de Asuntos Exteriores socialista, a los 89 años. In: ABC. 30. März 2026, abgerufen am 31. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>) war ein spanischer Diplomat und Politiker (PSOE). Er war von 1995 bis 1996 Außenminister seines Landes, von Juni 1997 und Juli 1999 Hoher Repräsentant der internationalen Staatengemeinschaft in Bosnien und Herzegowina sowie von 1999 bis 2003 Mitglied des Europäischen Parlaments.
Carlos Westendorp y Cabeza entstammte einer großbürgerlichen Familie mit niederländischen Wurzeln, die bekannte Bankiers und Maler hervorgebracht hat. Sein Großvater, ein Teehändler, war um 1900 aus Amsterdam nach Málaga gekommen und hatte dort eine Spanierin geheiratet.<ref name="Munzinger">Carlos Westendorp y Cabeza im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)</ref> Nach dem Abschluss seines Jurastudiums schlug Westendorp 1964 eine Diplomatenkarriere ein, die ihn u. a. als stellvertretenden Konsul nach São Paulo (Brasilien), als Leiter der Abteilung für technische und wirtschaftliche Abkommen ins Außenministerium nach Madrid und als Botschaftsrat für Wirtschaftsfragen in die spanische Botschaft in den Den Haag (Niederlande) führte.<ref name="GEE">Carlos Westendorp Cabeza, in: Gran Enciclopedia España (online), Stand 30. März 2026.</ref>
Nach dem Tod des Diktators Francisco Franco 1975 wirkte Westendorp in verschiedenen Positionen an der Vorbereitung des Beitritts Spaniens zu den Europäischen Gemeinschaften (EG) mit,<ref name="GEE"/> der 1986 erfolgte. In der Zeit des Übergangs zur Demokratie (Transición) war er Mitglied der linkssozialistischen Partido Socialista Popular (PSP) seines früheren Professors<ref>Ana Romero: Carlos Westendorp, the High Representative – “The Nationalism is Insatiable”, in: El Mundo, 27. September 1998.</ref> Enrique Tierno Galván (dem späteren Bürgermeister von Madrid),<ref name="Munzinger"/> die 1978 in der Partido Socialista Obrero Español (PSOE) aufging. Vom EG-Beitritt Spaniens zum Jahreswechsel 1985/86 bis 1991 war er der erste Botschafter und Ständige Vertreter Spaniens bei den Europäischen Gemeinschaften.
Während der Regierungszeit des sozialistischen Premierministers Felipe González wechselte Westendorp im März 1991 als Staatssekretär für die Europäischen Gemeinschaften ins spanische Außenministerium. Während seiner Amtszeit trat 1993 der Vertrag von Maastricht in Kraft, durch den die europäische Integration vertieft und die Struktur der Europäischen Gemeinschaften bzw. Europäischen Union (EU) erneuert wurde. Ab 1995 trug er folglich die Amtsbezeichnung Staatssekretär für die Europäische Union. Die Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedsstaaten setzten im März 1995 eine Expertengruppe unter seinem Vorsitz ein (die Westendorp-Gruppe), welche die Regierungskonferenz 1996 vorbereitete und den Regierungschefs Verhandlungsvorschläge unterbreitete, u. a. zur geplanten Erweiterung der EU. Der Abschlussbericht der Reflexionsgruppe wurde am 5. Dezember 1995 vorgelegt. Während der zweiten Hälfte des Jahres 1995 hatte Spanien den Vorsitz im Rat der Europäischen Union.
Als der bisherige Außenminister Javier Solana im Dezember 1995 Generalsekretär der NATO wurde, folgte ihm Westendorp in diesem Amt. Bereits im Mai 1996 schied er wieder aus diesem Amt, nachdem die PSOE die Wahl verloren hatte. Zwei Monate später wurde er Ständiger Vertreter Spaniens bei den Vereinten Nationen.
Als Nachfolger des Schweden Carl Bildt wurde Westendorp im Juni 1997 zum Hohen Repräsentanten für Bosnien und Herzegowina ernannt, der nach dem Ende des Bosnienkrieges im Auftrag der internationalen Gemeinschaft die Umsetzung des Dayton-Abkommens überwachen sollte. Er setzte 1998, nachdem sich das Parlament von Bosnien und Herzegowina nicht einigen konnte, aufgrund seiner umfangreichen Machtbefugnisse das gegenwärtige Design der bosnisch-herzegowinischen Flagge durch. Nach zwei Jahren in Bosnien wurde er vom Österreicher Wolfgang Petritsch als neuem Hohen Repräsentanten abgelöst.
Bei der Europawahl 1999 kandidierte er für die PSOE und errang ein Mandat im Europäischen Parlament, welches er bis 2003 ausübte. Dort saß er in der Fraktion der Sozialdemokratischen Partei Europas (SPE) und war Vorsitzender des Ausschusses für Industrie, Außenhandel, Forschung und Energie.<ref>Carlos Westendorp y Cabeza in der Abgeordnetendatenbank des Europäischen Parlaments</ref> Bei der Regionalwahl im Mai 2003 wurde Westendorp in die Asamblea de Madrid gewählt. Nachdem seine Partei 2004 die spanische Parlamentswahl gewonnen hatte und mit José Luis Rodríguez Zapatero als Premierminister wieder die Regierung führte, bekleidete Westendorp von 2004 bis 2008 das Amt des spanischen Botschafters in den Vereinigten Staaten.
Literatur
- Carlos Westendorp y Cabeza in: Internationales Biographisches Archiv 44/1999 vom 25. Oktober 1999, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
Carl Bildt | Carlos Westendorp | Wolfgang Petritsch | Paddy Ashdown | Christian Schwarz-Schilling | Miroslav Lajčák | Valentin Inzko | Christian Schmidt
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Westendorp y Cabeza, Carlos |
| ALTERNATIVNAMEN | Westendorp, Carlos |
| KURZBESCHREIBUNG | spanischer Diplomat und Politiker |
| GEBURTSDATUM | 7. Januar 1937 |
| GEBURTSORT | Madrid, Spanien |
| STERBEDATUM | 30. März 2026 |
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- Mitglied des Europäischen Parlaments für Spanien
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- Botschafter bei der Europäischen Union
- Jurist im auswärtigen Dienst
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