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Caracol

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Datei:Panorama atop Caracol.png
Tempelanlage in Caracol

Caracol, zeitgenössisch Uxwitza', ist ein ehemaliger Stadtstaat der Maya-Zivilisation im Süden des heutigen Belize.

Die um 600 v. u. Z. gegründete Stadt war bis 900 besiedelt und zu ihrer Blütezeit im 8. Jahrhundert eine Großstadt mit bis zu über 100.000 Einwohnern und eine der größten Städte der Welt. Sie zählte zu den dominanten Zentren des Maya-Tieflands.

Lage

Die Ruinenstätte liegt im Süden der Provinz Cayo in Belize (Mittelamerika) auf dem Vaca Plateau in den Ausläufern der Maya Mountains auf 450 bis 600 m über dem Meer, nach Westen erstreckt sie sich bis ins heutige Guatemala. Damit ist sie geografisch deutlich abgesetzt von dem nächstgelegenen Regionalzentrum, dem Upper Belize River Valley mit seinen vielen Orten, das rund 40 bis 50 Kilometer weiter nördlich liegt.

Größere natürliche Gewässer finden sich nicht, die nächstgelegenen Flüsse, westlich der Chiquibul River und östlich der Macal, liegen beide rund 15 Kilometer entfernt.<ref name=":2" details="S. 345">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>

Geschichte

Der Name Caracol ist modern und bedeutet „Schnecke“, der ursprüngliche Name war Uxwitza und bedeutet soviel wie „Ort dreier Berge“.<ref name=":0">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Er wurde um 600 v. u. Z. gegründet, in den folgenden Jahrhunderten gestalteten seine Einwohner die umliegende Landschaft durch Rodungen, Terrassierungen und die Anlage von Wasserreservoiren zugunsten einer intensiven landwirtschaftlichen Nutzung um.<ref name=":2" details="S. 346-347" />

Als Begründer der Herrscherdynastie in Uxwitza' gilt Te’ K’ab Chaahk, der im Jahr 331 den Thron bestieg und mindestens bis 349 regierte. 2025 wurde in der Struktur B-34 ein Grab gefunden, dass sich anhand der Grabbeigaben als das seine identifizieren ließ. Die Gestaltung seines Begräbnisses (sowie weitere der Zeit) machten deutlich, dass die Stadt bereits vor seinem Tod begann, Einflüsse aus der Kultur des zentralmexikanischen Teotihuacán aufzunehmen.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>

Auch zu Tikal und Copán bestanden enge Verbindungen Vermutlich wurde in Caracol Ende des vierten Jahrhunderts K’uk’ Mo’ Ajaw als Teil der dortigen Elite geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er wohl im zentralen Peten, bevor er im September 426 entweder in Tikal oder Teotihuacan unter dem Namen K’inich Yax K’uk’ Mo’ als König in Copán eingesetzt wurde. Dort traf er am 8. Februar 427 ein und wurde zum Begründer einer Dynastie, die bis zum Ende Copáns herrschte.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>

Im Jahr 553 wurde von Tikal aus mit Yajawte’ K’inich Tz’uutz’ II. ein neuer Herrscher in Caracol eingesetzt. Als jedoch 556 in Tikal ein Adliger aus Uxwitza' hingerichtet wurde, kam es zu einem offenen Konflikt und schließlich zum Bruch mit Tikal. Bereits 562 war Uxwitza' alliiert mit der zu dieser Zeit in Dzibanche ansässigen Kaan-Dynastie und wahrscheinlich auch dynastisch mit dieser verbunden.<ref name=":1">Nikolai Grube (Hrsg.): Maya, Gottkönige im Regenwald. Potsdam 2012, ISBN 978-3-8480-0033-3, S. 162–165, 169, 173, 198, 232, 266 u. 443.</ref>

618 bestieg Tutum Yohl K’inich Tz’uutz’ II. den Thron, er gilt heute als bedeutendster Herrscher Uxwitza's.<ref name=":5" details="S. 2" /> Seine Herrschaft bis 658 war von Stabilität und Wohlstand geprägt. Auch Tutum Yohl K’inich Tz’uutz’ II. pflegte weiterhin eine enge Bindung an die Kaan-Dynastie, im Jahr 619 wurde seine Thronbesteigung durch ihren damaligen Herrscher Yuknoom Ti' Chan II. bestätigt.<ref name=":0" />

Als Naranjo, bis zu diesem Zeitpunkt ebenfalls Kaan-Alliierter, sich 626 von der Dynastie lösen wollte, intervenierte Uxwitza' unter Tutum Yohl K’inich Tz’uutz’ II. militärisch und besiegte Naranjo. Im Dezember 631 kam es zum ersten Sternenkrieg zwischen Naranjo und der Kaan-Dynastie, letztere unterstützt aus Uxwitza', der eine verheerende Niederlage für Naranjo zur Folge hatte. Es wird allerdings auch für möglich gehalten, dass die Auseinandersetzung von den Konflikten innerhalb der Kaan-Dynastie bestimmt war und Naranjo auf Seiten der „alten“ Dynastie unter Waxaklajuun Ubaah Kaan mit Sitz in Dzibanche war, Uxwitza' hingegen sich der Fraktion um Yuknoom Ch'een II. mit ihrem neuen Sitz in Calakmul angeschlossen hatte.<ref name=":0" />

Zu einem erneuten Sternenkrieg zwischen Naranjo und Uxwitza' kam es im Jahr 680. Mit Unterstützung durch Xunantunich gelang es diesmal Naranjo, Uxwitza' vernichtend zu schlagen und den Herrscher K’ahk’ Ujol K’inich II. ins Exil zu zwingen.<ref name=":4">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Nach der Inthronisierung von Tz’ayaj K’ahk’ 702 finden sich bis 798 keine Inschriften mehr, archäologische Befunde lassen jedoch darauf schließen, dass Uxwitza' in dieser Zeit Frieden und breiten Wohlstand erlebte. Im 9. Jahrhundert kam es dann zu einer ungleichen Verteilung des Wohlstandes, Uxwitza' verlor Einwohner, die Bindung der Siedlungen an der Peripherie zum Zentrum begann sich aufzulösen<ref name="D. and A. Chase 2003">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> und die Trennung zwischen der Elite und dem gemeinen Volk verschärfte sich immer mehr.<ref name=":6">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Das letzte in Uxwitza' errichtete Monument ist eine grob gearbeitete Stele, die in das Jahr 859 datiert.<ref name=":1" /> Um 900 kam es dann zu Gewalt im elitären Zentrum, in deren Zuge einige der Bewohner getötet und ohne Beerdigung auf Plazas und in Gebäuden liegen gelassen wurden, die genauen Umstände sind unklar. Unmittelbar danach wurde der Ort dann rapide und endgültig verlassen.<ref name=":6" />

{{#invoke:Vorlage:Anker|f |errCat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Anker |errHide=1}}Bekannte Herrscher von Uxwitza'

Die Lektüre von Namen von Herrschern der Maya wird durch mehrere Hürden erschwert. So sind sie in Inschriften oft nur teilweise erhalten und selbst wenn sie vorliegen, können die Glyphen oft nicht ohne Probleme adäquat phonetisch entziffert werden. Forscher haben sich insbesondere in letzterem Fall oft mit Nummerierungen oder Namen beholfen, die die Glyphen bildlich umschrieben. Auch Herrscher Caracols wurden in der Literatur mit solchen, teils unterschiedlichen Namen angeführt, bevor sich im Zuge weiterer Forschungen für sie stabile Lesungen entwickelten. Beispielsweise wurde der wohl bedeutendste Herrscher nacheinander Herr Sturm-Wasser Mond, Antennenspitze II und K’an II genannt, bevor er als Tutum Yohl K’inich Tz’uutz’ II. bestimmt werden konnte.<ref name=":5" details="S. 2">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>

2022 wurden die bekannten Herrscher mit ihren Namen und Herrschaftsdaten wie folgt angegeben:<ref name=":5" details="S. 22" />

Herrschaftsdaten Herrschaftsname
331–349+ Te’ K’ab Chaahk
vor 400-nach 400 K’inich Tz’uutz’
um 470 Tutuum Chan Yahkan?

K’ahk’ Ujo’l K’inich I.

484–514+ Yajawte’ K’inich I.
531–534+ Tutum Yohl K’inich Tz’uutz’ I.
553–593+ Yajawte’ K’inich Tz’uutz’ II.
599–613+ Saak? Ti’ Huun
618–658 Tutum Yohl K’inich Tz’uutz’ II.
658–680+ K’ahk’ Ujol K’inich II.
um 702 Tz’ayaj K’ahk’?
vor 796–799 Tutum Yohl K’inich
799–803 K’inich Joy K’awil
vor 810 – nach 830 K’ahk’ Hoplaj Chan Lem

K’inich Yuhkbil Yopaat

vor 835 – nach 849 Tum Yohl K’inich
vor 859 – nach 859 K’inich …

Ausdehnung und Einwohnerzahlen

Um das Jahr 250 verschmolz Uxwitza' mit zwei weiteren benachbarten Siedlungen, zu dieser Zeit hatte es zwischen rund 11.000 und 18.000 Einwohner. Bis zum Jahr 400 änderte sich die Einwohnerzahl nur geringfügig, danach verdoppelte sie sich per Ausdehnung in Ost-West-Richtung bis 550 auf rund 25.000 bis 40.000. Dem folgte ein Boom bis 680, vermutlich aufgrund Zuwanderung ob erfolgreicher Kriege und die Bevölkerung stieg an auf rund 53.000 bis 87.000 Menschen.<ref name="pop" details="S. 78-80" />

Zwischen 680 und 800 erreichte die Stadt dann ihre maximale Ausdehnung und Einwohnerzahl. Anhand von Lidar-Untersuchungen wurde 2009 und 2013 die Ausdehnung der Stadt neu untersucht, im Zuge dessen erwies sich Uxwitza' als erheblich größer als zuvor angenommen. Auf einer Fläche von mindestens 200 km2 Stadtgebiet wurden rund 7.700 Baugruppen gezählt, von denen knapp 6.000 eindeutig zum urbanen Uxwitza gehören und die zu ihrer Hochzeit zwischen 70.000 und 100.000 Einwohner<ref name="pop" details="S. 74" /> beherbergte. Rund 80 % des Stadtgebietes wurden landwirtschaftlich genutzt.<ref name="pop" details="S. 69-70">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Mit seiner Einwohnerzahl zählte es damals zu den größten Städten der Welt.<ref name=":3" details="Tabelle: Reba, M. L., Reitsma, F., & Seto, K. C. FigShare (2016) <nowiki>http://dx.doi.org/10.6084/m9.figshare.2059497</nowiki>">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>

Da die Lidar-Untersuchungen ausschließlich in Belize stattfanden, konnten die im heutigen Guatemala liegenden Teile Uxwitza's, die auf weitere 10 bis 40 km² geschätzt werden, nicht in die Kalkulation einbezogen werden.<ref name="pop" details="S. 73" /> Auf Basis von Satellitendaten aus Guatemala wird die volle Ausdehnung Uxwitza's auf 240 km² geschätzt, mit einer vermutlichen Gesamteinwohnerzahl von rund 75.000 bis 122.000, alternative Berechnungsmethoden führen zu noch deutlich höheren Werten von bis zu rund 250.000 Menschen.<ref name="pop" details="S. 74-76" />

Ab 800 brachen die Bevölkerungszahlen allmählich ein und gingen auf 40.000 bis 65.000 zurück, um 900 wurde die Stadt dann endgültig verlassen.<ref name="pop" details="S. 78-80" />

Mit einer Gesamtlänge von 70 km besaß Uxwitza' eines der umfangreichsten Sacbé-Netze im Maya-Tiefland. Hiermit wurde ein Gebiet von 300 km2 erschlossen, das vermutlich den weiteren Einflussbereich der Stadt mit zahlreichen Vor- und Nebenorten umfasst.<ref name=":1" /> Wie groß die Einwohnerzahl des von der Stadt Caracol kontrollierten Gebietes im Umland ist, ließ sich bisher nicht bestimmen.<ref name="pop" details="S. 77" />

Forschungsgeschichte

1937 wurde die archäologische Stätte von Holzfällern der Regierung gemeldet. Frühe Forscher wie Linton Satterthwaite und Alexander Hamilton Anderson konzentrierten sich insbesondere auf die zahlreichen Inschriften vor Ort, die Entdeckung mehrerer Gräber in den 1950er Jahren geschah eher zufällig. Ende der 1970er Jahre wurden erstmals Wohnbereiche in zwei Kilometern Entfernung des Zentrums erforscht und lieferten so Hinweise auf die Ausdehnung des Ortes. Das 1983 unter Leitung von Arlen und Diane Chase begonnene und seither kontinuierlich fortgeführte Caracol Archaeological Project hat seither signifikant zur Kenntnis von Caracol und der Maya-Zivilisation beigetragen.<ref name=":2" details="S. 347" />

Weblinks

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Einzelnachweise

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