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Cansu Özdemir

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Datei:2018-09-26 Cansu Özdemir (WLP Hamburg) by Sandro Halank–3.jpg
Cansu Özdemir (2018)

Cansu Özdemir (* 8. September 1988 in Hamburg) ist eine deutsche Politikerin der Partei Die Linke. Sie war von 2011 bis 2025 Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft und dort von 2015 bis 2025 Vorsitzende der Linksfraktion.<ref name="FraVoSi_15">Linke in Hamburg: Entmachtete Fraktionschefin verlässt Fraktion. In: Spiegel Online. 2. März 2015, abgerufen am 8. Februar 2017.</ref> Seit 2025 ist sie Mitglied des Deutschen Bundestages und Außenpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke.<ref name=":2">NDR: Entscheidung gefallen: Hamburger Linken-Politikerin Cansu Özdemir nimmt Bundestagsmandat an. Abgerufen am 6. März 2025.</ref>

Leben

Cansu Özdemir entstammt einer kurdischen Einwandererfamilie. Ihre Mutter ist alevitisch, ihr Vater sunnitisch.

2009 erlangte sie am Wirtschaftsgymnasium Kieler Straße das Abitur. Sie studierte Kulturanthropologie und Politikwissenschaft an der Universität Hamburg ohne Abschluss.

Cansu Özdemir lebt in Osdorf und ist Mutter eines Sohnes.<ref name=":0" />

Politische Laufbahn

In ihrer Jugend war die Kurdische Frauenbewegung ein politisch prägender Faktor.<ref>Einzug in den Bundestag: Neue linke Köpfe – und was sie außer „Klassenkampf“ noch antreibt - WELT. Abgerufen am 2. März 2025.</ref> 2009 trat Özdemir der Partei die Linke bei.<ref>Die Linke Fraktion Hamburg | Cansu Özdemir. 26. Februar 2025, abgerufen am 2. März 2025.</ref> Bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg 2011 wurde sie über die Landesliste in die Hamburgische Bürgerschaft gewählt. Als eine der beiden jüngsten Abgeordneten der 20. Bürgerschaft war sie in der konstituierenden Sitzung gemeinsam mit Annkathrin Kammeyer vorläufige Schriftführerin.<ref>Plenarprotokoll der 1. Sitzung der 20. Hamburgischen Bürgerschaft vom 7. März 2011, (PDF; 511 kB), abgerufen am 3. Februar 2016</ref> Sie war sozial-, frauen- und inklusionspolitische Sprecherin der Fraktion und Vorsitzende des Ausschusses für Soziales, Arbeit und Integration sowie Mitglied des G20-Sonderausschusses.

Bei der Bürgerschaftswahl 2015 errang Özdemir über Personenstimmen auf der Landesliste erneut ein Mandat.<ref>Endgültiges Ergebnis der Bürgerschaftswahl 2015: Gewählte Kandidatinnen und Kandidaten auf den Seiten des Statistikamtes Nord, abgerufen am 3. März 2015</ref> Bei der konstituierenden Sitzung der 21. Bürgerschaft wurde sie am 1. März gemeinsam mit Sabine Boeddinghaus zur Fraktionsvorsitzenden gewählt.<ref name="FraVoSi_15" />

Datei:2025-01-18 Außerordentlicher Bundesparteitag Die Linke 2025 in Berlin by Sandro Halank–146.jpg
Özdemir auf dem Außerordentlichen Parteitag der Linken im Januar 2025

Am 23. Februar 2020 gelangte der Politikerin erneut der Einzug in die Hamburgische Bürgerschaft. Laut NDR war sie die beliebteste Oppositionspolitikerin in Hamburg.<ref>Jens Meyer-Wellmann: Linke Hamburg irre beliebt – Sahra Wagenknechts BSW droht bei Bürgerschaftswahl 2025 ein Desaster. In: Hamburger Abendblatt. 20. Februar 2025, abgerufen am 24. Februar 2025.</ref> Im Oktober 2024 wurde sie am Parteitag der Die Linke mit beinahe 90 % der abgegebenen Stimmen zur Spitzenkandidatin für die Bürgerschaftswahlen im März 2025 gewählt und errang bei der Wahl erneut ein Mandat.<ref name=":0">Die Linke: Große Unterstützung für Spitzenkandidatin Özdemir. In: NDR. Abgerufen am 24. Februar 2025.</ref>

Bei der vorgezogenen Bundestagswahl im Februar 2025 wurde sie gleich in den Bundestag gewählt,<ref>Diese Abgeordneten aus Hamburg ziehen in den Bundestag ein. In: NDR. Abgerufen am 24. Februar 2025.</ref> womit sie nicht gerechnet hatte.<ref name=":1">Mögliche Koalition nach Hamburg-Wahl: Linke irritiert über Ersten Bürgermeister Tschentscher. In: Frankfurter Rundschau. 1. März 2025, abgerufen am 2. März 2025.</ref> Nach einer Woche Bedenkzeit nahm Özdemir das Bundestagsmandat an und legte ihr Mandat in der Hamburgischen Bürgerschaft nieder.<ref name=":1" /><ref name=":2" /> Özdemir bekräftigte jedoch die Bereitschaft der Linken für etwaige Koalitionsverhandlungen mit der SPD in Hamburg, nachdem Bürgermeister Peter Tschentscher behauptet hatte, die Linke habe sich dagegen ausgesprochen.<ref name=":1" />

Özdemir ist im 21. Deutschen Bundestag Mitglied des Auswärtigen Ausschusses<ref>Deutscher Bundestag - Armin Laschet (CDU) leitet Auswärtigen Ausschuss. Abgerufen am 21. Mai 2025.</ref> und außenpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Bundestag.<ref>NDR.de: Hamburger Linken-Politikerin Özdemir wird außenpolitische Sprecherin. Abgerufen am 19. Juni 2025.</ref>

Positionen & Kontroversen

Das Landesamt für Verfassungsschutz in Hamburg rechnete Özdemir 2011 dem Umfeld der PKK zu.<ref>Linke-Abgeordnete als extremistisch eingestuft. In: Hamburger Abendblatt. 2. März 2011, abgerufen am 27. Juni 2011.</ref><ref>Frank Pergande: Wie Anhänger der PKK bis ins Hamburger Rathaus gelangten. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1. Juni 2013.</ref> Özdemir dementierte das und reagierte mit der Kritik, der Verfassungsschutz diskreditiere die Linke.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Erklärung zur Kampagne des Verfassungsschutzes gegen mich. (Memento vom 9. März 2011 im Internet Archive) Presseerklärung Cansu Özdemirs, 4. März 2011.</ref>

2015 warnte sie vor islamistischen Anwerbeversuchen sowie Bedrohungen von Jesiden und Christen in den Flüchtlingsunterkünften.<ref>Einzug in den Bundestag: Neue linke Köpfe – und was sie außer „Klassenkampf“ noch antreibt - WELT. Abgerufen am 2. März 2025.</ref>

Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelte im Jahr 2015 gegen Özdemir, weil sie auf Facebook ein Foto von fünf Bundestagsabgeordneten der Partei Die Linke, die mit einer Flagge der verbotenen PKK posierten, veröffentlichte.<ref>Andreas Dey: Wegen PKK-Fahne: Ermittlungen gegen Abgeordnete. (abendblatt.de [abgerufen am 27. Oktober 2018]).</ref> Die Ermittlungen wurden später eingestellt. Auch im März 2018 wurde gegen Özdemir ermittelt, diesmal weil sie im November 2017 auf Twitter eine PKK-Flagge gepostet und gefordert hat, dass das PKK-Verbot aufgehoben wird.<ref>Julia Witte genannt Vedder: Wegen PKK-Sympathiebekundung: Ermittlungen gegen Linken-Chefin Cansu Özdemir. In: Die Welt. 8. März 2018 (welt.de [abgerufen am 27. Oktober 2018]).</ref> Im Oktober 2019 wurde sie deshalb vom Amtsgericht Hamburg-Altona wegen Verstoß gegen das Vereinsgesetz verurteilt und eine Verwarnung mit Strafvorbehalt in Höhe von 30 Tagessätzen bzw. 4500 Euro ausgesprochen.<ref>Linksfraktionschefin nach getwittertem PKK-Foto verurteilt. In: Hamburger Morgenpost. 28. Oktober 2019, abgerufen am 27. November 2019.</ref>

Özdemir äußerte sich vielfach über den Bürgerkrieg in Syrien. Sie kritisiert die Bombardierungen, die von der syrischen und russischen Luftwaffe durchgeführt werden sowie die Eskalation durch die türkische Armee, wodurch Tausende Menschen in die Flucht getrieben werden. Den zwölften Präsidenten der Türkei, Recep Tayyip Erdoğan, nannte sie einen Diktator.<ref>Interview mit Cansu Özdemir. In: LandesPressePortal. 2. Dezember 2016, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 3. Dezember 2016; abgerufen am 20. März 2024.</ref><ref>Erneut Kurden-Proteste gegen Festnahmen. In: NDR. 5. November 2016, abgerufen am 2. Dezember 2016.</ref>

Im August 2024 sprach sie sich gegen eine Olympiakandidatur von Hamburg aus.<ref>Sommerinterview mit Cansu Özdemir: Die Linke gegen Olympia-Bewerbung Hamburgs. In: NDR. Abgerufen am 24. Februar 2025.</ref>

Weblinks

Einzelnachweise

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