Strohhut
Ein Strohhut ist eine Kopfbedeckung aus Stroh oder anderen als Stroh bezeichneten Materialien, die vor allem zum Sonnenschutz gebraucht wird.
Die Herstellung erfolgt meistens als Strohflechterei, ein Strohhut wird normalerweise geflochten, er kann aber auch aus sogenannten Mottlets,<ref>Natürliche Materialien: Stroh auf hutlexikon.de, abgerufen am 11. März 2017.</ref> mehrere Meter langen Zöpfen aus Stroh (oder auch anderem Material), zusammengesetzt werden. Möglich ist auch eine spezielle Variante aus zusammengenähten Strohhalmen (Halm-Strohhut, Chevalier-Hut, Yeddo).<ref>Der Röhrlihut (Halm-Strohhut) (PDF), auf strohstiftung.ch, abgerufen am 26. April 2018.</ref><ref>Der letzte Strohmann In: Schweizer LandLiebe. Sommer 2011, S. 58–65, auf marcelhuwyler.wordpress.com, abgerufen am 26. April 2018.</ref><ref>Craftsman keeps straw skills alive auf swissinfo.ch, abgerufen am 26. April 2018.</ref> Mit dieser Technik ist es möglich, auch brüchigere Getreidestroh-Sorten zu verwenden. Die Herstellung erfolgte früher zumeist in Heimarbeit.
Allgemeines
Der Strohhut stellt vielleicht eine der ältesten in Afrika, Asien und Europa gebräuchlichen Kopfbedeckungen dar, deren Form sich zudem in den Jahrhunderten teilweise kaum veränderte. So bildete er die traditionelle Kopfbedeckung des Stammes der Sachsen im 10. Jahrhundert.
Eine um 1900 aufgekommene Männermode war der kleine runde Florentiner Strohhut, der wegen seiner Kreisform und seines gezackten Randes auch Kreissäge genannt wurde. Wegen seiner Herkunft von den Seeleuten wurde er im englischen Raum auch Boater, im französischen Canotier oder Matelote genannt. Er gehörte sowohl zur kompletten Sonntagsausstattung des perfekten Gentleman als auch zu den Accessoires bei Bällen und Tanzveranstaltungen. Er ist eine bis heute oft genutzte Kopfbedeckung für US-amerikanische Barbershop-Ensembles. Nicht zu verwechseln ist dieser Strohhut mit dem Florentinerhut für Damen, einem flachen, breitkrempigen Hut, der Mitte des 19. Jahrhunderts als Sommerhut beliebt war.
Lindenberg im Allgäu war bis 1945 Zentrum der deutschen Strohhutindustrie, 1913 betrug dort die Jahresproduktion über 5 Millionen Stück.<ref>Deutsche Strohhutindustrie auf lindenberg.de, abgerufen am 18. März 2016.</ref>
Im niedersächsischen Twistringen, südwestlich von Bremen gelegen, gab es bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts eine florierende Strohhutindustrie, von der noch heute Reste bestehen. Das ortsansässige Museum der Strohverarbeitung dokumentiert die Geschichte und Entwicklung dieser Industrie von ihren Anfängen bis in die Gegenwart.<ref>Strohmuseum auf strohmuseum.de, abgerufen am 18. März 2016.</ref> Dort ist auch der größte Strohhut der Welt zu bestaunen, der mit einem Durchmesser von etwa 5,5 Metern ins Guinness-Buch der Rekorde einging; es handelt sich um einen Hut des Typs Kreissäge in zwanzigfacher Vergrößerung.
In Panama wird der Pintao als traditioneller Strohhut getragen.
Verwendete Materialien
Häufig verwendete Stroharten sind:<ref name="Mary">Mary Brooks Picken: A Dictionary of Costume and Fashion: Dover Publications, 1998, ISBN 978-0-486-14160-2.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Kopka Hutzubehör ( des Vorlage:IconExternal vom 14. März 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. auf kopka.de, abgerufen am 13. März 2016.</ref>
- Toquillastroh: (Panamahut)
- Weizenstroh: (bekannte Sorten sind Milanstroh, Tuscan, Leghorn)
- Buntalstroh: auch Parabuntal von der Buripalme von den Philippinen, wird aus den Stängeln der ungeöffneten Blätter hergestellt.
- Bakustroh: dieses wird aus den jungen Stielen der Talipotpalme hergestellt, kommt meist aus Malabar und Sri Lanka.
- Shantungstroh: welches aus high-performance Papier gewonnen wird,<ref>Mary Lisa Gavenas: The Fairchild Encyclopedia of Menswear. Fairchild Books, 2008, ISBN 978-1-56367-465-5, S. 327.</ref> ursprünglich wurde es aus Buntal hergestellt.<ref name="Mary" /><ref>Ida Tomshinsky: The Chronicle of Hats in Enjoyable Quotes: Xlibris Corporation, 2013, ISBN 978-1-4797-9908-4, S. 28.</ref>
- Toyostroh: wird aus mit Cellophan beschichtetem Japanpapier hergestellt.
- Bangorastroh: wird aus billigem Japanpapier hergestellt.
- verschiedene Papiergeflechte: aus Viscose (Schweizer Paglinastroh<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Paglinastroh ( des Vorlage:IconExternal vom 15. März 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. auf letom.eu, abgerufen am 14. März 2016.</ref>) oder z. B. aus gewachsten „Silkpaper“-Streifen (nicht zu verwechseln mit Seidenpapier) sowie Reispapier.
- Raffia:
- Sisal: auch Parasisal (2x2 gewoben)
- Ramie: wird selten alleine verwendet, meist mit verschiedenen Chemiefasern gemischt, um die Eigenschaften zu verbessern.
- Jute:
- Seegras: (Xian)
- Visca: einem künstlichen Stroh aus Viscose.
- Rushstraw: wird aus Binsen (engl. Rush Grass, Sedges, Bulrush<ref>Elaine Nowick: Historical Common Names of Great Plains Plants, with Scientific Names Index: Volume II, Lulu.com, 2015, ISBN 978-1-60962-060-8, S. 136, 380, 428.</ref><ref>Bulrush (PDF; 9 MB), abgerufen am 19. März 2016.</ref>) (Juncus effesus, Juncus polycephalus) sowie Riedgräsern (engl. Bulrush, Sedge Grass) Gewöhnliche Teichbinse, Simsen, Echter Papyrus<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Rush Straw ( des Vorlage:IconExternal vom 24. März 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. auf letom.eu, abgerufen am 18. März 2016.</ref><ref>Bulrush hat auf wealddown.co.uk, abgerufen am 18. März 2016.</ref> und Rohrkolben Typha domingensis, (Syn.: Th. angustata) (engl. Bulrush oder Cattail)<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Typhahut ( des Vorlage:IconExternal vom 29. März 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. auf pepersack.de, abgerufen am 18. März 2016.</ref><ref>Rohrkolben-Strohhut auf etsy.com, abgerufen am 19. März 2016.</ref> sowie aus Schilfrohr (engl. Common Reed)<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Schilfrohrhut ( des Vorlage:IconExternal vom 24. März 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. auf antique-gown.com, abgerufen am 18. März 2016.</ref> hergestellt.
- Abacá: (Sinamayhut)
- Hanffasern:
- künstliches Stroh: wird aus Polypropylen PP, Polyethylen PE<ref>Jackie Worrell: Information for use in determining whether to continue designation of certain headwear of straw as articles eligible for duty-free treatment under the generalized system of preferences: United States International Trade Commission, 1982, S. 5.</ref> sowie aus verschiedenen Mischungen von PP, PE, Acryl, Polyester, Polyamiden (Nylon), Ramie und Papier<ref>PP Stroh auf villagehatshop.com, abgerufen am 16. März 2016.</ref> hergestellt.
- andere Strohfasern die meistens in asiatischen Kegelhüten verwendet werden, sind aus verschiedenen Palmarten (Schopfpalmen, Rattan, Hanfpalmen, Dattelpalmen), aus Grassorten Arundinaria (engl. Cane), Bambus<ref>Beverly Chico: Hats and Headwear around the World: A Cultural Encyclopedia. ABC-Clio, 2013, ISBN 978-1-61069-062-1, S. 115, 259.</ref> oder aus Reisstroh (Kasahut)<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Kasahut ( des Vorlage:IconExternal vom 8. Dezember 2019 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. auf traditionscustom.com, abgerufen am 19. März 2016.</ref> hergestellt.
- Chip Straw:<ref>Brenda Grantland (Hrsg.): Hatatorium: An Essential Guide for Hat Collectors. 2011, ISBN 978-0-9847859-0-2, S. 56.</ref> wurde aus verschiedenen Kiefernhölzern, Schwarz-Pappel (Lombardische-Pappel) oder aus Silber-Weide (engl. Willow) gewonnen. Historisch wurde es recht häufig verwendet,<ref>Chipstraw auf georgianindex.net, aufgerufen am 16. März 2016.</ref> heutzutage wird es praktisch nicht mehr verwendet.
-
Traditioneller Strohhut aus der Ukraine
-
Gärtnerhut aus Stroh
-
Strohhut, Kreissäge
Siehe auch
- Asiatischer Kegelhut
- Bollenhut
- Matelot
- Strohhut-Emil
- Fulbehut
- One Piece (Strohhutbande)
- Strohhutfest
- Sombrero
- Porkpie
Weblinks
- Strohhüte: Herstellungsverfahren und Material
- Herstellung eines Strohhutes in Kals am Großglockner, historisches Filmdokument aus der Österreichischen Mediathek
Literatur
- Christiane Syré in: Arbeit & Alltag. Industriekultur im Ruhr Museum. 1. Auflage. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2015, ISBN 978-3-86335-821-1, S. 33.
Einzelnachweise
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