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Calpurnia (Frau Caesars)

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Datei:Caesar, Gajus Julius, 100 - 44 BC, Roman politician, wife Calpurnia, wood engraving after cameo, Cape de France.png
Calpurnia, Holzschnitt nach einer Camée, Cape de France
Datei:Caesar and Calpurnia, by F Canal before 1767.jpg
Calpurnia bittet Caesar im Haus zu bleiben – durch die umlaufenden Gerüchte und warnende Träume beängstigt, bat sie Caesar am 15. März 44 sehr dringend, nicht in die Senatssitzung zu gehen oder sich wenigstens von einem Opferbeschauer Rat einholen
Datei:PM 023898 F Arras.jpg
Marcus Antonius, der sich als Erbe Cäsars sah, zeigt dem römischen Volk Caesars Leiche am Altar des Divus Iulius, Musée des Beaux-Arts d'Arras

Calpurnia (* um 77 v. Chr. in Rom; Sterbedatum unbekannt ebenda) war eine Aristokratin der späten Republik. Sie war die dritte<ref>Abhängig davon, ob der junge Caesar mit Cossutia nur verlobt war (Sueton, Caesar 1,1) oder verheiratet (wie Plutarch, Caesar 5,7 impliziert).</ref> und letzte Ehefrau des römischen Politikers und Diktators Gaius Iulius Caesar. Calpurnia hörte Gerüchte über ein mögliches Attentat auf Caesar und versuchte, ihn von der Teilnahme an der Senatssitzung abzuhalten, in der er tatsächlich ermordet werden sollte. Obwohl sie von seiner Affäre mit Kleopatra in den letzten Jahren seines Lebens gewusst haben muss, blieb sie auch nach dem Tod ihres Mannes eine Anhängerin seiner Partei. In der (fälschlichen) Annahme, Marcus Antonius repräsentiere die Zukunft von Caesars Anhängerschaft, übergab sie ihm nach Caesars Tod dessen private Papiere und den Großteil seines enormen Vermögens, um Caesars Ermordung zu rächen.

Leben

Calpurnia war eine Tochter des römischen Senators Lucius Calpurnius Piso Caesoninus und Schwester des Lucius Calpurnius Piso, der Pontifex. Im April 59 v. Chr. arrangierte ihr Vater aus politischen Gründen ihre Ehe mit Julius Caesar, der 59 v. Chr. zum ersten Mal das Konsulat bekleidete.<ref>Sueton, Caesar 21; Plutarch, Caesar 14,8; Pompeius 47,10; Appian, Bürgerkriege 2,14; Cassius Dio, Römische Geschichte 38,9,1.</ref> Zuvor war Caesar mit Cornelia (ca. 100–68 v. Chr.) und Pompeia (ca. 87–? v. Chr.) verheiratet gewesen.

Caesar nutzte diese Ehe, um seine Position bei einer seinen liberalen Ansichten wohlgesinnten Fraktion zu festigen. Er strebte danach, seine Machtposition weiter zu stärken, ohne dabei viel Unruhe zu stiften, nachdem das Erste Triumvirat, das politische Bündnis zwischen Caesar, Pompeius und Crassus, entstanden war. Pisos Motivation für die arrangierte Ehe seiner Tochter war weitaus konkreter: die Verbindung zu Caesar sicherte ihm die Wahl zum Konsul im Jahr nach Caesar. Obwohl Calpurnias Ehe mit Caesar zunächst rein politisch motiviert war, entwickelte sich bald eine tiefe Zuneigung zwischen den beiden.

Gleichzeitig wurde auch Caesars Tochter Iulia, die er von seiner ersten Gattin Cornelia hatte, mit dem wesentlich älteren Pompeius verheiratet, um auch die Beziehungen der beiden damals mächtigsten Männer Roms zu festigen. Dass sich Caesar (statt der von ihm schon lange geliebten, aber 40 Jahre alten Servilia) eine so junge (18-jährige) Frau zur Gattin nahm, dürfte in seinem Wunsch nach einem Sohn und Erben begründet gewesen sein, doch gingen aus der Ehe keine Kinder hervor.<ref>Bernhard Kytzler: Calpurnia I. In: Frauen der Antike. Insel-Verlag, Frankfurt am Main 1997, S. 43.</ref>

Um eine Tochter des Pompeius heiraten zu können, erwog Caesar 52 v. Chr., sich von Calpurnia scheiden zu lassen, doch kam es nicht so weit.<ref>Sueton, Caesar 27.</ref>

Es ist nicht bekannt, wie sich Calpurnia über Caesars außereheliche Liebschaft zur ägyptischen Königin Kleopatra VII. äußerte, die ab 46 v. Chr. in einem der Häuser des Diktators in Rom residierte und damit zum Stadtgespräch wurde.

Calpurnia hatte laut einigen Quellen in der Nacht vor den Iden des März 44 v. Chr. einen Albtraum, in dem sie den Tod ihres Gatten voraussah; sie träumte, dass das Dach ihres Hauses (nach Plutarch der als Zeichen der Ehre auf Senatsbeschluss errichtete Giebel) einstürze und dass Caesar in ihrem Schoß getötet würde.<ref>Sueton, Caesar 81,3 f.; Plutarch, Caesar 63,8–12, der aus Livius (Fragment 58 aus Buch 116 seiner römischen Geschichte) zitiert; Appian, Bürgerkriege 2,115 f.; Cassius Dio, Römische Geschichte 44,17,1; Iulius Obsequens 67; u. a.</ref>

Plutarch berichtet, dass Caesar, veranlasst durch das Verhalten seiner Frau, die er noch nie so erregt und furchtsam erlebt hatte, den angesehenen etruskischen Haruspex Spurinna aufsuchte. Und da dieser Zeichen unglücklicher Vorbedeutung sah, wollte er die Senatssitzung absagen lassen. Marcus Iunius Brutus, einer der Verschwörer, sah das lange geplante Vorhaben an Calpurnias Intervention scheitern und spottete, dass Caesar sich von abergläubischen Vorstellungen beeinflussen lasse. Auf dieses taktisch geschickt angelegte Vorgehen reagierte Caesar wie erwartet: Er verließ das Haus und begab sich zur Sitzung des römischen Senats in der Curia Pompei. Unterwegs erhielt er noch eine Schriftrolle, in der genaue Details über die Verschwörung zu lesen waren. Doch zum Lesen kam er nicht mehr. Vor dem Senatsgebäude erblickte Caesar den Haruspex Spurinna, ging auf ihn zu und sagte abfällig: „Die Iden des März sind da!“ Spurinna antwortete: „Da sind sie, aber noch nicht vorüber!“ Caesar wurde unter der Führung des Brutus und des Gaius Cassius Longinus ermordet. Der erstochene Caesar wurde von Sklaven nach Hause gebracht und sein Leichnam in Calpurnias Schoß gelegt.

Calpurnia lieferte in ihrer ersten Bestürzung Caesars Papiere (auch staatliche Akten) und den Großteil seines enormen Vermögens an den Konsul Marcus Antonius.<ref>Plutarch, Antonius 15; Appian, Bürgerkriege 2,125.</ref>

Caesars Ermordung führte nicht zur Wiederherstellung der Republik, sondern stürzte Rom in chaotische Bürgerkriege und ebnete den Weg für das Römische Kaiserreich.

Calpurnia stellt ein wichtiges Bindeglied zwischen ihrer Familie, den Calpurnii Pisones, und der Familie Cäsars, den Juliern, dar, denn ihr Bruder Lucius Calpurnius Piso, der Pontifex, vertrat lange die Interessen von Caesars posthum adoptiertem Sohn und Erben Octavian – dem späteren Augustus, dem ersten römischen Kaiser. Als konsularischer Legat unter Kaiser Augustus in Thrakien erhielt der jüngere Piso für seine militärischen Verdienste eine Triumphmedaille. Später diente er als Prokonsul von Asien und war von 12 bis 32 n. Chr. zwanzig Jahre lang Stadtpräfekt Roms unter Kaiser Augustus und dessen Nachfolger Kaiser Tiberius.

Das Todesdatum Calpurnias ist unbekannt, doch ihre Treue zu Caesar und ihre Bereitschaft, seine ehelichen Fehltritte zu übersehen, sicherten ihrer Familie politische Macht.

Es wurde die Grabschrift einer Dienerin der Calpurnia gefunden.<ref>CIL 6, 14211.</ref>

Eponyme

1982 wurde der Asteroid (2542) Calpurnia nach ihr benannt.<ref>Minor Planet Circ. 6834</ref>

Literatur

Weblinks

Anmerkungen

<references />

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