Café Kröpcke
Das Café Kröpcke in Hannover befindet sich unter der Adresse Georgstraße 35 als Pavillonbau<ref name="HKuKL">Helmut Knocke, Hugo Thielen: Georgstraße 35, in Dirk Böttcher, Klaus Mlynek (Hrsg.): Hannover. Kunst- und Kultur-Lexikon (HKuKL), Neuausgabe, 4., aktualisierte und erweiterte Auflage, zu Klampen, Springe 2007, ISBN 978-3-934920-53-8, S. 121 f.</ref> an der gleichnamigen Platzanlage Kröpcke.<ref name="SLH">Waldemar R. Röhrbein: Café Kropcke. In: Stadtlexikon Hannover. S. 104 f.</ref> Es ist benannt nach dem ehemaligen Besitzer Wilhelm Kröpcke. Eigentümerin des Gebäudekomplexes ist eine aus rund 20 hannoverschen Familien bestehende Betreibergesellschaft.<ref name="Bilderausstellung">o. V.: Jubiläumsaktionen / 150 Jahre Café Kröpcke – Jubiläumswoche. Artikel zur Bilderausstellung am 3. September 2019 auf der Seite hannover.de, [ohne Datum], abgerufen am 8. September 2021.</ref>
Geschichte
Das heutige Café Kröpcke ist der vierte Bau an derselben Stelle im Zentrum Hannovers. Das erste Café vor Ort wurde 1869<ref name="SLH" /><ref group="Anm.">Abweichend wird wohl versehentlich das Datum „1876“ als Baujahr genannt; vergleiche Hannover. Kunst- und Kultur-Lexikon, Neuausgabe, 4., aktualisierte und erweiterte Auflage, zu Klampen, Springe 2007, ISBN 978-3-934920-53-8, S. 121f.</ref> als gusseiserner Pavillon<ref name="HKuKL" /> im „orientalischen Stil“ durch den Architekten Otto Goetze errichtet auf einem von der Stadt gepachteten Grundstück an der nordwestlichen Spitze des Theaterplatzes. Bauherr und Eigentümer<ref name="SLH" /> war der vormals Königlich Hannoversche Hofkonditor Georg Robby, der seinerzeit auch einen Eiskeller in der Döhrener Straße unterhielt für das in der Masch „geerntete“ Eis.<ref name="HBL">Waldemar R. Röhrbein: Robby, Johann. In: Hannoversches Biographisches Lexikon. S. 297f.</ref>
1876 pachtete die Familie Siercke das Café und beschäftigte dort den Oberkellner Wilhelm Kröpcke, der 1885 den Pachtvertrag übernahm. Nachdem das Caféhaus 1893 an die Stadt Hannover verkauft worden war, stieg die Kommune in den Pachtvertrag mit Kröpcke ein. Wilhelm Kröpcke war ab 1895 zugleich Namensgeber der Einrichtung.<ref name="SLH" /> Er führte das Café bis zu seinem Tod 1919.
Unterdessen lag das äußerlich nicht große, dennoch geräumige Café nach der Anlegung der Karmarschstraße 1880 an der Kreuzung der neueren Hauptverkehrsstraßen und damit im neu entstandenen Mittelpunkt der Stadt.<ref name="SLH" /> Nach mehrmaligen Erweiterungen<ref name="HKuKL" /> verfügte das Caféhaus über einen etwa 2500 Sitzplätze umfassenden Kaffeegarten mit Konzertmuschel<ref name="SLH" /> und zählte als eines der Charakterbauten<ref name="HKuKL" /> zu den Wahrzeichen der Stadt. Durch seine intime Atmosphäre hatte sich das Café einen weit über die Stadt hinaus bekannten Ruf erworben und zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt, vor allem für Künstler.<ref name="SLH" />
Unter Kröpckes Nachfolger Emil Pfefferle bildete „das Kröpcke“ insbesondere in den 1920er Jahren einen Mittelpunkt im hannoverschen Kulturleben.<ref name="SLH" />
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Café Kröpcke während des ersten großen Luftangriffs auf Hannover am Mittag des 26. Juli 1943 vollständig zerstört.<ref name="SLH" />
In der frühen Nachkriegszeit konnte mit Genehmigung der Britischen Militärbehörden 1947 zur ersten Hannover-Messe ein mit großen Lettern als „Kröpcke“ bezeichnetes Zelt mit Bier- und Kaffeewirtschaft aufgestellt werden, das vor allem den Messegästen als Treffpunkt im Stadtzentrum diente.<ref name="SLH" />
Zur zweiten Messe 1948 wurde ein neuer, nach Plänen des Architekten Dieter Oesterlen aus Leichtmetall und Glas entworfener Pavillon eröffnet. Da die Nachfahren von Wilhelm Kröpcke die Weiterverwendung des traditionsreichen Namens ablehnten, benannte die Stadt Hannover den vor dem Café gelegenen Platz – der eigentlich nur eine Kreuzung war – als „Kröpcke“, und den Caféneubau dann kurzerhand als „Café am Kröpcke“.<ref name="SLH" />
Bis 1970 war dem Gebäude ein großer Kaffeegarten angeschlossen.<ref name="HKuKL" />
Im Zuge des U-Bahn-Baus wurde der in die Jahre gekommene Pavillon im Oktober 1970 abgerissen.<ref>Der Oberkellner und sein Wahrzeichen. In: Hallo Wochenende. 1. Februar 2025, abgerufen am 7. Februar 2025.</ref> An seiner statt eröffnete 1976 ein neuer, wesentlich größerer Pavillonbau. Architekten des mit kupfergedeckten Tonnendächern versehenen Bauwerkes waren Joachim Matthaei, H.-A. Ahrens und K. Locknitz;<ref name="SLH" /> nach anderer Quelle die in Hamburg ansässige Architektengemeinschaft „Matthäi-Elschner-Bassewitz“ gemeinsam mit „Moser-Walter“ aus Aachen.<ref name="HKuKL" /> Eignerin des Gesamt-Komplexes wurde die aus etwa 20 hannoverschen Familien zusammengesetzte Café am Kröpcke Betriebsgesellschaft mbH & Co. KG<ref name="Bilderausstellung" /> mit Sitz in der Theaterstraße 14c.<ref>o. V.: 150 Jahre Café am Kroepcke / 1869–2019 [o. D., 2019], zuletzt abgerufen am 8. September 2021.</ref>
Die nunmehr vierte Einrichtung vor Ort wurde von Anfang an von der in der Schweiz ansässigen Gastronomiekette Mövenpick bewirtschaftet, auf Druck der Hannoveraner aber weiterhin unter dem Namen Kröpcke betrieben.<ref name="SLH" />
In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre wurde im Vorfeld der Weltausstellung Expo 2000 dem Kröpcke ein Neubau angegliedert, der Ende 1997 als ebenfalls von Mövenpick betriebenes „Expo-Café“ eröffnet wurde:<ref name="SLH" /> Das nach Plänen der Architekten Wolfgang-Michael Pax und Thomas Hadamczik gestaltete Bauwerk unter der Adresse Ständehausstraße 6<ref name="HKuKL" /> betrieben die Schweizer ab 2001 gemeinsam mit enercity als „enercity expo-café“, das seitdem dem Energieversorgungsunternehmen zugleich als eigenes Informationszentrum dient.<ref name="SLH" />
2019 erschien die von dem Künstler Joy Lohmann illustrierte Festschrift „150 Jahre Café Kröpcke“.<ref>Angaben über die Literaturdatenbank K10plus</ref>
2027 will sich die Gastronomiekette Mövenpick aus dem Objekt zurückziehen, dass dann modernisiert werden soll.<ref>Conrad von Meding: Wandel in Hannovers Innenstadt: Der Kröpcke verliert die „Mövenpick“-Gastronomie in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 30. Januar 2026</ref>
Siehe auch
Literatur
- Paul Siedentopf (Hauptschriftleiter): Café Kröpcke. Das Wahrzeichen Hannovers. In: ders.: Das Buch der alten Firmen der Stadt Hannover im Jahr 1927. unter Mitwirkung von Karl Friedrich Leonhardt (Zusammenstellung des Bildmaterials), Jubiläums-Verlag Walter Gerlach, Leipzig 1927, S. 395.
- Heinz Lauenroth, Ewald Brix, Herbert Mundhenke (Red.): Im Herzen der Stadt: Das Café am Kröpcke. In: Das Buch der alten Firmen der Stadt Hannover. Adolf Sponholtz Verlag, Hannover 1954, S. 349.
- Thomas Parr: Geh'n wir doch ins Kröpcke. Hannover und sein legendäres Café. 1. Auflage. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2006, ISBN 3-8313-1632-5.
- Friedrich Lindau: Café Robby – Café Kröpcke. Otto Goetze 1870, Emil Loren 1894, Brüder Siebrecht 1922, sowie Café Kröpcke – Expo Café. Dieter Oesterlen 1949, Joachim Matthaei & Partner 1976, Pax & Hadamczik 1996. In: ders.: Hannover. Wiederaufbau und Zerstörung; die Stadt im Umgang mit ihrer bauhistorischen Identität. 2., überarbeitete Auflage. Schlüter, Hannover 2001, ISBN 3-87706-659-3, S. 35ff.
- Waldemar R. Röhrbein: Café Kröpcke. In: Stadtlexikon Hannover. S. 104f., 68ff.
- Britta Krüger (Text), Joy Lohmann (Design): 150 Jahre Café Kröpcke. Festschrift. Hahnsche Buchhandlung, Hannover 2019.
Weblinks
- Café Kröpcke, Website des Betreibers
- Beschreibung und Foto beim Historischen Museum Hannover
- Katharina Klehm: Der Oberkellner und sein Wahrzeichen: Vor 140 Jahren übernahm Wilhelm Kröpcke das Café in Hannovers Zentrum in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 25. Januar 2025
- Conrad von Meding: „Das Herz der Stadt”: Die lange Geschichte des Cafés an Hannovers Kröpcke in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 30. Januar 2026
Anmerkungen
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Einzelnachweise
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Koordinaten: 52° 22′ 26,9″ N, 9° 44′ 20,9″ O
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