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Café Herrenhof

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Wien-Café-Herrenhof-(1914).jpg
Café Herrenhof, Damensalon (1914)<ref>Stefan Fayans: Café Herrenhof. In: Der Architekt. Jahrgang 1919, S. 73 (Hauptteil)</ref>

Das Café Herrenhof war ein bedeutendes, 1914 gegründetes<ref name="WgwChh">Café Herrenhof im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien</ref> Wiener Literatencafé der Zwischenkriegszeit. Es befand sich in der Herrengasse 10 im Ersten Bezirk und wurde 2006 endgültig geschlossen.<ref name="Sperrstunde">Sperrstunde für immer im "Herrenhof". In: Der Standard. 14. November 2007, abgerufen am 27. September 2014.</ref>

Geschichte

Das Gebäude, in dem sich das Kaffeehaus befand, wurde 1913 von Viktor Siedek (1856–1937)<ref>Viktor Siedek. In: Architektenlexikon Wien 1770–1945. Herausgegeben vom Architekturzentrum Wien. Wien 2007.</ref> erbaut. In den beiden obersten Geschoßen befand sich (unter der Adresse Wallnerstraße 9) die Reformschule der Pädagogin Eugenie Schwarzwald.<ref>Eugenie Schwarzwald im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien</ref>

1914 erwarb Béla Waldmann<ref name="Sperrstunde" /> ausgedehnte Räumlichkeiten im unteren Teil des Bauwerks und eröffnete dort, gemeinsam mit Markus Klug, im selben Jahr das „Café Herrenhof“. Die Inneneinrichtung ließ er vom Architekten Stefan Fayans (1879–1942) gestalten<ref>Stefan Fayans. In: Architektenlexikon Wien 1770–1945. Architekturzentrum Wien, abgerufen am 27. September 2014.</ref>.

1916 etablierte Franz Blei im Café Herrenhof einen literarisch-künstlerischen Stammtisch, dem unter anderem Robert Musil, Gina Kaus, Albert Paris Gütersloh, Friedrich Eckstein, Alfred Polgar, Ea von Allesch, seit 1917 auch Hermann Broch angehörten, ab März 1918 auch Ernst Polak und Milena Jesenská.<ref>nachzulesen etwa in Gina Kaus: Und was für ein Leben... Albrecht Knaus Verlag, Hamburg 1979, oder: Frauke Severit: Ea von Allesch: Wenn aus Frauen Menschen werden. Deutscher Universitäts-Verlag, Wiesbaden 1999, ISBN 3-8244-4369-4.</ref>

Im Café Herrenhof gab es auch einen Kunstraum, wo wechselnde Ausstellungen stattfanden, hier wurden 1917 etwa Werke von Emma Löwenstamm und Erwin Pendl gezeigt.<ref>"Wiener Abendpost" (Beilage zur Wiener Zeitung), 26. März 1917, S. 7.</ref>

Die Herrenhof-Bar wurde am 14. September 1918 nach „vollständiger Neueinrichtung“ mit einem Konzert von Hermann Leopoldi wiedereröffnet.<ref>Neues 8-Uhr-Blatt, 14. September 1918, S. 2.</ref>

Ab November 1918, kurz nach dem Ersten Weltkrieg und der Republiksgründung – und nach dem Tod von Peter Altenberg – machten auch viele andere Wiener Schriftsteller, die zuvor das Café Central und das Café Museum aufgesucht hatten, das Café Herrenhof zu ihrem Stammsitz, wobei sie vor allem das Hinterzimmer bevorzugten.

In vielen Quellen (zum Beispiel bei Harald B.Segel<ref name="TVCW">Harold B. Segel: The Vienna Coffeehouse Wits, 1890–1938. 1995, S. 27–29, abgerufen am 27. September 2014 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), Googlebooks).</ref>) wird übrigens fälschlich das Jahr 1918 als Eröffnungsjahr des Kaffeehauses angegeben. Dies geht in erster Linie zurück auf den historisch nicht ganz korrekten Essay Central und Herrenhof (1926) von Anton Kuh, in dem dieser die Republikgründung und die Gründung des Cafés Herrenhof parallel setzt. (Ähnlich dann auch Friedrich Torberg in Die Tante Jolesch.)

Die Blütezeit des Cafés endete 1938,<ref name="WgwChh" /> nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Nationalsozialistische Deutsche Reich wurde Béla Waldmann wegen seiner jüdischen Abstammung enteignet und das Café am 19. März<ref name="WgwChh" /> „arisiert“.<ref name="Sperrstunde" />

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es unter den früheren Oberkellnern Albert Kainz und Franz Hnatek weitergeführt,<ref name="TVCW" /> konnte aber nicht mehr an die alte Tradition anschließen und wurde 1961 geschlossen.<ref name="WgwChh" /> Danach entwickelte sich das Café Hawelka als neuer „Szene-Treffpunkt“.

Das Café Herrenhof wurde 1967 im von ursprünglich 750 auf 60 Quadratmeter verkleinerten Lokal<ref name="Sperrstunde" /> in erneuertem Design als eine Art Espresso wieder eröffnet. Am 30. Juni 2006 schloss es für immer seine Pforten, nachdem das gesamte Gebäude für eine Hotelkette 2007/08 umgebaut wurde; am 1. Dezember 2008 eröffnete dort das „Steigenberger Hotel Herrenhof“.<ref>Voitl & Co. Baugesellschaft m.b.H.: Steigenberger Hotel "Herrenhof". Umbau, Sanierung 2007–2008. In: voitl.at. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 16. Januar 2014; abgerufen am 3. Mai 2023.</ref>

Künstler und Wissenschaftler, die im Café Herrenhof verkehrten

Zu den Stammgästen gehörten unter anderen:<ref>Wiener Zeitung: Wiener Kaffeehausliteratur. In: wienwiki.wienerzeitung.at. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 28. September 2014; abgerufen am 3. Mai 2023.</ref><ref name="TVCW" /><ref name="WgwChh" />

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Literarische Beschreibungen

  • Karl Kraus verewigte das Kaffeehaus in einer Satire.<ref name="WgwChh" />
  • Friedrich Torberg hat 1975 in seinem Erzählband Die Tante Jolesch oder der Untergang des Abendlands in Anekdoten die Atmosphäre des Cafés verewigt.

Literatur

  • Felix Czeike (Hrsg.): Historisches Lexikon Wien. Band 1, Kremayr & Scheriau, Wien 1992, ISBN 3-218-00543-4, S. 535.
  • Aus der „Herrenhof-Saga“. In: Milan Dubrović: Veruntreute Geschichte. Die Wiener Salons und Literatencafés. Zsolnay, Wien / Hamburg 1985, ISBN 3-552-03705-5, S. 29 ff. (Stammgastliste, S. 165 ff.)
  • Hans Veigl: Wiener Kaffeehausführer. 2. Auflage. Kremayr & Scheriau, Wien 1994, ISBN 3-218-00587-6.
  • Birgit Schwaner: Das Wiener Kaffeehaus. Legende, Kultur, Atmosphäre. Pichler Verlag, Wien 2007, ISBN 978-3-85431-435-6, S. 165–181.

Weblinks

Commons: Café Herrenhof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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Koordinaten: 48° 12′ 37″ N, 16° 21′ 57″ O

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