Zum Inhalt springen

Bøggildit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Bøggildit
Datei:Bøggildite.jpg
Dunkel orangefarbener Bøggilditkristall aus der Typlokalität Ivittuut, Grönland
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Bgg<ref name="Warr" />

Andere Namen

Böggildit<ref name="Lapis" />

Chemische Formel
  • Na2Sr2Al2(PO4)F9<ref name="IMA-Liste" />
  • Sr2Na2[Al2F9|PO4]<ref name="StrunzNickel" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Halogenide (ehemals Phosphate, Arsenate und Vanadate)
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VII/B.12
III/C.05-020<ref name="Lapis" />

3.CG.20
12.01.06.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m<ref name="Webmineral" />
Raumgruppe P21/c (Nr. 14)Vorlage:Raumgruppe/14<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 5,25 Å; b = 10,46 Å; c = 18,58 Å
β = 107,5°<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 4<ref name="StrunzNickel" />
Zwillingsbildung polysynthetisch nach {001}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 4 bis 5<ref name="Handbookofmineralogy" />
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,66; berechnet: 3,692<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit fehlt<ref name="Lapis" />
Bruch; Tenazität eben
Farbe hellrot bis fleischrot
Strichfarbe weiß<ref name="Lapis" />
Transparenz durchscheinend
Glanz Glasglanz; Fettglanz auf Bruchflächen<ref name="Handbookofmineralogy" />
Kristalloptik
Brechungsindizes nα 1,462<ref name="Mindat" />
nβ 1,466<ref name="Mindat" />
nγ 1,469<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter zweiachsig positiv
Achsenwinkel 2V = gemessen: 78 bis 80°; berechnet: 80°<ref name="Mindat" />

Bøggildit (auch Böggildit) ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Halogenide“ mit der chemischen Zusammensetzung Sr2Na2[Al2F9|PO4]<ref name="StrunzNickel" /> und gehört damit zu komplex zusammengesetzten Strontium-Natrium-Aluminium-Fluoriden mit zusätzlicher Phosphatgruppe.

Bøggildit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und findet sich meist in säuligen Mineral-Aggregaten mit prismatischen und in Längsrichtung gestreiften Kristallen von bis zu 12 Millimetern Länge. Auf unverletzten Flächen der hellroten bis fleischroten Kristalle zeigt sich ein glasähnlicher Glanz, Bruchflächen weisen dagegen einen eher fettartigen Glanz auf.

Etymologie und Geschichte

Erstmals entdeckt wurde Bøggildit in der Kryolith-Lagerstätte bei Ivittuut im Südwesten Grönlands. Wissenschaftlich beschrieben wurde er 1951 durch den dänischen Geologen Richard Bøgvad (1897–1952), der das Mineral nach seinem alten Lehrer, Professor Ove Balthasar Bøggild (1872–1956) benannte.<ref name="Noe-Nygaard" />

Das Typmaterial des Minerals wird im Geologischen Museum (GMK) der Universität Kopenhagen<ref name="IMA-Depositories" /> in Dänemark unter der Katalog-Nr. 1857.155a<ref name="Handbookofmineralogy" /> oder 1957.155a<ref name="IMA-Typmaterialkatalog" /> aufbewahrt.

Da der Bøggildit bereits vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) 1958 bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Bøggildit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.<ref name="IMA-Liste" /> Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Bøggildit lautet „Bgg“.<ref name="Warr" />

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Bøggildit zur Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort zur Abteilung „Wasserfreie Phosphate, Arsenate und Vanadate mit fremden Anionen“, wo er zusammen mit Brasilianit, Cafarsit und Lacroixit sowie dem bisher als fraglich geltenden Cirrolit (auch Kirrolith) die „Kirrolith-Brasilianit-Gruppe“ mit der Systemnummer VII/B.12 bildete.

Im zuletzt 2018 überarbeiteten „Lapis-Mineralienverzeichnis“, das sich im Aufbau noch nach der alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer III/C.05-020. In der Lapis-Systematik entspricht dies der Klasse der „Halogenide“ und dort der Abteilung „Doppelhalogenide (meist mit OH, H2O)“, wo Bøggildit zusammen mit Stenonit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer III/C.05 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Bøggildit ebenfalls in die Klasse der „Halogenide“ und dort in die Abteilung „Komplexe Halogenide“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der Kristallstruktur und/oder dem Haupt-Anionenkomplex, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Aluminofluoride mit CO3, SO4, PO4 zu finden ist, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 3.CG.20 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Bøggildit die System- und Mineralnummer 12.01.06.01. Auch dies entspricht der Klasse der „Halogenide“ und dort der Abteilung „Halogenidverbindungen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Halogenidverbindungen mit verschiedenen Anionen“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 12.01.06.

Kristallstruktur

Bøggildit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe P21/c (Raumgruppen-Nr. 14)Vorlage:Raumgruppe/14 mit den Gitterparametern a = 5,25 Å; b = 10,46 Å; c = 18,58 Å; β = 107,5° sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Bildung und Fundorte

Bøggildit bildet sich innerhalb von Greisen in der Kontaktzone von Kryolith-Erzkörpern. Als Begleitminerale treten neben Kryolith unter anderem noch Albit, Chalkopyrit, Fluorit, Galenit, Molybdänit, Muskovit, Pyrit, Quarz, Sphalerit und Zirkon.

Außer der Typlokalität Ivittuut in Grönland konnte das Mineral bisher nur noch auf der spanischen Insel Teneriffa gefunden werden (Stand 2024).<ref name="Fundorte" />

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Bøggildit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 20. Mai 2024. </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="IMA-Depositories"> Catalogue of Type Mineral Specimens – Depositories. (PDF; 311 kB) Commission on Museums (IMA), 18. Dezember 2010, abgerufen am 20. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – B. (PDF 373 kB) Commission on Museums (IMA), 9. Februar 2021, abgerufen am 20. Mai 2024. </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat"> Bøggildite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 20. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Noe-Nygaard"> </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Boggildite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 20. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>