Bretha Crólige
Bretha Crólige („Die Entscheidungen betreffs Blutvergießen“) ist der Titel eines altirischen Rechtstextes, der sich mit den Bußzahlungen bei Blutvergießen beschäftigt. Er wird dem Heiler Dian Cecht der Túatha Dé Danann zugeschrieben und ist im Werk Senchas Már („Große Überlieferung“) als dritter Teil tradiert.
Inhalt
Bretha Crólige zählt die genauen Bußtaxen auf, die für blutende Verwundungen zu entrichten sind. Als Rechnungseinheit diente dabei der Wert einer Sklavin (cumal [<templatestyles src="IPA/styles.css" />]), eine im keltischen Bereich übliche Berechnungsgrundlage – auch für Abgaben, Strafen, Reparationszahlungen und anderes.
So sind für die Verwundung eines Königs (rí [<templatestyles src="IPA/styles.css" />]) oder Provinzkönigs (rí rurech [<templatestyles src="IPA/styles.css" />]) – später auch eines Bischofs – vierzehn, für Personen edler Abstammung je nach Rang (aire ard [<templatestyles src="IPA/styles.css" />] „hoher Adliger“, aire déso / forgill / túise [<templatestyles src="IPA/styles.css" /> / <templatestyles src="IPA/styles.css" /> / <templatestyles src="IPA/styles.css" />] „Adliger“, fer fothlai [<templatestyles src="IPA/styles.css" />] „niederer Adliger“) elfeinhalb bis sieben, für einen viehbesitzenden Bauern oder freien Mann (bóaire [<templatestyles src="IPA/styles.css" />]) drei und für einen Unfreien (betagh [<templatestyles src="IPA/styles.css" />]) zwei cumal zu entrichten. Die Druiden (druí [<templatestyles src="IPA/styles.css" />]), Dichter (fili [<templatestyles src="IPA/styles.css" />]) und andere „Leute mit Fähigkeiten“ (áes dána [<templatestyles src="IPA/styles.css" />]), zu denen auch die Gelehrten zählten, wurden manchmal zu den edlen, manchmal nur zu den freien Männern gezählt.<ref name="HB">Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. S. 990.</ref>
Dementsprechend wird auch der Stand der Adligen (grád flatha [<templatestyles src="IPA/styles.css" />]), der Freien (grád féne [<templatestyles src="IPA/styles.css" />]) und der Unfreien (sen-chléithe [<templatestyles src="IPA/styles.css" />]) unterschieden. Eine andere Benennung der Einteilung ist soír oder sóer („Gut-Freie“) und doír oder dóer („Schlecht-Freie“).<ref name="HB" />
Die Verwundung einer Frau wurde üblicherweise nach der gesellschaftlichen Stellung ihres Mannes taxiert, doch waren z. B. Geiseln, Kriminelle, Huren, Landstreicherinnen, Wahnsinnige, Werwölfe und „scharfzüngige Jungfrauen“ generell ausgenommen.<ref>Jonathan Williams: The Field day anthology of Irish writing. Band 4, NYU Press, 2002, ISBN 9780814799062, S. 31 ff.</ref>
Siehe auch
Literatur
- Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. 2., korrigierte und erweiterte Auflage. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1997, ISBN 3-7001-2609-3.
- Barry Cunliffe: Die Kelten und ihre Geschichte. 7. Auflage, Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 2000.
- Myles Dillon, Nora Kershaw Chadwick: Die Kelten. Von der Vorgeschichte bis zum Normanneneinfall. Parkland-Verlag, Köln 2004 (zuerst 1966), ISBN 3-89340-058-3 (Kindlers Kulturgeschichte).
Einzelnachweise
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