Zum Inhalt springen

Brüggemann-Gruppe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
L. Brüggemann GmbH & Co. KG

colspan="2" class="notheme" style="background:#Vorlage:Standardfarbe; color:#Vorlage:Standardfarbe; padding:1em 0;" | Brüggemann-Gruppe logo.svg
Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 1868
Sitz Heilbronn
Leitung Stefan Lätsch (Geschäftsführer)
Hans-Peter Gabski (Geschäftsführer)
Mitarbeiterzahl 300<ref name=":13" />
Umsatz 200 Mio. Euro<ref name=":13" />
Branche Chemie, Alkohol
Website brueggemann.com

brueggemannalcohol.com

Stand: 2023

Die L. Brüggemann GmbH & Co. KG ist ein unabhängiges Familienunternehmen mit Stammsitz in Heilbronn, Deutschland. Sie ist Teil der Brüggemann-Gruppe und tätig in den Bereichen Kunststoffadditive, Industriechemikalien und Alkohol.<ref name=":10">L. Brüggemann GmbH & Co. KG (Heilbronn). In: Die Deutsche Wirtschaft. Abgerufen am 20. März 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name=":0">Beech Park Capital GmbH, Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2021 zum 31.12.2021, veröffentlicht im Bundesanzeiger.</ref>

Geschichte

Von der Gründung bis zur Nachkriegszeit

Im Jahr 1868 gründete Louis Brüggemann (1825–1900) eine Fabrik zur Vergärung von Melasse und zum Brennen von Alkohol in der Holzstraße in Heilbronn.<ref>Brüggemann. In: Heilbronner Stimme. 16. Juni 2011.</ref><ref name=":1">Manfred Stockburger: Brüggemann besinnt sich auf die Wurzeln. In: Heilbronner Stimme. 12. November 2009.</ref> Durch das Reichsbranntweinsteuergesetz von Bismarck im Jahr 1887 wuchs das Unternehmen stark. Der erste Standort wurde zu klein und 1900 zog das Unternehmen in ein neues Werk in der Salzstraße<ref>Manfred Stockburger: Wie die Alkoholchemie in die Stadt kam. In: Heilbronner Stimme, 25. August 2018.</ref> und Walter Brüggemann (1869–1958), der Sohn des Gründers, übernahm die Geschäftsleitung.<ref name=":2">Manfred Stockburger: Firmengeschichte in fünf Generationen. In: Heilbronner Stimme. 25. August 2018.</ref>

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Hauptsitz bei Luftangriffen auf Heilbronn 1944 weitgehend zerstört.<ref name=":2" /> Nach dem Krieg erfolgte ein Wiederaufbau. 1950 wurde das Werk vergrößert und die Herstellung von Zinkoxiden und -carbonaten begann. 1970 kam die Produktion von Kunststoffadditiven hinzu.<ref>Historie. In: Heilbronner Stimme. 28. Juli 2018.</ref> 1978 übernahm Ludwig Brüggemann die Unternehmensleitung. Bis 2017<ref>Jürgen Paul: Neuer Mehrheitseigner bei Heilbronner Chemie-Unternehmen. In: Heilbronner Stimme. 19. Juni 2017.</ref> war er Haupteigentümer der L. Brüggemann KG.<ref>Manfred Stockburger: Die Chemie stimmt. In: Stimme. 29. Juli 2008, abgerufen am 13. März 2024.</ref>

Internationale Expansion

Im Jahr 1990 eröffnete das Unternehmen eine Vertriebsniederlassung in den USA, im Jahr 2006 erfolgte eine Eröffnung in Hongkong. Im Jahr 2000 wurde mit Royal Nedalco B.V., Niederlande, ein Joint Venture für den Bereich Ethanol gegründet, die Brüggemann Alcohol GmbH & Co. KG, die zu jeweils 50 % im Besitz der L. Brüggemann KG und der niederländischen Royal Nedalco B.V. war.<ref>Manfred Stockburger: Vergangenheit ist die Zukunft. Heilbronn Chemiebetrieb Brüggemann macht Alkohol wieder zum Kerngeschäft. In: Heilbronner Stimme. 16. Juni 2011.</ref> 2009 verkaufte die Brüggemann KG ihre Anteile an diesem Joint Venture an den Partner Nedalco. Das frühere Joint Venture wurde in Nedalco Alcohol GmbH & Co. KG umbenannt, und Brüggemann gründete für seine Alkoholaktivitäten ein neues Unternehmen, die BrüggemannAlcohol Heilbronn GmbH.<ref name=":1" />

2011 begann die Brüggemann-Gruppe eine Kooperation mit dem Stromversorger Zeag. Ziel der beiden Unternehmen war Umweltentlastung durch Energieerzeugung aus reproduzierbaren Rohstoffen. Bei der Energiegewinnung wurde Ethanol als Brennstoff genutzt. Weiterhin wurde für dieses Projekt eine Energiezentrale am Stammsitz in Heilbronn gebaut.<ref>Jürgen Paul: Zeag und Brüggemann kooperieren. In: Heilbronner Stimme. 2. Juli 2011.</ref>

Ein Jahr später übernahm die Brüggemann-Gruppe die Ethanol-Produktionsanlagen in Lutherstadt Wittenberg von der Bundesmonopolverwaltung für Branntwein und gründete die BrüggemannAlcohol Wittenberg GmbH.<ref name=":4">Brüggemann kauft weiteres Alkoholwerk. In: Heilbronner Stimme. 3. April 2012.</ref><ref>Irina Steinmann: Branntwein ab morgen privat. In: Mitteldeutsche Zeitung. 31. März 2012.</ref> Außerdem erfolgte in diesem Jahr auch die Gründung der Brüggemann Services GmbH, welche Dienstleistungen im Bereich Umwelt-, Sicherheits- und Chemikalienmanagement anbietet.<ref name=":0" /> 2012 richtete das Unternehmen zudem ein Kautschukentwicklungslabor zwecks Datengenerierung, Produktentwicklung und Durchführung von kundenspezifischen Tests im Bereich Zinkderivate ein.<ref></ref>

Entwicklung seit 2017

2017 verkaufte der damals 78-jährige Ludwig Brüggemann im Rahmen einer Nachfolgeregelung seine Anteile an die in der Chemieindustrie aktive Frankfurter Unternehmer-Familie Ayles.<ref name=":3">Manfred Stockburger: Tradition und Zukunft bei Brüggemann. In: Heilbronner Stimme. 28. Juli 2018.</ref> Gleichzeitig beendete er seine Tätigkeiten als Geschäftsführer und verblieb in beratender Tätigkeit.<ref name=":5">Neuer Mehrheitseigner bei Brüggemann. In: Heilbronner Stimme. 10. Juni 2017.</ref>

Während der Covid-19-Pandemie im Jahr 2020 stellten die Niederlassungen in Heilbronn und Wittenberg in Dauerbetrieb Ethanol her aufgrund der großen Nachfrage nach Alkohol für die Herstellung von Desinfektionsmitteln.<ref name=":6">Julius Jasper Topp: Brüggemann produziert im Akkord. In: Mitteldeutsche Zeitung. 30. März 2020.</ref><ref>Heiko Fritze: Alles auf Alkohol. In: Heilbronner Stimme. 30. März 2020.</ref> Im selben Jahr eröffneten zwei Neubauten auf dem Werksgelände in der Salzstraße. In einem der Gebäude wurde eine Produktionsanlage für Polymeradditive in Pulver- und Granulatform installiert, in dem anderen entstand eine Produktionsanlage für Reduktionsmittel inklusive eines Sprühtrockners für Mikrogranulate, die an das werkseigene Blockheizkraftwerk angeschlossen ist.<ref name=":7">Heiko Fritze: Beim Chemieunternehmen Brüggemann ist die größte Investition der Firmengeschichte in Betrieb gegangen. In: Heilbronner Stimme. 10. Oktober 2020.</ref>

2022 akquirierte die Brüggemann-Gruppe das Unternehmen Auserpolimeri. Dieses Unternehmen mit Sitz in Piano di Coreglia, Italien, ist spezialisiert auf das Pfropfen von Polymeren durch reaktive Extrusion. Das Unternehmen, welches vorher zur Eigenmann & Veronelli-Gruppe gehörte, war im Markt für technische Polymere insbesondere für hochwertige technische Beratung und kontinuierliche Produktweiterentwicklung bekannt.<ref name=":8">Brüggemann kauft Hersteller von Polymeren. In: Heilbronner Stimme. 6. August 2022.</ref>

Da das Kohlekraftwerk Heilbronn bis spätestens 2035 abgeschaltet werden soll, errichtete die Brüggemann-Gruppe ein neues Biomassekraftwerk am Stammsitz zusätzlich zu dem bestehenden Blockheizkraftwerk.<ref name=":7" /> Das Werk wurde 2023 in Betrieb genommen und senkte den Co2-Ausstoß für die Dampfproduktion um 80 %.<ref name=":13">Heiko Fritze: Brüggemann startet eigenes Kraftwerk. In: Heilbronner Stimme. 12. September 2023.</ref>

Unternehmensstruktur

Die L. Brüggemann GmbH & Co. KG besitzt Tochtergesellschaften in Heilbronn, Lutherstadt Wittenberg, Piano di Coreglia (Italien), USA und Hongkong.<ref name=":3" /><ref name=":5" /><ref name=":6" />

Produkte

Die Brüggemann-Gruppe ist tätig in den Bereichen Kunststoffadditive, Industriechemikalien und Ethanol.<ref name=":6" /><ref name=":11">Branchen. In: Brüggemann.com. Abgerufen am 20. März 2023.</ref>

Kunststoffadditive

Das Unternehmen entwickelt und produziert Hochleistungsadditive für technische Thermoplaste und Kunststoffe mit Schwerpunkt Polyamid, welche unter dem Warennamen Bruggolen angeboten werden. Dazu gehören Hitze-, Verarbeitungs- und Lichtstabilisatoren, Prozesshilfsmittel und Modifikatoren. Die Kunststoffadditive werden im Bereich Spritzguss und Extrusion sowie in der Verpackungs- und Faserindustrie angewendet.<ref name=":12">AP-Nylon Additive. In: Brüggemann.com. Abgerufen am 20. März 2023.</ref><ref>Kunststoffadditive. In: Brüggemann.com. Abgerufen am 13. März 2024.</ref><ref>Annina Schopen: Langzeitstabilisatoren für Anwendungen in der E-Mobilität. In: Kunststoff Magazin. 14. Dezember 2022, abgerufen am 13. März 2024.</ref> Die Nachfrage nach Polymeren mit hoher Festigkeit und Beständigkeit bei hohen Temperaturen stieg vor allem durch die Wende zur E-Mobilität. Unter anderem entwickelte das Unternehmen deswegen die Bruggolen TP-H1805, welche Temperaturen über 200 Grad Celsius standhalten. Für die Keimbildung entwickelte Brüggemann Bruggolen P22 und TP-P1401, um die Formstabilität zu verbessern.<ref>Automotive switch to EVs drives PA developments. In: Compounding World. Februar 2021, S. 52–62.</ref>

Zudem entwickelte das Unternehmen eine Reparaturtechnologie für das werkstoffliche Recycling von Polyamiden. Hier produziert die Unternehmensgruppe Additive, welche Schäden ausgleichen und die Leistung von Rezyklaten steigern.<ref>Upcycling von Polyolefinen durch Additive. In: EU-Recycling Magazin. 39. Jahrgang, Nr. 12/22. MSV Mediaservice & Verlag GmbH, 8. Dezember 2022, S. 33.</ref><ref>Florian Streifinger: Auf in ein zweites Kunststoffleben. In: Kunststoffe. Nr. 5. Carl Hanser Verlag, München 2022, S. 14.</ref>

Seit der Akquisition von Auserpolimeri produziert die Brüggemann-Gruppe auch Haftvermittler, Kompatibilisatoren und Schlagzähmodifikatoren.<ref name=":8" />

Industriechemikalien

Der Geschäftsbereich Industriechemikalien umfasst die Produktgruppen Reduktionsmittel und Zinkderivate. Die auf Schwefel basierenden Reduktionsmittel, die unter dem Namen Brüggolit vermarktet werden, finden hauptsächlich Anwendung als Initiatoren bei der Herstellung von Polymerdispersionen.<ref name=":12" /><ref>Reduktionsmittel. In: Brüggemann.com. Abgerufen am 13. März 2024.</ref> Im Bereich Zinkderivate betreibt Brüggemann die Herstellung von aktiven Zinkoxiden und Zinkcarbonaten, die hauptsächlich in der Kautschukindustrie Anwendung finden.<ref name=":3" /><ref>Brüggemann investiert in Kautschuk-Technikum. In: K-online. 17. Januar 2015, abgerufen am 13. März 2024.</ref>

Weiterhin entwickelte das Unternehmen Vulkanisationsaktivatoren mit dem Namen ZnO Pro als Substitution von konventionellem thermischen Zinkoxid. Diese werden für die Vulkanisation von Gummi auf Schwefelbasis genutzt, unter anderem für die Produktion von Konsumgütern oder Reifen. Durch ZnO Pro konnte die Menge an Zink reduziert werden, ohne mechanische Eigenschaften oder das Vulkanisationsverhalten zu beeinträchtigen.<ref>Ümit Özkütükcü, Stefan Mark: Ersatz von thermischen ZnO in SBR und CR. In: GAK. Fachmagazin für die Polymerindustrie. Nr. 2, 2017, S. 84–86.</ref>

Ethanol

An den Standorten Heilbronn und Wittenberg rektifiziert Brüggemann Rohalkohol zu reinem Ethanol.<ref name=":3" /> Dieses wird in der Pharmaindustrie, in Apotheken und Kliniken, in der Kosmetik- und Lebensmittelbranche sowie in der chemischen Industrie eingesetzt.<ref name=":4" /><ref name=":6" /><ref name=":11" />

Soziales Engagement (Auswahl)

Der ehemalige Inhaber Ludwig Brüggemann unterstützte mit der Brüggemann-Gruppe langjährig die Heilbronner Initiative Südstadtkids.<ref name=":9">Staufer-Medaille für Ludwig Brüggemann. In: Heilbronner Stimme. 1. August 2008.</ref> Weiterhin unterstützte die Brüggemann-Gruppe in der Vergangenheit die Aktion Menschen in Not.<ref>5000 Euro von Brüggemann. In: Heilbronner Stimme 23. Dezember 2008.</ref> 2011 wurde die Heilbronner Bürgerstiftung für die Sanierung des Walderholungsheims mit einer Geldspende im sechsstelligen Bereich unterstützt.<ref>Iris Baars-Werner: Mit Großspende ganz nah am Ziel. In: Heilbronner Stimme. 29. Juli 2011.</ref>

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

Koordinaten: 49° 9′ 41″ N, 9° 12′ 50,8″ O

 {{#coordinates:49,1614|9,2141|primary
   |dim=
   |globe=
   |name=
   |region=DE-BW
   |type=landmark
  }}