Brücke von Andau
Die Brücke von Andau ist eine kleine Holzbrücke über den Einser-Kanal an der österreichisch-ungarischen Grenze im Seewinkel nahe der Ortschaft Andau (ungarisch Mosontarcsa). Berühmt wurde sie, als nach der Niederschlagung des Ungarischen Volksaufstands 1956 hier zehntausende Menschen nach Österreich flüchteten, bis sie im November 1956 gesprengt wurde.
Geschichte
Die Brücke diente bis 1956 den örtlichen Landwirten im Seewinkel als Hilfsbrücke zur Erreichung ihrer Felder, die oft auf beiden Seiten der Grenze lagen. Die Brücke überquert den Einser-Kanal.
Im Laufe des Ungarischen Volksaufstandes kam es ab dem Sommer 1956 zu einer Flüchtlingswelle in den Westen. Die meisten Flüchtlinge besaßen kein Auto. Sie kamen mit der Eisenbahn, Lkw-Anhängern oder Pferdekutschen in die Grenzregion. Lastwagenfahrer verlangten für einen Platz auf der überfüllten Ladefläche eines Lkw 300 bis 500 Forint.<ref name=":0">György Dalos: Neutralität und Kaiserschmarrn – Eine Geschichte Österreichs seit 1945. Deutsche Bearbeitung von Elsbeth Zylla. Verlag C. H. Beck, München 2025, ISBN 978-3-406-83696-1, S. 70, 110.</ref> In den Bahnhöfen von Győr, Sopron und Szombathely warteten Schlepper und der Weg wurde zu Fuß fortgesetzt. Insgesamt flohen über 200.000 Ungarn, allein im Bereich Andau kamen bis Ende November 1956 ca. 70.000<ref name=":0" /> Menschen über die Grenze nach Österreich. Am Nachmittag des 21. November 1956 wurde die Holzbrücke von sowjetischen Soldaten gesprengt.<ref name="boa">Brücke von Andau verbindet wieder. In: burgenland.orf.at. 1. Oktober 2022, abgerufen am 6. September 2024.</ref>
Zum Gedächtnis wurde 40 Jahre später die Neue Brücke von Andau in Zusammenarbeit ungarischer und österreichischer Soldaten errichtet und am 14. September 1996 feierlich eröffnet. Nach zehn Jahren, also 2006, wurde die bereits wieder morsche Brücke von Pionieren des Bundesheeres neu errichtet. 2021 musste diese Brücke wegen Baufälligkeit erneut gesperrt werden.<ref>Birgit Böhm-Ritter: Geschichtsträchtige Brücke von Andau desolat. In: bvz.at. 7. April 2021, abgerufen am 22. August 2021.</ref> Ein Jahr später wurde sie von ungarischer Seite neu errichtet. Die Brücke wurde originalgetreu nachgebaut und dabei der 1996 gebaute, überdachte Teil in der Mitte entfernt. Zusätzlich wurden 56 symbolische Figuren, konturbeschnittene Holzbretter an den Innenseiten der Geländer angeschraubt, jeweils 7 Gruppen je 4 Figuren, davon 2 groß und 2 klein. Die Brücke, die den Einserkanal im rechten Winkel quert, verläuft Richtung Österreich in Richtung halb 12 Uhr, etwa nach Norden. Alle Figuren neigen sich nordwärts, womit schnelles Laufen oder Gehen skizziert wird. Der Azimutwinkel beträgt 56 Grad.<ref name="boa" />
Einen Blick auf die neu errichtete geschichtsträchtige Brücke kann man vom etwa 14 m hohen Aussichtsturm mit Dach aus an der Grenze beim Einserkanal werfen. Dieser war ehemals Wachturm.
Die Fluchtstraße
Der Weg zwischen Andau und der Brücke ist rund neun Kilometer lang und wird Die Fluchtstraße genannt. Entlang dieses Weges haben zahlreiche Künstler aus aller Welt mit ihren Skulpturen und Installationen eine einmalige Freiluftgalerie geschaffen.
In Richtung Süden kommt man über die neue Brücke von Andau auf ungarischer Seite in einen Korridor, der von April bis Oktober für Fußgänger und Radfahrer geöffnet ist.
Rezeption
Film
Kunstwerk in Graz
2022 wurde etwa 30 m oberhalb der Rösselmühle und auf Höhe Postgarage ein Kunstwerk temporär über den Grazer Mühlgang errichtet. Es stellte den leicht konischen Holzgittermast samt Kabine eines Wachturms dar, der dank einer Bretterlage einige Wochen das Queren des Mühlgangs erlaubte. Das Bauwerk aus Vierkantholz, Eisenwinkeln und OSB-Platten wurde wieder vollständig entfernt.
Bildgalerie
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In diese Richtung flüchteten mehr als 70.000 Ungarn nach Österreich
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Der Einser-Kanal verläuft parallel zur Staatsgrenze zu Ungarn
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Gedenkstein des Österreichischen Roten Kreuzes anlässlich des 50. Jahrestages des Ungarischen Volksaufstands
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Aussichtsturm auf der österreichischen Seite neben der Brücke
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Gedenktafel bei der Brücke
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Mahnmal auf der ungarischen Seite des Kanals (2008)
Literatur
- James A. Michener: The Bridge at Andau, Random House, USA 1957, deutsch: Die Brücke von Andau
- Johannes Sachslehner: Schicksalsorte Österreichs, Verlag Styria, Graz 2009, ISBN 978-3-222-13278-0
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
Koordinaten: 47° 42′ 23,6″ N, 17° 4′ 37,3″ O
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