Botanischer Garten der Universität Basel
Der Botanische Garten der Universität Basel ist ein öffentlicher botanischer Garten in Basel. Mit seiner Gründung im Jahr 1589 von Caspar Bauhin ist er der älteste botanische Garten der Schweiz und gehört auch zu den ältesten weltweit.<ref>museums.ch: Botanischer Garten der Universität Basel, aufgerufen am 2. April 2026.</ref> Er ist dem westlich angrenzenden Botanischen Institut der Universität Basel angegliedert und dient sowohl der wissenschaftlichen Forschung und Lehre als auch der öffentlichen Erholung. Der Standort am Spalentor ist in der mehr als 400-jährigen Geschichte bereits der vierte und wurde am 12. Juli 1898 eröffnet.
Der von März bis November geöffnete botanische Garten zeigt auf seiner knapp einen Hektar grossen Aussenanlage und seinen Gewächshäusern über 7500 verschiedene Pflanzenarten. Die Aussenbereiche umfassen verschiedenen Anpflanzungen wie beispielsweise Trockenbord, Gehölze, Alpinum, Farnschlucht oder einem Mittelmeergarten. Der Gartenteil Pflanzenfamilien wurde gemäss der Systematik von Cronquist aufgeteilt. Auf dem Gelände des botanischen Gartens befinden sich die vier Schau-Gewächshäuser, darunter das Tropenhaus und das historische Viktoriahaus, die Einblicke in unterschiedliche Klimazonen und deren Flora bieten.
Lage
Der botanische Garten und das botanische Institut befinden sich in Sichtweite des Spalentors, auf dem ehemaligen Areal des Spalengottesackers. Dieser war 1824–1868 in Betrieb und wurde dann aufgrund der Eröffnung des Gottesackers Kannenfeld, des heutigen Kannenfeldparks, geschlossen.
In unmittelbarer Nachbarschaft stehen die gleichaltrige Universitätsbibliothek Basel, das Vesalianum (Physiologische Anstalt, 1883) und das Bernoullianum (Anstalt für Physik, Chemie und Astronomie, 1874). Zusammen bildeten sie Ende des 19. Jahrhunderts einen Universitätskomplex, der 1939 durch das neue Kollegiengebäude der Universität komplettiert wurde.
Östlich des botanischen Gartens befindet sich eine Parkanlage, der Petersplatz.
Beschreibung
Der Botanischer Garten der Universität Basel verfügt über zwei Ein- und Ausgänge. Der Hauptzugang befinden sich am Spalengraben unmittelbar am Spalentor. Ein weiterer Zugang ist über den Ostteil vom Petersplatz möglich. Das Areal ist durch ein Netz aus befestigten und teilweise geschwungenen Pfaden erschlossen. Besonders markant sind die Wege in der systematischen Abteilung, die nicht nur der Erschliessung dienen, sondern gleichzeitig die physischen Grenzen zwischen den verschiedenen Pflanzenfamilien gemäss der Cronquist-Systematik markieren. Inklusive der Gebäude umfasst das Areal rund 1,3 Hektar.
Grösstes Gebäude im Garten ist das 2023 bezogene erbaute 600 Quadratmeter grosse Troppenhaus mit einem 85 Quadratmeter grossen Besucherfoyer. Es beherbergt Pflanzen der feuchten Tropen, darunter Nutzpflanzen wie Kakao und Vanille sowie die berühmte Titanwurz. Das Nebelwaldhaus mit 90 % Luftfeuchtigkeit und Temperaturen zwischen 15° und 25° Celsius ist ein in Europa einzigartiges, begehbares Haus für tropische Gebirgspflanzen. Das Nebelwaldhaus mit 133 Quadratmetern ist ebenfalls ein Anbau des Troppenhauses. Der zusammenhängende Gebäudekomplex im Südteil des botanischen Gartens umfasst zusammen mit technischen Räumen insgesamt über 1000 Quadratmeter.<ref name="Tropenhaus, Ersatzneubau">Tropenhaus, Ersatzneubau, (PDF; 15 MB) aufgerufen am 2. April 2026.</ref>
Die Gebäude Sukkulentenhaus und Kalthaus im Nordteil des Gartens sind weitere Spezialhäuser für Kakteen, Wüstenpflanzen sowie Pflanzen aus mediterranen oder kühleren Klimazonen.<ref>Flyer des Botanischen Gartens der Universität Basel, (PDF; 0,7 MB) aufgerufen am 2. April 2026.</ref> Das dazu benachbarte Viktoriahaus ist ein denkmalgeschütztes Glashaus aus dem Jahr 1898, das speziell für die Riesenseerosen (Victoria amazonica) errichtet wurde.
Die Pflanzen im Aussenbereich sind nach geografischen und ökologischen Gesichtspunkten gegliedert. Im Arboretum ist eine Sammlung von 300 Gehölzarten, darunter historische Baumriesen wie Mammutbäume, Ginkgos und eine Hänge-Buche aus dem Gründungsjahr des Gartens am jetzigen Standort (1898). Im Alpinum werden Gebirgspflanzen aus den Alpen und anderen Hochgebirgen der Welt unter Berücksichtigung ihrer spezifischen Höhenstufen gezeigt. Ergänzend gibt es weitere spezialisierte Bereiche wie einen Schattengarten, ein Mittelmeergarten, ein Trockenbord sowie eine künstlich angelegte Farnschlucht.
Ebenfalls im Arboretum unweit des Osteingangs steht eine Steinbüste des Schweizer Anatomen und Botanikers Werner de Lachenal, die 1870 vom Künstler Heinrich Ruf geschaffen wurde.
Geschichte
Gründung am Rheinsprung
Der Botanische Garten der Universität Basel wurde 1589 im Unteren Kollegium der Universität am Rheinsprung angelegt. Er ist der älteste botanische Garten der Schweiz und knüpft seinerseits an noch ältere, private Gärten an, die Basler Apothekern oder Ärzten gehörten und Material zu Studienzwecken und zur Herstellung von Heilmitteln lieferten. Auch hatte es bereits in den nach der Reformation (1529) aufgehobenen Klöstern eigene Gärten gegeben, und in Basel angefertigte Herbarien sowie Kräuterhandschriften und -druckschriften zeugen von einer langen Tradition der Beschäftigung mit der Botanik.
Die Gründung des Universitätsgartens hing mit der Einrichtung einer bis 1822 kombinierten Professur für Anatomie und Botanik im Rahmen des medizinischen Lehrangebots zusammen. Die Aufteilung war jahreszeitenbedingt. Der Sommer eignete sich für den Unterricht in Heilpflanzenkunde, der Winter für die Sektion von Leichen, da diese dann weniger schnell verwesten. Der erste Professor auf diesem Lehrstuhl war Caspar Bauhin, einer der «Väter der Pflanzenkunde», und die Basler Botanik erlangte einiges Ansehen. Im 18. Jahrhundert hielt die Universität in der Rückschau fest, dass das Studium der Botanik in Basel «jeweilen eyfrig und vielleicht mehr als auf irgend einer andern Universitaet betrieben worden»<ref name="Edgar Bonjour 1960">Edgar Bonjour: Die Universität Basel 1460–1960. Basel 1960, S. 332.</ref> sei.
Standorte Petersgraben und Aeschentor
1692 verlegte man den sogenannten «hortus medicus» oder «Doktorgarten» in den ehemaligen Klostergarten bei der Predigerkirche, allerdings ohne für geeignete Einrichtungen und Finanzmittel zu sorgen. Teils musste der Lehrstuhl aus eigener Tasche Geld zuschiessen, teils mussten die Promotionsgebühren herhalten. Der Gärtner erhielt nur unregelmässig ein «Gratiale» (Zuschuss) und pflanzte anstelle medizinischer Kräuter für seinen eigenen Lebensunterhalt nützliche Pflanzen an. Die medizinische Fakultät beklagte 1765, der Garten «sei in einen sehr elenden und schlechten Zustand gerathen».<ref name="Edgar Bonjour 1960" /> Nach der Übernahme der Anatomie- und Botanikprofessur durch Werner de Lachenal (1736–1800) 1776 und dank dessen Lobbying entstand bis Ende des 18. Jahrhunderts eine taugliche Infrastruktur, und die botanischen Studien kamen wieder in Gang. Lachenal erreichte den Bau einer eigenen Professorenwohnung im botanischen Garten, die finanzielle Besserstellung des Gärtners und einen regelmässigen Jahresbeitrag an den Unterhalt des nun öffentlichen Gartens.
Zwar gelang es, den Garten unbeschadet durch die für die Universität schwierige Zeit der Helvetischen Republik zu bringen, aber es scheint abermals ein schleichender Verfall eingesetzt zu haben; zumindest genügte der Garten den gestiegenen Ansprüchen an der Zurschaustellung seltener und exotischer Pflanzen nicht mehr und diente abermals dem Gärtner als Einkommensquelle, wie gleich mehrere Professoren 1854 konstatierten.<ref>Johann Schnell u. a.: Die Universität von Basel, was ihr gebricht und was sie sein soll. Basel 1854, S. 14.</ref> Damals stand der Garten vor dem Aeschentor, wohin er wegen des Ausbaus des Markgräflerhofs zum städtischen Spital 1836 verlegt worden war. Der Strassenname Parkweg im Stadtteil St. Alban erinnert an diesen alten Standort des botanischen Gartens. Eine dauerhafte finanzielle Basis hat der Garten erst seit 1862.
Standort am Spalentor
Bedingt durch den Bau des Botanischen Instituts 1896 wechselte der Garten wieder seinen Standort und wurde 1897 unmittelbar an das Institut angrenzend neu angelegt. 1921 und 1966–1967 geschahen weitgehende Umgestaltungen. Das Viktoriahaus, das 1898 eigens für die Riesenseerose Victoria regia gebaut wurde, ist von architektonischem Interesse. Sein zentralsymmetrischer Bautyp mit Kuppel geht auf die Gewächshäuser von Joseph Paxton zurück, die dieser extra für die Victoria regia entworfen hatte. Als historisch wertvolles Eisen-Glas-Gebäude wurde es 1996 originalgetreu renoviert.
Das seltene Ereignis der knapp zwei Meter hohen, blühenden Titanwurz-Pflanze lockte an den Osterfeiertagen 2011 rund 25.000 Besucher an. Pro Stunde konnten nur etwa 500 Besucher in das Gewächshaus geschleust werden. Es gab Wartezeiten von bis zu einer Stunde. Für dieses Ereigbnis verlangte der Botanische Garten Eintritt, der ansonsten kostenfrei ist.<ref>swissinfo.ch: Eine botanische Sensation in Basel lockt Zehntausende an, Artikel vom 25. April 2021, aufgerufen am 2. April 2026.</ref>
Nach einer Projektierung 2017 wurden von 2019 bis 2022 der Tropenhaus-Komplex aus dem Jahr 1964 neu gebaut. Das alte Tropenhaus entsprach nicht mehr den Anforderungen einer modernen Bewirtschaftung. Auch die Gebäudehöhe und Grundfläche reichte für die Weiterentwicklung der Pflanzen nicht mehr aus.<ref name="Tropenhaus, Ersatzneubau" /> Der Neubau kostete knapp 10 Millionen Schweizer Franken,<ref>Basler Zeitung: Basel erhält ein Bergnebelwaldhaus, Artikel vom 6. Juni 2019, aufgerufen am 2. April 2024.</ref> und wurde am 26. Mai 2023 feierlich eröffnet.<ref>Pressemitteilung der Uni Basel: Neues Tropenhaus feierlich eröffnet, Artikel vom 30. Mai 2023, aufgerufen am 2. April 2026.</ref>
Bedeutende Direktoren
- 1589–1624: Caspar Bauhin, Gründer des Botanischen Gartens der Universität Basel
- 1776–1798: Werner de Lachenal, in seine Ära fällt die Sicherung des Gartens durch private Stiftungen und die Erweiterung der wissenschaftlichen Pflanzensammlung
- 1836–1867: Carl Daniel Meissner, in seine Amtszeit fällt die Planung für den Umzug in den heutigen Standort
- 1867–1877: Simon Schwendener
- 1939–1971: Max Geiger-Huber<ref>Professor Dr. Max Geiger-Huber zum Gedenken, Bauhinia 6/1 (1977)</ref>
- 1987–2024: Bruno Erny, als technischer Leiter war er unter anderem für die operative Gestaltung und die Umbaumassnahmen in den 2020er Jahren verantwortlich
Siehe auch
- Liste von botanischen Gärten und Arboreten in der Schweiz
- Bauhinia (Zeitschrift), Fachzeitschrift der Basler Botanischen Gesellschaft
Literatur
- Verein Botanischer Garten beim Spalentor, Verein Dracula Reservat Ecuador (Hrsg.), Heinz Schneider: Das Nebelwaldhaus im Botanischen Garten der Universität Basel, Basel 2023. (Digitalisat)
- Ulrike Jehle-Schulte Strathaus: Architekturführer Basel. Die Baugeschichte der Stadt und ihrer Umgebung. Hrsg.: Dorothee Huber. AM, Basel 1993, ISBN 3-905065-22-3, S. 206.
- Markus Schmid: Das Victoria-Haus als Bauform des 19. Jahrhunderts. In: Basler Stadtbuch 1996, S. 78–82.
- Marilise Rieder: Das «Victoriahaus» in Basel. in: Schweizerische Gesellschaft für Gartenkultur, Zürich 1995, S. 42–44. (Digitalisat)
- Heinz Schneider: Die Amazonas-Seerosen im Victoria-Haus. In: Basler Stadtbuch 1996, S. 83–87.
- Hans-Rudolf Heyer: Historische Gärten der Schweiz. Die Entwicklung vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Benteli, Bern 1983, 3-7165-0341-X, S. 186 ff.
- Marilise Rieder, Hans Peter Rieder, Rudolf Suter: Basilea Botanica. Vom Safran bis zum Götterbaum. Birkhäuser, Basel 1979, ISBN 3-7643-1096-0, S. 188–201.
- Edgar Bonjour: Die Universität Basel 1460–1960. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1960, S. 331–332; 466–467.
- August Binz: Aus Basels botanischem Garten. In: Basler Jahrbuch 1938, S. 116–125.
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
Koordinaten: 47° 33′ 31″ N, 7° 34′ 54″ O; CH1903: 610766 / 267554
{{#coordinates:47,558611111111|7,5816666666667|primary
|dim=
|globe=
|name=
|region=CH-BS
|type=landmark
}}