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Bolschoje Issakowo

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Vorlage:Infobox Ort in Russland Bolschoje Issakowo (Vorlage:RuS, bis 1997 offiziell Issakowo, Vorlage:DeS) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad. Er liegt im Rajon Gurjewsk und gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Munizipalkreis Gurjewsk.

Geographische Lage

Bolschoje Issakowo liegt fünf Kilometer östlich von Kaliningrad (Königsberg) und zehn Kilometer südlich von Gurjewsk (Neuhausen) an dem östlich gelegenen und bis 1946 so genannten Lauther Mühlenteich. Im Westen grenzt das Dorf an den Leningrader Rajon der Stadt Kaliningrad. Durch den Ort verläuft die östliche Umfahrungsstraße der Oblasthauptstadt, eine direkte Bahnanbindung besteht nicht.

Geschichte

Der Ort wurde im Jahre 1263 als Lawte gegründet.<ref>Ortsinformationen Bildarchiv Ostpreußen: Lauth</ref> 1299 verlieh der Komtur von Königsberg, Berthold von Brühaven, den Bürgern der Stadt Wiesen in dem großen Werder der Pregel (russisch: Pregolja), dazu noch Wiesen bei dem Dorf Lauth als Gemeindewiese von der Brücke hinab bis zur Stadtfreiheit<ref name="Schad">Schadwinkel, Das Dorf und die Mühle Lauth</ref>.

Im Jahre 1874 wurde Lauth in den neu errichteten Amtsbezirk Liep<ref name="Jehke">Rolf Jehke, Amtsbezirk Liep/Lauth</ref> (russisch: Oktjabrskoje) eingegliedert. Er gehörte bis 1927 zum Landkreis Königsberg (Preußen) im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen und wurde – nach Einbeziehung von Liep in die Stadt Königsberg (Preußen) – im Jahre 1927 in „Amtsbezirk Lauth“ umbenannt. Am 1. April 1939 verlor auch Lauth seine Eigenständigkeit und wurde in die Stadt und den Stadtkreis Königsberg eingemeindet<ref>wiki-genealogy.net</ref>. Der Amtsbezirk wurde aufgelöst.

Im Jahre 1945 kam Lauth mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion und erhielt 1947 die russische Bezeichnung Issakowo.<ref>Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR vom 17. November 1947: Über die Umbenennung der Orte der Oblast Kaliningrad)</ref> Gleichzeitig wurde der Ort in den Dorfsowjet Saosjorski selski Sowet eingeordnet. Im Jahr 1954 wurde Issakowo der Verwaltungssitz des Bolscheissakowski selski Sowet. Daneben war Issakowo seit 1947 faktisch und von 1953 bis 1960 offiziell der Verwaltungssitz des Rajons Gurjewsk, weil sich in der Stadt Gurjewsk Militär einquartiert hatte und dort keine Zivilbehörde duldete. Im Jahr 1997 wurde Issakowo in Bolschoje Issakowo umbenannt.<ref name="Umbe">Durch den Beschluss der Oblastduma vom 22. Mai 1997, Nr. 38 "Об упорядочении учета сельских населенных пунктов области" (Über Regelungen der Erfassung der ländlichen Orte der Oblast)</ref><ref name="terri">Allerdings wurde der Ort schon in der Административно-территориальное деление Калининградской области 1989 (Die administrativ-territoriale Einteilung der Oblast Kaliningrad 1989 (mit Stand von 1988), herausgegeben vom Sowjet der Oblast Kaliningrad) mit Bolschoje Issakowo bezeichnet.</ref> Im Jahr 2008 wurde Bolschoje Issakowo Sitz einer Landgemeinde. Nach deren Auflösung im Jahr 2013 gehörte der Ort zum Stadtkreis Gurjewsk und seit 2022 zum Munizipalkreis Gurjewsk.

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner
1885<ref>Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, I. Provinz Ostpreußen, Berlin 1888</ref> 774
1910<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> 864
1933<ref>Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref> 1.827
2002<ref>Allrussische Volkszählung von 2002</ref> 2.499
2010<ref>Allrussische Volkszählung von 2010</ref> 3.187
2021<ref>Allrussische Volkszählung von 2021</ref> 6.877

Amtsbezirk Lauth

Am 2. Dezember 1927 wurde der bisherige Amtsbezirk Liep (russisch: Oktjabrskoje) in „Amtsbezirk Lauth“ umbenannt<ref name="Jehke" /> und Lauth wurde Amtsdorf im Landkreis Königsberg (Preußen) im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen. Dieser Amtsbezirk bestand aus den beiden Landgemeinden Lauth und Palmburg (russisch: Pribreschnoje). Nur elfeinhalb Jahre währte die Amtszeit, bis Lauth in die Stadt Königsberg (Preußen) eingemeindet und der Amtsbezirk aufgelöst wurde.

Bolscheissakowski selski Sowet/okrug 1954–2008

Der Dorfsowjet Bolscheissakowski selski Sowet (ru. Болыпеисаковский сельский Совет) wurde im Juni 1954 eingerichtet.<ref>Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 16 июня 1954 г. № 744/54 «Об объединении сельских советов Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 16. Juni 1954, Nr. 744/54: Über die Vereinigung von Dorfsowjets der Oblast Kaliningrad)</ref> Seine Orte gehörten vorher zum Saosjorski selski Sowet. Der Verwaltungssitz des Dorfsowjets war der Ort Issakowo, der 1997 in Bolschoje Issakowo umbenannt wurde.<ref name="Umbe" /><ref name="terri" /> Nach dem Zerfall der Sowjetunion bestand die Verwaltungseinheit als Dorfbezirk Bolscheissakowski selski okrug (ru. Болыпеисаковский сельский округ). Im Jahr 2008 wurde der Dorfbezirk in eine Landgemeinde umgewandelt.

Ortsname Name bis 1947/50 Bemerkungen
Issakowo (Исаково) Lauth Der Ort wurde 1947 umbenannt und 1997 in Bolschoje Issakowo umbenannt.
Malo-Issakowo (Мало-Исаково) (Krug) Lauth Der Ort wurde 1947 umbenannt und 1997 in Maloje Issakowo umbenannt.
Wassilkowo (Васильково) Neudamm (Dorf) Der Ort wurde 1947 umbenannt.

Bolscheissakowskoje selskoje posselenije 2008–2013

Lage der Landgemeinde Bolscheissakowskoje selskoje posselenije im Rajon Gurjewsk

Die Landgemeinde Bolscheissakowskoje selskoje posselenije (ru. Большеисаковске сельско поселение) wurde im Jahr 2008 als Nachfolgerin des Dorfbezirks Bolscheissakowski selski okrug eingerichtet.<ref>Durch das Закон Калининградской области от 30 июня 2008 r. № 254 «Об организации местного самоуправления на территории муниципального образования "Гурьевский городской округ"» (Gesetz der Oblast Kaliningrad vom 30. Juni 2008, Nr. 254: Über die Organisation der lokalen Selbstverwaltung auf dem Territorium der kommunalen Bildung "Stadtkreis Gurjewsk")</ref> Zu ihr gehörten drei jeweils „Siedlung“ (russisch: possjolok) genannte Ortschaften auf einer Fläche von 4,8 km² mit 10.257 Einwohnern (Stand 2010). Im Jahr 2013 ging die Gemeinde im Stadtkreis Gurjewsk auf.

Ortsname deutscher Name
Bolschoje Issakowo (Большое Исаково) Lauth
Maloje Issakowo (Малое Исаково) Krug Lauth
Wassilkowo (Васильково) Neudamm

Mühle Lauth

Lauth war vor 1945 ein bekannter Mühlenort<ref name="Schad" />, wovon noch heute der Lauther Mühlenteich zeugt. Die Mühle Lauth hatte eine wechselvolle Geschichte. 1460 befahl der Hochmeister Ludwig von Erlichshausen dem Komtur zu Ragnit (heute russisch: Neman), mit Feuerschiffen bei der Mühle Lauth zu ihm zu stoßen, um Wehlau (Snamensk) anzugreifen. 65 Jahre später hielt Herzog Albrecht bei der Mühle Lauth ein blutiges Strafgericht über aufständische Bauern, und der Winter 1554 war so kalt, dass alle Teiche in der Umgebung zufroren und fast alle Mühlen stillstanden. Korn und Salz mussten daher zur Mühle Lauth gefahren werden. 1566 wurde die Mühle von der Herzogin Anna Maria, der Gemahlin Herzog Albrechts an die „Los- und Kuchenbäcker“ der drei Städte Königsbergs verliehen.

Später kam noch eine Sägemühle hinzu, die im Jahre 1583 vom Markgrafen Georg Friedrich ebenfalls an Königsberg verliehen wurde. Die Königsberger Bäcker nutzten die Lauthener Mühle mehr als hundert Jahre.

Nach dem Ende des Krieges 1806/07 kamen die Mühlen zur Versteigerung gegen Höchstgebot. Die Mühle Lauth wurde von Friedrich Wilhelm Lehmann für 33.300 Reichstaler ersteigert. Danach hatte die Mühle noch viele Besitzer, als deren letzter Kurt Käswurm genannt wurde, der sie 1894 übernahm.

Kirche

Bis 1945 war die meist evangelische Bevölkerung Lauths in das Kirchspiel Neuhausen (russisch: Gurjewsk) eingegliedert, das zum Kirchenkreis Königsberg-Land II innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union gehörte. Heute sind die meisten Einwohner, soweit sie konfessionell gebunden sind, russisch-orthodox. Bezüglich der evangelisch-lutherischen Kirchenstrukturen liegt Bolschoje Issakowo im Einzugsbereich der evangelisch-lutherischen Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) der in den 1990er Jahren neu entstandenen Propstei Kaliningrad<ref>Vorlage:Webarchiv</ref> der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

Einzelnachweise

<references />

Weblinks

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