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Boehringer Ingelheim

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
C. H. Boehringer Sohn

colspan="2" class="notheme" style="background:#Vorlage:Standardfarbe; color:#Vorlage:Standardfarbe; padding:1em 0;" | Boehringer Ingelheim Logo RGB Dark Green.svg
Rechtsform AG & Co. KG
Gründung 1885
Sitz Ingelheim am Rhein, Deutschland
Leitung
  • Shashank Deshpande, Vorsitzender der Unternehmensleitung
  • Paola Casarosa
  • Harsha Deshmukh
  • Frank Hübler
  • Michael Schmelmer
  • Armin Wiesler
Mitarbeiterzahl 54.300 (2025)<ref name="GB2025">Highlights 2025 - Shaping Connections. (PDF) Boehringer Ingelheim, abgerufen am 27. März 2026.</ref>
Umsatz 27,8 Mrd. EUR (2025)<ref name="GB2025" />
Branche Pharmaindustrie
Website www.boehringer-ingelheim.de
Stand: 31. Dezember 2025
Datei:Ingelheim site, of Boehringer Ingelheim.jpg
Stammsitz von Boehringer Ingelheim in Ingelheim

Boehringer Ingelheim ist ein Pharmaunternehmen, das 1885 von Albert Boehringer in Ingelheim am Rhein gegründet wurde. Es ist, gemessen am Umsatz, das größte Pharmaunternehmen in Deutschland. Das Kerngeschäft von Boehringer Ingelheim ist das Erforschen, Entwickeln, Herstellen und Vertreiben von Arzneimitteln für Mensch und Tier.

Das Familienunternehmen erzielte im Jahr 2025 einen Umsatz von 27,8 Milliarden Euro. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung beliefen sich auf 6,4 Milliarden Euro.<ref name="hb2026">Maike Telgheder, Helena Smolak: Boehringer Ingelheim setzt große Hoffnung auf zwei neue Medikamente. In: handelsblatt.com. 25. März 2026, abgerufen am 27. März 2026.</ref>

Eigentümerverhältnisse und Struktur

Das Unternehmen befindet sich ausschließlich in Familienbesitz. Die Gesellschafterfamilie wird in der Unternehmensleitung seit 2009 durch Hubertus von Baumbach, einen Urenkel des Firmengründers Albert Boehringer, vertreten. Von 2016 bis 2025 war von Baumbach Vorsitzender der Unternehmensleitung. Sein Nachfolger wurde der familienfremde Shashank Deshpande.<ref>Maike Telgheder: Führungswechsel bei Boehringer Ingelheim. In: Handelsblatt Online. 17. April 2025, abgerufen am 4. Juli 2025.</ref> Vorsitzender des Gesellschafterausschusses war von 2007 bis 2025 Christian Boehringer, ebenfalls ein Urenkel von Albert Boehringer.<ref>1988–2012: Werte schaffen durch Innovation. In: boehringer-ingelheim.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 30. April 2013; abgerufen am 12. April 2013.</ref> Er übergab den Vorsitz zum 1. Juli 2025 an Hubertus von Baumbach.<ref>Boehringer Ingelheim kündigt Nachfolge der Vorsitzenden des Gesellschafterausschusses und der Unternehmensleitung an. In: boehringer-ingelheim.com. 17. April 2025, abgerufen am 4. Juli 2025.</ref>

Juristische Konzernmutter ist die C. H. Boehringer Sohn AG & Co KG. Das weltweite operative Geschäft wird von deren Tochter Boehringer Ingelheim GmbH geleitet. Die meisten landesweiten Geschäfte werden in Deutschland von der Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG und in Österreich von der Boehringer Ingelheim RCV GesmbH & Co KG geführt.<ref>Häufige Fragen. In: www.boehringer-ingelheim.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 3. November 2013; abgerufen am 2. November 2013.</ref><ref>Organisation. In: www.boehringer-ingelheim.at. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 22. Dezember 2015; abgerufen am 15. Dezember 2015.</ref>

Boehringer Ingelheim gehört zu den 20 umsatzstärksten Pharmaunternehmen der Welt (2023 Platz 14).<ref>Alexandra Knape: Ranking der Top 20: Das sind die größten Pharmakonzerne der Welt. In: Manager Magazin. 12. Oktober 2023, abgerufen am 19. April 2024.</ref><ref>Alexandra Knape: The top 20 pharma companies by 2023 revenue. In: fiercepharma.com. 15. April 2024, abgerufen am 19. April 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> In Deutschland liegt das Familienunternehmen mit 19,7 Milliarden Euro Umsatz im Geschäft mit Medikamenten an der Spitze, nachdem es 2023 den DAX-Konzern Bayer übertroffen hat.<ref>Maike Telgheder: Pharmakonzerne: Boehringer Ingelheim verdrängt Bayer von Platz eins in Deutschland. In: Handelsblatt Online. 16. April 2024, abgerufen am 19. April 2024.</ref>

Geschichte

Vorläufer und Verhältnis zur namensgleichen Firma in Mannheim

Christian Gotthold Engelmann und Christian Friedrich Boehringer eröffneten 1817 die „Drogen- und Materialwarenhandlung Engelmann & Boehringer“ in Stuttgart, die 1859 nach dem Ausscheiden der Erben Engelmanns zur chemischen Fabrik C. F. Boehringer & Söhne wurde. 1871 übernahm sein Sohn Christoph Heinrich Boehringer das Unternehmen und verlegte danach den Sitz nach Mannheim.

1882 ging das Unternehmen auf dessen Sohn Ernst Boehringer über, der 1892 verstarb. Alleiniger Eigentümer war nunmehr die Familie von Friedrich Engelhorn. Aus dieser Firma ging das Unternehmen Boehringer Mannheim hervor.

Gründung und erste Produkte

Datei:Albert Boehringer (1861-1939).jpg
Albert Boehringer, der Gründer von Boehringer Ingelheim (ca. 1905)

Ein weiterer Sohn von C. H. Boehringer, Albert Boehringer, gründete 1885 eine chemische Fabrik in Nieder-Ingelheim am Rhein, die er 1893 in C. H. Boehringer Sohn umbenannte. Für ca. 70 Jahre gab es damit zwei Unternehmen mit dem Namen Boehringer. Zur besseren Unterscheidbarkeit benannten sich die Unternehmen Anfang der 1960er Jahre in Boehringer Mannheim und Boehringer Ingelheim um.

Datei:Factory entrance of Boehringer Ingelheim, around 1890.jpg
Werkseingang von Boehringer Ingelheim um 1890
Datei:Poster for Boeson baking powder, the first patented Boehringer Ingelheim product.jpg
Werbeplakat von 1895 für Boeson, ein Backpulver auf Milchsäurebasis, das erste patentierte Produkt von Boehringer Ingelheim

1895 machte man bei Boehringer Ingelheim die Entdeckung, dass Milchsäure mit Hilfe von Bakterien in großen Mengen hergestellt werden kann, damit begann die biotechnische Produktion. Die Milchsäure wurde zunächst hauptsächlich (mit Natriumhydrogencarbonat) als Backpulver verkauft. 1911 wurde in Mainz die Tochtergesellschaft Chabeso GmbH gegründet, die die Limonadenmarke Chabeso auf der Basis von Milchsäure auf den Markt brachte.

Mit dem auf Opium basierenden Schmerzmittel Laudanon kam 1915 das erste pharmazeutische Produkt von Boehringer Ingelheim auf den Markt. Bereits 1917 erfolgte die Gründung der wissenschaftlichen Abteilung, deren Aufsicht zunächst dem Chemiker und späteren Nobelpreisträger Heinrich Wieland übertragen wurde. In der Folge wurde die Produktion von Gallensäure aufgenommen, dem Spezialgebiet Heinrich Wielands.

Nach dem 1. Weltkrieg

Ab 1924 betrieb Boehringer Ingelheim in Hamburg-Moorfleet ein Zweigwerk zur Herstellung von Grundstoffen für Arzneimittel wie Coffein, Morphin und Codein. 1928 übernahm das Unternehmen die Dr. Karl Thomä & Cie. in Winnenden bei Stuttgart, aus der 1943 der heutige Standort Biberach an der Riß hervorging. Nach dem Tod des Firmengründers Albert Boehringer im Jahr 1939 übernahmen seine Söhne Albert (1891–1960) und Ernst Boehringer (1896–1965) sowie sein Schwiegersohn Julius Liebrecht (1891–1974) die Unternehmensleitung.<ref>1948-1990: Internationalisierung. In: boehringer-ingelheim.com. Boehringer Ingelheim, abgerufen am 19. November 2025.</ref>

Nationalsozialismus

Der Historiker Michael Kißener untersuchte über mehrere Jahre die Firmengeschichte während des Nationalsozialismus und veröffentlichte 2015 seine Forschungsergebnisse.<ref name=":0">Johannes Gutenberg-Universität Mainz: Boehringer Ingelheim im Nationalsozialismus | JGU Magazin. In: Johannes Gutenberg-Universität Mainz. 7. September 2015, abgerufen am 19. November 2025.</ref> Demnach passte sich Boehringer Ingelheim als mittelständisches Unternehmen den politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Regimes an, ohne eine hervorgehobene Rolle innerhalb des NS-Systems einzunehmen. Mitglieder der Firmenleitung traten – vor allem zur Vermeidung betrieblicher Nachteile – der NSDAP bei, obwohl sie keine Nationalsozialisten gewesen seien. Das Unternehmen profitierte wirtschaftlich von der Einstufung mehrerer Präparate, darunter Sympathol, Lobelin, Aludrin und Coffein, als kriegswichtige Arzneimittel; Teile der Produktion wurden 1943 infolge alliierter Bombardierungen ausgelagert.<ref name=":0" />

Zwischen 1943 und 1945 setzte Boehringer Ingelheim an mehreren Standorten rund 1500 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus zwölf Nationen ein.<ref>Innovative Anfänge. In: boehringer-ingelheim.com. Abgerufen am 19. November 2025.</ref> Die Arbeits- und Lebensbedingungen variierten, es kam jedoch auch zu Misshandlungen sowie zu einzelnen Todesfällen. In mehreren Fällen wurden schwer kranke Zwangsarbeiter an andere Einrichtungen überstellt, wo sie ums Leben kamen. Gleichzeitig sind einzelne Bemühungen dokumentiert, jüdische Mitarbeiter oder Zwangsarbeiter zu unterstützen, wenngleich diese keine grundlegende Distanzierung vom NS-Unrechtssystem darstellten. Nach 1945 setzte sich das Unternehmen mit seiner Rolle im Nationalsozialismus auseinander.<ref name=":0" />

Nachkriegszeit und internationale Expansion

1948 gründete Boehringer Ingelheim in Wien mit der Bender & Co. GmbH seine erste Auslandsgesellschaft. Aus dem 1955 von Pfizer übernommenen Veterinärprogramm entstand 1978 die Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH. Von 1962 bis 1966 gehörte der spätere Bundespräsident Richard von Weizsäcker der Geschäftsführung an. 1986 nahm in Biberach das „Biotechnikum“ den Betrieb auf; daraus entwickelte sich die bis heute größte Produktionsanlage für biotechnologisch hergestellte Arzneimittel aus Zellkulturen in Europa.

Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. Weitere Entwicklung

1993 wurden die beiden Standorte Biberach und Ingelheim unter einer einheitlichen Geschäftsführung zusammengefasst; die Forschung wurde in Biberach konzentriert, die Produktion – mit Ausnahme der biopharmazeutischen Produktion – in Ingelheim.

1995 wurde Bioscientia, ein Labordiagnostikdienstleister, durch einen Management-Buy-out aus Boehringer Ingelheim herausgelöst.<ref>VRM GmbH & Co. KG: INGELHEIM: Neuer Bioscientia-Chef Oliver Harzer sucht nach Synergien. (allgemeine-zeitung.de [abgerufen am 12. August 2018]).</ref>

2004 wurde das Mikrotechnologie-Unternehmen microParts in Dortmund übernommen, das für das Unternehmen den Respimat entwickelte und produziert.

Wichtige Neueinführungen der letzten Jahre waren Spiriva für chronisch obstruktive Atemwegserkrankung (COPD) und Pradaxa zur Vorbeugung der Bildung von Blutgerinnseln.<ref>Michael Sieber (Hrsg.: Gesellschafterfamilie der C.H: Boehringer Sohn AG & Co. KG): Mit Menschen für Menschen. Aus der Geschichte des forschenden Pharmaunternehmens Boehringer Ingelheim. Ingelheim 2010, S. 192–207.</ref>

Im Juli 2015 verkaufte Boehringer Ingelheim die US-Generikasparte Roxane mit rund 1300 Mitarbeitern für 2,65 Milliarden US-Dollar an den britischen Konkurrenten Hikma Pharmaceuticals. Von dem Kaufpreis erhielt Boehringer 1,18 Mrd. US-Dollar in bar und den Rest in 40 Millionen Hikma-Aktien. Boehringer Ingelheim ist dadurch mit 16,71 Prozent Anteilseigner an Hikma.<ref>Jürgen Salz: Generika-Verkauf: Frisches Geld für Boehringer. In: wiwo.de. 29. Juli 2015, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 31. Juli 2015; abgerufen am 3. August 2015.</ref><ref>Boehringer verkauft US-Generikasparte für 2,65 Mrd Dollar. In: Reuters. 28. Juli 2015, abgerufen am 18. Dezember 2025.</ref>

Zum Jahresbeginn 2017 wurde die Sparte für freiverkäufliche Humanpharmazeutika im Zuge eines Tauschgeschäftes an den Pharmakonzern Sanofi abgegeben und dafür die Tiergesundheitssparte von Sanofi (Merial) in Boehringer Ingelheim integriert. Der sog. Spartentausch schloss auch eine Zahlung von 4,7 Milliarden Euro an Sanofi ein.<ref>Milliarden-Tausch mit Sanofi: Boehringer steht vor größtem Zukauf der Firmengeschichte. In: Handelsblatt Online. 15. Dezember 2015, abgerufen am 20. April 2019.</ref> Zu den an Sanofi verkauften bekannten Marken gehörten unter anderem Thomapyrin, Mucosolvan, Silomat und Antistax.

Im April 2017 beschloss Boehringer Ingelheim die bisher größte Einzelinvestition der Unternehmensgeschichte: In Wien wurde bis 2021 eine Biotech-Produktionsanlage für 700 Millionen Euro errichtet, wo Arzneimittelwirkstoffe auf der Basis genveränderter Zellen produziert werden.<ref>Boehringer Ingelheim investiert 700 Millionen Euro in Wien. In: Die Presse. 6. April 2017, abgerufen am 29. Juni 2017.</ref>

Am 10. Dezember 2020 wurde bekanntgegeben, dass das Basler Biotechunternehmen NBE-Therapeutics für 1,18 Milliarden Euro übernommen wird.<ref>Boehringer Ingelheim kauft Basler NBE-Therapeutics. In: punkt4.info. 10. Dezember 2020, abgerufen am 11. Dezember 2020.</ref>

Standorte

Das Unternehmen beschäftigte 2020 weltweit knapp 52.000 Mitarbeiter, davon waren mehr als 16.000 in Deutschland tätig.<ref>Zahlen und Fakten. Boehringer Ingelheim, abgerufen am 21. August 2021.</ref><ref name="Profil">Unternehmensbericht Boehringer Ingelheim 2020. (PDF) 31. Dezember 2020, S. 34-35, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 13. April 2021; abgerufen am 12. April 2021.</ref> Das Unternehmen unterhält weitere Produktionsstätten unter anderem in Italien, Spanien, Mexiko, Brasilien und den Vereinigten Staaten.

Die Forschung und Entwicklung für Humanpharmazeutika findet aktuell weltweit in 13 Ländern mit Hauptstandorten in Biberach an der Riß, Ridgefield (Connecticut)/USA, Duluth (Georgia)/USA, St. Joseph (Missouri)/USA, Wien/Österreich sowie Lyon/Frankreich und Kōbe/Japan statt.<ref>F&E Standorte. In: www.boehringer-ingelheim.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 28. Februar 2014; abgerufen am 22. Februar 2014.</ref>

Zwischen 2005 und 2014 hat Boehringer Ingelheim 1414 Studien mit 115 Substanzen in 95 Ländern aller Regionen der Welt durchgeführt oder finanziert. Weltweit beschäftigt Boehringer Ingelheim mehr als 9500 Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung. Die Arzneimittelforschung konzentriert sich weltweit auf vier Forschungsgebiete: Immunologie und Atemwegserkrankungen, Kardio-metabolische Erkrankungen, Onkologie und Erkrankungen des zentralen Nervensystems.

Seit der Akquisition von großen Teilen des Tiergesundheitsgeschäfts von Pfizer (insbesondere das ehemalige Wyeth-Markengeschäft „Fort Dodge“) im Oktober 2009 verfügt Boehringer Ingelheim über Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen für Tiergesundheit in Fort Dodge im US-Bundesstaat Iowa.

45 Prozent des Umsatzes erzielte das Unternehmen im Jahr 2020 in Nord- und Südamerika, 30 Prozent des Umsatzes entfallen auf die Region Europa und 25 Prozent auf die Region Asien/Australien/Afrika.<ref name="Profil" />

Ingelheim am Rhein

Stammsitz und Zentrale des Unternehmensverbandes befinden sich in Ingelheim am Rhein. Hier werden Arzneimittel und Wirkstoffe für den gesamten, weltweiten Unternehmensverband produziert. Am Standort sind insgesamt 8605 Mitarbeiter beschäftigt (Durchschnitt 2018). Neben der Pharma-Fertigung findet hier die Produktion von Pharma-Wirkstoffen für den weltweiten Unternehmensverband statt.

Biberach an der Riß

In Biberach waren 2020 durchschnittlich knapp 6600 Mitarbeiter angestellt. Hier finden Forschung und Entwicklung für konventionelle chemische Wirkstoffe sowie für Arzneimittel auf biotechnischer Basis statt sowie die Produktion von Biopharmazeutika.<ref>Standortprofil Biberach. (PDF) Boehringer Ingelheim, abgerufen am 22. August 2021.</ref>

DortmundSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden.

Knapp 700 Mitarbeiter von Boehringer Ingelheim microParts in Dortmund beschäftigen sich hauptsächlich mit der Herstellung des Respimat Soft Inhalers, der im Respimat-Betrieb in Ingelheim befüllt und verpackt wird.<ref>Profilseite des Standortes Dortmund von Boehringer Ingelheim. Abgerufen am 27. Dezember 2017.</ref>

Wien

Der Standort Wien fungiert als regionales Vertriebszentrum für Mittel- und Osteuropa (Humanpharma und Tiergesundheit) sowie als regionales Zentrum für klinische Studien in Mittel- und Osteuropa. Daher lautet die Bezeichnung der Landesgesellschaft RCV (Regional Center Vienna). Außerdem befinden sich hier ein wichtiger Standort der unternehmensweiten onkologischen Forschung sowie eine Produktionsanlage für die biopharmazeutische Herstellung (Fermentation von Bakterien und Hefen).<ref>Organisation Boehringer Ingelheim RCV. In: www.boehringer-ingelheim.at. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 22. Dezember 2015; abgerufen am 5. November 2013.</ref>

Zudem befindet sich in Wien das von Boehringer Ingelheim getragene unabhängige Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie (IMP).

Hannover (ehemaliger Standort)

Das Unternehmen investierte in Hannover-Kirchrode rund 61 Millionen Euro in das Boehringer Ingelheim Veterinary Research Center (BIVRC), ein Europäisches Forschungszentrum für Tierimpfstoffe, das wegen seiner Lage in einem Wohngebiet umstritten war. Der Stadtrat von Hannover genehmigte am 17. September 2009 den Bebauungsplan für dieses Forschungszentrum;<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: Vorlage:Cite book/URL In: Hannoversche Allgemeine Zeitung, 18. September 2009. Abgerufen am 1. Juli 2012Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> das Oberverwaltungsgericht Lüneburg stellte am 12. Januar 2011 in seinem Urteil fest, dass der Bebauungsplan für das BIVRC, das in die Biologische Schutzstufe 3 eingeordnet wird, rechtmäßig ist. Das Forschungszentrum wurde am 27. September 2012 eröffnet.<ref name="pressekonferenz_eroeffnung"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Pressemitteilung zur Eröffnung des BIVRC (Memento vom 25. Oktober 2012 im Internet Archive)</ref>

Im Juni 2020 hatte das Unternehmen angekündigt, die Aktivitäten zu Tierimpfstoffen in Lyon bündeln zu wollen und deshalb den Standort Hannover zum Ende des Jahres 2020 zu schließen. Zuletzt wurden hier 129 Personen beschäftigt.<ref>Boehringer Ingelheim plant Verlagerung der Forschungsaktivitäten für Tiergesundheit in Hannover. Pressemitteilung, 19. Juni 2020, abgerufen am 27. Dezember 2020.</ref> Im Dezember 2020 wurde bekannt, dass die Tierärztliche Hochschule Hannover das Forschungszentrum übernehmen wird.<ref>TiHo übernimmt Boehringer-Impfstofflabor. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung, 21. Dezember 2020, abgerufen am 27. Dezember 2020.</ref><ref>lifePR (c) 2002-2020: Boehringer Ingelheim übergibt Forschungszentrum für Tiergesundheit in Hannover an Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG, Pressemitteilung - lifePR. 21. Dezember 2020, abgerufen am 27. Dezember 2020.</ref>

Hamburg (ehemaliger Standort)

Der Standort an der Andreas-Meyer-Straße 31–35 in Hamburg-Moorfleet wurde 1923 in Betrieb genommen, zunächst wurden Medikamente produziert. Ab Ende 1950 wurden am Standort in Hamburg-Moorfleet das Schädlingsbekämpfungsmittel Lindan hergestellt. Probleme bei der Erfüllung behördlicher Auflagen zur Entsorgung von Tetrachlordibenzodioxin führten dann zur Schließung des Standortes im Juni 1984. Im Durchschnitt waren 300–350 Personen gleichzeitig beschäftigt.<ref>U. Manuwald, D. Wilken, H. Zhang, X. Baur: Wissenschaftliche Auswertung der Hamburger Dioxin Kohorte. Abschlussbericht. (PDF) In: Forschungsbericht 422 Arbeitsschutz. Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), 11. Januar 2011, abgerufen am 21. November 2019. ISSN 0174-4992. S. 8.</ref>

Produktportfolio

Die Geschäftsgebiete umfassen Humanpharmazeutika mit den Segmenten verschreibungspflichtige Arzneimittel und Industriekundengeschäft (Biopharmazeutika, Pharmazeutische Produktion, Pharmachemikalien) und Präparate für die Tiergesundheit. Bis 2016 gehörten zum Produktportfolio auch freiverkäufliche Humanpharmazeutika, darunter bekannte Markennamen wie Thomapyrin (Kopfschmerztabletten), Mucosolvan (Hustensaft) und Buscopan (Mittel gegen Bauchschmerzen). Diese wurden 2016 im Rahmen eines Tauschgeschäfts an das Pharmaunternehmen Sanofi abgegeben. Im Gegenzug erhielt Boehringer Ingelheim die Tiergesundheitssparte von Sanofi (Merial).

Verschreibungspflichtige Medikamente

Bei den folgenden verschreibungspflichtigen Medikamenten handelt es sich um die wichtigsten Umsatzträger für das Unternehmen:

Weitere wichtige/bekannte verschreibungspflichtige Produkte sind für das Unternehmen darüber hinaus:

  • Actilyse mit dem Wirkstoff Alteplase zur Behandlung von Herzinfarkt, Lungenembolie, Schlaganfall und trombotischem Verschluss (siehe auch Thrombolyse)
  • Adumbran mit dem Wirkstoff Oxazepam zur Behandlung von Angst- u. Spannungszuständen
  • Aggrenox mit den Wirkstoffen Dipyridamol und Acetylsalicylsäure, zur Prävention sekundärer Schlaganfälle oder bei transitorischen ischämischen Attacken (TIA)
  • Aptivus mit dem Wirkstoff Tipranavir zur Behandlung von HIV-Infizierten
  • Berodual/Atrovent/Combivent mit den Wirkstoffen Ipratropiumbromid (Combivent zusätzlich mit Salbutamol) und Fenoterol (Berotec) zur Behandlung von chronisch-obstruktiven Atemwegserkrankungen und Asthma bronchiale
  • Catapresan mit dem Wirkstoff Clonidin zur Behandlung von Bluthochdruck
  • Flomax mit dem Wirkstoff Tamsulosin, zur Behandlung von benigner Prostatahyperplasie (BPH)
  • Micardis Plus mit den Wirkstoffen Telmisartan und Hydrochlorothiazid zur Behandlung von Bluthochdruck und kardiovaskulärer Prävention
  • Twynsta mit den Wirkstoffen Telmisartan und Amlodipin zur Behandlung von Bluthochdruck
  • Viramune mit dem Wirkstoff Nevirapin zur Behandlung von HIV-Infektionen

Große Erwartungen setzte das Unternehmen in eine mögliche Zulassung von Flibanserin zur Behandlung von Frauen, die unter vermindertem sexuellem Verlangen leiden. Das Unternehmen veröffentlichte im November 2009 dazu Ergebnisse von zulassungsrelevanten Phase-III-Studien, die weltweit in den Medien auf sehr großes Interesse stießen.<ref>Kein rosa Viagra, aber sexuell stimulierend. ZEIT online vom 19. September 2009, abgerufen am 2. Dezember 2013</ref><ref>Antidepressivum macht Frauen Lust. Focus Online vom 16. November 2009, abgerufen am 2. Dezember 2013.</ref><ref>Neue Lustpille für Frauen erfolgreich getestet. Die Welt online vom 12. Oktober 2011, abgerufen am 2. Dezember 2013</ref> Auch in sozialen Medien diskutierten Fachleute und Laien intensiv über den neuen therapeutischen Ansatz, der fälschlicherweise mit Sildenafil (Viagra) verglichen wurde. Im Oktober 2010 gab das Unternehmen bekannt, dass die Entwicklung von Flibanserin eingestellt wurde. Hintergrund dieser Entscheidung war eine im Juli 2010 ausgesprochene Empfehlung eines Expertengremiums des US-Gesundheitsministeriums bezogen auf die Verhältnismäßigkeit von Nutzen und Risiken der Therapie.

Tiergesundheit

Zu den wichtigsten Produkten des Unternehmens im Bereich Tiergesundheit gehören:

  • Ingelvac CircoFLEX Impfstoff für Schweine gegen das Porcine Circovirus Typ 2 (PCV2)
  • Metacam mit dem Wirkstoff Meloxicam wird für verschiedene Tierarten eingesetzt zur Linderung von Entzündung und Schmerzen bei akuten und chronischen Erkrankungen des Bewegungsapparates sowie zur Verminderung postoperativer Schmerzen und Entzündungen nach orthopädischen Eingriffen und Weichteiloperationen
  • Vetmedin mit dem Wirkstoff Pimobendan zur Behandlung bestimmter Herzerkrankungen bei Hunden
  • Semintra mit dem Wirkstoff Telmisartan für Katzen zur Reduzierung der Proteinurie bei chronischer Nierenerkrankung und zur Behandlung des systemischen Bluthochdrucks
  • Prascend mit dem Wirkstoff Pergolid zur symptomatischen Behandlung des Equinen Cushing Syndroms bei Pferden
  • Frontline, ein apothekenpflichtiges Spot-On Präparat mit dem Wirkstoff Fipronil zur Behandlung und Vorbeugung von Zecken und Flöhen bei Hunden, Katzen und Frettchen
  • Frontpro, eine apothekenpflichtige Kautablette für Hunde, mit dem Wirkstoff Afoxolaner zur Behandlung und Vorbeugung von Zecken und Flöhen

Darüber hinaus hat das Unternehmen ein Portfolio an Impfstoffen, Antiparasitika und Arzneimitteln gegen verschiedene Erkrankungen von Hunden, Katzen, Schweinen, Rindern, Pferden und Geflügel. Zum Angebot gehören außerdem Ergänzungsfuttermittel und digitale Produkte im Bereich Precision Livestock Farming.

Öffentliche Wahrnehmung

Positive Wahrnehmung

Das Unternehmen sowie die Eignerfamilie engagiert sich auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften<ref>Website der Geschwister Boehringer Ingelheim Stiftung.</ref> und vielfältig im Bereich unternehmerische Gesellschaftsverantwortung. So erhielt die Universität Mainz beispielsweise 2009 eine Spende über 100 Millionen Euro, um die Errichtung eines internationalen Exzellenzzentrums für Lebenswissenschaften zu fördern.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name Vorlage:Cite book/URL In: FAZ, 6. Februar 2009. ISSN 0174-4909. Abgerufen am 1. Juli 2012Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> Im Jahr 2013 erfolgte eine weitere Spende für das Projekt über 50 Millionen Euro.<ref>Boehringer Ingelheim Stiftung fördert mit 50 Millionen Euro erneut die Lebenswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. In: uni-mainz.de. Abgerufen am 1. Februar 2015.</ref>

Das Unternehmen erhielt im Jahr 2013 zum dritten Mal den seit 2009 vergebenen Corporate Health Award in der Kategorie Chemie/Pharma für Leistungen im Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM).<ref>CHA 2013. In: corporate-health-award.de. Abgerufen am 9. Dezember 2013.</ref><ref>Corporate Health Award: Deutschlands gesündeste Unternehmen. In: Handelsblatt Online. 21. November 2013, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 16. Dezember 2013; abgerufen am 9. Dezember 2013.</ref>

Negative Wahrnehmung

Lieferung von Grundstoffen für Agent Orange

Laut einem Artikel des Nachrichtenmagazins Der Spiegel von 1991 lieferte das Unternehmen 1967 eine Menge von 720 Tonnen Trichlorphenolatlauge an das in Neuseeland ansässige Unternehmen Dow Watkins, ein Tochterunternehmen von Dow Chemical. Die Chemikalie diente zur Herstellung des Herbizids Agent Orange, welches im Vietnamkrieg zur Waldentlaubung benutzt wurde und aufgrund seines Dioxingehalts schwere gesundheitliche Schäden verursachte.<ref name="CS">Cordt Schnibben: Der Tod aus Ingelheim. In: Der Spiegel. Nr. 31, 1991, S. 102 ff. (online).</ref> Boehringer Ingelheim räumte die Richtigkeit dieser Angaben ein Jahr nach Erscheinen des Artikels ein.<ref>Eine unselige Geschichte. In: Der Spiegel. Nr. 48, 1992, S. 64 ff. (online).</ref> Später bestritt das Unternehmen die Vorwürfe und teilte mit, dass Boehringer Ingelheim „kein Agent Orange hergestellt oder durch Vorprodukte oder Grundstoffe zu dessen Herstellung beigetragen“ habe.<ref>Boehringer Ingelheim hat kein Agent Orange hergestellt oder durch Vorprodukte oder Grundstoffe zu dessen Herstellung beigetragen. In: boehringer-ingelheim.com. Boehringer Ingelheim, abgerufen am 23. November 2023.</ref>

Dioxin im Werk Moorfleet

Der Dioxinskandal um Boehringer Ingelheim hatte seinen Ursprung in Hamburg-Billbrook. Boehringer Ingelheim betrieb an der Andreas-Meyer-Straße 31–35 (

 {{#coordinates:53,519425|10,079222222222|
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   |name=Boehringer Moorfleet
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  }})an der Grenze zu Moorfleet ein Herbizidwerk, dessen Dioxinausstoß viele Arbeiter erkranken ließ. Im Jahr 1984<ref>Uwe Bahnsen: Die Stadt und das Dioxin – eine lange Verbindung. In: welt.de. 23. November 2018, abgerufen am 21. November 2019.</ref> musste die Fabrik geschlossen werden. Laut einem Bericht für das BMAS von 2011 gab es „eine erhebliche Belastung der Beschäftigten gegenüber Ausgangssubstanzen, Zwischen- und Endprodukten von Herbiziden und Insektiziden, die von 1952 bis 1984 dort hergestellt wurden“.<ref>U. Manuwald, D. Wilken, H. Zhang, X. Baur: Wissenschaftliche Auswertung der Hamburger Dioxin Kohorte. Abschlussbericht. (PDF) In: Forschungsbericht 422 Arbeitsschutz. Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), 11. Januar 2011, abgerufen am 21. November 2019. ISSN 0174-4992. S. 8.</ref>

Das Gelände wurde bis in die 1990er Jahre hinein saniert, was jedoch zu keiner nennenswerten Entlastung des Bodens führte, so dass seit 1994 der Bereich weiträumig durch metertiefe Spundwände von der Umgegend abgetrennt wurde.<ref>Geli Tangermann: Boehringer-Skandal: Moorfleet: Das tödliche Erbe der Giftfabrik. In: MOPO.de. Abgerufen am 13. April 2016.</ref><ref>Kühleis/Schenk/Zimpelmann (1994), "Von ökologischer Ignoranz zum integrierten Umweltschutz? Der Fall Boehringer", ISSN 0724-5084, Berlin 1994, FS II 94-201 in Veröffentlichungsreihe der Abteilung Regulierung von Arbeit des Forschungsschwerpunkts Technik-Arbeit-Umwelt des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung.</ref>

Statistische Untersuchungen haben für die ehemalige Belegschaft von C. H. Boehringer Sohn im Jahr 1984 stillgelegten Werk Hamburg-Moorfleet, in dem es bei der Pestizidproduktion zu Dioxinbelastungen kam, ein im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung erhöhtes Krebsrisiko gezeigt.<ref>A. Manz u. a.: Cancer mortality among workers in chemical plant contaminated with dioxin In: The Lancet Volume 338, Issue 8773, 1991, S. 959–964, doi:10.1016/0140-6736(91)91835-I</ref><ref>U. Manuwald, D. Wilken, H. Zhang, X. Baur: Wissenschaftliche Auswertung der Hamburger Dioxin Kohorte. Abschlussbericht. (PDF) In: Forschungsbericht 422 Arbeitsschutz. Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), 11. Januar 2011, abgerufen am 21. November 2019. ISSN 0174-4992. S. 26–27, 32–42.</ref>

Proteste gegen Tierversuche

Ab Ende der 1970er Jahre hatte die Anzahl an Tierversuchen großer forschender Konzerne wie Boehringer<ref>Horst Stern: Tierversuche. Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg 1981, ISBN 3-499-17406-5, S. 175.</ref> zu einer heftigen öffentlichen Debatte über Nutzen und Notwendigkeit von Tierversuchen geführt, begleitet von zahlreichen Protesten in der Bevölkerung. 2008 und 2009 demonstrierten Tierschützer gegen Tierversuche am Boehringer-Standort Biberach an der Riß. 2009 wendete sich die „Bürgerinitiative gegen Massentierversuche in Wohngebieten e. V.“ gegen das von Boehringer Ingelheim in Hannover geplante Europäische Forschungszentrum für Tierimpfstoffe. Unterstützt wurde diese durch Tierrechtsaktivisten, die das Gelände in Hannover sechs Wochen lang besetzt hielten.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Zeitungsmeldung der HAZ zur Besetzung des Geländes in Hannover (Memento vom 25. Januar 2021 im Internet Archive)</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Zeitungsmeldung der HAZ zur Räumung (Memento vom 15. August 2009 im Internet Archive)</ref>

Patentstreit für AIDS-Medikament in Indien

Im Zusammenhang der von Boehringer Ingelheim entwickelten AIDS-Medikamente wird dem Hersteller vorgeworfen, den Zugang zu diesen Medikamenten durch patentrechtliche Maßnahmen zu erschweren. So hat das Unternehmen z. B. in Indien einen Patentantrag auf den von ihnen entwickelten Wirkstoff gestellt – entsprechende Medikamente werden dort zurzeit noch zum Viertel des von Boehringer Ingelheim verlangten Preises hergestellt. In Kenia drohte die Firma Apotheken und Medikamentengroßhändlern mit rechtlichen Schritten, sollten diese weiterhin das kostengünstigere indische Präparat importieren.<ref name="buko">Boehringer behindert Zugang zu AIDS-Sirup für Kinder. (PDF; 493 kB) In: bukopharma.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 23. September 2015; abgerufen am 1. Juli 2012.</ref>

Das Unternehmen verweist darauf, dass keinerlei Lizenz- oder andere Gebühren erhoben werden und der Zugang zu kostengünstigen AIDS-Medikamenten so nicht behindert wird. Dieser Sachverhalt wurde mittlerweile auch von den Initiatoren der Kampagne bestätigt. Diese soll dennoch weitergeführt werden, da Boehringer Ingelheim nicht grundsätzlich auf das geistige Eigentum an seinem Wirkstoff verzichten möchte und so in der Zukunft vielleicht doch irgendwann Gebühren erheben könnte.

Todesfälle bei Blutgerinnungshemmer

2011 wurde über Todesfälle in Zusammenhang mit dem Blutgerinnungshemmer Dabigatran (Pradaxa) berichtet. Zwischen März 2008 und November 2011 waren weltweit 256 Menschen in zeitlichem Zusammenhang mit der Einnahme des Medikamentes gestorben.<ref>Jutta Hoffritz: 256 Menschen weltweit sterben nach der Behandlung mit Pradaxa. ZEIT Online vom 11. November 2011.</ref> Pradaxa sei jedoch nicht gefährlicher als andere Blutverdünner, so der Konzern.<ref>Hartmut Wewetzer, Alina Schadwinkel: Pradaxa ist nicht gefährlicher als andere Blutverdünner. ZEIT Online vom 15. November 2011.</ref> In den USA reichten daraufhin etwa 4000 Personen Schadensersatzklagen gegen Boehringer Ingelheim ein.<ref>"Boehringer leidet unter der Klagewelle in Amerika" Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 14. September 2014</ref> Die US-Gesundheitsbehörde FDA, die in eigenen Studien die Frequenz schwerer Nebenwirkungen untersuchte, bescheinigte dem Mittel eine positive Wirkung und eine ähnliche Blutungsrate wie Warfarin.<ref>"Dabigatran: Weniger Hirn- aber mehr gastrointestinale Blutungen im Alter" Ärzte-Zeitung vom 14. Mai 2014</ref> Auch unter dem Eindruck negativer Presseartikel schloss das Unternehmen vor Eröffnung des Verfahrens mit Klägern in den USA einen Vergleich über 470 Millionen Euro.<ref>Gerinnungshemmer Pradaxa: Vergleich kostet Boehringer Ingelheim fast eine halbe Milliarde. In: faz.net. 29. Mai 2014, abgerufen am 21. Mai 2015.</ref>

Strafe wegen Kartellbildung

Im Oktober 2023 verhängte die Europäische Kommission eine Strafe von 10,4 Millionen Euro wegen Kartellbildung gegen Boehringer. Über 14 Jahre hatte Boehringer mit anderen Unternehmen bei dem Arzneistoff Butylscopolamin (ein Wirkstoff zur Herstellung des Arzneimittels Buscopan) Preise abgesprochen.<ref>Millionenstrafe gegen Arzneimittel-Kartell durch EU-Kommission. In: FAZ.NET. 19. Oktober 2023, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 19. Oktober 2023]).</ref> Boehringer räumte seine Beteiligung am Kartell ein und akzeptierte die Geldstrafe.<ref>Kartellbehörde: Millionenstrafe nach Preisabsprachen bei Boehringer Ingelheim. In: wiwo.de. Wirtschaftswoche, 19. Oktober 2023, abgerufen am 19. Oktober 2023.</ref>

Weblinks

Commons: Boehringer Ingelheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

  • Boehringer Ingelheim GmbH (Hrsg.): Unsere Dioxin-Geschichte. Ingelheim 1992.
  • Michael Kißener, Boehringer Ingelheim in Nationalsozialismus. Studien zur Geschichte eines mittelständischen chemisch-pharmazeutischen Unternehmens. Stuttgart 2015. Franz Steiner Verlag. ISBN 978-3-515-11008-2.
  • Cordt Schnibben: Der Tod aus Ingelheim. In: Der Spiegel. Nr. 32, 1991.
  • Cordt Schnibben: Eine unselige Geschichte. In: Der Spiegel. Nr. 48, 1992.
  • Ulrich Viehöver: Boehringer – Tue gutes und schweige besser, in: Ulrich Viehöver: Die Einflussreichen – Henkel, Otto und Co – Wer in Deutschland Geld und Macht hat, Campus Verlag, Frankfurt am Main 2006, S. 49–70.

Einzelnachweise

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Koordinaten: 49° 58′ 32,5″ N, 8° 2′ 39,4″ O

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