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Blainn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Blainn (altnordisch Bláinn) ist in der nordischen Dichtung ein Begriff, der auch für mythische Wesen verwendet wurde.<ref name="Vri 42">Jan de Vries: Altnordisches Etymologisches Wörterbuch. 2. Auflage. Brill Archive, S. 42</ref> Er wurde sowohl als Umschreibung für den Vorzeitriesen Ymir als auch für Zwerge gebraucht. Das Wort konnte aber auch zur Umschreibung von nichtmythischen Dingen verwendet werden, wie z. B. einem Teil des Himmels.<ref name="WK 120">Wolfgang Krause: Runen. 2. Auflage. Verlag Walter de Gruyter, Berlin – New York 1993, ISBN 978-3-11-014042-2, S. 120</ref>

Bláinn gilt als [[ Derivation (Linguistik)|Ableitung]] von altnordisch blár „blau, dunkel, schwarz“.<ref name="Vri 42" /><ref name="Sim 54">Simek (2006), S. 54</ref><ref>Walter Baetke: Wörterbuch der altnordischen Prosaliteratur. 1. & 2. Auflage. In digitaler Fassung, Greifswald 2006, S. 56: blár = blau, dunkelblau, dunkel, schwarz</ref> Man übersetzt somit die mythischen Namen als „der Dunkel-Farbige“<ref name="Vri 42" />, „Blau-Leiche“<ref>Andy Orchard: Cassell dictionary of Norse myth and legend. Cassell, London 1997, ISBN 978-0-304-35134-3, S. 190: „blue-corpse“</ref> oder „der Blauende.“<ref name="WK 120" />

Der Begriff findet sich in den Texten der eddischen Dichtung nur in der Völuspá:

<poem style="margin-left:2em; float:left;"> „Þá gengo regin ǫll á rǫcstóla, Ginnheilog goð, oc um þat gættuz, hverr scyldi dverga dróttin scepia, ór Brimis blóði oc ór Bláins leggiom.“<ref>Lieder-Edda: Völsupá 9. Textausgabe nach Titus Projekt, URL: http://titus.uni-frankfurt.de/texte/etcs/germ/anord/edda/edda.htm, aufgerufen am 4. Dezember 2009.</ref> </poem>

<poem style="margin-left:2em; float:left;"> „Da schritten alle Rater zum Richterstuhl, die heiligsten Götter, und beratschlagten, wer das Volk der Zwerge erschaffen sollte aus Brimirs Blut und aus Blainns Knochen.“<ref>Übersetzung nach Arnulf Krause: Die Götter- und Heldenlieder der Älteren Edda. Philipp Reclam jun. Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 978-3-15050-047-7.</ref> </poem>

Völuspá 9

Die Wendung „aus Brimirs Blut und Blainns Knochen“ scheint darauf anzuspielen, dass die Götter das Meer und die Berge aus Ymirs Blut und Knochen schufen, wie zwei andere Lieder der Lieder-Edda überliefern, das Grimnismál und das Vafþrúðnismál.<ref>Lieder-Edda: Vafþrúðnismál 20 f.; Grimnismál 40.</ref> Demnach steht die Wendung für den Vorzeitriesen Ymir. Man mutmaßt, dass Bláinn als Umschreibung für den Riesen gebraucht werden konnte, weil nach den beiden Liedern der Himmel aus seinem Schädel erschaffen wurde – und damit auch das Blau des Himmels.<ref name="Sim 54" /><ref name="Lin 82">Lindow (2001), S. 82.</ref>

In den Þulur wird Bláinn als Heiti für Zwerg angeführt.<ref>Þulur III 40 – Dverga heiti, Strophe 1.</ref> Das heißt, ein Dichter konnte Bláinn als alternatives Wort für Zwerg verwenden. Darin sieht man den Namen eines unbekannten Zwerges.<ref name="Sim 54" /><ref name="Lin 82" />

Siehe auch

Literatur

  • John Lindow: Handbook of Norse Mythology. ABC-CLIO Ltd, USA 2001, ISBN 978-1-57607-217-2. Online Auszug.
  • Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie (= Kröners Taschenausgabe. Band 368). 3., völlig überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2006, ISBN 3-520-36803-X.

Einzelnachweise

<references />