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Bildhauersymposion Kaisersteinbruch

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Datei:Karl Prantl-1961.jpg
Karl Prantl: Die Fünf Parallelen aus Kirchheimer Muschelkalk

Das Bildhauersymposion Kaisersteinbruch bei Gaubüttelbrunn in der Nähe von Kirchheim in Unterfranken war das erste internationale Bildhauersymposion in der Bundesrepublik mit Bildhauern aus Deutschland, Österreich, Jugoslawien, Israel, USA und Japan.<ref>Jutta Wortmann: Bildhauersymposien: Entstehung – Entwicklung – Wandlung. S. 133–135 (siehe Literatur)</ref> In diesem Symposion, das vom 12. Juni bis 15. September 1961 stattfand<ref name="mai">@1@2Vorlage:Toter Link/mobil.mainpost.demobil.mainpost.de (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Oktober 2022. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot: Edmund Gumpert: Fünf Parallelen an einem magischen Ort, vom 23. Juni 2011, abgerufen am 2. Juli 2011</ref>, wurden von zehn Künstlern 15 Skulpturen geschaffen.

Diese Form der Bildhauerei geht auf das erste Europäische Bildhauersymposion, das Bildhauersymposion St. Margarethen, aus dem Jahre 1959 in Sankt Margarethen im Burgenland in Österreich zurück, auf das sich noch heute mehr als 150 Symposien beziehen.

Symposion

Die Berliner Bildhauer Herbert Baumann, Erich Reischke und Joachim-Fritz Schultze-Bansen begannen mit der Unterstützung ihrer Bildhauer-Professoren Karl Hartung und Alexander Gonda mit der Organisation von Bildhauersymposien in Deutschland.<ref>Jutta Wortmann: Bildhauersymposien: Entstehung – Entwicklung – Wandlung. S. 133</ref> Hellmuth Metzing, Geschäftsführer der Steinmetzfirma Zeidler & Wimmel, Eigentümer des Gaubüttelbronner Kaisersteinbruchs, stand diesem Gedanken positiv gegenüber und sponserte das Symposion.<ref>Zeidler&Wimmel: Bauen mit Naturstein. S. 100 (siehe Literatur)</ref> In Gaubüttelbrunn arbeiteten die Steinbildhauer aus verschiedenen Ländern und Nationen zusammen und schufen große Skulpturen aus Kirchheimer Muschelkalk. Sie tauschten sich aus über ihre unterschiedlichen künstlerischen Erfahrungen und Techniken, ihre Vorstellungen und Pläne. Als am 13. August 1961 der Mauerbau in Berlin begann, beschlossen einige Steinbildhauer, dorthin zu fahren, und bei ihrer Rückkehr wurde vereinbart, dass sie im Oktober 1961 ein weiteres Symposion in der Nähe der Berliner Mauer abhalten werden. Diese Idee wurde verwirklicht und es fanden Bildhauersymposien in den Jahren 1961–1963 in Berlin-Tiergarten statt, die auch Mauerbausymposien genannt wurden.

Diese Vorgehensweise entsprach dem Konzept der Europäischen Bildhauersymposien: neben dem Erfahrungsaustausch mit Kollegen aus aller Welt – die später nach dem Vorbild des Bildhauers Karl Prantls, dem Initiator der Europäischen Bildhauersymposien, häufig auch in ihren Heimatländern ähnliche Treffen organisieren – stand immer auch eine politische Intention im Vordergrund. Gegen den „Eisernen Vorhang“ kämpfte Prantl von Anfang an, ebenso wie gegen die Berliner Mauer.<ref>Tiroler Tageszeitung vom 29. Oktober 2003. Abgerufen am 22. August 2010</ref> Die Organisatoren des ersten Europäischen Bildhauersymposions verfassten bereits im Jahre 1959 ein Manifest, in dem sie den politischen und gesellschaftspolitischen Anspruch ihrer Vorstellungen kundtaten, nämlich durch ihre grenzübergreifende Gemeinschaft ein Signal zur Völkerverständigung zu geben.<ref>Jutta Wortmann: Bildhauersymposien: Entstehung – Entwicklung – Wandlung. S. 53–55</ref>

Im Verlauf des Symposions wurde 15 Skulpturen geschaffen, drei davon befinden sich an anderen Orten. Es sind dies die Arbeiten von Yasuo Mizui, Joseph Henry Lonas und Herbert Baumann.<ref name="main"/> Der Symposionteilnehmer Jakob Savinšek verstarb im Verlauf des Symposions am 17. August 1961<ref>Naturstein Hf.: 12/2011. S. 33 Online-Auszug (PDF; 405 kB), abgerufen am 18. August 2012</ref>, deshalb blieb seine zweite Skulptur unvollendet.

Teilnehmer

Die zehn Bildhauer im Gaubütteler Muschelkalk-Steinbruch, die Steinskulpturen aus diesem Muschelkalkstein schufen, waren

Fotogalerie

Kaisersteinbruch

Datei:Gelände-Steinbruch-Gaubuettelbrunn.JPG
Ehemaliges Steinbruchsgelände in Gaubüttelbrunn mit Skulpturen
Datei:Wegstein-Gaubüttelbrunn.jpg
Stein auf dem Waldweg zum Steinbruchsgelände

Das Symposion fand im Kaisersteinbruch statt und dieser Name geht offenkundig auf eine Kaisersteinbruch-Aktiengesellschaft aus dem Jahre 1912 zurück.<ref>Information über die Kaisersteinbruch-Aktiengesellschaft. Abgerufen am 22. August 2010</ref> Diese Aktiengesellschaft war Besitzer des Geländes, bevor die Firma Zeidler&Wimmel den Steinbruch übernahm. Heute befindet sich das Steinbruchgelände im Eigentum von Winfried Engert.<ref name="main">@1@2Vorlage:Toter Link/mobil.mainpost.demobil.mainpost.de (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Oktober 2022. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot: Edmund Gumpert: Gaubüttelbronn. Denkmalgeschützte Ansammlung monumentaler abstrakter Skulpturen seit 50 Jahren im Kaisersteinbruch in Gaubüttelbrunn, vom 6. September 2011, abgerufen am 18. August 2011</ref> Der Steinbruch in der Liste der bayerischen Geotope eingetragen.<ref>Bayerisches Landesamt für Umweltpflege: Geotopkataster Bayern: Kaisersteinbruch bei Gaubüttelbrunn (PDF; 241 kB). Abgerufen am 22. August 2010</ref>

Zum 50. Jahrestag des Symposions fand am 11. September 2011 im Rahmen des Tages des offenen Denkmals 2011 eine Ausstellung mit Fotos der Skulpturen, die die Witwe von Karl Prantl zur Verfügung stellte, ein Gottesdienst und Führungen über das ehemalige Steinbruchgelände mit den Skulpturen in Gaubüttelbrunn statt.<ref name=mai />

Die Steinskulpturen befinden sich an der Bahnstraße am Ortsausgang von Gaubüttelbrunn und sind zu Fuß in einem Wald über einen etwa 300 Meter langen Waldweg erreichbar, vor dem sich eine Schranke befindet. Auf dem Waldweg befindet sich rechter Hand ein etwa 1,30 Meter hoher Wegstein mit zwei Symbolen, einer Gans und einem Mond.

Literatur

  • Wolfgang Hartmann (Hrsg.): Das Bildhauersymposion: Entstehung und Entwicklung einer neuen Form kollektiver und künstlerischer Arbeit. Stuttgart 1988, ISBN 3-7757-0263-6
  • Jutta Birgit Wortmann: Bildhauersymposien: Entstehung – Entwicklung – Wandlung. Frankfurt am Main, 2006, ISBN 3-631-55273-4
  • Zeidler & Wimmel (Hrsg.): Bauen in Naturstein. 200 Jahre Zeidler & Wimmel. Steinbrüche, Steinmetzbetriebe, Steinindustrie. S. 100 f. Bruckmann. München 1976 o. A.

Weblinks

Commons: Bildhauersymposion Kaisersteinbruch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Koordinaten: 49° 38′ 13,3″ N, 9° 52′ 5,2″ O

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