Bilderwand Bertramstraße
Die Bilderwand Bertramstraße in Hannover ist eine von Siegfried Neuenhausen initiierte und 1991 präsentierte Installation von Kunst im öffentlichen Raum. In der Sackgasse Bertramstraße im Stadtteil Hainholz installierten international bekannte Künstler ihre Arbeiten entlang einer rund 80 Meter langen und 6 Meter hohen Industriewand.<ref name="Ein eklatanter Verstoß">Karl-Heinz Vach: Ein eklatanter Verstoß gegen die Rituale öffentlicher Kunst. In: Siegfried Neuenhausen, Karl-Heinz Vach: Bilderwand Bertramstraße … (siehe Literatur), S. 5f.</ref>
Geschichte
Die Bertramstraße wurde 1892 angelegt<ref name="Zimmermann Bertramstraße">Helmut Zimmermann: Bertramstraße. In: Die Strassennamen der Landeshauptstadt Hannover, Verlag Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1992, ISBN 3-7752-6120-6, S. 39</ref> und führte laut einem späteren Adressbuch der Stadt Hannover ursprünglich von der Schulenburger Landstraße zu der im selben Jahr angelegten Siegmundstraße.<ref name="Zimmermann Bertramstraße"/> Die Siegmundstraße wurde laut den Hannoverschen Geschichtsblättern von 1914 nach dem „Miteigentümer der anliegenden Schmirgel- und Maschinenfabriken, Siegmund Oppenheim“ (* 15. August 1839 in Derneburg; † 26. Oktober 1915 in Berlin) benannt,<ref name="Zimmermann Siegmundstraße">Helmut Zimmermann: Siegmundstraße. In: Die Straßennamen …, S. 228</ref><ref>Anmerkung: Abweichend war nach neuerer Darstellung der Geburtsort des Unternehmers Derenburg; vergleiche Waldemar R. Röhrbein: Vereinigte Schmirgel- und Maschinenfabrik AG. In: Stadtlexikon Hannover, S. 641</ref> der heutigen VSM Vereinigten Schmirgel- und Maschinen-Fabriken (VSM).<ref>Waldemar R. Röhrbein: Vereinigte Schmirgel- und Maschinenfabrik AG. In: Stadtlexikon Hannover, S. 641</ref> Die verbindende Bertramstraße war jedoch „nach dem [dort ansässigen] Unternehmer der Straße“ benannt worden, „wohl dem Vollmeier Georg Friedrich Ludwig Bertram“ (* 16. Juli 1860 in Bad Schmiedeberg; † 25. Dezember 1909 in Hannover),<ref name="Zimmermann Bertramstraße"/> der laut einem späteren Adressbuch der Stadt Hannover auch der Erbauer der Straße gewesen sein soll.<ref name="Commons"/>
Zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus wohnte im ehemaligen Gebäude der Bertramstraße 7<ref name="Commons Bilderwand">Vergleiche die Dokumentation bei Commons (siehe unter dem Abschnitt Weblinks)</ref> der 1910 geborene, gelernte Dreher Willi Großkopf.<ref name="HBL">Klaus Mlynek: GROSSKOPF, Wilhelm. In: Hannoversches Biographisches Lexikon, S. 136; online über Google-Bücher</ref> Der damals 23-Jährige engagierte sich als Mitglied des Arbeiter-Samariter-Bundes Deutschland, der Sozialistischen Arbeiterjugend<ref name="Commons Bilderwand"/> (SAJ) und des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold gegen die Machtergreifung durch die Nationalsozialisten.<ref name="HBL"/> „Im Vorfeld der Reichstagswahlen vom 5. März 1933 sollte eine Wahlkundgebung der SPD (am Lister Turm …) schützen“<ref>Klaus Mlynek: Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. In: Stadtlexikon Hannover, S. 519f.</ref> und wurde dabei am 22. Februar 1933 bei einem Überfall durch eine Sturmabteilung (SA) bei der damaligen Gaststätte am Lister Turm hinterrücks erschossen.<ref name="HBL"/> An den ermordeten jungen Mann sowie an seinen ebenfalls getöteten Genossen Wilhelm Heese erinnert eine Gedenktafel, die später den Installationen der heutigen Bilderwand Bertramstraße vorangestellt wurde.<ref name="Commons Bilderwand"/>
Ebenfalls 1933 benannten die Nationalsozialisten die ehemals dem Unternehmer Siegmund Oppenheim gewidmete und mit der Bertramstraße verbundene Siegmundstraße in Am Wallberge (entsprechend dem ehemaligen Flurnamen) um. Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und nach der Befreiung vom Nationalsozialismus ehrt die Siegmundstraße seit 1945 wieder den Mitbegründer der VSM.<ref name="Zimmermann Siegmundstraße"/>
Aus Anlass der bevorstehenden 750-Jahr-Feier der Stadt Hannover sammelte Wolfgang Schatz, seinerzeit Geschäftsführer vom Freundeskreis Hannover und Bürger-Ansprechpartner der Projektgruppe 750-Jahr-Feier, um 1990 Vorschläge zur Aufwertung des hannoverschen Stadtbildes. Zu den gewünschten Projekt-Vorschlägen gehörte unter anderem die mit 80.000 DM angesetzte „Kunstwand Bertramstraße“.<ref>N.N.: Hannover 1991, mit Vorworten von Herbert Schmalstieg und Oberstadtdirektor Jobst Fiedler, Landeshauptstadt Hannover, Projektgruppe 750-Jahr-Feier, 1990</ref>
Nachdem bereits zuvor der Künstler und damalige „Braunschweiger Akademieprofessor“ Siegfried Neuenhausen eine aufgelassene Schnapsfabrik in Hainholz erworben hatte,<ref name="Zerull">Ludwig Zerull: Neuenhausens Wand (siehe im Abschnitt Literatur)</ref> die 1878 gegründete Kornbrennerei August Schmidt, heute Werkhof für Künstler und Galerien,<ref name="Commons">Vergleiche diese Dokumentation bei Commons</ref> lud Neuenhausen elf zum Teil schon damals international renommierte Künstler zur Umgestaltung der Industriewand in der Bertramstraße ein,<ref name="Zerull"/> darunter Tony Cragg oder Timm Ulrichs.<ref name="Commons"/> Zwei der geladenen Künstler, Ulla Lauer und Rüdiger Barhan, wohnten und arbeiteten seinerzeit auch im Gebäudekomplex des gegenüberliegenden Werkhofes,<ref name="Zerull"/> der Kornbrennerei.<ref name="Commons"/> Zur Ausgestaltung der der VSM Vereinigte Schmirgel- und Maschinen-Fabriken zugehörigen Industriewand<ref>Vergleiche das ganz oben rechts über diesem Artikel angebotene Kartenmaterial neben den „Koordinaten“</ref> sollte jeder Künstler je eine Parzelle der mit Ziegelsteinen ausgekleideten Industriewand gestalten.<ref name="Zerull"/>
Präsentiert wurden die Installationen ab September 1991.<ref name="SLH"/> Richard Hamiltons witterungsempfindliche „Medienwand“,<ref name="SLH">Hugo Thielen: Bilderwand Bertramstraße (siehe Literatur)</ref> das „Scanachrombild“ WARGAMES mit einem Bild des Kuwait-Irak-Krieges<ref>Siegfried Neuenhausen, Karl-Heinz Vach: Bilderwand Bertramstraße …, S. 19</ref> ist nachts anfangs mit einem heruntergelassenen Eisenrollo vor Beschädigungen geschützt worden.<ref name="Zerull"/> Es wurde später in das Sprengel Museum Hannover verbracht<ref>Helmut Knocke, Hugo Thielen: Bertramstraße (siehe Literatur)</ref> und durch eine Arbeit von Thomas Virnich ersetzt.<ref name="SLH"/>
Ansichten der Bilderwand
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Rob Scholte: Schrei nach Edvard Munch
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Siegfried Neuenhausen: Fliegende Hüte
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Gerd Winner: stop-look-listen caution
Literatur
- Siegfried Neuenhausen, Karl-Heinz Vach: Bilderwand Bertramstraße – Kornbrennerei, mit Fotos von Stefan Neuenhausen und Herbert Nelius, hrsg. vom Verein Kornbrennerei e.V., Bertramstraße 4a, Eigenverlag, Hannover 1991, ISBN 3-88746-301-3
- Helmut Knocke, Hugo Thielen: Bertramstraße. In: Hannover Kunst- und Kultur-Lexikon, S. 93
- Hugo Thielen: Bilderwand Bertramstraße. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 67.
- Ludwig Zerull: Neuenhausens Wand. In: Kunst ohne Dach. Skulpturen und Objekte im Stadtbild Hannovers, Hannover: Ed. Libri Artis, Schäfer, 1992, ISBN 3-88746-278-5, S. 39
- Kristina Herbst: Von Antes bis Wurmfeld: Zum konservatorischen Umgang mit der „Straßenkunst“ in Hannover, Master Thesis an der HAWK Hochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen, Hildesheim 2007, online als PDF-Dokument
Weblinks
Einzelnachweise und Anmerkungen
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Koordinaten: 52° 23′ 52,5″ N, 9° 42′ 48,7″ O
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