Bilanzstichtag
Der Bilanzstichtag ist im Rechnungswesen der letzte Tag des Wirtschaftsjahres, zu dem turnusmäßig ein Jahresabschluss von Unternehmen aufgestellt wird und auf den sich die Bilanz bezieht.
Allgemeines
Die Schlussbilanz schließt die laufende gewerbliche Tätigkeit eines Unternehmens ab ({{#switch: juris
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Theoretische Zusammenhänge und Grundlagen
Der Kaufmann hat zu Beginn seines Handelsgewerbes und für den Schluss eines jeden Geschäftsjahrs einen das Verhältnis seines Vermögens und seiner Schulden darstellenden Abschluss (Eröffnungsbilanz, Bilanz) aufzustellen (§ 242 Abs. 1 HGB). Ergänzend hierzu sind die Objektivierungs- und Vereinfachungsprinzipien des Handelsrechts zu beachten. Zu diesen gehört unter anderem das Stichtagsprinzip nach {{#switch: juris
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Stichtagsprinzip
Das Stichtagsprinzip besagt, dass sämtliche am Abschlussstichtag vorhandenen Wirtschaftsgüter – und nur diese – zu bilanzieren und zu bewerten sind. Hierbei sind die Wertverhältnisse zum Abschlussstichtag zugrunde zu legen. Vorgänge, die sich nach dem Bilanzstichtag ereignen und andere Vermögens- oder Wertverhältnisse verursachen (ansatz- oder wertändernde Tatsachen), dürfen nicht berücksichtigt werden.
Das Gesetz verlangt hierzu die Bewertung „zum Abschlussstichtag“ (§ 252 Abs. 1 Nr. 3 HGB, § 201 Abs. 2 Z. 3 UGB), wobei sogenannte „werterhellende“ Tatsachen zu berücksichtigen sind (§ 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB). Dies sind solche Informationen, welche nach dem Bilanzstichtag, aber vor der Bilanzaufstellung über die objektiven Verhältnisse am Bilanzstichtag gewonnen werden. Dies betrifft nicht nur – wie § 252 Abs. 1 Nr. 4 1. Halbsatz HGB vermuten lassen könnte – Umstände, die ein Risiko begründen oder erhöhen, sondern auch entlastende, die die Möglichkeit eines Verlustes mindern oder entfallen lassen.<ref>Hans Adler, Walter Düring, Kurt Schmaltz: Rechnungslegung nach internationalen Standards, § 252 HGB Rn. 42.</ref>
Sogenannte „wertbegründende“ Tatsachen sind nicht im Jahresabschluss zu berücksichtigen. Dies sind Tatsachen, welche erst nach dem Bilanzstichtag und vor der Bilanzerstellung entstanden sind und damit eben nicht zum Bilanzstichtag vorlagen.
Abgrenzungsprinzip
Geschäfte, Chancen und Risiken, Erträge und Aufwendungen, Vermögen und Schulden werden nicht am Bilanzstichtag beendet, sondern bestehen darüber hinaus fort. Aus dieser Perspektive bildet der Bilanzstichtag eine künstliche Zäsur in laufende Geschäfte. Für die erfolgsrechnerische Berücksichtigung ist deshalb die Zugehörigkeit des Ertrages oder Aufwandes zu einer bestimmten Abrechnungsperiode maßgeblich. Nach § 252 Abs. 1 Nr. 5 HGB müssen Aufwendungen und Erträge des Geschäftsjahres unabhängig vom Zahlungszeitpunkt im Jahresabschluss berücksichtigt werden. Die Bilanzpositionen „aktive und passive Rechnungsabgrenzung“ ({{#switch: juris
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Wahl des Bilanzstichtags
Der Bilanzstichtag muss nicht mit dem Ende des Kalenderjahres (31. Dezember) übereinstimmen, dieses wird jedoch in Deutschland und weltweit überwiegend als Bilanzstichtag gewählt. Das Gesetz verlangt lediglich, dass das Geschäftsjahr höchstens einen Zeitraum von 12 Monaten umfasst (§ 240 Abs. 2 S. 2 HGB). Ein Rumpfgeschäftsjahr darf kürzer, aber nicht länger als 12 Monate dauern ({{#switch: juris
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Bilanzstichtag im Konzern
Der Konzernabschluss ist auf den Bilanzstichtag des Jahresabschlusses des Mutterunternehmens aufzustellen ({{#switch: juris
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Bilanzaufstellung
Bilanzstichtag und Bilanzaufstellung dürfen nicht verwechselt werden. Die Bilanzerstellung oder Aufstellung der Bilanz erfolgt meist nach dem Bilanzstichtag und berücksichtigt die Jahresabschlussbuchungen, Bilanzierungswahlrechte, Bewertung und die „wertaufhellenden“ Tatsachen, die erst nach dem Bilanzstichtag eingetreten sind. Diese Arbeiten zur Bilanzaufstellung erfordern oft einen Zeitraum von Wochen und Monaten, meist abhängig von der Größe des Unternehmens oder dessen Komplexität. Allerdings steht den Unternehmen nicht unbegrenzt Zeit für die Bilanzaufstellung zur Verfügung. Kapitalgesellschaften haben nach {{#switch: juris
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Besonderheiten
Inventur
Der Bilanzstichtag erfordert zwingend eine Inventur. Das Gesetz geht deshalb nach {{#switch: juris
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Sonstige Besonderheiten
Der Bilanzstichtag ist für eine Vielzahl anderer bilanzieller Entscheidungen maßgebend.
- So hat der BFH zum Problem der so genannten phasengleichen Aktivierung von Dividendenansprüchen entschieden, dass eine Kapitalgesellschaft, „die mehrheitlich an einer anderen Kapitalgesellschaft beteiligt ist, Dividendenansprüche aus einer zum Bilanzstichtag noch nicht beschlossenen Gewinnverwendung grundsätzlich nicht aktivieren“ kann.<ref>BFH-Beschluss vom 7. August 2000, BStBl. II 2000, S. 632.</ref> Tochtergesellschaften müssen demnach über die Gewinnverwendung bis zum Bilanzstichtag ihrer Muttergesellschaft entschieden haben.
- Gleichsam sind aber Ergebnisse von Beteiligungen an Personengesellschaften entsprechend der Spiegelbildtheorie phasengleich zu berücksichtigen.
- Als schwebendes Geschäft ist ein gegenseitiges Vertragsverhältnis zu behandeln, das zum Bilanzstichtag noch auf einen gegenseitigen Leistungsaustausch gerichtet ist. Dies ist regelmäßig der Fall, wenn beide Vertragspartner am Bilanzstichtag mit der Erfüllung ihrer vertraglichen Verpflichtung noch nicht begonnen oder einer oder beide Vertragspartner sie erst teilweise erfüllt haben.<ref>BFH-Urteil vom 18. Dezember 2002 I R 17/02, BFHE 201, 234, BStBl. II 2004, 126, unter II.2.</ref> Für Abgrenzungsfragen ist am Bilanzstichtag zu entscheiden, ob und inwieweit schwebende Geschäfte bilanziell zu erfassen sind.
- Wie der Umstand der (teilweisen) Erfüllung einer Forderung nach dem Bilanzstichtag<ref>BFH-Urteil in BFHE 203, 319, BStBl. II 2003, S. 941.</ref> kann daher der spätere Wegfall eines Risikos aus einem Avalkredit dessen Bilanzwert bereits zum Bilanzstichtag aufhellen.<ref>BFH-Urteil in BFHE 109, 55, BStBl. II 1973, S. 485.</ref> Dabei handelt es sich nicht um einen bloßen „wertbeeinflussenden“ oder „wertbegründenden“ Umstand des nachfolgenden Geschäftsjahres.<ref>BFH-Urteil vom 22. Oktober 1991 in BFH/NV 1992, S. 449.</ref> Für die „aufhellende“ Bewertung der auszuweisenden Bilanzpositionen ist das Ende der Bilanzerstellung und damit der Tag maßgebend, an dem der Abschluss durch das hierfür zuständige Organ unterzeichnet wird.<ref>Paul Kirchhof, Hartmut Söhn, Rudolf Mellinghoff: Einkommensteuergesetz, § 6 Rdnr. A 136.</ref> Die IFRS kennen zwar explizit kein derartiges Stichtagsprinzip, doch ergibt es sich aus zahlreichen Einzelvorschriften.<ref>Wolfgang Amadeus Dietrich Schlaak: Das Stichtagsprinzip im Jahresabschluss nach HGB, IFRS…, 2005, S. 232.</ref>
Einzelnachweise
<references />
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