Zum Inhalt springen

Biesiekierz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Vorlage:Infobox Ort in Polen Biesiekierz (Vorlage:DeS) ist eine Ortschaft in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Sie ist Sitz der nach ihr benannten Gmina Biesiekierz (Gemeinde Biziker) und gehört mit dieser zum Powiat Koszaliński (Kösliner Kreis).

Geographische Lage

Die Ortschaft liegt in Hinterpommern, etwa zwölf Kilometer südwestlich der Stadtgrenze von Koszalin (Köslin).

Geschichte

Datei:Biesiekierz Church 2008-07a.jpg
Dorfkirche (2008), bis 1945 Gotteshaus der evangelischen Gemeinde Biziker
Datei:Biesiekierz Pałac 1 Eleanor.jpg
Schloss Biziker (Aufnahme von 2012)

Die beiden Lehen Bitzicker und Crazig hatten sich im 14. Jahrhundert im Besitz der Familie Kranksporn befunden und wurden von dieser zusammen mit dem Schloss Nassow und einigen anderen Gütern an den Camminer Bischof Philipp Lumbach von Rehberg († 1385) verkauft.<ref name="LWB">Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinter-Pommern. Teil II, Band 2: Beschreibung der zu dem Gerichtsbezirk der Königl. Landescollegien in Cößlin gehörigen Hinterpommerschen Kreise. Stettin 1784, S. 548–549, Absatz 3.</ref><ref name="HB">Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern und des Fürstenthums Rügen. Teil III, Band 1, Anklam 1867, S. 304–305.</ref> 1766 kam das Dorf an die Familie von Kameke; 1861 erbte es Otto Bonaventura von Kameke.<ref name="HB" /> Ende des 19. Jahrhunderts war das Dorf Eigentum der Familie von Kameke, letzter Gutsherr war Ewald Friedrich Graf von Hertzberg, der das um die Jahrhundertwende erbaute Gut bewohnte und eine Brennerei betrieb.<ref>Andrzej Świrko: Pałace, dwory i zamki w dorzeczu Parsęty. POT, 2005, ISBN 83-7263-900-0.</ref>

Bis 1945 bildete Biziker eine Landgemeinde im Landkreis Köslin der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reiches. Zur Gemeinde gehörte auch der Wohnplatz Vorwerk Ernsthof.<ref name="I">Vorlage:Webarchiv</ref>

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte im Frühjahr 1945 die Rote Armee die Region. Nach Beendigung der Kampfhandlungen wurde Biziker zusammen mit ganz Hinterpommern seitens der sowjetischen Besatzungsmacht der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Danach begann die Zuwanderung polnischer Zivilisten. Die Landgemeinde Biziker wurde unter der polonisierten Ortsbezeichnung ‚Biesiekierz‘ verwaltet. In der Folgezeit wurde die einheimische Bevölkerung von der polnischen Administration aus Biziker und dem Kreisgebiet vertrieben.

Heute ist die Ortschaft Sitz der Gmina Biesiekierz im Powiat Koszaliński in der polnischen Woiwodschaft Westpommern (bis 1998 Woiwodschaft Köslin).

Demographie

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1818 365 <ref>Alexander August Mützell: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats. Band 1, Halle 1821, S. 122, Nr. 2817.</ref>
1864 587 am 3. Dezember, Gemeindebezirk und Gutsbezirk zusammen<ref>Preußisches Finanzministerium: Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Köslin (4. Kreis Fürstenthum). Berlin 1867, S. 2, Ziffer 20–21 (Google Books).</ref>
1905 325 im Gutsbezirk, in 41 Haushaltungen<ref name="GW">Vorlage:GOV</ref>
1910 638 am 1. Dezember, davon 342 im Dorf und 296 auf dem Rittergut<ref name="MeyersGaz">Biziker, Landkreis Köslin, in: Meyers Gazetteer (mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Biziker)</ref><ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
1925 634 davon 632 Evangelische und zwei Katholiken<ref name="I" />
1933 600 <ref name="MR">Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref>
1933 575 <ref name="MR" />

Die Ortschaft hat derzeit etwa 970 Einwohner.

Pflanzenzuchtstation

Datei:Biesiekierz (1).jpg
Kartoffel-Monument im Ortszentrum

Ihren Bekanntheitsgrad in neuerer Zeit erlangte die Ortschaft durch die hier gezüchteten Kartoffelsorten. In der Pflanzenzuchtstation des Dorfes wurden in den 1980er/1990er Jahren neun neue Sorten Kartoffeln gezüchtet. Seitdem ist das Symbol des Ortes die Kartoffel, welche sich auch im Wappen der Landgemeinde wiederfindet. Im Ortskern steht zwischen Kapelle, Gemischtwarenladen und ehemaliger Diskothek eine Plastik, die eine überdimensionale Kartoffel darstellt (geschaffen von Wiesław Adamski).

Persönlichkeiten: Söhne und Töchter des Ortes

  • Karl Otto von Kameke (1889–1959), deutscher Ministerialbeamter und Politiker
  • Martin Kalb (1906–1979), deutscher Kommunist und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus

Literatur

  • Biziker, Dorf uns Rittergut, Kreis Köslin, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Biziker (meyersgaz.org).
  • Pommersches Güter-Adressbuch, Friedrich Nagel (Paul Niekammer), Stettin 1892, S. 102–103 (Google Books).
  • Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinter-Pommern. Teil II, Band 2: Beschreibung der zu dem Gerichtsbezirk der Königl. Landescollegien in Cößlin gehörigen Hinterpommerschen Kreise. Stettin 1784, S. 548–549, Absatz 3 (Google Books)
  • Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern und des Fürstenthums Rügen. Teil III, Band 1, Anklam 1867, S. 304–305 (Google Books).
  • Ludwig Böttger: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Regierungs-Bezirks Köslin, Band I, Heft 1: Die Kreise Köslin und Colberg-Körlin, Stettin 1889, S. 10 (Google Books).

Weblinks

Vorlage:Commonscat

Fußnoten

<references />