Biblisch-Archäologisches Institut Wuppertal
| Biblisch-Archäologisches Institut Wuppertal (BAI) | |
|---|---|
| colspan="2" class="notheme" style="text-align:center; background-color:#Vorlage:Standardfarbe;" | Biblisch-Archäologisches Institut Wuppertal (BAI) | |
| Kategorie: | Hochschulinstitut/An-Institut |
| Träger: | |
| Standort der Einrichtung: | Campus Freudenberg, Wuppertal, Deutschland |
| Fächer: | Archäologie, Biblische Archäologie |
| Leitung: | Dieter Vieweger<ref>https://www.bai-wuppertal.de/ueber-uns/das-team/dieter-vieweger/biografie/</ref> |
| Homepage: | www.bai-wuppertal.de |
Das Biblisch-Archäologische Institut Wuppertal (BAI) wurde 1999 von der Evangelischen Kirche im Rheinland gegründet.<ref>Beschluss des Kollegiums des Landeskirchenamtes der Evangelischen Kirche im Rheinland am 21.12.1999; Veröffentlichung des Statuts im Amtsblatt 2/2000 S. 51-52.</ref> Es ist ein Institut der Kirchlichen Hochschule Wuppertal und ein An-Institut der Bergischen Universität Wuppertal mit Promotionsrecht an beiden Hochschulen. Für die notwendige finanzielle Ausstattung des Instituts sorgt ein Freundeskreis (e. V.).
Wissenschaftliche Ziele
Vier wissenschaftliche Schwerpunkte werden seit 1999 verfolgt:
- Ausgrabungsprojekte (besonders im östlichen Mittelmeerraum)
- Anwendung moderner Methoden in der Archäologie – zum Beispiel Geophysik (Geoelektrik mit Tomografie; Geomagnetik; Georadar) und terrestrische Photogrammetrie
- Archäometrie (chemische und mineralogische Keramikuntersuchungen; Nachbrennversuche); Ziel ist es, eine Technikgeschichte der Keramikherstellung im Zielgebiet zu schreiben
- Experimentelle Archäologie (Herstellung von keramischen Repliken in historisch korrekten Verfahren).<ref>https://www.archaeologie-online.de/nachrichten/antike-glasherstellung-auf-dem-tall-ziraa-1753/</ref>
Diverse Projekte
Das Institut hat in den vergangenen Jahren Ausgrabungen und geophysikalische Prospektionen in Italien, Griechenland, Israel und im Haschemitischen Königreich Jordanien durchgeführt.
- Villa Adriana (Italien) 2002–2004
- geophysikalische Prospektion in Olympia (Griechenland) 2001
- Esch-Schallaf (Jordanien) 1998–1999
- Ba'ja I bei Petra (Jordanien) 1999
- Sal (Jordanien) 1999–2000
Archäologische Hauptprojekte
Das Gadara Region Project und der Tall Zirāʿa
Das „Gadara Region Project“ wurde im Jahr 2001 vom Biblisch-Archäologischen Institut Wuppertal initiiert. Es untersucht ca. 25 km² in den Bereichen des Wadi al-'Arab und des Wadi az-Zahar südlich der antiken Dekapolisstadt Gadara bei Umm Qais. Das Projekt wurde über den gesamten Zeitraum von Dieter Vieweger sowie ab 2004 in Kooperation mit den Direktorinnen des DEI Amman geleitet (2004–2011 Jutta Häser, 2011–2016 Frauke Kenkel, 2016–2022 Katharina Schmidt und 2022–2023 Brita Jansen).<ref>Dieter Vieweger, Jutta Häser: Der Tell Zera'a im Wadi el-’Arab. Das „Gadara Region-Project“ in den Jahren 2001 bis 2004. In: Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins. 121, 2005, S. 4–11.</ref> Die Ausgrabungen auf dem Tall Zira'a wurden von 2009 bis 2014 durch einen Umlandsurvey ergänzt (Katja Soennecken und Patrick Leiverkus). Außerdem werden die bodenkundlichen und landwirtschaftlichen Möglichkeiten, Flora und Fauna, Geologie, Hydrologie, Handelsbeziehungen (Straßen, Infrastruktur) und die strategische Bedeutung des Wadi al-ʿArab erkundet.
Zentraler Ort in der untersuchten Region ist der über 5000 Jahre besiedelte Tall Zira'a im Wadi al-'Arab. Im Laufe der Jahrtausende haben sich mehr als 16 m Kulturschutt der übereinander gebauten und wieder zerstörten Städte und Dörfer angehäuft. Von 2001 bis 2026 wurden auf dem Tall Zirāʿa vier Grabungsbereiche geöffnet, die ganz verschiedenen Erkenntniszielen dienen. Während in Areal I die allgemeinen Wohnbereiche und insbesondere dabei die Produktionsstätten der Handwerker des Talls erkundet wurden, standen in Areal II vor allem die administrative Bebauung und in Areal III ein (römisch-)byzantinischer Repräsentationsbau im Mittelpunkt des Interesses. Zu den bereits geöffneten Grabungsbereichen kam 2025 auch die artesische Quelle (Areal IV) hinzu. Zu Tage traten Funde von mehr als 35 Städten, die übereinander geschichtet waren und deren Erforschung einen wichtigen Beitrag zur Geschichte und Archäologie Nordjordaniens geleistet hat.<ref>https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/tall-ziraa</ref>
Methoden
Vielseitige Forschungen sind nötig, um zu möglichst umfassenden Ergebnissen zu kommen. Dazu gehören die bewährten, „klassischen“ Methoden wie der Survey, aber auch das Einbeziehen naturwissenschaftlicher Untersuchungen.
Die Aufnahme der Befunde erfolgte zunächst von einem Ballon (Drohnen sind verboten), dann mit Structure from Motion, um 3D-Aufnahmen zu erzeugen.
Mit Hilfe der Archäometrie wurde untersucht, aus welchen Materialien die auf dem Tall Zirāʿa gefundenen Artefakte bestehen. Im Vordergrund stand dabei die Erforschung der Zusammensetzung von Keramik aus den verschiedenen Epochen, die Auskunft über deren Herstellungsort und den jeweiligen Stand der (Fertigungs-)Technik gibt. Begleitet wurde die Archäometrie von der experimentellen Archäologie, bei der die alten Ofenbautechniken und das Brennen der Keramiken nachgestellt werden.<ref>Dieter Vieweger, Wolfgang Auge, Andreas Hauptmann: Archaeometry in Archaeological Research. 5000 years of pottery technology on Tall Zar‘a. Studies in the History and Archaeology of Jordan X, 2009, S. 245–258.</ref>
Bei der geophysikalischen Erkundung des Tall Zirāʿa wurden das geoelektrische Mapping und die Tomographie mit Bodenradar eingesetzt, um
- archäologische Ausgrabungen im Vorhinein exakt planen und exakte Ausgrabungsstrategien festlegen zu können,
- Erkenntnisse auch über nicht ausgegrabene Bereiche zu gewinnen und
- größere Grabungsflächen für künftige Generationen unzerstört zu erhalten.
Durch die Zeiten – das archäologische Projekt unter der Erlöserkirche von Jerusalem
Die historische Fragestellung
Die Orte des Lebens Jesu und die Frage nach der Echtheit des Heiligen Grabes standen schon im 19. Jh. im Mittelpunkt des Interesses der Jerusalempilger. In den besonderen Fokus geriet damals die Suche nach der „Zweiten Stadtmauer“ Jerusalems aus der Zeit Herodes des Großen (37 bis 4 v. Chr.). Diese hatte der jüdische Schriftsteller Flavius Josephus – der Jerusalem gut kannte – beschrieben. Konnte die in der Anastasis der Grabeskirche gezeigte Grabstätte tatsächlich korrekt sein, wenn die Kirche doch seit ihrem Bestehen innerhalb der ummauerten Stadt lag? Der Kreuzigungs- und Beerdigungsplatz mussten doch nach römischem und jüdischem Brauch außerhalb der Stadt gelegen haben. War möglicherweise das von protestantischen Christen 1867 entdeckte Gartengrab weit mehr geeignet, die biblische Topographie mit den im Neuen Testament beschriebenen Passionsgeschichten zu verbinden? Von den Ausgrabungen im Muristanviertel beim Bau der Erlöserkirche erhoffte man sich dazu neue Erkenntnisse.<ref>Dieter Vieweger: »Durch die Zeiten«. Wird Golgota am richtigen Ort gezeigt? Zwei Jahrtausende Stadtgeschichte unter der Jerusalemer Erlöserkirche. Antike Welt 5, 2012, S. 44–52.</ref>
Die Ausgrabungen von 1883 bis 1974
Als 1893 beim Bau der Erlöserkirche eine große Mauer in Ost-West-Richtung entdeckt wurde, schien die „Zweite Stadtmauer“ gefunden und der Beweis für die Authentizität der heiligen Stätten in der Grabeskirche erbracht. Doch als in den 1960er-Jahren Kathleen Kenyon mit ihren Ausgrabungen im Hof der etwas südlicher gelegenen Martin-Luther-Schule diese Idee widerlegte, stand die Frage erneut im Fokus der Wissenschaft. Während der Restaurierung der Erlöserkirche führte das DEI unter Leitung seiner damaligen Direktorin Ute Wagner-Lux zwischen 1970 und 1974 Grabungen zur Sicherung archäologischer Befunde durch.
Die Ausgrabungen von 2009 bis 2012 und die Etablierung des archäologischen Parks unter der Erlöserkirche
Die archäologischen Untersuchungen wurden 2009 von Dieter Vieweger wieder aufgenommen und führten 2012 zur Einweihung des archäologischen Parks unter der Erlöserkirche, der fortan bis zu 30.0000 Besucher jährlich anzog.<ref>Eröffnung der Grabung unter der Erlöserkirche. „Durch die Zeiten“, Gemeindebrief – Stiftungsjournal 4, 2012, 48-50.</ref> Den Besuchern wird heute in diesem archäologischen Park die Frage nach dem historischen Ort von Golgotha und dem Verlauf der zweiten Mauer eingehend erläutert und auf dem Hintergrund der historischen Entwicklung Jerusalems transparent dargestellt.<ref>Dieter Vieweger unter Mitarbeit von Katja Soennecken, Jennifer Zimni-Gitler, Jürgen Sachs und Thomas Just: Archäologie in Jerusalem. Die Ausgrabungen des Deutschen Evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes zwischen 2009 und 2023, Hans Lietzmann-Vorlesung 22, Berlin 2025, 45-61.</ref>
Die Tiefgrabung widerlegte endgültig die Annahme, die große Mauer unter der Erlöserkirche sei ein Teilstück der „Zweiten Stadtmauer“. Der Tiefschnitt führte vielmehr auf einen Steinbruch, der für den Bau der alttestamentlichen Stadt Jerusalem genutzt wurde. Auch Herodes der Große ließ dort Steine brechen, als er die Stadt vergrößerte. Damals lag der Steinbruch im Nordwesten vor der Stadt, unmittelbar vor der Stadtmauer. Durch den Abbau des Gesteins entstand ein zusätzlicher Trockengraben zum Schutz der Stadtmauer. Der Steinbruch enthielt offenbar auch weiches, für Architektur unbrauchbares Gestein. Das baute man nicht ab, sondern man ließ es einfach stehen: Dadurch entstand der sogenannte Hügel Golgotha. An den Rändern des Steinbruches legte man später Felsengräber an. Als der Steinbruch nach der Regierungszeit Herodes des Großen nicht mehr benötigt wurde, schwemmte mit der Zeit Erde die Gräben und Löcher zu, es entstanden Gärten. Unter der Erlöserkirche entdeckte man drei Erdschichten mit Spuren landwirtschaftlicher Nutzung. Dabei wurde auch eine Gartenmauer gefunden.<ref>www.durch-die-zeiten.info</ref>
Das heutige Gelände der Grabes- und der Erlöserkirche lag also zu Jesu Lebzeiten außerhalb der Stadt. Der Leidensweg von Jesus – die Via Dolorosa – führte folglich auch nicht über die heute gezeigte Strecke. Jesus wurde höchstwahrscheinlich im ehemaligen Herodes-Palast – in dem auch Pontius Pilatus an hohen jüdischen Feiertagen residierte – verurteilt. Danach wurde er durch das Gartentor bis zum Golgotahügel geführt.
Die von Flavius Josephus beschriebene „Zweite Stadtmauer“ aus der Zeit Herodes d. Gr.
Die „Zweite Stadtmauer“ gibt bis heute Rätsel auf, da man noch keine Reste dieser Mauer finden konnte. Aus den Befunden des DEI und anderer Grabungen ergibt sich, dass sie sich östlich des „Muristan“ nach Norden gezogen haben muss. Über ihren weiteren Verlauf konnten nur geophysikalische Untersuchungen Auskunft geben. Zwischen 2015 und 2019 wurden von der TU Ilmenau (Jürgen Sachs) und vom DEI (Dieter Vieweger) Bodenradar-Untersuchungen in der Altstadt von Jerusalem durchgeführt. Aufgrund der schwierigen messtechnischen Ausgangssituation musste eigens dafür ein geeignetes neues Konzept für ein Bodenradar entworfen und umgesetzt werden.<ref>Dieter Vieweger, Jürgen Sachs, Thomas Just: Geophysikalische Erkundung der Lage und des Verlaufs der herodianischen Stadtmauer unter dem heutigen christlichen Viertel der Altstadt von Jerusalem. Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins 139, 2023, 64-76, Taf. 6–8.</ref>
Die Lage der herodianischen Stadtmauer aus dem Jahr 21 v. Chr. muss im Einklang mit den historischen Höhenlinien interpoliert werden. Nimmt man die sich aus den Radargrammen ergebenden Basispunkte für den Verlauf der Stadtmauer als Ausgangspunkte, dann ergibt sich gemäß der lokalen Höhenlinien eine mögliche Mauerführung vom Genath-Tor unterhalb des späteren Cardos, südlich des heutigen Österreichischen Instituts abknickend in Richtung der Nordwestecke der Ummauerung des herodianischen Tempelberges. Ausgeschlossen wird daher der alternativ diskutierte weit nach Norden gezogene Bogen der Stadtbefestigung, dessen Nordweststrecke fast bis zum Damaskustor reichen würde.<ref>Dieter Vieweger unter Mitarbeit von Katja Soennecken, Jennifer Zimni-Gitler, Jürgen Sachs und Thomas Just: Archäologie in Jerusalem. Die Ausgrabungen des Deutschen Evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes zwischen 2009 und 2023. Hans Lietzmann-Vorlesung 22, Berlin 2025, S. 62–74.</ref><ref>Dieter Vieweger, Jürgen Sachs, Patrick Leiverkus, Katja Soennecken: Geophysikalische Erkundung der Lage und des Verlaufs der herodianischen Stadtmauer. Gemeindebrief – Stiftungsjournal 4, 2021, 23–25.</ref>
Die Ausgrabungen auf dem Zionsberg von Jerusalem (2015–2026)
Frühe Forschungen
Die archäologische Forschung auf dem südlichen Abhang des Zionsberges begann im 19. Jahrhundert mit Charles Warren und Charles W. Wilson. Nach ihnen erkundete Henry Maudsley in den Jahren 1872 bis 1874 den Felsvorsprung entlang des südwestlichen Hügels. Seine Untersuchungen umfassten auch das Gelände der ehemaligen Gobat-Schule. Dabei kam er zu dem zutreffenden Schluss, dass der bearbeitete Abschnitt des Felsvorsprungs entlang des Geländes der Gobat-Schule und des anglikanisch-preußischen Friedhofs das Fundament einer historischen Stadtbefestigung Jerusalems gewesen sein musste. Bald entdeckten hier Frederick Bliss und Archibald Dickie das Essener-Tor und die Stadtmauern der frührömischen (herodianischen?) sowie byzantinischen Epoche mit einer Turmanlage. Dies zog später auch den Benediktinerpater Bargil Pixner an.<ref>Dieter Vieweger; Michael Würz (ed.), Der protestantische Zionsfriedhof in Jerusalem. Geschichte und Archäologie, Jerusalem 2018.</ref>
Ausgrabungen des BAI und DEI auf dem Zionsberg
Im Jahr 2015 begann das BAI/DEI unter Leitung von Dieter Vieweger damit, das alte Grabungsgelände von Frederick Bliss und Archibald Dickie wieder freizulegen. Das Tor mit seinen drei übereinander liegenden Schwellen, Teile der dazugehörigen Mauern sowie der sich westlich anschließende Turm mit seiner konstruktiven Abfolge von Bauschichten wurden wieder sichtbar. Diese wurden neu vermessen und entsprechend den vorliegenden Baubefunden interpretiert, um zwischen 2016 und 2020 das sich anschließende antike Stadtgebiet zu erforschen, das durch das südwestliche Stadttor Jerusalems betreten werden konnte.<ref>Dieter Vieweger unter Mitarbeit von Katja Soennecken, Jennifer Zimni-Gitler, Jürgen Sachs und Thomas Just: Archäologie in Jerusalem. Die Ausgrabungen des Deutschen Evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes zwischen 2009 und 2023, Hans Lietzmann-Vorlesung 22, Berlin 2025, 1-44.</ref>
Dem DEI wurde vom griechisch-orthodoxen Patriarchat die besondere Ehre zuteil, auch auf dessen Eigentum archäologische Forschungen unternehmen zu dürfen. Dazu gehören die Areale II und VI im „Griechischen Garten“ und die Freiflächen des griechisch-orthodoxen Friedhofs (Areal VIII). Außerdem grub das DEI in den Jahren 2021 und 2022 im Bereich des unteren (Areal IV) und des oberen Klostergartens der Dormitio-Abtei (Areal V). Vom Patriarchat der Melkitischen Griechisch-Katholischen Kirche erhielt das DEI 2025 einen Grabungsbereich am Westabbruch zum Hinnomtal zur Erkundung der dortigen Stadtmauern (Areal VII). Die Grabungen in den Jahren 2022–2024 wurden in Kooperation mit dem IAA durchgeführt.
Der Verlauf der alttestamentlichen Stadtmauer und die Geschichte des Zionsberges
Schon seit Beginn der archäologischen Forschung in Jerusalem wurde die Frage nach dem Verlauf der eisenzeitlichen Mauer heftig diskutiert. Unter König Hiskia im 8. Jh. v. Chr. flohen viele Bewohner des ehemaligen Nordreichs nach Süden und siedelten sich in Jerusalem an, wodurch die Stadtbevölkerung deutlich anwuchs. Dies machte sowohl den Ausbau des Wassersystems (Hiskija-Tunnel) als auch eine Erweiterung des Stadtgebietes nach Westen nötig. Doch kamen bisher eindeutige archäologische Zeugnisse dieser Mauer aus dem 8. Jh. v. Chr. nur in der Davidsstadt/Silwān, in der Davidszitadelle und der Kishle (einem ehemaligen osmanischen Militärkomplex und Gefängnis) sowie im jüdischen Viertel ans Licht.
Ihr südlicher Verlauf war bisher archäologisch nicht fassbar. Auch das DEI konnte in all seinen Arealen auf dem Zionsberg trotz zielgerichteter archäologischer und geophysikalischer Suche keine Belege der alttestamentlichen Zeit nachweisen – weder von simplen Installationen, noch von Wohnhäusern oder gar von Stadtmauern. Alle nachgewiesenen Stadtmauern stammen aus der hellenistischen, frührömischen oder byzantinisch-umayyadischen Epoche.<ref>Dieter Vieweger, Jennifer Zimni-Gitler, Katja Soennecken: The City Walls around Jerusalem Through the Ages. New Evidence from Mount Zion. In: Scott D. Haddow, Camilla Mazzucato, Ingolf Thuesen (ed.): Proceedings of the 13th International Congress on the Archaeology of the Ancient Near East 22-26 May 2023. Copenhagen, Harrassowitz 2025, S. 415–427.</ref> Unumstritten ist jedoch, dass die alttestamentliche Stadt des 8./7. Jh. v. Chr. unter König Hiskia ummauert war. Sie kann allerdings den Südwesten des Zionsberges nicht eingeschlossen haben – das haben die Forschungen des DEI belegt.
Weitere Forschungen auf dem Zionsberg
Aus der Zeit der X. Legion Fretensis wurde ein Fragment einer Ehrenstatue für eine Person im senatorischen Rang aus dem zweiten Jahrhundert n. Chr. aufgefunden.
In der Spätantike und durch die umayyadische Epoche erlebte der Berg Zion eine Blütezeit. Die christlichen Wallfahrten florierten, was die Pilgerberichte bezeugen. Unzählige Kirchen und Klöster wurden in und um Jerusalem errichtet. Dazu gehörte auch die berühmte Kirche Hagia Sion auf dem Plateau des Berges Zion, von der das DEI auch erstmals die Westausdehnung – den Narthex der Kirche erkundete. Die Grabungen des DEI konnten 2023 nicht nur einen Teil des prachtvollen spätantiken Gebäudes freilegen, sondern auch die mittelalterliche Ummauerung der Hagia Sion der Kreuzfahrerzeit.<ref>Dieter Vieweger, Jennifer Zimni: DEI Excavations on the Southwestern Slope of Mount Zion. In: Felix Hagemeyer (ed.): Jerusalem and the Coastal Plain in the Iron Age and Persian Periods. New Studies on Jerusalem's Relations with the Southern Coastal Plain of Israel/Palestine (c. 1200-300 BCE). Research on Israel and Aram in Biblical Times IV (Orientalische Religionen in der Antike 46), Tübingen 2022, 115-144.</ref>
Die Ausgrabungen bezeugen zudem schwere Zerstörungen auf dem Zionsberg durch die Truppen des Kaisers Phokas, der durch seinen Feldherrn Bonosos das rebellierende Jerusalem (nach 602 n. Chr.) unterjochte, sowie durch Chosrau II. während der sassanidischen Eroberung Jerusalems 614 n. Chr.
Das Ende der Besiedlung wurde durch die verheerenden Erdbeben zwischen 747 und 749 n. Chr. eingeläutet. Nach diesen wurden inmitten des ehemaligen Wohngebietes Kalköfen errichtet. Die bewohnte Stadt wich danach unmittelbar – auf etwa die Höhe der heutigen Südmauer der Altstadt zurück.
Direktor
Zum Direktor des Biblisch-Archäologischen Instituts wurde 1999 Dieter Vieweger ernannt. Seit November 2005 ist er zugleich Direktor des Deutschen Evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes (DEI) in Jerusalem und Amman. Er wurde 2024 emeritiert und wird das Institut bis Dezember 2026 führen.<ref>Wuppertal verabschiedet Professor Vieweger. Wuppertaler Rundschau vom 1. Juli 2024</ref>
Standort
Der Einzug des BAI in die Räume der Bergischen Universität auf dem Campus Freudenberg wurde am 13. Juni 2003 feierlich im Beisein des Rektors der Universität, des Rektors der Kirchlichen Hochschule und von Oberkirchenrat jürgen Dembeck (Evangelische Kirche im Rheinland) begangen. Bei der Festveranstaltung mit 350 Gästen im Audimax des Hörsaalzentrums der Universität wurden die Festvorträge von Ricardo Eichmann (Deutsches Archäologisches Institut, Berlin) und Günther Schauerte (Stellv. Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin) gehalten.
Das BAI auf dem Campus Freudenberg der Bergischen Universität Wuppertal erreicht man u. a. von der A 1 und A 46 via L 418 oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln vom Hauptbahnhof Wuppertal mit dem Nahverkehrsbus „E“. Das Institut befindet sich in der dritten Etage des Gebäudes FD.
Weiterführung
Angesichts der Schließung der Kirchlichen Hochschule Wuppertal durch die Evangelische Kirche im Rheinland muss auch das BAI Wuppertal seine Arbeit formal einstellen. Doch wird seine Arbeit ab Januar 2027 bruchlos an der Luxembourg School of Religion & Society durch Katja Soennecken in einem dort eigens gegründeten Bereich „Archaeology & Society“ weitergeführt. Die Sammlungen des BAI gingen in eine „BAI-Stiftung“ der Brennscheidt-Stiftung ein und können von dort für öffentliche Ausstellungen und zur Lehre an Universitäten ausgeliehen werden. Der Freundeskreis des BAI wird auch an der Seite des neuen Forschungsbereiches stehen.
Weblinks
Einzelnachweise
<references responsive />
Koordinaten: 51° 14′ 24″ N, 7° 9′ 52″ O
{{#coordinates:51,24|7,1644444444444|primary
|dim=
|globe=
|name=
|region=DE-NW
|type=landmark
}}