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Bethlehemskirche (Berlin-Mitte)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:M Bethlehemskirche Berlin 1910.jpg
Bethlehemskirche, von Süden, 1910

Die Bethlehemskirche (auch: Böhmische Kirche) war eine lutherische und reformierte Simultankirche in der Friedrichstadt im Berliner Bezirk Mitte. Die 1737 fertiggestellte Kirche wurde für böhmische protestantische Exulanten erbaut. Diese bildeten ab 1747 drei getrennte Kirchengemeinden, von denen zwei gemeinsam Eigentümerinnen der Kirche waren. Die Bethlehemskirche wurde im Zweiten Weltkrieg 1943 bei einem alliierten Luftangriff schwer beschädigt und später abgerissen.

Bau

Das Kirchengebäude wurde 1735 bis 1737 nach Plänen und unter Leitung von Friedrich Wilhelm Diterichs durch Maurermeister Christian August Naumann und Zimmermeister Johann Andreas Büring erbaut.<ref name="Kühne Stephani 1986 376">Günther Kühne, Elisabeth Stephani: Evangelische Kirchen in Berlin. 2. Auflage. CZV-Verlag, Berlin 1986, ISBN 3-7674-0158-4, S. 376.</ref> Sie wurde am 12. Mai 1737 eingeweiht.<ref name="Kühne Stephani 1986 376" /> Bei der Bethlehemskirche handelte es sich um eine Rundkirche mit 15,70 Metern Durchmesser<ref name="Kühne Stephani 1986 376" /> und 36,40 Metern Höhe.<ref name="Boeckh 1986 99">Jürgen Boeckh: Alt-Berliner Stadtkirchen. 2 Bände. Haude & Spener, Berlin 1986, (= Berlinische Reminiszenzen; Band 57–58), Band 2: Von der Dorotheenstädtischen Kirche bis zur St.-Hedwigs-Kathedrale, S. 99. ISBN 3-7759-0289-9.</ref><ref name="KiBeBr">Evangelisch-reformierte Bethlehemsgemeinde. Das frühere Kirchengebäude, abgerufen am 6. September 2022.</ref>

Der Bau bot Sitzgelegenheiten für 600 Kirchgänger.<ref>Rolf-Herbert Krüger: Friedrich Wilhelm Diterichs: Architekt, Ingenieur und Baubeamter im Preussen des 18. Jahrhunderts. Potsdamer Verl.-Buchh., Potsdam 1994, ISBN 3-910196-11-X, S. 129.</ref> Die steile Holzkuppel hatte rundum acht Gauben mit Fenstern, je vier oberhalb der Kreuzarme mit Uhren und vier niedrigere zwischen den Kreuzarmen.<ref name="Kühne Stephani 1986 376" /> Die Kuppel bekrönte eine Laterne.<ref name="Kühne Stephani 1986 376" />

Datei:Schleuen - Luthersich-Reformierte Böhmische Kirche 1757.jpg
Kirche mit Giebel am Westarm und Walmdach am Südarm
Kupferstich von Johann David Schleuen, 1757

Der westliche Kreuzarm wurde durch Pilaster und Giebel als Hauptfront hervorgehoben.<ref name="Kühne Stephani 1986 376" /> Die anderen Kreuzarme hatten Walmdächer.<ref name="Kühne Stephani 1986 376" /> Die Kirche hatte zudem Zugänge im Süden und Norden. Der östliche Kreuzarm war anders als die übrigen drei halbkreisförmig und barg die Altarnische.<ref name="Kühne Stephani 1986 376" /> Der Kirchenbau ist typisch für die damalige Zeit und war gewissermaßen eine verkleinerte Ausgabe der zeitgleich in unmittelbarer Nähe ebenfalls in der Mauerstraße gebauten Dreifaltigkeitskirche. Die beiden Kirchenglocken wurden auf Kosten des Königshauses gegossen. Dafür wurde eine in den 1730er Jahren geborgene Glocke des Stiftsklosters Gottes Gnade bei Calbe eingeschmolzen, welches seit dem Dreißigjährigen Krieg eine Ruine war.<ref name="Boeckh 1986 100">Jürgen Boeckh: Alt-Berliner Stadtkirchen. 2 Bände. Haude & Spener, Berlin 1986, (= Berlinische Reminiszenzen; Band 57–58), Band 2: Von der Dorotheenstädtischen Kirche bis zur St.-Hedwigs-Kathedrale S. 100. ISBN 3-7759-0289-9.</ref>

Im Jahr 1753 erhielt die Kirche eine von Johann Peter Migendt geschaffene kleine Orgel<ref name="KiBeBr" /> mit einem Manual, acht Registern und ohne Pedal. 1854 wurde sie ersetzt durch eine neue Orgel von Hermann Teschner mit zwei Manualen, Pedal und 17 Registern.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Gehäuse und Werk der alten Orgel wurden jedoch aufbewahrt. Während der Kirchenrenovierung 1912 wurden die Orgelteile wiederentdeckt. Die Firma W. Sauer stellte 1913 in das restaurierte Gehäuse der Migendt-Orgel ein neues, zweimanualiges Werk mit 22 Registern.<ref>Berthold Schwarz & Uwe Pape: 500 Jahre Orgeln in Berliner Evangelischen Kirchen. Pape Verlag, Berlin 1991, Bd. I, S. 109, 121.</ref>

Der lutherische Prediger Gustav Knak ließ in der Kuppel Bildnisse der vier Evangelisten anbringen, was die reformierte Gemeinde als Verletzung des Bilderverbots kritisierte.<ref name="Boeckh 1986 104">Jürgen Boeckh: Alt-Berliner Stadtkirchen. 2 Bände. Haude & Spener, Berlin 1986, (= Berlinische Reminiszenzen; Band 57–58), Band 2: Von der Dorotheenstädtischen Kirche bis zur St.-Hedwigs-Kathedrale, S. 104. ISBN 3-7759-0289-9.</ref> Bei der Renovierung 1883 wurden im Chor Buntglasfenster mit Darstellungen der Anbetung der Hirten an der Krippe zu Bethlehem und der Anbetung der Weisen aus dem Morgenlande eingebaut.<ref name="Boeckh 1986 104" /> Die Glasfenster schuf der Glasmaler Otto Linnemann.

Geschichte

Der Name des Kirchengebäudes geht auf die Bethlehemskapelle in Prag zurück,<ref name="Kühne Stephani 1986 376" /> die als Predigtstätte Johannes Hus’ für die Böhmischen Brüder eine wichtige Rolle spielt. Die böhmischen Exulanten in Berlin bezogen sich in ihren protestantischen Traditionen auf die Brüder. Die Bethlehemskirche wurde für die böhmischen Exulanten errichtet, die ab 1732 unter König Friedrich Wilhelm I. aufgenommen wurden.<ref name="Kühne Stephani 1986 376" /> Dabei handelte es sich überwiegend um Weber und Spinner, die in der Erweiterung der Berliner Friedrichstadt siedelten.<ref name="Boeckh 1986 97">Jürgen Boeckh, Alt-Berliner Stadtkirchen: 2 Bände, Berlin: Haude & Spener, 1986, (= Berlinische Reminiszenzen; Band 57–58), Band 2: Von der Dorotheenstädtischen Kirche bis zur St.-Hedwigs-Kathedrale, S. 97. ISBN 3-7759-0289-9.</ref> Ihre religiöse Zugehörigkeit unterschied sich geringfügig in evangelisch-lutherisch-böhmische und evangelisch-reformierte böhmische Gemeinde, die allerdings das gleiche Kirchengebäude nutzten.<ref name="Tageb1902">Kirchenzettel: alle im Jahr 1902 in Berlin vorhandenen Kirchen, Berliner Tageblatt, 7. November 1902.</ref>

Datei:Franz-Skarbina-9.jpg
Böhmische Kirche am Heiligen Abend
Gemälde von Franz Skarbina, um 1903

Predigtsprache war zunächst Tschechisch, die ersten drei lutherischen Prediger waren alle böhmischer Abkunft.<ref name="Boeckh 1986 102">Jürgen Boeckh, Alt-Berliner Stadtkirchen: 2 Bände, Berlin: Haude & Spener, 1986, (= Berlinische Reminiszenzen; Band 57–58), Band 2: Von der Dorotheenstädtischen Kirche bis zur St.-Hedwigs-Kathedrale, S. 102. ISBN 3-7759-0289-9.</ref> Erste Predigten auf Deutsch wurden ab 1750 jeweils morgens gehalten.<ref name="Boeckh 1986 102" /> Der dritte lutherische Prediger Andreas Macher missfiel vielen eher reformiert orientierten Gemeindegliedern, sodass diese im Juni 1746 beim König darum einkamen – wie bei Aufnahme königlich zugesichert – ihre Prediger selbst benennen zu dürfen.<ref name="Hollweg 1987 150">Astrid Hollweg: Die evangelisch-reformierte Bethlehemsgemeinde, in: Monika Bönisch mit Caspar Struckmann, Dem Kelch zuliebe Exulant: 250 Jahre Böhmisches Dorf in Berlin-Neukölln, Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung des Bezirkes Neukölln zur 750-Jahr-Feier Berlins, Galerie im Körnerpark, Bezirksamt Neukölln von Berlin / Abteilung Volksbildung (Hrsg.), Berlin: Hentrich, 1987, (= Stätten der Geschichte Berlins; Band 19), S. 149–193, hier S. 150. ISBN 3-926175-10-9.</ref> Friedrich II. bestätigte diese Zusicherung seines Vaters im Januar 1747.<ref name="Hollweg 1987 150" /> Nach einer amtlichen Befragung unter den Mitgliedern (Familienvorständen) im März 1747 spalteten sich die Exulanten in drei Kirchengemeinden, eine der Herrnhuter Brüdergemeine, eine böhmisch-lutherische und eine böhmisch-reformierte.<ref name="Hollweg 1987 150" />

Friedrich II. ordnete daraufhin an, dass die beiden letzteren die Bethlehemskirche und das Gemeindehaus in der Wilhelmstraße 29 fortan gemeinsam nutzen und besitzen.<ref name="Hollweg 1987 150" /> Die böhmischen Anhänger der Brüdergemeine richteten 1751 einen eigenen Betsaal in einem Haus in der Wilhelmstraße 136 ein (später zu Kreuzberg).<ref name="Boeckh 1986 102" /> 1857 erbauten sie einen neuen Kirchsaal im Hof der Nr. 138,<ref name="Boeckh 1986 102" /> der 1944 zerstört, aber 1948 durch eine Notkirche an gleicher Stelle ersetzt wurde.

Die evangelisch-reformierte böhmische Gemeinde unterstand zunächst dem Reformierten Kirchendirektorium Preußen (1713–1808), die lutherische dem Lutherischen Oberkonsistorium Preußen (1750–1808). Nach Auflösung beider Kirchenverwaltungen 1808 und Übernahme der Kirchensachen durch die neue Kultusabteilung im Preußischen Innenministerium folgte 1817 die Gründung der unierten Evangelischen Kirche in den Königlich-Preußischen Landen, der sich beide Gemeinden der Bethlehemskirche anschlossen.

Der reformierte Prediger Benjamin David Elsner hatte 1829 seine Pflichten dem lutherischen Prediger Johannes Evangelista Goßner übertragen.<ref name="Boeckh 1986 105">Jürgen Boeckh: Alt-Berliner Stadtkirchen. 2 Bände. Haude & Spener, Berlin 1986, (= Berlinische Reminiszenzen; Band 57–58), Band 2: Von der Dorotheenstädtischen Kirche bis zur St.-Hedwigs-Kathedrale, S. 105. ISBN 3-7759-0289-9.</ref> Dies stieß auf Widerspruch des böhmisch-reformierten Presbyteriums, das sich auf die Zusicherung Friedrich Wilhelms I. berief.<ref name="Hollweg 1987 151">Astrid Hollweg: Die evangelisch-reformierte Bethlehemsgemeinde. In: Monika Bönisch mit Caspar Struckmann: Dem Kelch zuliebe Exulant: 250 Jahre Böhmisches Dorf in Berlin-Neukölln. Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung des Bezirkes Neukölln zur 750-Jahr-Feier Berlins, Galerie im Körnerpark, Bezirksamt Neukölln von Berlin / Abteilung Volksbildung (Hrsg.). Hentrich, Berlin 1987, ISBN 3-926175-10-9, S. 149–193, hier S. 151 (= Stätten der Geschichte Berlins; Band 19).</ref> Nach Elsners Tod 1831 bestritt das Königliche Konsistorium Brandenburgs zu Berlin der reformierten Gemeinde die Neubesetzung ihrer Predigerstelle in eigener Regie.<ref name="Hollweg 1987 151" /> Der Protest der Presbyter wurde mit Arrest der Unterzeichneten geahndet.<ref name="Hollweg 1987 151" /> Hintergrund war auch der Versuch, die reformierte Gemeinde zur Union mit der lutherischen Gemeinde zu drängen.<ref name="Hollweg 1987 151" /> Gustav Knak berichtete, dass alle Unionsversuche am Ende nicht fruchteten.<ref name="Boeckh 1986 105" /> Beide Gemeinden bewahrten ihre konfessionelle Eigenständigkeit als zwei Personalgemeinden, zuletzt in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, die lutherische, reformierte und unierte Kirchengemeinden umfasst.

Beide Kirchengemeinden unterhielten gemeinsam den Böhmischen Friedhof vor dem Halleschen Tor. Die böhmisch-reformierte Gemeinde unterhält seit 1751 eine zweite Predigtstätte in Böhmisch-Rixdorf in der Richardstraße 97, die 1835 durch einen Neubau an gleicher Stelle ersetzt wurde.<ref name="Hollweg 1987 150" /> Dort ist die böhmisch-reformierte Gemeinde auch am Böhmischen Gottesacker Rixdorf beteiligt. Die böhmischen Lutheraner in Rixdorf bildeten dagegen eine eigene Kirchengemeinde und erwarben 1884 die alte Dorfkirche Rixdorf, die seit 1912 ebenfalls den Namen Bethlehemskirche trägt.

Von 1935 bis 1945 amtierte Pastor Walter Nordmann an der Bethlehemskirche für die reformierte Gemeinde, die sich nach 1933 der altpreußischen Bekennenden Kirche angeschlossen hatte.<ref>Monika Bönisch mit Caspar Struckmann: Dem Kelch zuliebe Exulant: 250 Jahre Böhmisches Dorf in Berlin-Neukölln, Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung des Bezirkes Neukölln zur 750-Jahr-Feier Berlins, Galerie im Körnerpark, Bezirksamt Neukölln von Berlin / Abteilung Volksbildung (Hrsg.), Berlin: Hentrich, 1987, (= Stätten der Geschichte Berlins; Band 19), S. 127. ISBN 3-926175-10-9.</ref> Die reformierte Gemeinde nahm die niederländische reformierte Gemeinde Berlins, zu der im Kriege viele niederländische Zwangsarbeiter stießen, auf und half bei deren Betreuung.<ref name="Hollweg 1987 152">Astrid Hollweg: Die evangelisch-reformierte Bethlehemsgemeinde. In: Monika Bönisch mit Caspar Struckmann: Dem Kelch zuliebe Exulant: 250 Jahre Böhmisches Dorf in Berlin-Neukölln. Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung des Bezirkes Neukölln zur 750-Jahr-Feier Berlins, Galerie im Körnerpark, Bezirksamt Neukölln von Berlin / Abteilung Volksbildung (Hrsg.). Hentrich, Berlin 1987, ISBN 3-926175-10-9, S. 149–193, hier S. 152 (= Stätten der Geschichte Berlins; Band 19).</ref>

Otto Schulz (1875–1950), Pfarrer der lutherischen Gemeinde und in der Bethlehemskirche am Richardplatz, gehörte Mitte der 1930er Jahre der Bekennenden Kirche in Neukölln an. Als der Pfarrernotbund im Januar 1934 gegen den „Maulkorberlass“ des Reichsbischofs protestierte, war es in Neukölln nur Otto Schulz, der dafür seine Unterschrift gab.<ref>Bekenntnisgemeinden in Neukölln In: Berlin Widerstand 1933–1945 Neukölln auf den Seiten 218–219 (PDF)</ref> Ob sich Pfarrer Schulz ähnlich wie Pfarrer Nordmann gegen die von den Nationalsozialisten propagierte Ausgrenzung und Abwertung von Minderheiten zur Wehr setzte und Gemeindemitglieder unterstützte, die jüdischer Herkunft waren, ist bisher nicht erforscht.<ref>Mut zur Distanz 1935–1945 In: Auszug und Ankunft Der Weg der Evangelisch-reformierten Bethlehemsgemeinde durch drei Jahrhunderte auf Seite 14 (PDF)</ref> Belegbar aber ist, dass im Pfarr- und Gemeindehaus der lutherischen Gemeinde (wo auch Schulz wohnte) der Küster Gerhard Mieth zusammen mit seiner halbjüdischen Frau Helene Mieth geborene Schlesinger und ihren drei Kindern die Verfolgung überlebte. Und die Familie der jüdischen Antifaschistin und Widerstandskämpferin Eva Mamlok wohnte dort von ca. 1916 bis zur Deportation ihrer Mutter Martha Mamlok und Tante Rosa Peiser am 19. Oktober 1942 in einer Wohnung als Mieterin, obwohl der Gemeinde mit dem Gesetz über Mietverhältnisse mit Juden seit dem 30. April 1939 eine Kündigung möglich gewesen wäre.

Am 24. November 1943 wurde die Bethlehemskirche bei einem alliierten Luftangriff bis auf die Umfassungsmauern zerstört.<ref name="Hollweg 1987 152" /> Die Kirche wurde 1954, nach anderen Angaben 1963, gesprengt.<ref name="Kühne Stephani 1986 376" /><ref>Thorsten Altena: „Ein Häuflein Christen mitten in der Heidenwelt des dunklen Erdteils“: zum Selbst- und Fremdverständnis protestantischer Missionare im kolonialen Afrika 1884–1918. Waxmann, Münster 2003, ISBN 3-8309-1199-8, S. 225 (= Internationale Hochschulschriften; Band 395).</ref><ref name="Hollweg 1987 152" /> Auch das 1891 errichtete Pfarr- und Gemeindehaus der böhmisch-reformierten Gemeinde in der Yorckstraße 4 wurde im Krieg zerstört, während der Betsaal in der Richardstraße 1943 beschädigt wurde.<ref name="Hollweg 1987 153" /> Das Pfarr- und Gemeindehaus der böhmisch-lutherischen Gemeinde befand sich in der Neuenburger Straße 3 und wurde nach einem Bericht des Kirchendieners August Brauer 1944 durch eine Brandbombe zerstört.<ref>Ansichtskarte Neuenburger Straße 3 „Pfarrhaus der ev. luth. Bethlehems-Gemeinde“. Sammlung Peter Plewka. In: FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum</ref> Die Ruine wurde in den 1960er Jahren entrümmert und abgeräumt.

Die nach dem Mauerbau in Ost-Berlin lebenden Glieder der Brüdergemeine nutzten Räume in der Kalkscheunenstraße, die dortigen Mitglieder der böhmisch-reformierten Gemeinde schlossen sich der Köpenicker Schlosskirchengemeinde an.<ref name="Hollweg 1987 152" /> In West-Berlin fusionierten die beiden böhmisch-lutherischen Gemeinden, während die böhmisch-reformierte ihren Betsaal in der Richardstraße bis April 1950 wiederherstellte und bis heute nutzt.<ref name="Hollweg 1987 153" /> Auch die Brüdergemeinen in Kreuzberg und Neukölln fusionierten nach 1960 und errichteten 1961 bis 1962 einen neuen Betsaal in Rixdorf.<ref name="Schönleber 1987 145">Albert Schönleber: Evangelische Brüdergemeine. In: Monika Bönisch mit Caspar Struckmann: Dem Kelch zuliebe Exulant: 250 Jahre Böhmisches Dorf in Berlin-Neukölln, Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung des Bezirkes Neukölln zur 750-Jahr-Feier Berlins, Galerie im Körnerpark, Bezirksamt Neukölln von Berlin / Abteilung Volksbildung (Hrsg.). Hentrich, Berlin 1987, ISBN 3-926175-10-9, S. 144–145, hier S. 145 (= Stätten der Geschichte Berlins; Band 19).</ref> So verlagerte sich das Gemeindeleben aller drei Gemeinden nach Rixdorf (Berlin-Neukölln). Die böhmisch-lutherische Gemeinde Rixdorf ist 2005 mit drei benachbarten lutherischen Gemeinden zur Evangelischen Kirchengemeinde Rixdorf verschmolzen.

Vermächtnis

Datei:Rosenberg, Johann Georg-Mauerstraße mit Böhmischer Kirche (Betlehemskirche).jpg
Mauerstraße um 1776, im Hintergrund die Kirche
Stich von J. G. Rosenberg

Neben den Friedhöfen und Archivalien entging die große der beiden Glocken der Zerstörung.<ref name="KiBeBr" /> Sie wurde nach Neukölln, dem ehemaligen Böhmisch-Rixdorf, gebracht, wo sie sich heute im Betsaal der evangelisch-reformierten Bethlehemsgemeinde (böhmisch wurde 1937 durch evangelisch ersetzt)<ref name="Boeckh 1986 105" /> im alten Schul- und Bethaus (Richardstraße 97) befindet.<ref name="Hollweg 1987 153">Astrid Hollweg: Die evangelisch-reformierte Bethlehemsgemeinde. In: Monika Bönisch mit Caspar Struckmann: Dem Kelch zuliebe Exulant: 250 Jahre Böhmisches Dorf in Berlin-Neukölln. Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung des Bezirkes Neukölln zur 750-Jahr-Feier Berlins, Galerie im Körnerpark, Bezirksamt Neukölln von Berlin / Abteilung Volksbildung (Hrsg.). Hentrich, Berlin 1987, ISBN 3-926175-10-9, ISBN 3-926175-10-9, S. 149–153, hier S. 153 (= Stätten der Geschichte Berlins; Band 19).</ref>

Die Bethlehemskirche stand an der Einmündung der Krausenstraße in die Mauerstraße, ein Platz der im 18. Jahrhundert Hammelmarkt hieß.<ref>Rolf-Herbert Krüger: Friedrich Wilhelm Diterichs: Architekt, Ingenieur und Baubeamter im Preussen des 18. Jahrhunderts. Potsdamer Verl.-Buchh., Potsdam 1994, ISBN 3-910196-11-X, S. 41 f und 125 f.</ref> 1999 wurde die bis dahin offiziell namenlose Kreuzung in Erinnerung an die Bethlehemskirche in Bethlehemkirchplatz (ohne s!) umbenannt. Am ehemaligen Standort auf dem Bethlehemkirchplatz ist der Grundriss der Kirche im Straßenpflaster durch andersfarbige Steine angezeigt und daneben erinnert die Skulptur Houseball von Claes Oldenburg und Coosje van Bruggen an die Kirche und ihre Gemeindeglieder. Sie symbolisiert ein Bündel Hausrat. Es war eben nicht viel, was die Flüchtlinge aus Böhmen mitnehmen konnten.

Im Jahr 2012 schuf der spanische Konzeptkünstler Juan Garaizabal im Rahmen seines internationalen Projektes Memorias Urbanas (Stadterinnerungen) mit der Stahlskulptur Memoria Urbana Berlin eine Nachbildung der Kirche im maßstabstreuen metallenen Umriss als Lichtinstallation. Der Standort der Stahlkonstruktion an der Mauerstraße ist aktuell gefährdet, da privat initiierte Erinnerungsorte nach Ansicht des Bezirksamts Mitte nur temporär bestehen und verschwinden sollen. Aktuell liegt der Fall beim Berliner Verwaltungsgericht.<ref>Protest gegen Denkmalpolitik Tabula rasa in Berlins Mitte? In Mitte könnte nicht nur das „Trostfrauenstatue“ weichen müssen. Auch andere Erinnerungsorte sind gefährdet. Linke und SPD sind alarmiert. taz vom 14. Februar 2025</ref>

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Bekannte Gemeindeglieder

Siehe auch

Literatur

  • Jürgen Boeckh: Alt-Berliner Stadtkirchen: 2 Bände, Berlin 1986, Haude & Spener (= Berlinische Reminiszenzen; Band 57–58), Band 2: Von der Dorotheenstädtischen Kirche bis zur St.-Hedwigs-Kathedrale, insbesondere S. 95–106. ISBN 3-7759-0289-9.
  • Monika Bönisch, Caspar Struckmann: Dem Kelch zuliebe Exulant: 250 Jahre Böhmisches Dorf in Berlin-Neukölln, Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung des Bezirks Neukölln zur 750-Jahr-Feier Berlins, Galerie im Körnerpark, Bezirksamt Neukölln von Berlin / Abteilung Volksbildung (Hrsg.), Berlin 1987, Hentrich (= Stätten der Geschichte Berlins; Band 19), ISBN 3-926175-10-9.
  • Johannes Knak: Festbüchlein der böhmisch-lutherischen Gemeinde der Bethlehems-Kirche zu ihrer hundertundfünfzigjährigen Jubelfeier am Sonntag Jubilate 1887 gewidmet von ihrem Pastor Johannes Knak, Berlin 1887, Selbstverlag, {{#invoke:Vorlage:URN|f|errHide=1|errNS=0|errClasses=error editoronly|errCat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Parameter:URN}}{{#if: | Vorlage:URN – Parameter 3= wird nicht mehr unterstützt; bitte verwende resolver=}}.
  • Günther Kühne, Elisabeth Stephani: Evangelische Kirchen in Berlin. 2. Auflage. CZV-Verlag, Berlin 1986, ISBN 3-7674-0158-4, S. 376.
  • Adolf Petranek: Festschrift zur hundertundfünfzigjährigen Gedenkfeier der Einweihung der Bethlehemskirche zu Berlin, hrsg. im Auftr. der Ältesten der evangelisch-reformierten-böhmischen Gemeinde, Berlin 1887, Luckhardt.
  • Udo Wißwede: Die Böhmische oder Bethlehemkirche in Berlin. In: Zeitschrift für Bauwesen. Jg. 65 (1915), Nr. 1, {{#invoke:Vorlage:URN|f|errHide=1|errNS=0|errClasses=error editoronly|errCat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Parameter:URN}}{{#if: | Vorlage:URN – Parameter 3= wird nicht mehr unterstützt; bitte verwende resolver=}}, S. 25–32 (mit zusätzlichen Abbildungen auf Blatt 7 im Atlas des Jahrgangs 1915, {{#invoke:Vorlage:URN|f|errHide=1|errNS=0|errClasses=error editoronly|errCat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Parameter:URN}}{{#if: | Vorlage:URN – Parameter 3= wird nicht mehr unterstützt; bitte verwende resolver=}}).

Weblinks

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Einzelnachweise

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