Bernhard I. von Hildesheim
Bernhard I. († 20. Juli 1153<ref>Ziegler, König Konrad III. (1138–1152). 1998, S. 275.</ref> in Walshausen bei Hildesheim) war von 1130 bis 1153 (Resignation) Bischof von Hildesheim.
Anfänge
Bernhard I. stammte aus einer edelfreien Familie. Eine genauere Zuordnung ist nicht möglich. Er war zunächst Leiter der Hildesheimer Domschule („Scholaster“) und wurde dann Dompropst in Hildesheim.<ref>Ziegler, König Konrad III. (1138–1152). 1998, S. 263.</ref>
Bischof
Am 28. März 1130 wurde er zum Bischof von Hildesheim gewählt.<ref>Ziegler, König Konrad III. (1138–1152). 1998, S. 262.</ref> Ein Datum zu seiner Investitur durch König Lothar III., der seine Wahl unterstützt haben soll, ist nicht überliefert.<ref>Ziegler, König Konrad III. (1138–1152). 1998, S. 263.</ref>
Zu Beginn seiner Amtszeit als Bischof gründete er das Augustinerkloster Stift der Augustiner-Chorherren bzw. Chorfrauen in Holle. Durch persönliche Besuche bei Papst Innozenz II. in Lüttich und auf dem Konzil zu Reims 1131 führte er die Heiligsprechung des Bischofs Godehard von Hildesheim zu Ende. Daraufhin gründete er 1133 das Godehardikloster in Hildesheim. 1135 weihte er das Kloster Amelungsborn. Im ehemaligen reichsunmittelbaren Kanonissenstift Ringelheim, das Konrad III. 1150 dem Hildesheimer Bischofsstuhl übergab, gründete er mit Mönchen aus St. Michael eine Benediktinerabtei.
Nach der Wahl Konrad III. am 7. März 1138 zum deutschen König suchte Bischof Bernhard I. sehr schnell Kontakt und traf sich im Juli 1138 zum ersten Mal, in Quedlinburg mit ihm. Auch in der Folgezeit hielt er sich mehrfach am Hof des Königs auf.<ref>Ziegler, König Konrad III. (1138–1152). 1998, S. 264ff.</ref> Wahrscheinlich 1139/1140 begab sich Bernhard auf eine Reise nach Rom, vielleicht auch um Unterstützung gegen die Auswirkungen des Streits zwischen Staufern und Welfen in seinem Bistum zu erhalten.<ref>Ziegler, König Konrad III. (1138–1152). 1998, S. 266.</ref> 1142 rief er alle bischöflichen Lehensträger und den Adel seiner Diözese zu einem Hoftag in Goslar zusammen. Aus der Zusammensetzung der Anwesenden wird geschlossen, dass er näheren Anschluss an die staufische Partei suchte.<ref>Ziegler, König Konrad III. (1138–1152). 1998, S. 268.</ref> 1143 wurde Konrad von Babenberg, Halbbruder König Konrad III., Mitglied in dessen Hofkapelle und später Bischof von Passau und Erzbischof von Salzburg, zum Dompropst von Hildesheim bestellt, was traditionell mit dem Amt des Archidiakons von Goslar verbunden war.<ref>Ziegler, König Konrad III. (1138–1152). 1998, S. 268f.</ref>
Insgesamt versuchte Bernhard I. eine neutrale Position zwischen den streitenden Parteien der Welfen und der Staufer einzunehmen.<ref>Ziegler, König Konrad III. (1138–1152). 1998, S. 267.</ref> Das wurde seitens des Königs mit wenig Wohlwollen gesehen und die Beziehungen zwischen ihm und Bischof Bernhard verschlechterten sich. Bernhard trennte die Ämter des Dompropstes von Hildesheim und des Archidiakons von Goslar und besetzte letzteres mit einem Parteigänger der Welfen. Der Streit eskalierte zusehends und Bernhard ignorierte ein unter anderem gegen diese Maßnahme gerichtetes Mandat von Papst Eugen III. Das Amt des Dompropstes übernahm 1148 oder 1149 Reinald von Dassel, späterer Erzbischof von Köln, der es bis dahin schon kommissarisch verwaltet hatte, nachdem Konrad von Babenberg zum Bischof von Passau gewählt worden war. Reinald von Dassel wiederum gehörte zur staufischen Partei.<ref>Ziegler, König Konrad III. (1138–1152). 1998, S. 272f.</ref>
Zentraler Teil der Auseinandersetzung war auch die Verfügungsgewalt über die Burg Winzenburg. Diese lag mitten im Bistum, war ein Lehen des Bistums an die Familie derer von Winzenburg und unter Lothar III. nicht mehr als Lehen an die Familie ausgegeben worden.<ref>Ziegler, König Konrad III. (1138–1152). 1998, S. 265.</ref> Bernhard I. wollte verhindern, dass dort wieder ein eigenes Machtzentrum entstand. Der derzeitige Chef des Hauses, Hermann II. von Winzenburg, war zudem ein Parteigänger der Staufer. Mit ihm wollte König Konrad III. das umliegende Gebiet für sich sichern und überließ die Burg 1150 Hermann II. Wohl als Kompensation übergab Konrad III. gleichzeitig das ehemalige reichsunmittelbare Kanonissenstift Ringelheim dem Hildesheimer Bischof. Der gründete dort mit Mönchen aus St. Michael eine Benediktinerabtei.<ref>Ziegler, König Konrad III. (1138–1152). 1998, S. 274.</ref> In der Nacht vom 29. auf den 30. Januar 1152 drangen Ministeriale von Hermann II., bei denen er wegen seines herrischen Wesens verhasst war, in die Winzenburg ein und töteten ihn und seine schwangere Frau.<ref>Ziegler, König Konrad III. (1138–1152). 1998, S. 275, 538f.</ref> Aufgrund des politischen Umfelds, in dem der Mord geschah, entstand selbstverständlich sofort der Verdacht, dass Bischof Bernhard hinter dem Komplott stand.<ref>Ziegler, König Konrad III. (1138–1152). 1998, S. 539.</ref>
Ende und Nachwirkung
Anfang 1153 endete die Amtszeit des schon seit einigen Jahren erblindeten Bischofs. Wie das ablief, dazu gibt es unterschiedliche Meinungen.
- Die Gesta Friderici I imperatoris von Otto von Freising berichtet, dass er auf der Reichsversammlung in Worms an Pfingsten 1153 durch die Kardinallegaten Bernhard von San Clemente und Gregor von Jacinto von Sant’Angelo in Pescheria sowie König Friedrich I. (Barbarossa) aus dem Amt entfernt wurde.<ref>Otto von Freising und Rahewin: Gesta Frederici seu rectius cronica / Die Taten Friedrichs oder richtiger Cronica (übersetzt von Adolf Schmidt, hg. von Franz-Josef Schmale. Darmstadt 1965, S. 299, Anm. 62).</ref>
- Nach anderer Ansicht resignierte der blinde Bischof, der sich den politischen Verhältnissen unter dem neuen Herrscher nicht mehr gewachsen sah.<ref>Goetting, Die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz. 1984, S. 375–377 (online).</ref>
Bernhard I. starb wenige Monate nach seiner Abdankung und wurde in der St.-Godehard-Basilika in Hildesheim begraben. Bald nach seinem Tod wurde er in Stadt und Stift Hildesheim als Seliger verehrt. Sein Gedenktag, der 20. Juli, war bis ins 18. Jahrhundert ein öffentlicher Feiertag. Bis heute ist er liturgischer Eigengedenktag in der Basilika St. Godehard.
Literatur
- Konrad Algermissen: Bernhard, Bischof von Hildesheim. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 2. Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).
- Friedrich Wilhelm Bautz: Bernhard I. von Hildesheim. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 1, Bautz, Hamm 1975. 2., unveränderte Auflage. Hamm 1990, ISBN 3-88309-013-1, Sp. 533–533.
- Hans Goetting: Die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz. Das Bistum Hildesheim 3. Die Hildesheimer Bischöfe von 815 bis 1221 (1227) (= Germania sacra. NF Band 20). De Gruyter, Berlin 1984, ISBN 978-3-11-010004-4, S. 339–383 (online).
- Wolfram Ziegler: König Konrad III. (1138–1152). Hof Urkunden und Politik (= Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters. Band 26). Böhlau, Wien u. a. 2008. ISBN 978-3-205-77647-5, S. 262–276.
Weblinks
Einzelnachweise
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| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
|---|---|---|
| Berthold I. von Alvensleben | Bischof von Hildesheim 1130–1153 | Bruno |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bernhard I. von Hildesheim |
| ALTERNATIVNAMEN | Bernhard I. |
| KURZBESCHREIBUNG | Bischof von Hildesheim |
| GEBURTSDATUM | 11. Jahrhundert oder 12. Jahrhundert |
| STERBEDATUM | 20. Juli 1154 |
| STERBEORT | Hildesheim |