Berliner Straße (Filmkulisse)
Die sogenannte Berliner Straße war eine für 15 Jahre errichtete Filmkulisse auf dem Gelände des Studios Babelsberg in Potsdam. Sie wurde 1998 errichtet und 2013 abgerissen.<ref>Abriss im Studio Babelsberg: Runter mit der Patina. „Tarantino und Polanski standen schon in der ‚Berliner Straße‘. Nun muss das Studio Babelsberg die berühmteste deutsche Außenkulisse abreißen.“ In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. November 2013</ref> 2014 wurde mit dem Bau einer neuen Berliner Straße begonnen, die 2016 in Betrieb ging und international unter dem Namen {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) vermarktet wird.<ref>Kulissen: Metropolitan Backlot. Abgerufen am 21. Dezember 2021.</ref>
Entstehung
Bereits zu DDR-Zeiten existierten bei der DEFA Pläne, auf dem Babelsberger Studiogelände einen Straßenzug im Originalmaßstab als ständige Kulisse für Außenaufnahmen zu errichten.<ref>Das Ende der Berliner Straße bei maz-online.de</ref> Das Vorhaben wurde jedoch aus Kostengründen nicht umgesetzt. Da es besonders für Verfilmungen mit historischen Szenarien immer schwerer und aufwendiger wurde, passende reale Straßenzüge zu finden und epochengerecht herzurichten, wurde der Plan, für diesen Zweck eine Großkulisse zu errichten, nach der politischen Wende und der deutschen Wiedervereinigung erneut aufgenommen, blieb aber zunächst nicht finanzierbar.
Im Jahr 1998 zeigte sich bei den Vorbereitungen zur Produktion des Films Sonnenallee, dass in Berlin keine reale Straße existierte, die den Anforderungen des Drehbuchs entsprach, so dass die Errichtung einer umfangreichen Kulissenanlage notwendig war. Das Filmprojekt ermöglichte die Finanzierung des lange beabsichtigten Baus. Unter Leitung des Szenenbildners Rainer Schaper entstand innerhalb von drei Monaten ein Straßenzug, der in seinem Aussehen nicht die tatsächliche Sonnenallee imitierte, sondern mit vorwiegend gründerzeitlichen Altbauten und anderen stilistischen Versatzstücken eine fiktive, aber klar als berlinerisch zu erkennende Umgebung darstellte.<ref>Eine Kulisse im Wandel bei Filmportal.de</ref>
Dimensionen
Die gesamte Kulissenanlage der sogenannten Berliner Straße nahm eine Fläche von etwa 7000 m² ein, davon waren 3000 m² Straßenpflasterung und 1500 m² Bürgersteige und Freiflächen. Die Werte schwankten allerdings je nach den für Filmprojekte vorgenommenen Umbauten. Entlang der etwa 130 Meter langen Straße befanden sich zu beiden Seiten insgesamt 26 Häuserfassaden, die eine Höhe von bis zu 14 Metern aufwiesen. Die Fassadenkulissen waren an Stahlgerüste montiert, so dass auch umfangreichere Umgestaltungen und Umbauten möglich waren. Zur Sicherung der Standfestigkeit waren die Stahlkonstruktionen neun Meter tief im Boden verankert.<ref name="Holler">Grenzübergang Sonnenallee, Lothar Holler</ref>
Verwendung
Eine dauerhafte Außenkulisse wie diese war in ihrer Art und Größe in Europa einzigartig. Es ließen sich hier Schwierigkeiten vermeiden, die bei Dreharbeiten in realen Innenstadtstraßen unvermeidbar sind. Seit ihrer ersten Nutzung in Sonnenallee diente die Berliner Straße von Studio Babelsberg als Kulisse für über 350 Filmproduktionen,<ref name="DW_08_14" /> darunter Herr Lehmann, Der Tunnel, Mein Führer, Der Pianist, Rosenstraße, Beyond the Sea, Tage des Zorns, Der Vorleser, Inglourious Basterds, Boxhagener Platz, Russendisko und Rubbeldiekatz <ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />tip: „100 Jahre Babelsberg: Die Berliner Straße“ ( des Vorlage:IconExternal vom 31. März 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., www.tip-berlin.de (aufgerufen am 27. Februar 2012)</ref> sowie Fernsehproduktionen wie Nacht über Berlin und Unsere Mütter, unsere Väter.<ref>Selbstdarstellung Studio Babelsberg (Facebook), abgerufen am 5. April 2013.</ref>
Ein ständiges Team von über 30 Personen, das im Bedarfsfall vergrößert wurde, passte den Straßenzug den Erfordernissen der jeweiligen Filmproduktion an. Während die Berliner Straße meistens tatsächlich eine typische Straße Berlins jedweder Epoche verkörperte, nahm sie durch Umgestaltung beispielsweise die Gestalt Pariser, New Yorker, Chicagoer, Kopenhagener oder Warschauer Straßenzüge an.
Abriss
Das Gelände für die Kulissen war nur gepachtet.<ref name="Tagesspiegel_12_15" /> Für die Erweiterung des Campus der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ und zur Errichtung von Wohnungen und einer Kita wurden die Kulissen Ende 2013 abgerissen.<ref>Jana Haase: Fakten zum Quartier: Die Villen am Filmpark: Mehr als 100 Jahre Filmgeschichte. In: Potsdamer Neueste Nachrichten. 20. Dezember 2016 (pnn.de [abgerufen am 21. Dezember 2021]).</ref>
Neue Berliner Straße
Mit dem Bau der neuen und moderneren Außenkulisse Neue Berliner Straße wurde 2014 begonnen (Lage
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}}). Dazu wurden für sieben Millionen Euro Grundstücke der ehemaligen Fabrikhallen des Babelsberger Werks des Maschinenbauunternehmens Orenstein & Koppel (später Lokomotivbau Karl Marx Babelsberg) erworben.<ref name="DieWelt_05_16" /> Sie wurde mit rund 15.000 m² mehr als doppelt so groß geplant wie die bisherige Berliner Straße mit etwa 7.000 m² (siehe Abschnitt Dimensionen). Der Neubau aus 500 Tonnen Stahl sollte achteinhalb Millionen Euro kosten.<ref name="DieWelt_05_16" /> Die Grundsteinlegung erfolgte bereits am 5. August 2014; der eigentliche Bau wurde aber auf den Dezember 2015 verschoben.<ref name="DW_08_14" /><ref name="Tagesspiegel_12_15" /><ref>Baustart für „Neue Berliner Straße“ im Studio Babelsberg. Berliner Morgenpost, 15. Dezember 2015, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 16. April 2019.</ref> Geplant wurde eine Außenkulisse mit Straßenzügen in unterschiedlichen Architekturstilen, bestehend aus klassischen Fassadenrücksetzern, die in Kombination mit Blue- und Greenscreen-Aufnahmeverfahren flexibel einsetzbar sind. Für die Finanzierung bedurfte es, ähnlich wie bei der Sonnenallee, eines größeren Filmprojektes. Als die Finanzierung der Fernsehserie Babylon Berlin für die erste Staffel sichergestellt schien, wurde mit dem Bau begonnen. Im Mai 2016 wurde die Neue Berliner Straße eröffnet und für die Dreharbeiten zur Fernsehserie Babylon Berlin erstmals genutzt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.</ref> Dafür wurden vier Straßen inklusive eines Platzes in das Berlin der 1920er Jahre versetzt.<ref>ARD und Sky kooperieren mit Tom Tykwer – Babylon Berlin wird teuerste deutsche Serie. In: tagesspiegel.de, abgerufen am 10. Februar 2016</ref>
International wird sie unter dem englischen Namen {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) („großstädtische Außenkulisse“) vermarktet.
Produktionen, die im Kulissenviertel Neue Berliner Straße / Metropolitan Backlot entstanden sind (Auswahl)<ref>Studio Babelsberg, Metropolitan Backlot: Referenzen. In: metropolitanbacklot.com. Abgerufen am 6. März 2015.</ref>:
- Babylon Berlin, Serie (Staffeln 1–5)
- Mute, Kinofilm
- Ein verborgenes Leben, Kinofilm
- Berlin Station, Serie
- Das schweigende Klassenzimmer, Kinofilm
- Die Neue Zeit, Serie
- Traumfabrik, Kinofilm
- Ich war noch niemals in New York, Kinofilm
- Fabian oder Der Gang vor die Hunde, Kinofilm
- Gnadenlos (Clancy), Kinofilm
- L'état et moi – Der Staat und ich, Kinofilm
- München – Im Angesicht des Krieges, Kinofilm
- Matrix Resurrections, Kinofilm
Weblinks
- Offizielle Internetpräsenz der Studio Babelsberg AG für die Neue Berliner Straße/Metropolitan Backlot
- Marguerite Seidel: „Sonnenallee“ und Warschauer Getto in einem. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. September 2009.
Einzelnachweise
<references> <ref name="DW_08_14">Babelsberg baut "Neue Berliner Straße". In: Deutsche Welle. 5. August 2014, abgerufen am 10. Februar 2016.</ref> <ref name="Tagesspiegel_12_15">Eine Stadt für alle Fälle. Babelsberg bekommt eine neue „Berliner Straße“. In: Tagesspiegel Online. 27. Dezember 2015, abgerufen am 12. Mai 2016.</ref> <ref name="DieWelt_05_16">Elmar Krekeler: Ein Traum wird wahr, Berlin ohne Berliner – Neue Berliner Straße im Filmstudio. In: Die Welt. 1. Mai 2016, abgerufen am 12. Mai 2016.</ref> </references>
Koordinaten: 52° 23′ 27,9″ N, 13° 7′ 8,7″ O
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