Benzinvergiftung
Eine Benzinvergiftung kann aufgrund der Aufnahme des Körpers von Motorenbenzin entstehen. Hauptaufnahmewege sind Atemwege, Haut und Verdauungstrakt. Unterschieden werden akute und chronische Vergiftung.
Akute Vergiftung
Eine akute Vergiftung kann u. a. durch Einatmen in Industriebetrieben oder beim Ansaugen verstopfter Benzinleitungen auftreten. Dies führt zu heftigen Reizerscheinungen in Mund, Magen und Darm, sowie zu Atemnot und Krämpfen bis hin zur Bewusstlosigkeit.<ref name="curschmann">Hans Curschmann, Arthur Jores: Lehrbuch der speziellen Therapie innerer Krankheiten. Springer, Berlin / Heidelberg 1947, S. 228.</ref> Bei einer oralen Aufnahme besteht die Gefahr des Spontanerbrechens und des Eindringens des Erbrochenen in die Luftröhre. Als minimale letale Dosis wurden beim Erwachsenen Mengen von 7,5 ml/kg Körpergewicht,<ref>Franz-Xaver Reichl: Taschenatlas der Toxikologie: Substanzen, Wirkungen, Umwelt. Thieme, 2002, ISBN 3-13-108972-5, S. 88.</ref><ref name="kühn">Hans A. Kühn, Joachim Schirmeister: Innere Medizin: Ein Lehrbuch für Studierende und Ärzte. Springer, 1989, ISBN 3-540-19395-2, S. 1320.</ref> bei Kleinkindern eine absolute Menge von 10 ml<ref name="rehn">Jörg Rehn (Hrsg.): Unfallverletzungen bei Kindern: Prophylaxe, Diagnostik, Therapie, Rehabilitation. Springer, 1974, ISBN 3-540-06671-3, S. 53.</ref> Benzin beobachtet.
Chronische Vergiftung
Charakteristisch bei der chronischen Vergiftung ist die toxisch bedingte Aplastische Anämie, auch Schleimhautblutungen kommen vor.<ref>Heinz Lüllmann, Klaus Mohr, Lutz Hein: Pharmakologie und Toxikologie: Arzneimittelwirkungen verstehen - Medikamente gezielt einsetzen; ein Lehrbuch für Studierende der Medizin, der Pharmazie und der Biowissenschaften, eine Informationsquelle für Ärzte, Apotheker und Gesundheitspolitiker. Thieme, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-13-368517-7, S. 567.</ref> Hans Curschmann und Arthur Jores nannten zusätzlich Depressionszustände, Tremor, Polyneuritis und Nephritis.<ref name="curschmann" />
Allgemeine Folgen
Zu den Folgen bei Resorption zählen Kopfschmerzen, Schwindel, Euphorie, gefolgt von Trunkenheit, starke Erregung, Tremor, Zyanose, Krämpfe, tiefe Narkose, Reflexlosigkeit, schließlich Kreislaufversagen und tödliche Atemlähmung. Als Komplikationen drohen ferner Nieren-, Pankreas- und Leberschäden.
Therapie
Bei akuten Vergiftungen wird initial mit Paraffinöl behandelt. Bei größerer Aufnahme kommt eine vorsichtige Magenspülung in der Trendelenburg-Lagerung in Frage, wobei auf einwandfrei abdichtende Intubation geachtet werden muss.<ref name="kühn" /> Um einer Lungenentzündung durch Aspiration oder Ausscheidung vorzubeugen, kommen Antibiotika zur Abschirmung zum Einsatz.<ref name="rehn" />
Geschichte
Benzinvergiftungen wurden bereits im frühen 20. Jahrhundert ausgiebig behandelt, als es in der Industrie zu zahlreichen Vergiftungsfällen kam. Hans Dorendorf beschrieb 1901 zwei Fälle von Arbeitern einer Kautschukfabrik, die an der Berliner Charité behandelt wurden.<ref>Hans Dorendorf: Benzinvergiftung als gewerbliche Erkrankung. In: Zeitschrift für klinische Medizin. 43 (1901), S. 42ff.</ref> Kulkow beschrieb 1926 eine Massenvergiftung in einer Fabrik und erwähnte neben allgemeinen Vergiftungssymptomen auch Fälle mit deutlich ausgeprägter Neurose in Form hysterischer Anfälle.<ref>A. E. Kulkow: Beiträge zur Klinik der gewerblichen Vergiftungen. In: Zeitschrift für die gesamte Neurologie und Psychiatrie. Dezember 1926, Volume 103, Issue 1, S. 435–454.</ref> Rosenstein und Rawkin hatten bis 1929 55 Patienten beobachtet und untersucht.<ref>L. M. Rosenstein, J. G. Rawkin: Psychopathologie der gewerblichen Massenvergiftung. In: Zeitschrift für Neurologie. Dezember 1929, Volume 122, Issue 1, S. 1–22.</ref> 44 dokumentierte Fälle wurden 1941 von Peter Jost Knabenhans zusammengefasst.<ref>Peter Jost Knabenhans: Über psychische Symptome bei Vergiftungen mit modernen gewerblichen Lösungsmitteln. Orell Füssli, 1941.</ref>
Therapeutisch setzte man bei akuten Vergiftungen auf Zufuhr frischer Luft, Inhalation von Sauerstoff, Spülungen von Magen und Darm, Adsorptionsmittel, Herzmittel sowie intravenös Kochsalz und Traubenzucker. Bei der chronischen Vergiftung kamen zusätzlich noch Bluttransfusionen und eine Lebertherapie zum Einsatz.<ref name="curschmann" />
Literatur
- Keeser, Froboese, Turnau, Gross, Kuss, Ritter, Wilke: Toxikologie und Hygiene des Kraftfahrwesens (Auspuffgase und Benzine). Springer, Berlin / Heidelberg 1930.
- Else Petri: Pathologische Anatomie und Histologie der Vergiftungen. Springer, Berlin/Heidelberg 1930, S. 349ff.
Weblinks
- Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA (JavaScript erforderlich)
Einzelnachweise
<references />