Bauconducteur
Bauconducteur oder Baukondukteur ist eine historische Bezeichnung für einen niederen Baubeamten im späten 17. bis frühen 20. Jahrhundert, dem die unmittelbare Aufsicht über einzelne staatliche Baumaßnahmen anvertraut war. Nach heutigem Verständnis handelte es sich um beamtete Bauingenieure und Architekten, so waren zum Beispiel 1824 die Gründer des Architekten-Vereins zu Berlin überwiegend Bauconducteure. Die Rahmenbedingungen, unter denen die Bauconducteure ausgebildet wurden und arbeiteten, waren in den deutschen Staaten, in deren Provinzen und in den Großstädten unterschiedlich, darüber hinaus gab es auch bei der Eisenbahn und der Post Bauconducteure.
Ursprung des Berufs
Die Hüttenmeister in den Bauhütten der Gotik und Renaissance vereinigten auf sich die handwerklichen Tätigkeiten von Steinmetz und Bildhauer, die organisierende Funktion des Bauleiters, und die gestaltende Aufgabe des Architekten.<ref Name="Eisenmenger 6"/> Als Architekten traten gelegentlich auch die Bauherren oder renommierte auswärtige Künstler auf. In den Städten waren der Zugang zu den Bauberufen und ihre Ausübung durch die Zünfte geregelt.<ref Name="Kalusche 112"/> Unabhängig neben den Zünften existierten die Hütten als kirchliche oder städtische Baubetriebe, die Aufträge an Meister vergaben und selbst Meister und Angehöriger zunftfreier Berufe beschäftigten.<ref Name="Eisenmenger 26"/> Ab etwa 1660 waren die Baumeister der großen Kirchen und herrschaftlichen Schlösser nicht mehr selbständige Handwerker, sondern angestellte Oberbaudirektoren, Baukondukteure, Festungsbaumeister und Ingenieure.<ref Name="Kalusche 113"/> Zu einem wesentlichen Teil der Ausbildung der Baumeister, oft auf einen erlernten Bauberuf aufbauend, wurden Reisen zu den Bauten in Italien und England, die als Vorbild der neuen Bauwerke dienten.<ref Name="Eisenmenger 34"/> Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts trat die Ausbildung in einer Bauhütte gegenüber der Lehrlingszeit in einem Baubüro oder einem Bauamt, dem Studium von Schriften zur Architektur und einem Studium an einer Schule oder Hochschule in den Hintergrund.<ref Name="Kalusche 113"/><ref Name="Eisenmenger 54"/>
Die Bautätigkeit der regierenden Fürsten und das Wachstum der Städte führten am Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert zu einem steigenden Bedarf an gut ausgebildeten Baubeamten. In Preußen wurde 1799 die Königliche Bauakademie gegründet. Die Ausbildung führte in eineinhalb Jahren zur Feldmesserprüfung, die bereits die Möglichkeit der staatlichen Prüfung zum Bauconducteur eröffnete. Nach zweieinhalb Jahren konnte die Baumeisterprüfung abgelegt werden.<ref Name="Kalusche 121"/> Ab 1823 entstanden in den deutschen Staaten Baugewerkschulen mit baupraktischer Ausrichtung, in denen Bauhandwerker zu Baumeistern und Bautechnikern ausgebildet wurden.<ref Name="Kalusche 116"/> Daneben entstanden Technische Hochschulen und Architekturstudiengänge an Universitäten, deren Ausbildungen an der Theorie orientiert waren und zum Ingenieursdiplom oder zur Promotion führten.<ref Name="Kalusche 125–131"/>
Im frühen 20. wurden die Bezeichnungen „Bauconducteur“ und „Baubeamter“ aufgegeben, an ihre Stelle traten beamtete Ingenieure und Architekten mit anders abgegrenzten Tätigkeitsfeldern und anderen Amtsbezeichnungen. Der Bauconducteur wurde so beispielsweise zum Regierungsbauführer, mit der Aufstiegsmöglichkeit zum Regierungsbaumeister.<ref Name="Scheffler"/>
Tätigkeit
Bedeutende Baumaßnahmen durften nicht ohne Beteiligung eines Bauconducteurs begonnen werden. Der Bauconducteur war dem Bauinspektor unterstellt, und ihm oblag die Aufsicht über die Meister und die nicht zunftgebundenen Handwerker und Arbeiter. Zu seinen Aufgaben gehörte die Überwachung der Einhaltung der Baupläne, der Zeitplanung und des Budgets. Er durfte und sollte alle Maßnahmen ergreifen, die geplante Bauzeit und den Kostenrahmen einzuhalten und möglichst zu unterschreiten. Dazu erstattete er dem Bauinspektor regelmäßig Bericht.<ref Name="Krünitz"/>
Eine der wichtigsten Aufgaben des Bauconducteurs war die Materialwirtschaft, der Bauconducteur war für die Bereitstellung der Materialien und für den monatlichen Nachweis ihrer Verwendung verantwortlich. Er war, im Unterschied zum Bauinspektor, während der Bauarbeiten auf der Baustelle und erfasste täglich und wöchentlich zu Abrechnungszwecken die geleistete Arbeit.<ref Name="Krünitz"/>
Bauconducteure erhielten neben ihrem festen Gehalt oft beträchtliche Spesenzuschläge bei auswärtiger Unterbringung, es gab aber auch Bauconducteure, die kein festes Gehalt erhielten. Sie hatten die Möglichkeit, bei erwiesener Eignung zum Bauinspektor oder anderen Ämtern aufzusteigen.<ref Name="Krünitz"/>
Literatur
- Mathias Eisenmenger: Der Architekt. Das zukünftige Berufsbild unter Berücksichtigung seiner Verantwortung als Baumeister, Dissertation, Universität Kassel 2006, zugleich kassel university press, Kassel 2007, ISBN 978-3-89958-252-9, {{#if: |{{#if:||{{#if:Online PDF|Online PDF|Digitalisat}}}}|{{#if: |{{#if:|[https://www.archive.org/details/{{{IA}}}}} {{#if:||{{#if:Online PDF|Online PDF|Digitalisat}}}}|{{#if:
|{{#if:||{{#if:Online PDF|Online PDF|Digitalisat}}}}|{{#if:||{{#if:Online PDF|Online PDF|Digitalisat}}}}}}}}}}Vorlage:WartungsURL 2,6 MB, abgerufen am 17. Februar 2014.
- Wolfdietrich Kalusche: Zur Geschichte der Ausbildung von Architekten. In: Derselbe (Hrsg.): Praxis, Lehre und Forschung in der Bauökonomie, Baukosteninformationszentrum Deutscher Architektenkammern, Stuttgart 2005, S. 110–136, {{#if: |{{#if:||{{#if:Online PDF|Online PDF|Digitalisat}}}}|{{#if: |{{#if:|[https://www.archive.org/details/{{{IA}}}}} {{#if:||{{#if:Online PDF|Online PDF|Digitalisat}}}}|{{#if:
|{{#if:||{{#if:Online PDF|Online PDF|Digitalisat}}}}|{{#if:||{{#if:Online PDF|Online PDF|Digitalisat}}}}}}}}}}Vorlage:WartungsURL 730 kB, abgerufen am 17. Februar 2014.
Einzelnachweise
<references> <ref Name="Eisenmenger 6">Mathias Eisenmenger: Der Architekt, S. 6.</ref> <ref Name="Eisenmenger 26">Mathias Eisenmenger: Der Architekt, S. 26.</ref> <ref Name="Eisenmenger 34">Mathias Eisenmenger: Der Architekt, S. 34.</ref> <ref Name="Eisenmenger 54">Mathias Eisenmenger: Der Architekt, S. 54.</ref> <ref Name="Kalusche 112">Wolfdietrich Kalusche: Zur Geschichte der Ausbildung von Architekten, S. 112.</ref> <ref Name="Kalusche 113">Wolfdietrich Kalusche: Zur Geschichte der Ausbildung von Architekten, S. 113.</ref> <ref Name="Kalusche 116">Wolfdietrich Kalusche: Zur Geschichte der Ausbildung von Architekten, S. 116.</ref> <ref Name="Kalusche 121">Wolfdietrich Kalusche: Zur Geschichte der Ausbildung von Architekten, S. 116.</ref> <ref Name="Kalusche 125–131">Wolfdietrich Kalusche: Zur Geschichte der Ausbildung von Architekten, S. 125–131.</ref> <ref Name="Krünitz">Johann Georg Krünitz: Bau-Conducteur. In: Derselbe: Oeconomische Encyclopädie oder Allgemeines System der Land-, Haus- und Staats-Wirthschaft in alphabetischer Ordnung. 2. Auflage, Band 3, Pauli, Berlin 1782.</ref> <ref Name="Scheffler">Karl Scheffler: Der Architekt, Rütten und Loening, Frankfurt (Main) 1907, S. 49.</ref> </references>