Batrachotoxin
Batrachotoxin (BTX) (von Vorlage:GrcS und Vorlage:Lang)<ref>Vorlage:Literatur</ref><ref>Vorlage:Literatur</ref> ist ein extrem potentes neurotoxisches Steroid-Alkaloid (Pregnan-Derivat) aus der Haut südamerikanischer Pfeilgiftfrösche der Gattung Blattsteiger (Phyllobates). Es wurde auch in Haut und Gefieder verschiedener Vögel Neuguineas gefunden.<ref name="Tidwell" />
Wissenschaftliche Entdeckung der Gifttiere
Die Existenz von Gifttieren war den Ureinwohnern zwar schon viele Jahrtausende bekannt, Batrachotoxin wurde jedoch erst in den 1960er Jahren in kolumbianischen Pfeilgiftfröschen der Blattsteiger wissenschaftlich beschrieben. In den 1990er Jahren stellte sich heraus, dass die Haut und die Federn des in Neuguinea lebenden Zweifarbenpitohuis (Pitohui dichrous) ebenfalls Batrachotoxin enthalten.<ref name="Tidwell" /> Auch Pitohui ferrugineus und Mohrenpitohui (Pitohui nigrescens) sowie der Blaukappenflöter (Ifrita kowaldi) aus Neuguinea tragen das Gift in ihren Federn.<ref name="Tidwell">John Tidwell: Vorlage:Webarchiv In: ZooGoer, 2001, Band 30, Nr. 2., 2001.</ref> Die Frösche dagegen weisen tödliche Dosen des Giftes auf, insbesondere der Schreckliche Pfeilgiftfrosch (Phyllobates terribilis), dessen Giftmenge zehn erwachsene Menschen töten könnte.
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Zweifarbenpitohui (Pitohui dichrous)
Wirkung
Batrachotoxin hat keine Wirkung auf gesunder Haut, verursacht jedoch bei der kleinsten Verletzung einen starken, lang anhaltenden Schmerz, ähnlich einem Bienenstich. Orale Aufnahme führt nur bei krankhaften Zuständen des Magen-Darm-Traktes zu Vergiftungen.<ref name="Römpp" /> Es hemmt die Inaktivierung der Natriumkanäle, es ist also ein Krampfgift. Berührung der Haut und Federn z. B. mit den Lippen verursacht Kribbeln und Taubheit. Die tödliche Dosis wird für den Menschen auf 1 bis 2 µg/kg Körpergewicht geschätzt. Damit ist das Toxin etwa zehnmal stärker als Tetrodotoxin. Es ist das zurzeit giftigste bekannte Steroidalkaloid.
Quelle des Giftes
Weder Frösche noch Vögel scheinen imstande, Batrachotoxin metabolisch herzustellen. Da die Frösche regional unterschiedlich giftig sind und sie in Gefangenschaft ihre Giftigkeit verlieren, wurde vermutet, dass die Tiere das Gift mit der Nahrung aufnehmen und anreichern. Durch Befragung papuanischer Ureinwohner wurden als Giftquelle Käfer der Gattung Choresine aus der Familie Melyridae wahrscheinlich gemacht; mit ihnen verwandte Käfer kommen auch in Kolumbien vor.<ref>Stephanie Greenman Stone, Pat Kilduff: Vorlage:Webarchiv Newsroom der California Academy of Sciences, 12. Oktober 2004.</ref><ref>John P. Dumbacher, Avit Wako, Scott R. Derrickson, Allan Samuelson, Thomas F. Spande, John W. Daly: Melyrid beetles (Choresine): A putative source for the batrachotoxin alkaloids found in poison-dart frogs and toxic passerine birds. In: PNAS, 101, Nr. 45, 2004, S. 15857–15860; doi:10.1073/pnas.0407197101.</ref><ref>Bethany Halford: Birds and beetles: A toxic trail. In: Chemical & Engineering News, 82, Nr. 45, 2004, S. 17.</ref>
Analytik
Zur qualitativen und quantitativen Bestimmung von Batrachotoxin eignet sich nach angemessener Probenvorbereitung des Untersuchungsmaterials die Kopplung der HPLC oder Gaschromatographie mit der der Massenspektrometrie.<ref>F. Protti-Sánchez, L Quirós-Guerrero, V Vásquez, B Willink, M Pacheco, E León, H Pröhl, F Bolaños: Toxicity and Alkaloid Profiling of the Skin of the Golfo Dulcean Poison Frog Phyllobates vittatus (Dendrobatidae). In: J. Chem. Ecol., Dezember 2019, 45(11-12), S. 914–925; PMID 31802386.</ref><ref>Y Shiraishi, T Ogawa, T Suzuki, M Iwai, M Kusano, K Zaitsu, F Kondo, A Ishii, H Seno: Simultaneous quantification of batrachotoxin and epibatidine in plasma by ultra-performance liquid chromatography/tandem mass spectrometry. In: Leg Med (Tokyo), März 2017.25, S. 1–5; PMID 28457503.</ref><ref>D Mebs, JV Alvarez, W Pogoda, SW Toennes, G Köhler: Poor alkaloid sequestration by arrow poison frogs of the genus Phyllobates from Costa Rica. In: Toxicon, März 2014, 80, S. 73–77; doi:10.1016/j.toxicon.2014.01.006, PMID 24467995.</ref><ref>JP Dumbacher, TF Spande, JW Daly: Batrachotoxin alkaloids from passerine birds: a second toxic bird genus (Ifrita kowaldi) from New Guinea. In: Proc Natl Acad Sci U S A., 21. November 2000, 97(24), S. 12970–12975; PMID 11035772.</ref>
Umgang des Menschen mit Batrachotoxin
Im westlichen Kolumbien verwenden Noanamá-Chocó- und Emberá-Chocó-Indianer Batrachotoxin als Pfeilgift für Blasrohre.
Die Giftvögel Neuguineas werden durch die indigene Bevölkerung vor dem Verzehr traditionell sorgfältig gehäutet.<ref name="Tidwell" />
Ein potenzielles Antidot zu Batrachotoxin stellt das seinerseits hochgiftige Tetrodotoxin dar, das Gift des Kugelfisches, das die Natriumkanäle am Nervenaxon blockiert.<ref name="Römpp" />
Literatur
- J.P. Dumbacher et al.: Melyrid beetles (Choresine): a putative source for the batrachotoxin alkaloids found in poison-dart frogs and toxic passerine birds. In: Proc. Natl. Acad. Sci. U.S.A., 2004, Band 101, S. 15857–15860. PMID 15520388; pnas.org (PDF).
Weblinks
- Schutz vor eigenem Gift: Überlebenstrick der Goldenen Pfeilgiftfrösche. deutschlandfunk.de, 5. September 2017.
Einzelnachweise
<references />
- Seiten, in denen die maximale Größe eingebundener Vorlagen überschritten ist
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- Pyrrol
- Azepan
- Alkylcyclohexen
- Cyclopenten
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- Sauerstoffhaltiger gesättigter Heterocyclus
- Alkylsubstituierter Heteroaromat
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