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Bankhaus Wölbern & Co.

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
  Sandtor Abwicklungsgesellschaft GmbH & Co. KG
Sitz am Sandtorkai 54
Ehemals Sitz des Bankhauses Wölbern
Staat DeutschlandDatei:Flag of Germany.svg Deutschland
Sitz Hamburg
Rechtsform AG & Co. KG
Gründung 1. Januar 1956
Geschäftsdaten 30.11.2015<ref name="GDaten">Jahresabschluss zum 30. November 2015 im eBundesanzeiger</ref>Vorlage:Infobox Kreditinstitut/Wartung/Daten veraltet
Bilanzsumme 71,1 Mio. Euro
Einlagen 0,3 Mio. Euro
Kundenkredite 59,6 Mio. Euro
Mitarbeiter 22
Leitung
Vorstand Heinz Arno Wascheck (Abwickler)
Ulrich Wieczorek (Abwickler)
Aufsichtsrat Wolfgang Sprißler (Vorsitzender)

Das Bankhaus Wölbern & Co. (AG & Co. KG) war ein Finanzinstitut mit Banklizenz. Die Bankerlaubnis wurde Anfang Juni 2016 an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht zurückgegeben<ref>Bundesverband deutscher Banken: Bankhaus Wölbern & Co hat seine Türen endgültig geschlossen. In: bankenverband.de. Abgerufen am 12. Juli 2016.</ref>, die Firma besteht als Sandtor Abwicklungsgesellschaft GmbH & Co. KG fort.

Geschichte bis 2006

Das Bankhaus Wölbern & Co. wurde am 1. Januar 1956 als Kommanditgesellschaft vom Hamburger Kaufmann Ernst Wölbern († 1976)<ref name="spi82">Gut getarnt im Dickicht der Firmen – Neue Heimat: Die dunklen Geschäfte von Vietor und Genossen. In: Der Spiegel. Nr. 32, 1982, S. 92–104 (online).</ref> als persönlich haftendem Gesellschafter zusammen mit weiteren Kommanditisten gegründet. Die Bank verstand sich als Nachfolger des 1816 in Berlin gegründeten Bankhauses E. J. Meyer.

1967 gründeten Ernst Wölbern und sein Sohn Claus Wölbern, beide damals Gesellschafter der Bank, als Strohmänner die Wölbern Hausbau Gesellschaft. Mit dieser machten Albert Vietor und andere Manager des gewerkschaftseigenen Bau- und Wohnungsunternehmens Neue Heimat hohe Gewinne auf Kosten ihres Unternehmens. Diese Neue-Heimat-Affäre mit einem Gesamtschaden von über 100 Millionen Mark wurde erst 1982 aufgedeckt<ref name="spi82" /> und führte zum dauerhaften Ende des gewerkschaftlichen Wohnungsbaus.

Ab 1969 ging das Bankhaus in den Besitz anderer Banken über. Zunächst war die Hamburger Sparkasse beteiligt (1969–1978). Persönlich haftende Gesellschafter waren 1978 Ove Franz, Albert Jäger (* 1923 in Merzien, Mitinhaber seit 1968, zuvor Bankier bei der Deutschen Bank und Bank für Gemeinwirtschaft)<ref>Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 573.</ref> und Claus Wölbern.<ref>Privatbanken sind gefragt. Hamburger Abendblatt, 27. Mai 1978, abgerufen am 13. Dezember 2017.</ref> Dann gehörte die Wölbern-Bank mehrheitlich der niederländischen Slavenburg’s Bank (1979–1985) bzw. vollständig deren Käufer, der niederländischen Tochter der französischen Großbank Crédit Lyonnais (1985–1995), anschließend der südafrikanischen Großbank Absa Bank (1995–2004) bzw. deren späterem Mehrheitseigner, der britischen Großbank Barclays (2004–2006).

Seit vielen Jahren war die Wölbern-Bank schwerpunktmäßig tätig als Emissionshaus von geschlossenen Investmentfonds, hierunter vielen ausländischen Immobilienfonds. Das Kreditgeschäft bot u. a. Leihkapital zum Kauf der hauseigenen Investmentfondsanteile an.

Erwerb durch Heinrich Maria Schulte und Wölbern Invest AG

Der Investor Heinrich Maria Schulte (* 1953), der bis 1993 Professor für Innere Medizin an der Universität Kiel war und das von ihm gegründete Biotechunternehmen Evotec im Börsenboom 1998 erfolgreich verkaufte, erwarb 2006 das Bankhaus<ref>Hirsch bleibt Vorstandschef: Hamburger Professor kauft Wölbern-Bank. In: Handelsblatt. 3. Januar 2006, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 28. September 2013; abgerufen am 21. November 2024.</ref> und strukturierte es um. Ab dem 1. Januar 2007 wurden getrennt geführt:

  • das Fondsgeschäft (Wölbern Invest AG)
  • das Bankgeschäft (Bankhaus Wölbern)

„Die Bank wollte ich nie“, erklärte Schulte später im Prozess. Ihn interessierte einzig das Fondsgeschäft mit einem Volumen von 2,65 Milliarden Euro. Diese Sparte lieferte über 90 Prozent des Gesamtumsatzes.<ref name="fin">Medikus auf Abwegen – Heinrich Maria Schulte, der Arzt, der zu viel wollte am 27. April 2015 auf www.finanzen.net</ref>

In Form gewerbsmäßiger Untreue verwendete Heinrich Maria Schulte von August 2011 bis September 2013 in 327 Fällen rund 147 Millionen Euro aus 31 geschlossenen Immobilienfonds mit Vorsatz zweckwidrig. Etwa 50 Millionen Euro davon verschob er in private Beteiligungen und finanzierte damit seinen aufwendigen Lebensstil.<ref name="fin" /><ref name="spi14" /> Betroffen waren rund 35.000 Anleger.<ref name="spi15" /> Im Herbst 2013 wurde Schulte inhaftiert.<ref name="fin" /> Ab Mai 2014 lief vor dem Landgericht Hamburg ein Verfahren wegen Veruntreuung von Anlagegeldern.<ref name="spi14">Christoph Rottwilm: Wölbern: Prozess wegen Anlage-Skandal, Ex-Chef Schulte vor Gericht. In: Der Spiegel. 19. Mai 2014, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 21. November 2024]).</ref> Am 20. April 2015 wurde Schulte zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt, die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftdauer von zwölf Jahren beantragt.<ref name="spi15">Heinrich Maria Schulte: Ex-Wölbern-Chef muss achteinhalb Jahre in Haft. In: Der Spiegel. 20. April 2015, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 21. November 2024]).</ref><ref>Christoph Rottwilm manager: Wölbern-Prozess Urteil gegen Schulte. 20. April 2015, abgerufen am 21. November 2024.</ref> Die von Schulte gegen dieses Urteil eingelegte Revision hat der 5. Strafsenat des Bundesgerichtshofs am 13. Januar 2016 als offensichtlich unbegründet verworfen, das Urteil wurde damit rechtskräftig.<ref>Bundesgerichtshof. In: juris.bundesgerichtshof.de. Abgerufen am 22. Januar 2016.</ref> Die das Unternehmen beratende Anwaltskanzlei Bird & Bird wurde 2015 von den geschädigten Fonds wegen Beihilfe zur Untreue verklagt und 2022 in einem Grundurteil in erster Instanz zu einer Entschädigung verurteilt.<ref>Christoph Rottwilm: Wölbern Invest: Ex-Manager und Anwälte in Haft. In: manager magazin. 17. Oktober 2016, abgerufen am 3. Februar 2024.</ref><ref>Antje Neumann: Bird & Bird muss Wölbern-Fonds entschädigen. In: JUVE. 26. August 2022, abgerufen am 3. Februar 2024.</ref>

Bankhaus Wölbern ab 2007

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Logo von Bankhaus Wölbern & Co.

Das nunmehr vom Fondsgeschäft abgetrennte Bankhaus war von der Finanzkrise ab 2007 betroffen. Es wurde in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband deutscher Banken zunächst am 10. März 2009 von der Hamburger Privatbank M. M. Warburg & Co übernommen<ref>Daniela Stürmlinger, Kathrin Fichtel in Hamburger Abendblatt vom 18. April 2009. <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein. abgerufen am 18. April 2009</ref> und später in eine Zweckgesellschaft des Bundesverbands deutscher Banken übertragen. Im Jahresabschluss vom 30. November 2014 wurde bekanntgegeben, dass der Geschäftsbetrieb spätestens Ende 2016 eingestellt wird.<ref name="GDaten" /> Am 12. Dezember 2014 hat das Amtsgericht Hamburg mitgeteilt, dass die Gesellschaft aufgelöst sei. Liquidator ist die HFI Hansische Vermögensverwaltungs Aktiengesellschaft, Hamburg.<ref>@1@2Vorlage:Toter Link/www.handelsregister.deBekanntmachung des Amtsgerichts Hamburg (Seite dauerhaft nicht mehr abrufbar, festgestellt im November 2024. Suche im Internet Archive ), abgerufen am 13. September 2015</ref><ref>Der erste Fall für die Bad Bank: Bankhaus Wölbern wird abgewickelt. In: www.handelsblatt.com. Abgerufen am 1. Juni 2016.</ref>

Siehe auch

Einzelnachweise

<references />

Koordinaten: 53° 33′ 13,7″ N, 10° 1′ 20,8″ O

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